Am Abend des 13.02.2019 wurden die Verhandlungen zwischen dem Europaparlament und dem Rat abgeschlossen der zu einem endgültigen Text für die EU-Urheberrechtsreform führte. Dieses Gesetz wird das Internet, wie wir es kennen, grundlegend verändern und möglicherweise auch Auswirkung auf das DnD-Gate haben – wenn es denn in der finalen Abstimmung angenommen wird. Das können wir aber immer noch verhindern!
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Autor Thema: Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont  (Gelesen 3612 mal)

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Dolgrim Frostbart

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #180 am: 13.11.2018, 13:54:40 »
Dolgrim sagte der Name nichts, seinen Begleitern offenbar auch nichts und die Leute um sie herum reagierte auch nicht so, als würden sie den Namen kennen. Gleichzeit war klar, dass sie die Riesen nicht auf ein Bier einladen und alles besprechen konnten.
Zum Sherrif und der Stadtsprecherin sagte er daher: "Wir müssen jemand finden, der weiß, um wen es hier geht. Habt ihr einen Chronikschreiber, einen Priester oder einen Geschichtenerzähler, die wir fragen könnten?"

Gaston

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #181 am: 18.11.2018, 17:22:53 »
Gaston runzelte die Stirn. Irgendetwas stimmte hier nicht. Zu Skip gewandt sagte er: “Kommt Dor das nicht auch seltsam vor? Erstens scheint mir 'Artus Cimber' kein Name aus dieser Gegend zu sein. Wenn er von hier ist, dann ist er Abenteurer oder Gelehrter. Zweitens erwähnte die Riesenfrau gerade einen 'Ring des Winters'. Das klingt wie der Name eines Artefakts. Drittens, warum wurden wir gerade jetzt engagiert, um Nachforschungen über die Riesen anzustellen? Alles wirkte friedlich - und jetzt plötzlich schlittern wir in diesen Konflikt hinein. Und viertens, warum interessiert sich die Allianz überhaupt für irgendwelche Riesen im hohen Norden? Das hat mit ihnen doch gar nichts zu tun. Ich sage Dir, man hat uns Informationen enthalten und wir wurden manipuliert. Und nicht zuletzt, fünftens, was sollten Riesen mit einem Artefakt anfangen, das ein Ring ist? Ist es nicht wahrscheinlich, dass sie auch nur in jemandes Auftrag handeln? Stimmst Du mir zu?
« Letzte Änderung: 18.11.2018, 17:28:19 von Gaston »
„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“ (Rochefoucauld)

Skip

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #182 am: 18.11.2018, 18:16:39 »
Ganz so ereignislos, wie der Erzähler behauptet hat, verlief die Nacht für die beiden Erschöpften dann doch nicht. Zumindest nicht für Skip. Der sah nämlich gar nicht ein, warum man hier in Bryn Shander ausharren sollte, um sich am nächsten morgen von Riesen umhauen zu lassen. Schauen, was die Riesen machen, so hatte der Auftrag gelautet. Und man war in seiner Pflichterfüllung ja sogar ein gutes Stück weitergegangen, indem man an diesen vorbeischlich, um die Leute vor Ort zu warnen, aber mehr konnte nun wirklich niemand von ihnen verlangen. War er nicht sogar nachlässig, dass sie alle hier blieben? Wer sollte in Mirabar Bescheid geben, wenn die Riesen Bryn Shander dem Erdboden gleich machten und alle Einwohner und unglücklichen Reisenden massakrierten? Ja, das wäre gut, wenn einer von ihnen diese wichtige Aufgabe auf sich nähme und sich gleich auf den Weg dorthin begäbe!

Und so schlich sich Skip tatsächlich hinaus—aus Zimmer und Gasthaus, über die Stadtmauer, in die eisige Nacht hinaus, Richtung Süden. Warm eingepackt war er, Vorräte hatte er dabei, Zelt, Decken...

Aber er kam nicht weit. Mit jedem Schritt, den er sich mühsam davonschleppte, sank sein Herz, und Bryn Shander war noch nicht lange außer Sicht, da verließ ihn der Mut gar ganz. Niemals würde er es allein bis in die nächste Siedlung schaffen, als Stadtmensch in der Wildnis, ganz auf sich gestellt, in seinem Zustand! Als er dann auch noch, an einen Baum gelehnt (nur ganz kurz, zur Erholung!), plötzlich aus dem Schlaf hochschreckte, in den er vor Erschöpfung gefallen war, bekam er es dann gehörig mit der Angst zu tun. Zu einem Eiszopfen durchgefroren, so würde man ihn am nächsten Tag vorfinden, wenn ihn überhaupt wer finden würde, und bitte auch kein Wolf!

Also schleppte er sich den Weg zurück, den er gekommen war, und fiel ins Bett.

~~~

Zu Skips Überraschung griffen die Riesen nicht sofort an, sondern wollten zunächst reden. Das war doch schon einmal wesentlich zivilisierter als die Barbaren vom Tigerstamm und ließ hoffen! (Auch wenn sie dabei nur Forderungen stellten: reden war gut. Solange geredet wurde, wurde nicht massakriert.)

Skip wollte gerade auf Azrims (unausgesprochene, aber dennoch deutliche) Frage antworten, da quasselte Gaston dazwischen. Bei den Worten man hat uns Informationen enthalten konnte er sich ein verächtliches Schnauben nicht verkneifen. "Natürlich hat man uns Informationen vorenthalten. Das war doch von Anfang an klar. Oder hat der feine Herr, den wir in Du-weißt-schon-wo trafen, eine einzige unserer Fragen beantwortet?" Doch der Ring des Winters faszinierte auch ihn. "Ob es deswegen so kalt ist? Wäre es normalerweise um die Jahreszeit wärmer hier?"

Dann zu Azrim gewandt: "Artus Cimber, in meinen Ohren klingt der Name ausgedacht, wie 'Alister Flinkhand' oder 'Morisander Schönherr'"—zwei Pseudonyme, unter denen Skip daheim bemerkenswerte Erfolge gefeiert hatte.

Und ohne sich die Zeit zu nehmen, darüber nachzudenken, ob es wirklich eine gute Idee war, die Riesen auf sich aufmerksam zu machen, trat Skip vor und rief zu ihnen hinüber:

"Was soll das denn für ein Geselle sein, Zwerg, Elf, Mensch oder sonstwas? Wie sieht er aus, was für Waffen trägt er? Vielleicht kennen wir ihn ja, nur unter einem anderen Namen als ihr. Aber sagt uns noch: was macht euch glauben, der Kerl müsse hier bei uns sein? Wann habt ihr ihn denn das letzte Mal gesehen oder von ihm gehört?"

Fiona

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #183 am: 20.11.2018, 11:55:02 »
Etwas leiser, so dass es nur diejenigen in ihrer Nähe hören konnte, sagte Fiona: "So Riesen werden doch sicher ziemlich alt, oder? Vielleicht ist dieser Kerl, der ihnen vermutlich den Ring gestohlen hat, schon längst tot. Wir sollten wirklich versuchen, ihnen ein paar mehr Informationen zu entlocken, wenn wir ein Blutbad hier verhindern wollen. Vielleicht lassen sie sich ja auf ein diplomatisches Treffen vor dem Tor ein, wenn man ihnen etwas derartiges anbietet. Aber warten wir erstmal ab, wie die Riesin auf die Fragen reagiert."

Dolgrim Frostbart

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #184 am: 20.11.2018, 13:15:57 »
Als Dolgrim Fionas Vorschlag hörte schüttelte er wild den Kopf.

"Rausgehen und Reden? Sowas macht man mit zivilisierten Völkern, bei den Barbaren muss man es sich schon gut überlegen, wie wir ja erlebt haben, aber mit Riesen: Nein. Riesen reden nicht, Riesen zerreißen die Leute in der Luft, die wir da raus schicken. Mit Riesen kann man nicht reden, Nein."
Er schüttelte die ganze Zeit den Kopf, so dass ihm schon ein wenig schwindelig wurde. Er kannte die Riesen und wusste, das man ihnen weder trauen oder die einigermaßen sicheren Mauern verlassen durfte, sonst war man verloren.

Skip

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #185 am: 20.11.2018, 14:34:40 »
"Hm, Kenkars Vorgänger vielleicht", erwiderte Skip auf Fionas Überlegungen, über die Schulter zurückraunend und schief grinsend.

Dolgrim aber widersprach er: "Man kann mit jedem verhandeln, solange dieser denkt, man besäße etwas, dass er dringend benötigt, oder aber man sei genau der rechte Mann, es ihm herbeischaffen. 'Hab' ich nicht', 'Kann ich nicht' oder 'Will ich nicht' gibt's da nicht."


Gaston

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #186 am: 25.11.2018, 22:07:54 »
Gaston wurde unruhig. Die Sache konnte leicht anbrennen - so wie Milchpudding. Er flüsterte Skip zu: "Sag mal, kannst Du Dich nicht für Cimbers Sohn ausgeben? Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Cimber ein Mensch, ein Elf oder ein Halbelf ist. So kämst Du als Sohn in Frage. Und wenn sie es Dir abkaufen: Kannst Du ihnen nicht versprechen, sie zu ihm zu führen? Wir wären einen oder zwei Tage mit ihnen unterwegs und würden uns dann aus dem Staub machen. Zeit genug, dass sich die Stadt entweder besser bewaffnet oder man sie evakuiert. Was meinst Du, Meister mit den tausend Gesichtern?"
„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“ (Rochefoucauld)

Skip

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #187 am: 26.11.2018, 17:49:01 »
"Ha, Ihr kommt vielleicht auf Ideen, werter Herr Halbling", entgegnete Skip auf Gastons Vorschlag. "Was, wenn Artus Cimber ein Zwerg ist? Oder unter 60? So alt müsste er mindestens sein, dass man mir den Sohn abnähme. Und wie, glaubt der feine Herr, dass wir uns in zwei Tagen aus der Gesellschaft der Riesen extrahieren, hä? Könnte mir vorstellen, dass sie uns verschnürt transportieren. Überhaupt wissen wir gar nicht, wozu sie diesen Artus haben wollen. 'Rückt ihn heraus', das klingt, als hätten sie mit ihm ein Hühnchen zu rupfen. Gewiss werde ich mich da nicht als amuse-gueule anbieten anbieten, mit dem sie sich schon mal vergnügen können, bis die bestellten Speisen eintreffen. Bietet Ihr Euch doch an, Ihr Meister des Schönen Scheins. Vielleicht ist Cimber ja ein Halbling."

Dolgrim Frostbart

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #188 am: 26.11.2018, 18:51:54 »
Dolgrim wollte schon auf Skip antworten, als Gaston ihm zuvor kam. Vielleicht war es auch besser so, denn Skip hatte scheinbar noch nie mit Riesen zu tun gehabt und wusste wohl nicht, wovon er sprach. Aber er würde es schon lernen, denn vermutlich würden bald die ersten Steine fliegen, falls sie nicht herausfinden könnten, was die Riesen von ihnen wollten.

Gaston

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #189 am: 26.11.2018, 19:37:41 »
"Und was, wenn ich es tatsächlich mache, werter Herr Halbelf?", fragte Gaston zurück. "Was ist Dein Einsatz? Was gewinne ich, wenn es klappen sollte?"
„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“ (Rochefoucauld)

Skip

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #190 am: 27.11.2018, 12:00:38 »
"Was du gewinnst, wenn du da rausgehst und die Riesen tatsächlich davon überzeugen kannst, du seist Artus Cimber's Sohn oder auch bloß der Vetter zweiten Grades? Dann erhältst du von mir die größte Ehre, die ich zu vergeben habe: bis zum Boden werde ich mich vor dir verbeugen als dem größeren, dem gewandteren Lügner von uns beiden. Ach nein, warte: der Titel gebührt dir ja schon. Lass mich schauen, welchen hätte ich denn noch im Angebot? Ah, den hier: dass du ein noch größerer Dummkopf bist als ich."

So machte sich die angestaute Wut, die Skip so viele Tage lang runtergeschluckt hatte, auf den verlogenen Halbling, der ihn all die Jahre bloß ausgenutzt hatte, endlich Luft.

Gaston

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #191 am: 10.12.2018, 14:38:19 »
Gaston tritt einen kleinen Schritt zurück und misst seinen ehemaligen Freund mit prüfendem Blick. "Wow! Also das hat die ganze Zeit in Dir gebrodelt! Und da dies jetzt endlich ausgesprochen ist, will ich Dir auch etwas sagen: Was glaubst Du, wie ich mich von Dir hintergangen fühle? Du gastierst in meinem Restaurant, beobachtest meinen Ruin und tauchst dann ganz zufällig bei jener streng geheimen Expedition auf, an der ich auch teilnehme, nur um mir zu erzählen, dass 'F.' es verdient hätte Ruhm und Ehre mit meinen Rezepten zu ernten, weil er eben nicht nur auf Handwerkskunst sondern auch auf Lügen und Tricksereien zurückgreift. Und nun frage ich Dich, wo Du ja schon mal hier bist, woher soll er denn das alles haben, wenn nicht von Dir? Ist meine Sicht der Dinge denn so weit hergeholt?", wirft der Halbling dem Halbelf nun seinerseits an den Kopf.
« Letzte Änderung: 10.12.2018, 14:38:50 von Gaston »
„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“ (Rochefoucauld)

Skip

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #192 am: 10.12.2018, 21:21:22 »
"Im Ernst, du willst jetzt darüber reden?" schnaufte Skip, und warf einen Blick zu den Riesen hinaus. Diese schienen sich auf Fionas und seine Ansprache hin erst einmal überlegen oder sich zu beraten müssen—jedenfalls hoffte Skip, dass sie etwas derartiges taten, und nicht bereits den Angriff organisierten.

"Schön", wandte er sich an den Halbling. "Du fühlst dich von mir hintergangen? Dann sag' ich dir mal, wie ich mich fühle: ausgenutzt! All die Jahre gaukelst du mir vor, ich wäre willkommen in deinem Haus, wohl gelitten so wie ich bin, mit den schlechten Seiten wie den guten, ein Freund zum Pferdestehlen. Dabei war ich nie mehr als ein Handlanger für dich! Jemand, der dir Sachen besorgt, an die du sonst nicht so leicht rankämst oder so billig oder für die du dir gar die Hände schmutzig machen müsstest. In die Augen hast du mir geschaut, als kenntest du gar keine Scham, und mich mit dem Namen angesprochen, den ich das letzte Mal von der Mutter sterbenden Lippen vernahm. Was für ein Depp ich war, dass ich dich nicht durchschaute! Wie, bitte schön, soll ich dich hintergangen haben, wenn du mir niemals vertraut hast?

Wärst du wirklich je mein Freund gewesen, würdest du mir niemals zutrauen, dich—absichtlich oder auch nur wissentlich—in den Ruin getrieben zu haben! Wärst du wirklich mein Freund, tätest du mich nicht so leicht und so lässig für eine Tat aburteilen, die du dir in deinem wirren Hirn bloß so zusammengereimt hast, ohne mir auch nur die Gelegenheit zum Widerspruch zu geben! Was weiß ich, wer diesem Esel François das Rezept deines berühmten Enteneieromeletts verraten hat, warum befragst du nicht mal die Köche und Kellner in deinem Restaurant? Und vonwegen der Worte, die du mir da gerade in den Mund legen willst, so bin ich mir sicher, das Gegenteil gesagt zu haben, oder vielmehr etwas in der Art, dass du endlich aufhören sollst, dich ständig mit François zu vergleichen, weil's dir die Lust am Kochen nimmt und die Leichtigkeit, den Mut und das Selbstvertrauen, deinen Eingebungen zu folgen, ja, die Fähigkeit des Genießens!

Ach, und was den Zufall betrifft, der uns hier zusammengeführt hat, so ist er gewiss nicht mir zu verdanken. Da musst du schon den Herrn fragen, dem es einfiel, mich hierherzuschicken. Wenn es nach mir ginge, wäre ich nämlich daheim in Tiefwasser. Aber manche Bitten werden nun mal so eindringlich vorgetragen, dass man sie einfach nicht ausschlagen kann. Frag' Azrim, wenn du mir nicht glaubst. Er hält, solange wir unterwegs sind, das Ende meiner Leine in den Händen.

Du siehst, all der Verrat und die ganze Verschwörung exitieren nur in deinem Kopf!"


Und stünde man nicht gerade auf einer Stadtmauer, eng zusammen gedrängt, drei Riesen auf der einen Seite, Wachen und sonstiges Volk auf der anderen, so hätte Skip zur Bekräftigung seiner Worte ausgespuckt. Aber auf drei Seiten war kein Platz dafür, auf der vierten war die Gefahr zu groß, dass es falsch aufgefasst würde, also hielt er sich gerade noch rechtzeitig zurück.

Gaston

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #193 am: 14.12.2018, 21:01:22 »
Gaston seufzte: "Weißt Du, Skip, in dieser Angelegenheit ist doch eigentlich jedes Wort schon gesprochen und alles vergeben und vergessen. Zumindest von meiner Seite aus. Ich meine, ich habe mein Restaurant aufgegeben und es geht mir besser und eine riesige Last ist von mir genommen - und was will ich denn mehr? Wie und unter welchen Umständen das alles geschah, tja, das interessiert mich doch eigentlich nicht mehr. Weißt Du eigentlich, dass ich seit Tagen nicht mehr an F. gedacht habe? Niemals, bis vor einer Minute, meine ich? Also was streiten wir uns den eigentlich?

Und warum bist eigentlich gerade Du wütend auf mich? Du, der so vielen Menschen Lügen aufgetischt und sie manipuliert hat, fühlst dich nun hintergangen und hast dabei aber auch nicht die Eier, ein klärendes Gespräch unter Männern zu führen - oder deinem ehemaligen Freund wenigstens ordentlich auf die Schnauze zu geben? Stattdessen isolierst Du dich, betrinkt dich, treibst dich in Trinkhallen und mit Frauenzimmern herum und versucht mir damit zu verstehen zu geben, dass ich doch der der wahre Übeltäter bin. Aber ich sage Dir, so wehrlos bist Du doch nicht. Du hättest jede Möglichkeit mir sonst eine auszuwischen, wenn Du Dich doch im Recht wähnst. Also verhalte dich nicht so dämlich, sondern wie ein Schurke.

Was ich damit sagen will, ich schlage vor, dass wir es darauf ankommen lassen. Ich schlage vor, dass wir ein Duell der Schurken austragen. Und der Einsatz ist kein anderer, als dass der Gewinner Recht in unserem Streit bekommt. Recht, Recht, Recht. Wenn Du wirklich so gut bist, wie Du behauptest, fordere ich Dich auf bekanntem Terrain heraus. Bist Du so gut? Denn wer von uns beiden der größere zu sein behauptet, fängt an. Also, noch einmal meine Frage: Wer von uns beiden ist der wahre Meister? Wer ist der größte Lügner, der verwegenste Trickbetrüger, der einfallsreichste Scharlatan, der sie alle in die Tasche steckt? Das will ich noch von Dir wissen.
"

Während des Redens war wieder ein Lebensgeist in Gaston gefahren, seine Wangen wurden rosig und zum Schluss funkelte er Skip vergnügt und schelmisch an, um ihn herauszufordern.
« Letzte Änderung: 14.12.2018, 21:05:33 von Gaston »
„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“ (Rochefoucauld)

Skip

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #194 am: 17.12.2018, 17:24:50 »
"So, du hast also alles gesagt, was du zu der Sache sagen wolltest, und nun geht's dir besser. Das freut mich für dich. Mir dagegen hast du kein einziges Wort zugestanden und auch jetzt stellst du dich taub. Und kommst mir schon wieder mit Eiern! Allmählich mache ich mir Sorgen um dich. Das kann nicht gesund sein, an nichts außer an Eier denken zu können.

Zu einem Duell forderst du mich? Duell in was, Schurkentum? Da möcht' ich gern wissen, was du darunter verstehst. Also bin ich ein Schurke in deinen Augen? Von welch hoher Warte aus urteilst du über mich! Du, der von mir darauf gestoßen werden musste, die Essensreste deines Restaurants nicht fortzuschmeißen, sondern damit lieber den Straßenkindern zu helfen. Niemals wärst du von allein auf die Idee gekommen.  Dagegen kümmert der Schurke, der ich bin, sich schon sein halbes Leben lang um sie! Egal wie abgebrannt ich war, für sie hatte ich noch etwas übrig, und wenn's nur ein guter Rat war oder eine helfende Hand. Leute wie du aber, sogenannte ehrbare Bürger, ohne Mitgefühl und sozialem Gewissen, sind schuld daran, dass es so viele Straßenkinder gibt. Auf dein moralisches Naserümpfen kann ich also gerad' verzichten! Betrügen lässt sich im übrigen nur, wer selbst betrügen will. Ein aufrechter Mann, der einen ehrlichen Preis zu zahlen bereit ist, landet niemals bei mir. Es trifft also immer den Richtigen. Im Grunde erweise ich der Allgemeinheit einen großen Dienst, indem ich solchen Leuten eine Lektion erteile, die sie zu mehr Gesetzestreue ermuntert.

Weißt du, Gaston, was dein Problem ist? Du meinst, deine Sicht der Dinge ist die einzige, die zählt. Alles, was dir am Herzen liegt, soll anderen gefälligst auch wichtig sein, aber was sie wertschätzen, das verhöhnst  du lauthals oder redest es auf andere Art schlecht. Habe ich mich jemals abfällig über deinen Beruf geäußert? Was schmähst du meinen? Einen netten kleinen Sport siehst du darin, ein Spiel? Bist du mit so wenig Ernst auch ans Kochen herangegangen? Dann wundert mich nichts mehr. Oh, ich sehe es direkt vor mir: wie du François zu einem Wettstreit gefordert hast. Möge der bessere Koch gewinnen!

Wenn du mich fragst, kannst du dich noch nicht so recht dran gewöhnen, nicht mehr Restaurantbesitzer zu sein. Das sag' ich jetzt nicht nur wegen deiner Besessenheit mit Eiern, sondern wegen deines großherrlichen Auftretens. Als drehte die ganze Welt sich um dich! In deinem Restaurant war es ja auch so. Dort warst du König. Dein Wort galt. Deine Sorgen waren die Sorgen aller. Deine Vision war es, für deren Verwirklichung alle zu schuften hatten. Ja, so einer, der es gewohnt ist, wie ein Tyrann zu herrschen, der kann sich wohl einfach nicht vorstellen, ein anderer täte etwas nicht ihm, sondern sich selbst zuliebe. Undenkbar, dass ich Frauenzimmer aufsuche, weil ich gern in deren Gesellschaft bin! Nein, natürlich muss der Grund dafür sein, dich, um den alles kreist, um drei Ecken wissen zu lassen, dass ich sauer auf dich bin. Aber in einer Hinsicht hast du nicht ganz unrecht: die Nacht in der Seemannsbraut hab' ich tatsächlich dir zu verdanken. Schließlich war es der Wisch, den du mir gabst, der mir eine ganze Nacht in der Fürstensuite bezahlt hat.

Aber nun wollen wir uns wichtigeren Dingen zuwenden. Ich weiß nicht, ob du bemerkt hast: da draußen stehen ein paar Riesen herum. Und die sind leider nicht da, um das Rezept für dein Enteneieromelett aus uns rauszuprügeln."


Demonstrativ wandte Skip den Blick wieder in Richtung der Riesen.

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