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Autor Thema: Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont  (Gelesen 9437 mal)

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Kylre

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #420 am: 01.07.2019, 17:48:29 »
Als der hässliche Dunkelelf aufgetaucht war, verfinsterte sich Kylres ungeduldige  Miene schlagartig und seine Finger hoben sich um ebenso einen Zauber zu sprechen. Doch als er erkannte, dass es nur harmloses Licht war, nutzte der Sturmpriester die Zeit lieber und sah sich nach weiteren des unterirdisch lebenden Packs um. Vergeblich - wie er erleichtert feststellte. Die Zauberin Liriel Baenre und die Banshee von Ruathym hatten seinem Volk schon vor langer Zeit gelehrt die Drow und ihre Zauberkraft nicht zu unterschätzen.

Bei den Untertreibungen die der Dunkelhäutige ihnen so gehässig ins Gesicht warf, schnaubte Kylre aufgebracht. "Keinen gut Ruf" - als Synonym für "für seit Menschengedenken für Verrat, Mord und Menschenraub berüchtigt"! "Nicht ganz unverdient" - da musste er bitter lachen. Angewidert spuckte der Kapitän in Richtung des verunstalteten Fremden aus und stellte sich neben Kara.

Ohne seine Augen von dem stinkenden Drow zu nehmen, stellte Kylre zähneknirschend fest: "Das ändert alles nichts.

Wir hätten gleich der Spur folgen sollen, so wie es Kara zu recht gesagt hatte. Lasst uns keine weitere Zeit verschwenden und endlich den Riesen finden."


Das sich dieser schwarze Teufel um das Kind gekümmert hatte, war zwar außergewöhnlich, aber er würde zweifelsohne irgendwelche niedrigen Motive dafür haben, da war sich der Ruathym sicher. Sicherlich wollte er das Kind an seine skurpellose Sippe verkaufen, oder sonst etwas Böses mit ihm anstellen.

Jofarel Xorlarrin

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #421 am: 01.07.2019, 19:15:46 »
Jofarel reagierte nicht weiter auf die unfreundliche Haltung des Mannes, der sich so demonstrativ neben seine grobschlächtige Begleiterin stellte. Um ehrlich zu sein, war ihr Verhalten vergleichsweise herzlich, wenn man bedachte, was er sonst schon erlebt hatte. Und er stellte schnell fest, dass er vielleicht zu lange hier draußen gewesen war. Er hatte gerade in wenigen Minuten mehr Worte gesprochen als in einem ganzen Monat zuvor - und es fühlte sich ziemlich gut an, mal wieder Leute zu haben, die ihm zumindest zuhörten, statt ihn mit Fackeln oder Mistgabeln zu jagen.
Also antwortete er stattdessen der Frau, die soetwas wie die Sprecherin dieser Abenteurergrupe zu sein schien. Dabei strich er Gedankenverloren über die Narben an seinem Hals: "Manches ja, anderes nicht. Egal ob unter dem Horizont oder unter dem Steinhimmel des Unterreichs, diese Welt ist ein grausamer Ort. Und was das Schicksal des Mädchens anbelangt..." Jofarel blickte hinüber zu Mimi und dem Zwerg, der sich ihrer früs erste angenommen hatte. "...der Zwerg scheint sie zu kennen und sie sollte besser wieder unter ihresgleichen leben. Wenn ich sie richtig verstanden habe, sind auch einige wenige ihrer Verwandten dem Riesen und den Hobgoblins entgangen. Allerdings weiß sie selbst nicht, wohin sie geflohen sind und ich auch nicht. Sie lag verwundet in einer kleinen Erdkule innerhalb des Waldes, dort habe ich sie gefunden. Die Überlebenden werden sie für verloren gehalten haben. Vielleicht kann er sie finden." Noch ein wenig länger hingen die Augen an dem Mädchen und in Jofarel reifte langsam ein Entschluss, während er sie beobachtete. Es würde ziemlich sicher schief gehen und in einigen Tagen würde er es wahrscheinlich bereuen, aber es half ja nichts.
Suche unentwegen nach neuen Tönen, neuen Klängen, neuen Gesängen... So hatte es geheißen und er war es leid nur dreckige Erde und Bäume zu sehen, tagein tagaus, nichts anderes als die grobe Wildnis. Und diese Leute jagten nach einem Riesen, das würde ihn zumindest für ein paar Tage ablenken und dann konnte er immernoch hierher zurückkommen, wenn es denn nötig wurde. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass seine Hand noch immer über die Narben strich und etwas ruckartig ließ er sie wieder sinken, um sich dann wieder der Sprecherin der Abenteuerergruppe - denn so sahen sie für ihn aus - zuzuwenden: "Nun, wenn ihr den Riesen jagen wollt, das erste Stück kann ich euch führen in die richtige Richtung. Und danach kann ich euch auch noch eine Klinge anbieten. Wie ich schon sagte, er sollte mit Schmerzen für Schmerzen bezahlen und wenn er noch einen Stamm Hobgoblins bei sich hat, mag es nützen ein fünftes Paar Hände dabei zu haben, die eine Klinge führen können."

Fiona

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #422 am: 01.07.2019, 19:35:40 »
"Soweit ich den Zwergen richtig verstanden habe, hatte sie hier keine Verwandten, sondern wurde von den Familien hier aufgenommen. Nun, das ist wohl nah genug an Verwandtschaft, um es so zu nennen."

Fiona musterte den Dunkelelfen eingehend, als er vorschlug sie zu begleiten. Er schien ja zivilisiert genug und es sprach auch für ihn, dass er das Vertrauen des Mädchens gewonnen hatte und ihr geholfen hatte, zu überleben. Dagegen standen Jahrhunderte der Grausamkeit und des Verrats. Geschichten, die so düster waren, dass man sie nur flüsternd erzählen wollte. Konnte man ihm vertrauen? Fiona war sich nicht sicher. Die Schatten waren ein ständiger Begleiter für sie und sie konnte nicht sagen, dass die Schatten oder gar die Dunkelheit sie für gewöhnlich störten. Aber das hier war eine ganz andere Form der Dunkelheit. Jedenfalls, was die Geschichten anging, denn selbst hatte sie noch nie mit den Drow zu tun gehabt.

Sie nickte ein paarmal leicht mit dem Kopf. "Ich würde es wohl darauf ankommen lassen, aber ich kann das nicht alleine entscheiden. Wir kennen Dich nicht und auch wenn Du den Eindruck vermittelst, dass Du nicht die typischen Wesenszüge Deines Volkes teilst, so können wir dessen am Ende nicht sicher sein. Und mich würde auch noch interessieren, warum es so wichtig für Dich ist, sie zu rächen? Schmerzen für Schmerzen."

Jofarel Xorlarrin

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #423 am: 01.07.2019, 20:23:21 »
Jofarel schwieg eine ganze Weile als die Frau ihm die letzte Frage stellte - denn er wusste selbst nicht so recht, was die Antwort darauf war. Warum wollte er diesen Riesen jagen? Vielleicht weil er sich seit langem nicht mehr wie er selbst fühlte, ohne eine Aufgabe, und die Aussicht auf den Kampf mit einem Riesen, ihm das versprach? Oder ging es tatsächlich um Rache? Für ein Mädchen, das er kaum kannte und mit dem ihm nur verband, dass sie keine Angst vor ihm gehabt hatte? Oder war es etwas anderes?
Er verlor sich in diesen Gedanken, driftete davon und erst nach mehreren Minuten wurde er des erwartungsvollen Blickes seiner Gesprächspartnerin gewahr. Er konnte nicht viel anderes tun als mit den Schultern zu zucken: "Könnte ich es erklären, würde ich es tun. Kann ich aber nicht. Ich habe viel Erfahrung mit Schmerzen, vielleicht liegt es daran. Dass ich ziemlich genau weiß, was Schmerzen bedeuten. Und dieser Riese weiß es vermutlich nicht. Also sollte man es ihm wohl besser beibringen. Oder es ist etwas anderes. Letztlich ist es mir einerlei. Es ist lange her, dass ich so ein Bedürfnis hatte, also werde ich es jetzt sicher nicht einfach ignorieren."

Kara Stendahl

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #424 am: 01.07.2019, 20:46:33 »
Kara verfolgte den Austausch mit immer besorgterer Mine. Das war doch wohl nicht ihr Ernst? Einem gänzlich unbekannten Drow in die fremde Wildnis folgen - war sie toll? Die Dunklen logen doch, wenn sie den Mund aufmachten und trotzdem glaubte Fiona dem Vernarbten seine Geschichte ohne weiteres. Sie fragte nicht einmal nach, sondern schluckte sein Worte runter wie süßen Wein. Wo waren die Beweise? Erzählen konnte bald einer was. Ein einsamer Drow, der hier zufällig in der Gegend war und über ein verängstigtes Mädchen gestolpert, welchem er sich aus reiner Herzensgüte annahm - allerdings nicht so sehr, dass er bei ihr blieb oder sie vors nächste Dorf begleitete?

"Woher weißt du, wohin der Riese gezogen ist? Hast du ihn beobachtet? ... Hast du den Überfall gesehen und die Hobgoblins? Warst du ganz nah dabei?" Kara knurrte in einer tiefen Stimme und zog das "ganz nah" betont in die Länge. Wahrscheinlich hatten sie gemeinsame Sache gemacht und der Schwarze sollte sie in eine Falle führen. Das Mädchen hatte er sich zur besseren Tarnung irgendwie gefügig gemacht - mit Magie oder Gewalt. "Die Gesandten von der Feste habt ihr gemieden? Mimi hat sich wohl vor den Menschen gefürchtet?" Das machte doch keinen Sinn. Selbst wenn Drow für ihre fürsorgliche Seite bekannt wären  ...ha... so kümmerte man sich bestimmt nicht um das Wohl eines Kindes, das solche Grausamkeiten miterlebt hatte. Was war sein Plan? Karas Hand schloss sich merklich fester um die Axt.
« Letzte Änderung: 01.07.2019, 20:48:36 von Kara Stendahl »

Jofarel Xorlarrin

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #425 am: 01.07.2019, 22:03:31 »
Jofarel war wenig überrascht, dass die Begleiterin der Dame, mit der er gesprochen hatte, ihm misstraute. Tatsächlich war er eher überrascht, dass die andere Frau es tat. Aber was hatte er schon zu verlieren? Also blickte er nun zu der anderen Frau, die mit ihrer Axt sicherlich ziemlich bedrohlich sein würde und antwortete mit leiser Stimme auf ihre Fragen: "Nunja, es ist ein Riese. Seine Füße sinken eine Hand breit in den weichen Boden, die Spur kann so ziemlich jeder verfolgen, wenn es nicht zu lange her ist. Und nein, ich habe den Überfall nicht gesehen. Die kleine hat mir erzählt, was passiert ist. Ihr könntet sie fragen und wenn freundlich und behutsam seid, wird sie euch das vermutlich bestätigen. Ich würde es aber vorziehen, wenn ihr das lassen würden. Aber es ist natürlich eure Entscheidung, ob ihr sie noch einmal den wohl schlimmsten Tag ihres jungen Lebens durchleben lassen wollt. Einmal habt ihr sie ja schon in Angst und Schrecken versetzt, nicht wahr? Was schadet da ein zweites Mal?"
Jofarel biss sich auf die Zunge, um nicht weiter zu sprechen, sondern für einen Moment zu schwiegen. Er sollte das bleiben lassen. So hatte er sich schon oft genug Ärger an der Oberwelt eingehandelt - und davor auch, wenn er ehrlich war. Also hob er beschwichtigend die Hände, bevor sein Gegenüber versuchte ihn mit ihrer Axt zu spalten: "Verzeiht, das klang harsch und meine Worte waren etwas unbedacht. Dieses Kind ist traumatisiert, ziemlich schwer, möchte ich wetten. Ihr habt ja selbst gemerkt, dass sie sich vor Fremden versteckt. Und von was für Gesandten ihr redet, weiß ich nicht. Ich habe keine gesehen. Aber ich bin auch nicht immer in der Gegend. Manchmal bin ich weiter weg und bekomme nicht alles mit. Außerdem weiß ich ja nicht, was ihr an Gruselgeschichten über mein Volk gehört habt, vieles mag wahr sein. Aber entgegen irgendwelcher Gerüchte, sind Drow keine magischen Dämonenelfen, die Tag und Nacht darauf bedacht sind, Kleintiere zu quälen. Auch wir müssen schlafen und ich tue das meistens bei Tag. Kann also ziemlich gut sein, dass ich diese Gesandten verpasst habe und Mimi sich nicht hat sehen lassen. Oder sie war gerade irgendwo im Wald.
Wo sollen sie her gekommen sein? Aus einer Festung? Ich wüsste nicht, dass hier in der Nähe eine ist, aber ich meide alles, was nach Zivilisation aussieht in letzter Zeit. Ich kenne nur die Siedlung, die hat Mauern aus Stein, vielleicht könnte man sie "Feste" nennen. Ich bin mir nie ganz sicher, was welches Wort in eurer Sprache bedeutet.
Wie dem auch sei, da war ich noch nie drin. Ist mir zu heikel. Die Erfahrung zeigt, dass ich mich von Siedlungen hier draußen, besser fernhalten sollte. Handelt man sich nur Ärger ein, wenn man so aussieht wie ich. Nicht, dass sie mich reinlassen würden, wenn ich versuchen würde durch das Tor zu gehen. Die wären vermutlich sehr viel weniger freundlich als ihr. Und gewiss nicht so vorurteilsfrei, wie ein kleines Mädchen, das man verletzt im Wald gefunden hat."

Blutschwinge

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #426 am: 01.07.2019, 23:54:29 »
Mimi schnappte sich die Puppe von Kara und sagte vielleicht auch leise danke, aber das konnte Kara nicht klar verstehen. Was sie aber sehen konnte waren die Augen des Zwergen die sich verengten, als er den Dunkelelfen sah. Auch Mimi schien das zu bemerken, wahrscheinlich durch das Anspannen der Muskeln und dem automatischen Griff zur Axt. Sie war es auch, die dem Zwerg die Hand auf die Faust legte. "Er ist ein Freund." Der Blick des Zwergen zeigte dessen Zweifel, aber er hielt sich zurück.
« Letzte Änderung: 01.07.2019, 23:54:59 von Blutschwinge »

Kylre

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #427 am: 02.07.2019, 09:23:05 »
Auch Kylres Gesicht zeigte deutliche Ablehnung als Fiona tatsächlich erwog den Drow mitzunehmen. Und jene ungaren Erklärungsversuche für seine Motivation, die mehr Gestammel als vernünftige Argumente waren, beeindruckten den Seefahrer wenig. So lauschte der Ruathym mit großem Misstrauen was der Entstellte zu Karas treffenden Fragen zu sagen hatte und versuchte ihn bei einer Lüge zu ertappen, oder zumindest zu erkennen ob wenigstens ein Funken Wahrheit in dieser Geschichte steckte.

Die Augenbrauen düster zusammen gezogen, fixierte der Sturmpriester den Dunkelelfen und fragte direkt: "Du bist also nicht mit dem Riesen und den Goblinoiden im Bunde? Wirst uns nicht in eine Falle führen? Verwendest ihre" und dabei zeigte er auf Fiona "Leichtgläubigkeit um uns für irgendetwas einzuspannen und zu benutzen?"[1]
 1. Insight DC 15

Jofarel Xorlarrin

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #428 am: 02.07.2019, 10:00:28 »
Jofarel ließ seine Schultern noch etwas weiter sinken, auch wenn das kaum möglich war bei der gebeugten Haltung, die er für gewöhnlich einnahm: "Nein, ich bin nicht mit Riesen im Bunde und ich habe auch nicht vor euch in eine Falle zu führen. Es ist auch nicht so, dass ich euch zu dem Lager des Riesen führen könnte. Ich habe eine grobe Vorstellung in welche Richtung er verschwunden ist und seine Spur sollte sich dort hoffentlich irgendwo finden lassen. Aber im Finden dieser Spur wäret ihr wahrscheinlich fähiger als ich, wenn ich euch richtig verstanden habe und ihr auf der Jagd nach Riesen seid.
Es wäre auch ein arg elaborierter Plan, meint ihr nicht? Ich wusste bis vor einer halben Stunde nicht, dass es euch gibt, aber trotzdem habe ich hier neben der Ruine eines Bauernhofes auf der Lauer gelegen, in der Hoffnung, dass jemand kommt, der nach Riesen sucht, um diesen dann zu erzählen, dass ich weiß wo der Riese ist, in der Erwartung, dass sie verrückt genug sind, sich mit einem anzulegen, der zudem noch von einem Trupp Hobgoblins begleitet wird."
Wieder musste er sich für einen Augenblick bremsen um seinen eigenen Worten zu lauschen, hob dann kurz, bevor jemand etwas sagen konnte seine Hand und fuhr fort: "Zugegebenermaßen, ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass andere Mitglieder meines Volkes so etwas vielleicht tun würden. Aber ihr Plan wäre wahrscheinlich sehr viel besser, sodass sie sich nicht auf irgendjemandes Freundlichkeit verlassen müssten."

Kara Stendahl

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #429 am: 02.07.2019, 15:54:37 »
Kara blickte abwägend gen Himmel. Sie verschwendeten Sonnenlicht. Wenn sie dem Riesen heute noch folgen wollten, musste eine Entscheidung her. Der Zwerg würde sich des Mädchens annehmen. Die Kriegerin gab sich selbst ein paar tiefe Atemzüge lang Zeit. Ihre Eingeweide geboten Vorsicht, die Drow führten immer Böses im Schilde, wenn nicht gegen sie, dann gegen andere. Ein weiteres Schwert konnte allerdings nützlich sein und der Dunkle wirkte nicht so, als ob er erwartete, durchgefüttert zu werden.

Der Drow beendete seine Erklärung und warf ein, dass er von ihrem Wohlwollen abhänge. Auch vor seiner geschickten Zunge musste man sich in Acht nehmen. "Du bist ganz schön geschwätzig, Drow." Diese Überlegerei dauerte schon viel zu lange. Kara würde ihm das Lügen im Moment nicht beweisen können. Entweder er sprach die Wahrheit, oder sie würden später mit den Folgen dieses Zusammentreffens zu tun haben. Es würde kommen, wie es kommen würde. Sie irrten schon viel zu lange in der Gegend herum. Ihre Gefährten hatten sich für diesen Weg entschieden, also galt es, die Jagd von hier aus endlich richtig zu beginnen.

Sie atmete aus. Die Würfel waren gefallen. Kara schulterte die imposante Axt und schien noch weiter an Größe zu gewinnen, als sie auf den Vernarbten zuging. "Ich hatte schon einmal mit deinesgleichen zu tun. Nichts Gutes ist daraus entstanden." Noch einen Schritt. Die Kriegerin stand direkt vor ihm, die zweite Hand am Gürtel in der Nähe des Jagdmessers. Meinetwegen reite ein Stück mit uns. Aber wisse", Kara blickte finster auf den Dunkelelfen hinunter,"fügst du einem von den meinen ein Leid zu, so ist dein Leben verwirkt." Kara stellte sich vor, wie sie ihn im Fall der Fälle dem Jenseits zuführen könnte, wie lange sie sich Zeit lassen würde, sollte er es wagen ihre Leute anzugreifen oder zu verraten. All das legte sie in ihre Augen; doch nur für einen Augenblick.

"Lasst uns nicht noch mehr Zeit verschwenden." Kara wandte sich abrupt ab und schritt in Richtung der Pferde. Sie hatte gesagt, was sie dachte. Fiona hatte ihre Meinung kundgetan. Was auch immer der Ausgang des weiteren Gesprächs sein würde, Kara hoffte auf ein schnelles Ergebnis.



Kylre

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« Antwort #430 am: 02.07.2019, 16:47:09 »
Wie ein alter Sack hing der Drow vor ihnen und täuschte gequälte Müdigkeit und Unterwürfigkeit vor, anstatt gerade da zu stehen und ehrlich zu antworten, wie es einem jedem Aufrechten anstand. Widerwärtig! Die kaum verhohlenen, hochnäsigen Antworten, die immer andeuteten wie erhaben der Dunkelelf den Menschen gegenüber war. All das schmeckte Kylre gar nicht - nein! Es machte ihn wütend!

Täuschung und Trug waren das Herzblut der Drow, dass wusste in Ruathym ein jedes Kind. Doch dem Sturmpriester gelang es nich eine direkte Lüge zu entdecken - so sehr er es versuchte. Und auch wenn Kara ihr Misstrauen nicht verbarg, so waren die beiden Frauen scheinbar einverstanden, dass der Fremde mit ihnen zog. Zum Haare ausreißen!

Sein Schild vor den braunen Stiefel mit einer vehementen Geste vor sich abstellend, hob der Valkurit sein Kinn und verkündete mit mühsam gezähmten Zorn: "Geist werde ich dich nicht nennen. Wie sollen wir dich rufen Drow?"

Und auch wenn Karas Worte und klarer Haltung keiner Ergänzung bedurften, stand in den Augen des Seeräubers ebenso unmissverständlich zu lesen, dass er nichts für den neuen Wegbegleiter über hatte und ein Verrat schnell und erbarmungslos gerächt werden würde.
« Letzte Änderung: 02.07.2019, 16:47:23 von Kylre »

Jofarel Xorlarrin

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« Antwort #431 am: 03.07.2019, 21:48:35 »
Der Dunkelelf richtete sich für ein paar Zentimeter auf und stand nicht mehr ganz so gebeugt, aber es wäre deutlich übertrieben, seine Haltung als aufrecht zu bezeichnen. Sollte es tatsächlich so einfach sein? Natürlich, es war nur eine Zweckgemeinschaft, aber diese Abenteurer waren offenbar wirklich gewillt ihn an der Jagd nach dem Riesen teilhaben zu lassen. Zumindest würde er wieder etwas zu reden haben in den nächsten Stunden. Die wenigen Worte hatten seiner Zunge schon geholfen und ihm war klar geworden, wie sehr er Gesellschaft im Wald vermisst hatte.
Also zögerte er nicht lange, dem Mann zu antworten, der ihn nach seinem Namen gefragt hatte: "Jofarel" "Erstgeborener von Berellip Xorlarrin" hätte er beine angefügt, so war er es gewohnt seinen Namen zu nennen, aber stattdessen stockte er für einen Augenblick und fügte dann nocht an: "So könnt ihr mich nennen, einfach Jofarel."

Blutschwinge

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« Antwort #432 am: 04.07.2019, 00:35:33 »
Durik war die Verwunderung anzusehen, was gerade hier geschah. "Aber ihr wollt doch nicht...", aber dann schwieg er. Er beäugte den Dunkelelfen immernoch misstrauisch. "Ich nehme Mimi mit. In der Stadt ist sie erstmal besser aufgehoben als hier und dort weiß vielleicht jemand, wohin die Bewohner gezogen sind. Was meinst du dazu, Kleine?"

Mimi schaute zwischen dem Zwerg und ihrem dunklen guten Geist hin und her, dann nickte sie. Plötzlich rannte sie zu Jofarel und umarmte ihn. "Geist, danke für deinen Schutz. Aber ich muss jetzt weg. Und wenn ihr den Riesen getötet habt können wir unseren Hof wieder aufbauen!" Dabei strahlte sie über das ganze Gesicht, es war ihr deutlich anzusehen dass das hier ihre Heimat war und vielleicht wieder werden würde. "Und dann kommst du zu Besuch", flüsterte sie dem Drow leise zu. "Pass auf dich auf. Und ihr, seid nett zu ihm, bitte." Dabei streckte sie sich und sah Kara direkt an. Plötzlich war das kleine, traurige Mädchen verschwunden und die freche Kleine von vorhin wieder da. "Ich hole nur schnell meine Sachen."

Sie rannte auf die Mauer zu und kroch in ein dunkles Loch, dass von außen nicht wie ein Weg ins Innere aussah.

Kylre

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« Antwort #433 am: 04.07.2019, 11:24:47 »
"Jofarel dann." nickte Kylre endgültig seine Zustimmung und verbiss sich den Drow noch weiter mit Blicken zu töten. Auch wenn ihm die Sache nicht schmeckte, so war er doch neugierig was der Schwarzhäutige alles mit dem Riesen anstellen würde. Die Zauber- und Täuschungskräfte der Drow waren legendär. Vielleicht würde es interessant werden... Mit dieser Neugierde versuchte der Ruathym seine Ablehnung gegenüber dem Elfen im Zaum zu halten.

Sich kraftvoll in den Sattel ziehend, tänzelte das Tier unter dem Gewicht des gerüsteten Mannes kurz zur Seite ehe die beiden ihre Plätze gefunden hatten an denen sie einander möglichst wenig behinderten. Ein guter Reiter würde der Seemann so schnell nicht werden, das war offensichtlich.
« Letzte Änderung: 04.07.2019, 11:25:01 von Kylre »

Jofarel Xorlarrin

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« Antwort #434 am: 04.07.2019, 13:30:41 »
Jofarel sah wie alle zu ihren Reittieren gingen und fügte dann noch an: "Also so ein Pferd habe ich nicht, aber ich halte schon mit euch Schritt." Das war wohl einer der positiven Effekte seiner Erfahrungen, er hatte eine ziemlich hohe Toleranz für Schmerz und Erschöpfung entwickelt. Und auch wenn er den größeren Tieren nicht würde folgen können, zumindest das Pony der Halblings, der sich in der Unterhaltung zurückgehalten hatte, würde ihm nicht davon laufen.
Also ging er ein paar Schritte in den Wald, wo er seinen Rucksack zurückgelassen hatte, zog seine Kapuze wieder tief ins Gesicht und deutete in die Richtung, wo er zuletzt die Spuren des Riesen gesehen hatte: "Kommt, ich führe euch zu den Spuren." Bevor er sich aufmachte blickte er noch einmal zu dem Mädchen, von dem er sich nun trennen würde und vollführte mit der Hand einen dunkelelfischen Gruß, den Mimi vielleicht nicht als solchen deuten würde, aber als Abschied sollte es genügen. Unter ihresgleichen würde sie hoffentlich mehr Glück finden, als sie es bisher in ihrem Leben gehabt hatte.

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