Autor Thema: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar  (Gelesen 445 mal)

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Skip

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Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
« Antwort #15 am: 02.05.2018, 17:47:46 »
Seinen Erfolg, den Zwerg in ein so ergiebiges Gespräch verwickelt zu haben, feierte Skip mit einem breiten Grinsen. Zu Gaston rief er über die Schulter: "Siehst du, in solchen Kategorien denkt und urteilt der Mann aus dem Volk, wenn's ihm schmeckt: ungekünstelt, ehrlich, gerade heraus. Diese Reaktion willst du bei deinen Gästen erzeugen, und eben keine Debatte darüber, aus wie vielen Einzelnoten sich das Bukett eines Weines zusammensetzt."

Dann machte auch er sich ans Essen. Da ihm darüber bereits nach wenigen Bissen langweilig wurde, und der Marquis noch immer nicht erschien, vertrieb Skip sich die Zeit damit, ein Zwerg zu sein. In Tiefwasser hatte er eine ganze Reihe zwergischer Kontakte und suchte sich nun für seine Zwecke einen Herrn namens Murgran Bulbarek heraus, auch 'Eisenfaust' genannt, ein hervorragender Schlosser und guter Bekannter. Und schon machte Skip sich auf zwergische Art, nur wenig feiner als Dolgrim Frostbart—immerhin war Murgran ein Stadtzwerg—über die Speisen her: er schmatzte wie ein Zwerg, rülpste wie ein Zwerg, schlug sich auf den Schenkel wie ein Zwerg (oder wahlweise mit der Faust auf die Brust) und verteilte großzügig Soße und einzelne Gemüsebrocken in seinem dafür eigentlich viel zu kurzen Bart, dass man die dafür notwendige Kunstfertigkeit bewundern musste. Dazwischen gab er vereinzelt Kommentare ab, in sonorer Basstimme, obwohl selbst allenfalls Bariton: "Schmeckt gut!" etwa oder, "Schmeckt noch besser!" Ja, wie er diesen vollen Brummton hinbekam, ohne eine Brust gleich einem Alefass aufzuweisen, war ein Rätsel! Und was grummelte er da gerade in seinen (noch immer viel zu kurzen) Bart? Es klang verdächtig nach (und zwar auf Zwergisch): "Beim Barte Moradins, was bist du für ein Plappermaul, Skip, da wird einem ja schwindelig, wenn man dir folgen will!"

So ganz zufrieden war Skip mit seiner Darstellung Murgrans nicht. Wer diesen aber nur flüchtig kannte, der könnte (bei geschlossenen Augen) zu dem Trugschluss gelangen, der alte Schlosser weilte leibhaftig unter ihnen.[1]

~~~

Skips erste Reaktion auf die Rede des Marquis war es, den Mund zu öffnen. Und wieder zu schließen. Er blickte zu Azrim. Dann zu Gaston. Dann kratzte er sich am Kopf, bevor er den Mund ein zweites Mal öffnete. "Wie verzweifelt muss die Fürstenallianz denn sein," wollte er fragen, "um jemanden wie mich auf eine solche Mission zu schicken? Wildnis? Eiswindtal? Riesen? Und Gaston? Soll er die Riesen bekochen, damit sie uns ihre Pläne verraten?" Wobei—ein misstrauischer Blick streifte den Halbling—womöglich hatte dieser ja all die Jahre, in denen man sich kannte, ein geheimes Doppelleben geführt? War schon die ganze Zeit für die Fürstenallianz unterwegs, als Informant oder gar, noch naheliegender, als Giftmörder?

Da bemerkte Skip, dass ihm der Mund noch immer offenstand. Er schloss ihn wieder.

Fragen drängten in seinen Kopf, von denen er die meisten nicht zu stellen wagte, denn sie bezeugten mit blamierender Unverkennbarkeit, dass Skip weder etwas von Kundschaften verstand noch in der Wildnis zurechtkam noch die allergeringste Ahnung von Riesen hatte. Erdkunde war auch nicht seine Stärke. Etwas konnte er aber sehr gut: die Lücken und Vagheiten in den Argumenten oder Äußerungen seiner Mitmenschen erkennen, welche zeigten, dass der Redner nicht halb so viel Ahnung von der Sache hatte, wie er vorgab, oder dass er absichtlich Information zurückhielt, oder dass er sie gar gleich übers Ohr hauen wollte.[2]

"Eine besondere Aufgabe, sagt Ihr, werter Marquis?" erkundigte Skip sich daher, mit wohldosierter Skepsis in der Stimme. "Verratet Ihr uns auch noch, worin diese besteht? Bis jetzt sind wir noch nicht weiter im Text als 'Begebt euch ins Eiswindtal!' Fürwahr, mehr habt Ihr uns noch nicht aufgetragen, wenn Ihr Euch Eure Worte in Erinnerung rufen wollt. Was also, klärt uns bitte auf, sollen wir im Eiswindtal tun?"
 1. Deception = 19
 2. Insight = 16
« Letzte Änderung: 17.05.2018, 13:14:11 von Skip »

Gaston

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« Antwort #16 am: 03.05.2018, 15:36:04 »
Als Skip über seine Kochkunst sprach und in diesem Zusammenhang auch noch über "F" sprach, würde Gaston augenblicklich still schien die Luft anzuhalten und lief rot an. Er glich nun mehr einem Teekessel als einem Halbling - einem Teekessel, der kurz vor der Explosion stand. "Wie kannst Du es wagen... ?! Oh, Skip, so redest Du nicht mit mir! Ich habe schon Hühner gerupft und Spargel geschält, da kanntest Du noch nicht einmal Deinen eigenen Namen, geschweige denn den einer Deiner Personae. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, habe unzählige Kartoffeln zerkocht und Rehrücken trocken werden lassen und habe mich beständig weiterentwickelt. Was ich heute bin, bin ich durch harte Anstrengung und zähen Ehrgeiz geworden - aber ohne Leidenschaft wäre ich nichts. Also erkläre mir nicht, dass ich... HALLO?! Skip, ich REDE MIT DIR!? Gaston rannte um den Tisch, um Skip wieder ins Gesicht sehen zu können, dass dieser wohlweißlich abgewandt hatte. "GLAUB JA NICHT, DASS ICH DIR DAS VERZEIHE, MIT "F" VERGLICHEN ZU WERDEN! Dieser Panscher und Scharlatan kommt daher, KOPIERT meine Rezepte - das will ich nur mal deutlich gesagt haben - und wirft mit Illusionszaubern um sich! Das hat nichts - ich betone NICHTS - mit Kochen zu tun. ALSO, ERWÄHNE NIE WIEDER DEN NAMEN VON "F" IN MEINER GEGENWART!"

In diesem Moment wurde Gaston glücklicherweise durch den Marquis unterbrochen. Dies half Gaston, sich einigermaßen zu beruhigen. Er konnte nur Skip nur noch leise zuraunen: "Glaube ja nicht, dass ich noch ein Wort mit Dir wechsel, bevor Du Dich nicht entschuldigt hast!"

Die Worte des Marquis erreichten Gaston kaum. Er war zu sehr damit beschäftigt, sich im Zaum zu halten. Er überlegte hin- und her wie er es Skip heimzahlen konnte. Doch im Zweifel, würde er noch eine ganze Reise Zeit haben und der Gedanke verschaffte ihm etwas Erleichterung, so dass er wieder etwas mehr dem Gespräch folgen konnte. Ja, er schaffte es sogar, ganz betont, sich von dem Buffett zu bedienen und biss in ein Stück Hammelbein.
« Letzte Änderung: 03.05.2018, 15:42:06 von Gaston »
„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“ (Rochefoucauld)

Idunivor

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« Antwort #17 am: 07.05.2018, 10:33:23 »
Der Marquis war in der Beantwortung der Fragen vergleichsweise kurz angebunden: "Es ist ganz einfach. Begebt euch ins Eiswindtal, haltet die Augen offen und seht, ob es dort genaueres zu den Gerüchten über den Marsch der Riesen zu erfahren gibt. Dann, erstattet Bericht an die Fürstenallianz. Ein Boot, das euch den Mirar hinab nach Luskan bringen wird, steht bereits bereit. Dort solltet ihr alles nötige für die Weiterreise nach Norden erhalten können. Wir haben im Winter keine Berichte aus Zehnstädte erhalten, schließlich sind sie auch nicht Mitglied der Allianz. Also werdet ihr das für uns erledigen.
Ihr werdet entsprechend entschädigt, sobald ihr mit einem Bericht zurückkehrt und eine Aufwandsentschädigung für die Reise erwartet euch auf dem Boot."
Der Marquis machte keinerlei Anstalten Platz zu nehmen oder gar selbst etwas zu essen, stattdessen schien er es ziemlich eillig damit zu haben, die vier Gäste wieder auf den Weg zu schicken: "Wenn es dann nichts weiteres gibt. Das Boot erwartet euch im Hafen und einer meiner Diener wird euch dorthin bringen."

Gaston

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« Antwort #18 am: 08.05.2018, 05:19:19 »
Nach Gastons Geschmack machte der Marquis überdeitlich, wie er zu der Gruppe stand. Weder mit ihnen essen noch mehr als nötig Worte verlieren wollte er. Der Marquis betrachtete sie wohl als nicht mehr als Boten und Diener, so dachte Gaston. Trotzdem hellte sich seine Stimmung deutlich auf, als er den Namen Zehnstädte hörte. Gaston war noch nie dort gewesen und sehr neugierig, die dortige Kultur kennenzulernen. Vornehmlich Ess- und Trinkkultur. Und das passte ja auch: “Wir nehmen Euren Auftrag an! Wir machen uns auf den Weg und hören uns um, wo Reisende, Kaufleute und Beamte zusammenkommen. Fürwahr!, lasst uns die Zehnstädter-Restaurants unsicher machen!
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Skip

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« Antwort #19 am: 08.05.2018, 09:53:27 »
"Hmpf!" kommentierte Skip, noch ganz in seiner Zwergenrolle, die Worte des Marquis.

Es war ein sehr beredtes Hmpf. Skip selbst überraschte es sehr, wie viel Bedeutung man in diesen einen, einfachen Laut stecken konnte. Nie wieder, so schwor er bei sich, wolle er sich über die mangelnde Wortgewandtheit der Zwerge lustig machen! In einem Hmpf drückte sich zunächst ja einmal die Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation aus, aber es lag auch eine Rüge darin, die das Spezielle betraf, gemischt mit einer Prise Unglauben. "Musstest Ihr das wirklich so handhaben, wie Ihr es tatet? Nun, auch wenn's jetzt nicht mehr zu ändern ist, so muss ich doch anmerken: das war recht dumm." Übertragen auf unseren Fall also: "Das war alles, Marquis? Dafür mussten wir hier antanzen? Hätte man uns das nicht schon daheim in Tiefwasser sagen können?" Ja, vielleicht ging die Bedeutung des Lautes sogar noch weiter, wenn man den Kontext von Skips eigener Person bedachte: "Wenn die daheim in Tiefwasser nämlich gewusst hätten, für welcher Art Mission Ihr Leute benötigt, dann hätten sie vielleicht solche geschickt, die sich in der Wildnis auskennen, oder vielleicht tapfere Krieger, oder meinethalben auch einen Gelehrten, der sich mit Riesen auskennt, aber sicherlich nicht mich!"

"Ich bin zu gut angezogen", fasste er die Lage zusammen.

Und daran zeigte sich, dass vielleicht doch ein paar Nuancen verloren gingen, wenn man sich ausschließlich in Höhlenlauten ausdrückte.

"Aber gut, lasst uns aufbrechen."
« Letzte Änderung: 08.05.2018, 14:29:27 von Skip »

Azrim Greycloak

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« Antwort #20 am: 09.05.2018, 09:35:57 »
Skip und Gaston innerlich recht gebend, machte sich auch Azrim daran los zu ziehen. Der Auftrag war klar, auch wenn er nicht einfach würde, und die Reisevorkehrungen bis auf weiteres getroffen.

So erhob sich der Hochelf anmutig, hielt dann aber im letzten Moment vor dem endgültigen Aufbruch inne um fragend anzumerken: "Wohin sollen wir zurück kehren wenn wir unsere Beobachtungen gemacht haben? Hier her, oder haben wir einen Kontakt in Luskan?" Sollte dem so sein, so interessierte sich der Tel-Quessir noch für den Namen, die Adresse und dergleichen des Kontaktes. War vielleicht eine Kennung notwendig um mit ihr oder ihm ins Gespräch zu kommen?

Wenn diese Fragen geklärt waren, so war auch der Magier bereit sich zum Mirar zu begeben um rasch nach Luskan zu fahren.

Ein Abenteuer lockte und mit etwas Glück konnte er seine magischen Fähigkeiten erproben und erweitern. Eine durchaus reizvolle Vorstellung.
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Dolgrim Frostbart

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« Antwort #21 am: 09.05.2018, 14:32:21 »
Für ihn war alles gesagt. Also nickte er dem Marquis zu und wartete darauf, dass die anderen soweit waren, damit sie gehen konnten.
« Letzte Änderung: 09.05.2018, 17:22:39 von Dolgrim Frostbart »

Skip

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« Antwort #22 am: 10.05.2018, 11:30:35 »
Während man sich also in Richtung Ausgang begab (nicht ohne sich rasch noch ein paar Vorräte vom Büffet für den morgigen Tag zu schnappen), grübelte Skip über eine Sache, die der Marquis nur im Nebensatz erwähnte: Zehnstädte... War das der Name einer Stadt oder tatsächlich ein zehn einzelne Städte? Ja, gab es denn tatsächlich so viele Städte hier in der Gegend? An der gesamten Schwertkünste kannte Skip nicht mehr, als er Finger an der Hand besaß (Mirabar noch nicht mitgezählt, aber da stand sein Urteil auch noch aus, ob man dies eine Stadt nennen konnte): Tiefwasser, Niewinter, Baldurs Tor, Dolchfurt und ja, auch von Luskan hatte er schon gehört.[1] Moment mal, sind wir nicht mit Luskan verfeindet? Und da sollen wir hin?[2]

Aber ZEHN Städte in oder in der Nähe eines einzigen Tales? Das konnte nicht sein! Er hatte einmal eine Weltkarte gesehen, über die Schulter eines Gelehrten hinweg, der furchtbar viel mit den Händen fuchtelte, hierhin und dorthin zeigte und in einem fort dabei brabbelte, und Skip hatte, um so kundig zu wirken, wie es zu seiner damaligen Rolle passte, immer nur wissend "Genau!" oder "Meine Rede!" einwerfen können, und so hatte er leider bei der ganzen Sache nichts gelernt. Außer einem. Es gab Punkte auf der Karte, die stellten Städte da. (Leicht zu erkennen, weil bei einem dieser Punkte Tiefwasser stand, bei einem zweiten ganz in der Nähe aber Niewinter.) So etwa acht Punkte hatte er an der gesamten Schwertküste gezählt, und noch einmal so viele nördlich des großen Binnenmeers, und dann mal so im Kopf überschlagen und geschätzt und war auf etwa dreißig Städte auf der ganzen Welt gekommen. Davon konnte sich nicht ein Drittel an einem Ort namens Eiswindtal befinden. Es musste sich also doch um einen einzelnen Ort handeln. Vielleicht, dass dort eine Handelsstraße entlangführt, die zu zehn Städten führt? Ja, das war eine gute Erklärung.

Derart in Gedanken hätte Skip in der Nähe der Tür fast den kleinen Halbling übersehen. Ein Zusammenstoß konnte so gerade eben noch verhindert werden. Gaston warf ihm einen bösen Blick zu und stolzierte ohne ein Wort davon. Skip malte sich die bevorstehende Reise aus: ein Begleiter, der nur das nötigste redete, einer, der am liebsten gar nicht redete, und der dritte, der sich geschworen hatte, nicht mehr mit ihm zu reden und sollte er auch an den ungesagten Worten ersticken. Es würde eine sehr lange Reise werden.

Er eilte Gaston nach in der vagen Absicht, ihn eloquent um Verzeihung zu bitten, wenn's ihm denn so wichtig war, und danach wäre alles wieder beim Alten.

"Warte, Gaston!" rief er also, doch die nächsten Worte aus seinem Mund waren, zu seiner großen Überraschung, keine glattzüngige Entschuldigung, sondern ein zweiter Hieb in dieselbe Kerbe. "Mir willst du nicht verzeihen, mit 'F' verglichen zu werden? Du vergleichst dich doch ständig mit ihm. Ein Dutzend Mal schon musste ich mir deine Tirade anhören! Leidenschaft, harte Anstrengung, Ehrgeiz, glaubst du, ich spräche dir irgendwas davon ab? Aber in letzter Zeit hast du dich verrannt, Gaston, hängst dich zu sehr an Rezepten auf, an exotischen Zutaten, deren Name kein Mensch aussprechen kann, und ja, alles dreht sich bei dir nur noch um François: was er macht, was er nicht macht, was man über ihn sagt, was er selbst über sich sagt, was er über dich sagt, was man über euch sagt... das ist nicht gesund! Davon musst du dir endlich mal den Kopf freimachen!"

All dies hatte er wohl schon einmal gedacht, aber normalerweise war Skip jemand, der sich noch ärger als die Katze vorm Wasser davor hütete, seine Gedanken über andere laut auszusprechen. Aber jetzt, da die Worte schon einmal aus ihm herausbrachen, jetzt war er noch lange nicht fertig.

"Und wenn du schon Kartoffeln erwähnst: wann hast du denn das letzte Mal ein einfaches Kartoffelgericht gekocht? Wann das letzte Mal den Mut besessen, Pellkartoffeln beim Namen zu nennen, statt sie deinen Gästen als pommes de terre en robe de chambre anzudrehen? Ist das denn weniger Augenwischerei als ein Illusionszauber? Und bin ich nicht jemand, der sich mit Augenwischerei auskennt? Habe ich diese Kunst nicht von Kindesbeinen an erworben, mit harter Anstrengung und zähem Ehrgeiz, mit Leidenschaft und nur allzu oft trotz Todesgefahr? (Übrigens bin ich mir sicher, dass du noch in den Windeln lagst, als ich mich schon auf der Straße alleine durchschlagen musste, aber das nur nebenbei.) Und deshalb sage ich dir: auch bei dir im Restaurant wird immer mehr auf den schönen Schein gesetzt statt auf die Substanz. Leugne es oder verschließe die Augen davor, das ändert nichts daran, dass es Tatsache ist. Aber ob das nun daran liegt, dass die Leute es tatsächlich so wollen oder dass du dich zu sehr bemühst, François zu übertreffen und dabei zu ähnlichen Mitteln greifst wie er, das kann ich nicht erkennen, da bist du der Fachmann. Und wenn jemand, der es gut mit dir meint, dir diese Dinge nicht sagen darf, dann... dann..."

Skip wusste nicht, was dann wäre. Eine solche Rede wie gerade hatte er noch nie gehalten. Welcher Teufel ritt ihn da gerade? Warum war ihm nicht, wie er beim Öffnen seines Mundes selbst noch glaubte, eine ebenso charmante wie unehrliche Entschuldigung von der Zunge geperlt?

"... dann gehörst du eben auch zu den Leuten, die lieber belogen werden und die nicht einmal von einem guten Bekannten ehrliche Worte ertragen, so gut dieser sie auch meint!"
 1. Int-Check = 6. Pro Punkt über 10 hätte Skip eine weitere Stadt dem Namen nach gekannt.
 2. Ist das noch immer so? Sonst hat Skip vielleicht einfach jemanden von damals reden hören und gedacht, der spräche von heutigen Verhältnissen.

Gaston

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« Antwort #23 am: 13.05.2018, 19:20:31 »
Was Skip in den kommenden Sekunden zu Gesicht bekam, hätte jeden Theater-Regisseur in Verzückung versetzt. Es war, als wechsle er in Sekundenbruchteilen von einer Rolle in die nächste, dass es einem Angst machen konnte. Zunächst schien Gaston jedes Wort in sich aufzunehmen und in weiß-glühende Wut zu verwandeln. Mit dem Blick eines Uthgard-Barbaren starrte er Skip an und schien jeden Moment auf diesen losgehen zu wollen. In etwa als Skip seine Rede beendet hatte, veränderte sich der Gesichtsausdruck urplötzlich. Die Wut machte einer plötzlichen Erkenntnis Platz und Gaston starrte durch Skip hindurch, wie ein Hellseher, der durch den dünnen Schleier der Wirklichkeit hindurchzublicken verstanden hatte und die verstörende Gestalt von Zeit und Raum und dem namenlosen Willen dahinter erkannte. "Das hast Du nicht...", murmelte er ungläubig und stolperte ein paar Zentimeter nach hinten. Seine Hände gestikulierten wirr und griffen nach einer Stuhllehne, die Halt versprach.

So ging es einige Sekunden, in denen Gssaston sichtlich mit sich rang. Dann aber schien sich Gaston wieder in den Griff zu bekommen und wurde mühsam ruhig. Er atmete tief ein und aus und sagte dann zu Skip: "Also gut Skip, ich verstehe jetzt, was Du tust und auch ich habe eine Entscheidung getroffen. Doch genug davon, ich habe es jetzt sehr eilig. Wartet auf dem Schiff auf mich. Ich brauche eine halbe Stunde und komme dann nach. Meine Reaktion erfährst Du morgen Abend." Dann verschwand Gaston in Windeseile und ließ Skip einfach stehen. Gaston eilte atemlos durch das Gebäude, erbat sich vom privaten Sekretär Federkiel und Papier, verfasste eilends zwei Briefe, ließ sie notariell beglaubigen und kam gerade in letzter Sekunde im Hafen an, bevor der Kapitän ungeduldig wurde.
« Letzte Änderung: 13.05.2018, 23:19:58 von Gaston »
„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“ (Rochefoucauld)

Skip

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« Antwort #24 am: 16.05.2018, 23:09:25 »
"Hmpf!" machte Skip, dem davoneilenden Gaston nachblickend. "Dann wollen wir mal hoffen, dass er nicht vergisst, was er mir alles später noch erzählen will: ob er noch mit mir redet, was er hier macht..."

An letzteren Gedanken knüpfte er in der Herberge, als Azrim und er dort ihre Siebensachen abholten (und Skip auch rasch in wesentlich praktischere Reisekleidung schlüpfte), nahtlos an:

"Was mache ich eigentlich hier?" fragte er auf Elfisch.

Es klang seltsam aus seinem Mund. Zum einen, weil er ein halbes dutzend verschiedener Akzente zu einem ganz eigenen Gemisch vereinte wie eben jemand, der die Sprache von einer Vielzahl an Lehrmeistern unterschiedlichster Herkunft erlernt hatte. (Ein ziemlich alter Elf muss darunter gewesen sein, denn manchmal überraschte Skip seinen Begleiter mit den altertümlichsten Wendungen, Seite an Seite mit heutigen, was sich aus dem Mund eines gerade einmal 45-jährigen doppelt so ulkig ausnahm.) Vor allem aber klang es seltsam, wenn Skip Elfisch sprach, weil er doch sonst in allen Dingen so durch und durch Mensch war, dass man wohl letztlich einfach nicht von ihm erwartet hätte, sich überhaupt mit der Sprache ausreichend befasst zu haben.

Als Azrim nicht sogleich antwortete—noch bevor er vielleicht erst begriff, dass dies eine ernst gemeinte Frage und dazu an ihn gerichtet war—setzte Skip nach: "Im Ernst, was kann er sich dabei gedacht haben, dass er mich auf eine solche Mission schickt? Ist's derart schlecht um eure kostbare Allianz bestellt, dass man niemanden zur Hand hatte, der ein wenig geeigneter wäre? Riesen? Wildnis? Eiswindtal? Na klar, da schicken wir Skip! Herrje, was mischt der Mann sich bloß in seinen Tee?"

Sollte Azrim an dieser Stelle etwas zu sagen eingefallen sein, so müsste er nun feststellen, dass die zu Beginn verpasste Gelegenheit zu einer Erwiderung so schnell nicht wiederkehren würde.

"Ich meine, wozu werde ich hier gebraucht, das würde ich gern wissen!" tönte Skips Stimme gedämpft durch das Wams, welches er sich gerade überstreifte. "Welches meiner Talente, welche meiner Rollen ist gefragt? Er muss sich doch irgendwas dabei gedacht haben, oder? Hat er dir keinen Grund genannt?" Ein fragender Blick tauchte in der Kragenöffnung auf. "So verzweifelt kann die Lage doch gar nicht sein! Also, dann sag mir bitteschön, wer ich sein soll, dann will ich zusehen, diese Person zu werden, bis wir das Eiswindtal erreicht haben."


« Letzte Änderung: 19.05.2018, 11:42:46 von Skip »

Azrim Greycloak

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« Antwort #25 am: 17.05.2018, 15:17:09 »
Überrascht sah Azrim auf, als Skip ihn auf Elfisch ansprach. Soweit er sich erinnern konnte, hatte er noch nie ein Gespräch mit dem Halbmenschen geführt, dass zur Gänze in der Muttersprache des Magiers geführt worden war. Sicherlich, hier und da eine Redewenung, oder ein Begriff der auf Elfisch besser vermittelte was gemeint war, aber ein ganze Sätze?

Ein amüsiertes Glinzern tauchte in den leicht schräg gestellten Augen des Eladrins auf als er die Vielzahl von Akzenten vernahm und für einen Herzschlag sein Kopf versuchte diese einzuordnen, ehe er verstand das dies erfolglos bleiben würde.

Dem jungen Cha'Tel'Quessir zuhörend, konnte sich der Zauberwirker bereits denken um was es sich drehen würde. Die ständigen Zweifel und Beschwerden seines Weggefährtens! Wozu? Welches Talent? Es muss einen Grund geben! So kann das nicht sein! Und dann als krönenden Abschluss: Wer soll ich sein? Eine Frage die sich Skip scheinbar im Minutentakt ständig stellte, nun einmal laut ausgesprochen und damit fassbar.

Am liebsten hätte Azrim freundschaftlich gelacht und geantwortet: Sei einfach du selbst! Wer sonst sollst du sein? Wer sonst kannst du wirklich sein?

Doch dafür kannte er den wendehalsigen Halbmenschen bereits zu lange. Dieser würde es als Herausforderung sehen und nicht verstehen was Azrim damit zu Bewegen versuchte. U

Und so nahm er sich Zeit ein angestrengtes, ja nachdenkliches Gesicht aufzusetzen und einige Herzschläge bedeutsam zu schweigen um dann mit ernster Stimme - den Blick gewichtig in die Ferne schweifen lassend - zu antworten:  ""Sei mutig. Sei ohne Furcht und Klage. Setze dein gesamtes Talent und Können ein um diese Gruppe gut und sicher ihrem Ziel entgegen zu bringen."

Dann wandte er sich ab - scheinbar in tiefe elfische Einsichten und Weisheiten gehüllt - und ließ Skip mit diesen Worten zurück. In Wahrheit hatte Azrim damit zu kämpfen nicht zu lachen oder verräterisch mit seinen Schultern zu zucken. Hoffentlich tauchte Gaston bald auf!
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Skip

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« Antwort #26 am: 19.05.2018, 11:54:27 »
"Ich habe keine Angst!" empörte sich Skip. "Und beklagen tue ich mich auch nicht, oder hast du auf der ganzen Reise bisher auch nur ein einziges Wort der Klage von mir gehört? Wer sich erwischen lässt, dazu noch auf derart dämliche Weise wie ich mich habe erwischen lassen, der muss eben büßen, so ist das. Was mich nur stört ist, dass ich so gar nicht weiß, auf was wir uns da mit diesem Auftrag einlassen, und deshalb überhaupt nichts planen oder vorbereiten kann. Das ist nämlich eins meiner größten Talente. Die Zusammenarbeit in einer Gruppe dagegen... halt, lass es mich andersherum sagen: die Sache mit dir gemeinsam gegen deine komischen Kultisten neulich, das war das erste Mal, dass eine solche Zusammenarbeit weder für mich noch für die anderen ein bitterböses Ende nahm."

Und dann sagte Skip nichts mehr. Für eine ganz erstaunlich lange Zeit. Nicht einen Ton. Denn er war jetzt ein Elf. Er bewegte sich wie ein Elf, blickte wie ein Elf, schwieg wie ein Elf. Fast hätte man meinen können, es mit zwei Azrims zu tun zu haben, oder zumindest mit Azrim und seinem Zwillingsbruder.

Dann aber stieß man auf Dolgrim und Skip wurde unschlüssig, was besser sei: ein Elf zu sein oder doch lieber ein Zwerg? Die Unterschiede waren, von der Körperform (inklusive Bewegungsabläufen) und der Behaarung einmal abgesehen ja durchaus subtil. Wer schwieg besser: Elf oder Zwerg? Wessen stiller Blick schaute grimmiger? Wer sagte mehr mit einem Wort? Wer konnte schöner die Augenbrauen zusammenziehen und damit alles sagen, was er zu sagen hatte, ohne auch nur den Mund aufzutun? Skip testete es aus. Während er mit Dolgrim und Azrim zum Hafen marschierte, war er eine Gasse lang Zwerg, die nächste Elf. Und wer nicht gänzlich blind war, wusste stets, mit was davon man es gerade zu tun hatte: allein am Gang, der Körperhaltung, Mimik, Atemweise, oder auch welche Dinge seinen interessierten Blick anzogen, ließ sich der Zwerg oder der Elf erkennen.[1]

Als ihr Boot in Sicht kam, war Skip endlich zu einem Entschluss gekommen: nicht, was besser war, nur, was für ihn leichter. "Der Elf liegt mir doch mehr", sagte er. "Zwerg, das ist ziemlich anstrengend so auf die Dauer. Der tiefere Körperschwerpunkt und so. Das geht mächtig in die Knie."

Übergangslos wandte er sich an Dolgrim, der vor dem Marquis angedeutet hatte, sich mit Riesen auszukennen. "Also, sie sind furchtbar groß, ziehen raubend und brandschatzend durch den Norden und schmeißen gerne mit Felsbrocken nach einem. Gibt es sonst noch was, das ich über Riesen wissen sollte, bevor ich einem begegne?"[2]
 1. Deception = 27
 2. Habe den Absatz mal hierher verlegt. Wenn Dolgrims Spieler aber vor seiner Abwesenheit nicht mehr zu einer Antwort kommt, lösche ich ihn einfach, damit die Frage nicht in der Luft hängenbleibt.
« Letzte Änderung: 19.05.2018, 16:28:46 von Skip »

Idunivor

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« Antwort #27 am: 19.05.2018, 15:25:38 »
Auch der Hafen der Oberstadt, den die neu gebildete Erkundungstruppe jetzt erreichte, war offensichtlich mehr auf Zweckmäßigkeit und Wehrhaftigkeit als auf Schönheit ausgelegt. Die steinernen Piere hatten flache Mauern, damit man nicht zu leicht von einem Boot aus an Land springen konnte und immer wieder waren Ketten angebracht, die man bei Bedarf über große Räder aufrollen konnte, um bestimmte Teile vollständig zu blockieren. Auch hier gingen viele Menschen ihren Geschäften nach und zahlreiche Waren wurden auf Schiffe verladen oder von solchen in die Lagerhäuser gebracht, die das Flussufer säumten.
Ein kleines Boot erwartete die Agenten zwischen den anderen Flussschiffen und ein mürrischer alter Mann, der auf einem Grashalm herum kaute schien der Kapitän zu sein. Er sagte nicht viel, als er seine Gäste sah, hatte sie aber offenbar bereits erwartet, denn er machte sich sofort daran abzulegen, sobald sie alle da waren - Gaston kam als letzter mit leicht gerötetem Gesicht herbei geeilt.
Was die vier Fremden allerdings überraschte war, dass neben dem Kapitän und zwei jungen Männern, die wohl zu Besatzung gehörten, noch jemand auf dem Boot war. Eine Halbelfe mit schwarzem Haar, die offensichtlich nicht immer auf diesem Boot unterwegs war. Tatsächlich deuteten ihre Haltung und ihr Aussehen eher darauf hin, dass sie im gleichen Geschäft tätig war wie die anderen vier Passagiere des Bootes.

Dolgrim Frostbart

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« Antwort #28 am: 19.05.2018, 16:29:56 »
Dolgrim war irritiert, als plötzlich elfisch gesprochen wurde. Aber so war immerhin klar, dass er nicht gemeint war, er konnte zu den Gesprächen der anderen sowieso nichts beitragen - und wollt es auch nicht. Bei dem Gedanken an das Boot war ihm ebenfalls etwas mulmig. Dort konnte er dem eifrigen Geschwätz noch weniger entkommen. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen als er plötzlich wieder verstehen konnte, was Skip erzählte. Und dann dauerte es einen Moment, bis Dolgrim verstand, dass Skip mit ihm sprach.

"Hmm, naja, das wichtigste ist das weg rennen, aber das hatten wir ja schon. Hmm. Ja und groß sind sie, und böse. Hmm. Und Keulen haben manche, andere auch Äxte, groooße Äxte. Wenn's nur einer ist, hut, geht, wenn man schnell ist. Also, wenn man kämpfen kann. Aber wenn es mehr sind. Hmm. Also, am besten nicht so schnell auf sie treffen." Dann brummte er wieder vor sich hin und als Skip überlegte, ob er beim Laufen eingeschlafen war, kam noch ein Satz.
"Nicht dumm sind sie. Manche schon, aber nicht alle. Fies, groß, gefährlich. Nicht gut, wenn sie sich zusammen rotten. Nicht gut, wenn es Gerüchte gibt, dass sie ins Tal kommen. Nicht gut."

Klatschend schlug er die Hände zusammen "Genau das richtige für uns, was Junge!" Mit einem breiten Grinsen, für Nichtzwerge sah es allerdings eher wie eine Grimasse aus, schaute er Skip an. Nickte dann mehrmals und marschierte weiter.

Als sie dann am Hafen ankamen, suchte er nach dem Boot, das für sie bestimmt war.
« Letzte Änderung: 19.05.2018, 16:31:07 von Dolgrim Frostbart »

Gaston

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« Antwort #29 am: 20.05.2018, 10:21:25 »
Verschwitzt und keuchend kam Gaston am Hafen an und nahm sogleich seinen Platz im Boot ein. Als er an Skip vorbeiging, nickte er ihm zu und lächelte. Er stellte sich sowohl dem Kapitän vor als auch der jungen Elfendame, die hier genauso fehl am Platz wirkte, wie der Rest der Gruppe: "Guten Tag, ich bin Gaston. Ich und meine Gefährten sind auf dem Weg ins Eiswindtal. Es wird grausam kalt werden, habe ich gehört. Seid Ihr auch dorthin unterwegs?"
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