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Autor Thema: Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont  (Gelesen 15298 mal)

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Kara Stendahl

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #705 am: 16.04.2020, 19:49:39 »
Kara empfing das wohlig warme, heilende Licht mit großer Dankbarkeit. Diesmal war sie tatsächlich an ihre Grenzen gestoßen. Dafür fühlte sie sich beinahe so, als hätte sie den ersten Riesen alleine besiegt. Fiona half und Kylre kommandierte. Allen schien es gut zu gehen. Sehr gut. Wo war der dunkle? Kara spähte umher. Vergebens.

Voller neuer Kraft ging Kara dann auf diesen zweiten Riesen zu. Zu seinem Fall hatte se nicht viel beigetragen und so suchte sie ihn auch nur mit halbem Elan ab[1]. Hätte er etwas Wertvolles bei sich, so würde sie es abgeben an jene, die Haut und Haar riskiert hatten. Kara begab sich dann auf den Weg zum ersten Riesen, zu ihrem Riesen, während Kylre noch mit dem Heilen der Verwundeten beschäftigt war. Immerhin galt es eine verdiente Trophäe zu ergattern. Beim Heilen und Trost spenden fühlte sich die Kriegerin fehl am Platze.
 1. perception: 12

Blutschwinge

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #706 am: 19.04.2020, 10:19:17 »
Fiona musste nicht lange nach dem Befehlshaber der Truppe suchen, der er stand inmitten seiner Männer, mit schweren Wunden, aber lachend über ihren Sieg. Auch die Soldaten hatten einen Heiler dabei, er verfügte zwar über viel weniger Magie als Kylre, aber er war es, der die Soldaten nach einem Wink seines Hauptmanns mit einem Nicken dazu brachte, sich helfen zu lassen. Er selbst bemühte sich zunächst um die vielen kleineren Wunden und die Binden und Pasten aus seiner Heilertasche waren bald aufgebraucht. Der Hauptmann kam zu Fiona und Kara.
"Grüße, Fremde, die ihr einen Riesen getötet habt. Mein Name ist Amar Rulathon und diese Schar steht unter meinem Befehl. Es ist mir eine Ehre, an eurer Seite gekämpft zu haben. Wo kommt ihr her und was führt euch hier her?"

Langsam tauchten auch die ersten Dorfbewohner wieder auf, zunächst bewaffnete Männer, die ebenfalls Spuren der Schlacht zeigten, aber wohl eher gegen Orks und Feuerzwerge gekämpft hatten. Sie hielten sich aber noch in sicherem Abstand bzw. begannen, in den zerstörten Häusern nach Opfern zu suchen.
« Letzte Änderung: 20.04.2020, 14:53:30 von Blutschwinge »

Fiona

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #707 am: 19.04.2020, 13:55:33 »
Fiona war gerade dabei, sich den Kampfstaub von der Kleidung zu zaubern[1], als der Anführer der Soldaten auf sie zukam. Sie verneigte sich leicht und nickte.

"Wir sind froh, dass wir helfen konnten."

Die Halbelfin blickte sich um und erfasste nocheinmal die Verwüstung, die die Riesen und ihre Schergen angerichtet hatten.

"Sonst hätte es wohl noch mehr Tote und Verwüstung gegeben."

Auf die Frage von Amar Rulathon antwortete sie dann auch direkt: "Mein Name ist Fiona, Agentin der Fürstenallianz und im Auftrag des Marquis von Mirabar unterwegs um an der Handelsstraße nach dem Rechten zu sehen, da sich Gerüchte um Riesensichtungen in der Region häufen. Wir sind unterwegs bereits auf welche getroffen und konnten dort auch einen von ihnen erlegen."

Den Ruathym überließ Fiona es selbst, sich vorzustellen. Normalerweise hätte sie das wohl übernommen, aber die beiden würden es so sicher bevorzugen. Jedenfalls war das ihre Einschätzung.
 1. Prestidigitation

Kara Stendahl

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #708 am: 19.04.2020, 20:50:08 »
"Kara Stendahl." Die Kriegerin klopfte sich auf die Brust und nickte einen Kämpfergruß. Diese Soldaten hatten ihr Möglichstes getan und viele hatten teuer dafür bezahlt. Ein ehrenhafter Tod. Diesen Männern galt es Respekt entgegenzubringen.

Kylre und Fiona würden ein Palaver sicher bestens bestreiten, auch ohne sie. Sie ging in Richtung des ersten Riesen. Unterwegs bot sie eine helfende Hand, wo nötig.

Kylre

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #709 am: 20.04.2020, 10:55:00 »
"Zwei Riesen." stellte Kyrle reflexartig mit einem warnenden Brummen richtig als er von den Geheilten zurück kehrte. Ohne Kara, Fiona und ihn würden hier weitaus mehr Leichen liegen. Und Riesen wären beileibe keine darunter.

Ohne zu Zögern stapfte er auf den Anführer der Ritter zu und streckte ihm ungefragt seine Pranke entgegen. "Kylre Stromseeker. Kapitän aus Ruathym und Priester des Mächtigen." stellte sich der Sturmpriester als Letzter mit ernster Miene vor, ehe sein Gesicht ein sattes Grinsen zeigte: "Habt dank für diesen vorzüglichen Kampf! Es war genau die Art von Abwechslung nach der es uns gedürstet hatte." Mit seinem Daumen in Richtung des Dreiebers Recken deutend, lud Kylre den Ritter ein: "Die Taverne hat nichts abbekommen. Kommt und leistet uns heute beim Abendmahl Gesellschaft. Dann können wir Geschichten austauschen und unseren Sieg gebührend begießen! Jetzt aber gibt es noch viel zu tun."

Ein dröhnendes Lachen ausstoßend, verließ der Seeräuber die kleine Zusammenkunft während er unbewusst den Kopf schüttelte. Er und ein Ritter an einem Tisch. Das würde etwas werden. Diese Art von Männern war gefährlich. Wenn eine kleine, aber verwegene Gruppe, tapferer Kaperfahrer ihrer von den Ahnen gegebene Aufgabe nachging, dann wurden sie so manches Mal auf dem Rückweg zu ihren Schiffen, reich beladen und trunken von ihren gebührenden Erfolgen, von riesigen Reiterscharen auf freiem Feld angegriffen und - unbestätigten - Gerüchten zufolge sogar aufgerieben. Feige von einem Pferderücken aus. Und jetzt würden sie zusammen trinken. Seltsame Zeiten waren das. Doch was sollte ein Mann anderes tun, als ein gutes Leben zu leben? Indem er seine Ahnen ehrte, den Hammer schwang und mit Valkurs Segen Angst und Schrecken unter seinen Feinden verbreitete. Mehr konnte man wahrlich nicht von ihm verlangen.

Nun aber ebenso mit anpackend, half der Kapitän den Dorfbewohnern um Verwundete zu bergen und ihnen mit seiner tatkräftigen Unterstützung Mut zu machen. Als er später davon genug hatte, wiederholte er die Heilung durch den Geist für so viele Dorfbewohner wie es sich nur einrichten ließ.

Dann blickte sich Kylre um wo Kara geblieben war und versuchte seine Kameraden zurück ins Wirtshaus zu führen. Bier und Braten waren würdig verdient.

Ein guter Tag ging zu Ende.
« Letzte Änderung: 20.04.2020, 10:55:10 von Kylre »

Fiona

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #710 am: 20.04.2020, 11:31:35 »
"Eigentlich sind es ja sechs, drei im Eiswindtal, einer auf der Reise und jetzt nocheinmal zwei hier," meinte Fiona mit einem Augenzwinkern und begleitet von einem leichten Schulterzucken. "Aber wer zählt das schon..."

Kara Stendahl

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #711 am: 21.04.2020, 21:18:29 »
Kara freute sich ehrlich über Kylres Vorschlag, ging aber im Moment am Wirtshaus vorbei und direkt zu dem gefällten Riesen. So lang und schwierig ihr der Weg vorher erschienen war, so schnell und einfach überwand sie nun unverletzt und gestärkt vom Licht ihres Kampfesbruders die Distanz bis zu dem gefällten Ungetüm. Der Mistkerl hatte sie ganz schön bluten lassen! "Bei Tempus! Du hättest mich beinahe gehabt!" Ungewohnt nachdenklich betrachtete die Kriegerin für einen Moment das erkaltete, bluttriefende Riesenfleisch vor sich. Dann zuckte sie wegwerfend mit den Schultern und grinste. Wäre doch kein schlechter Tod gewesen! Ein harter Kampf, ein würdiger Gegner - zwar ein Riese, aber hey, man sollte nicht meckern.

Mit geübtem Blick und geschickten Fingern suchte Kara die Überreste des Feindes nach Brauchbarem und Interessantem ab[1]. Nachdem sie diese Aufgabe zu ihrer Zufriedenheit ausgeführt hatte, zog sie ihre Axt. Sie leckte sich eine Fingerkuppe und testete ihre Schneide - uh! Da musste sie wohl noch einmal ran, bevor sie sich ins Inn begeben konnte. So scharf die mächtige Axt auch war, Kara würde nicht mit weniger als einer perfekten Klinge zufrieden sein und seit dem letzten guten Schliff war doch schon einige Zeit vergangen...

Für ihr derzeitiges Begehr allerdings, würde die Axt in ihrem jetzigen Zustand ausreichen. Kara holte sich, was ihr zustand: eine zweite Trophäe, einen zweiten Fingerknochen. Wie viele davon würde Grani wohl tragen können? Was ließe sich alles daraus anfertigen? Kara packte alles ein, was sie gefunden oder auch abgeschnitten hatte und machte es sich etwas abseits gemütlich. Sie setzte sich auf ein Stück heruntergefallenen Balkens, der wohl zu einem der zerstörten Dächer gehören musste. Dort im Schatten zog sie ihr Werkzeug hervor und machte sich daran, ihre Waffe sorgfältig zu reinigen und zu schleifen. Dass sie selbst über und über mit eigenem und fremden Blut überzogen war, einige ihrer Haarsträhnen davon zusammengeklebt waren und sie so ruhig und konzentriert dasitzend einige verstörte Blicke auf sich zog, machte der Ruathym dabei nichts aus.
 1. Perception: 17

Blutschwinge

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #712 am: 10.05.2020, 19:12:27 »
Karas fand im Gürtel des Riesen einen kleinen Beutel mit vier feuerroten Rubinen[1], der Rücksack enthielt erneut nur Alltagsgegenstände, allerdings von sehr viel besser Qualität und Sauberkeit als bei ihrem letzten Gegner. Auffällig waren hierbei aber nur ein silberner Pokal (in Riesengröße) und ein silbernes Messer, dass Kara gut als Kurzschwert verwenden konnte. Dann fand sie noch ein Stück Tierhaut, das in einer ihr unbekannten Sprache beschrieben war.

Der Hauptmann nahm die Einladung für die Taverne gerne an, allerdings würde noch eine Weile beschäftige sein, bis die Verletzten geborgen und die Körper der Riesen aus dem Dorf geschafft worden waren. "Ich komme später nach, ihr werde ja sicher jetzt noch nicht abreisen."

Und so gingen die Helden zurück zur Taverne, mehrere Dorfbewohner verbeugten sich vor ihnen oder klopften ihnen auf die Schulter.

Auch in der Wirtsstube sah es nun völlig anders aus. Viele Tische und Bänke wurden nun als Lager für die Verletzten genutzt, der Wirt hatte aber vor dem Haus weitere Bänke, Schemel und einfache Tische aufgestellt, an denen einige Soldaten saßen und aßen und tranken. Auch die Gruppe fand dort noch einen Platz und wurde bewirtet.

Es dauerte noch über eine Stunde, bis Amar Rulathon mit einem Teil seiner Männer zur Taverne kam. Eine Gruppe von Soldaten, die dort gegessen hatte, stand auf und ging in Richtung des Kampfplatzes und die Neuankömmlinge nahmen sofort ihre Plätze ein.

Dann kam der Offizier an den Tisch der Gruppe und ließ sich erschöpft auf der Bank nieder. "Mann, das sind schwere Kerle." Nur Sekunden später stand ein Krug mit Bier und ein Teller mit Fleisch und Brot vor ihm und er nahm zuerst eine prächtige soßentriefende Keule und biss hungrig hinein.
"Das wird noch den ganzen Tag morgen kosten, bis wir da einigermaßen Ordnung gemacht haben. Gut das wir den Kerl hierher gebracht haben, eigentlich sollten wir erst eine Woche später ausrücken. Er wollte sich doch mit euch hier treffen, oder?"
 1. Jeweils 25 GS
« Letzte Änderung: 12.05.2020, 09:26:52 von Blutschwinge »

Fiona

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« Antwort #713 am: 12.05.2020, 10:28:02 »
"Renli? Ja, wir haben uns hier mit ihm getroffen, um Informationen zu erhalten. Leider waren diese nicht besonders hilfreich. Wir werden unsere Suche also in eine andere Richtung fortführen müssen, um herauszufinden, was hinter diesen Riesenangriffen steckt," erklärte Fiona kurz ihre aktuelle Situation.

"Seid ihr schon länger hier in Dreieber? Gibt es hier vielleicht einen guten Schmied? Oder vielleicht auch einen Händler, der etwas derartiges führt? Ich könnte einige Dinge gebrauchen, da wir in nächster Zeit ja wohl noch häufiger auf diese... Kerle... treffen werden. Eine elegante Klinge, ein Rapier vielleicht, und einen Schild."

Kylre

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« Antwort #714 am: 15.05.2020, 10:34:33 »
Bei der Vorstellung daran, dass die feinen Ritter hier die beiden Riesen zerhacken mussten um sie abtransportieren zu können, musste Kylre lachen und prustete Schaum quer über den Tisch. Auch der Kapitän hatte sich Bier, Braten mitsamt Knödel und Kraut bringen lassen und war gerade dabei die letzten Reste des leckeren Bratenfetts von den groben Fingern zu schlecken. Den Kopf schüttelnd, nahm er schließlich noch den verbleibenden Schluck und wischte sich abschließend mit dem Handrücken die Essensreste aus dem Bart. Mit einem gebieterischen Schnipsen bestellte er eine Runde für den Tisch.

"Der Gnom? Ja, den haben wir wirklich umsonst getroffen. Nichts Interessantes wusste der." bekräftigte er Fionas Worte. Einer Eingebung folgend fragte er Amar Rulathon: "Ihr könnt uns vielleicht noch etwas berichten, dass uns helfen könnte?"

Als die Getränke kamen hob Kylre seinen Humpen, stand auf und rief mit stolz geschwellter Brust in den Schankraum hinein: "Auf die Mannen von Triboar, die Reiter von Waterdeep und auf Ruaythms Beste! Vereint vermochten nicht einmal brennende Riesen sie zu schlagen!

HEEEEEBBBBTTT die HUMPEN! Stoßt an auf unseren gemeinsamen SIIIIIEEEEGGGG!"


Seinem eigenen Befehl rückhaltslos folge leistend, trank Kylre gierig von dem Gerstensaft, prostete anderen zu  und knallte das Gefäß schließlich auf den Tisch um sich wieder zu setzten. Sollte der Hauptmann nichts bei zu tragen haben, so würde ihm Kylre von der unangreifbaren Macht Valkurs vorschwärmen und wie leicht man Riesen damit zur Strecke bringen konnte. Außerdem würde vielleicht die ein oder andere - etwas ausführlicher erzählte - Heldengeschichte von Kara und ihm zum Besten geben.

Was war ein Sieg wenn man ihn nicht mit jemand teilen konnte?

Blutschwinge

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #715 am: 16.05.2020, 18:49:27 »
Der Hauptmann antwortete zunächst Fiona. "Wir sind immer mal wieder hier und wenn ihr eine guten Schmied sucht, dann geht zu Ghelryn, am anderen Ende des Dorfes, dort wo die Riesen nicht waren. Er hat schon für König Morinn gearbeitet. Und das ist auch das beste, was ich euch raten kann. Die Zwerge hassen die Riesen und daher ist Ghelryn sicher derjenige, der euch weiter helfen kann, wenn es etwas gibt. Wir suchen schon länger nach dem Grund für das seltsame Verhalten der Riesen, denn es ist seltsam. Wir haben alle keine Ahnung, was hier passiert, da ist der arme Renli nicht alleine. Aber jetzt lasst uns trinken."
« Letzte Änderung: 16.05.2020, 18:50:40 von Blutschwinge »

Kara Stendahl

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« Antwort #716 am: 17.05.2020, 14:32:35 »
Nachdem ihre Ausrüstung zu ihrer Zufriedenheit geschliffen und gewartet war, machte sich Kara daran, ihre eigene Erscheinung etwas aufzufrischen. Bei einem verschonten Brunnen in der Nähe wusch sie sich Arme und Gesicht und einen garstigen Blutfleck aus dem blonden Haar. Freilich konnte sie nicht alle Spuren beseitigen und ihr Anblick war immer noch furchteinflösender als er es sonst war, doch drängte Karas Durst sie mit ihrer Toilette fertig zu werden und die anderen in der Taverne zu treffen.

Von nah hörte sie den Kapitän lautstark einen Trinkspruch herausbrüllen. Um die nächste Hausecke wurde die Kriegerin ihrer beiden Freunde gewahr, die vor der Schankstube draußen zwischen den erleichtert feiernden Soldaten saßen. Im Vorbeigehen nahm sie sich wahllos einen Humpen von einem der provisorischen Tische und setzte sich breitbeinig neben die hübsche Fiona. "Wo ist der Elf abgeblieben? War er noch nicht hier?" Kara griff in ihren Beutel und steckte der Zauberin einen der feuerroten Rubine zu, Kylre ebenfalls, die anderen beiden behielt sie vorerst. "Euer Teil. Ich hab noch was gefunden - nur was machen wir mit dem Ding? Einschmelzen lassen? Ob der Wirt das Stück für die Zeche nimmt?" Kara wuchtete den Jutesack auf den Tisch und holte unter den Blicken der ringsum sitzenden den riesigen Silberpokal hervor. "Oder verwenden wir den heut erstmal zum Wettsaufen? Füllen wir diesen Krug und stoßen an, auf den Tod der Riesen!" Das letzte Stück schrie sie laut heraus, sprang auf und hob die rechte gen Himmel.

Die Verletzten, die Feiernden, die Besoffenen stimmten ein und brachen in aufgeregte Unterhaltung aus. Kara stieß mit Kylre an und wandte sich wieder Fiona zu. "Kannst du das lesen?" Sie hielt der Magierin die Tierhaut entgegen. Worum mochte es sich dabei handeln?


Kylre

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« Antwort #717 am: 19.05.2020, 10:05:18 »

Nachdem er den Humpen auf den Tisch geknallt hatte, musste Kylre enttäuscht feststellen, dass der Ritter und sein Gefolge keine Mannen von wahrer Größe waren und weiterhin lieber leise sprachen und an ihren Krügen nippten anstatt - wie es wahren Krieger gebührte - den Sieg gebührend besangen und vor allem begossen. Missmutig verfinsterte sich der Blick des Kapitäns und er ballte bereits die Fäuste um seinem heißen Zorn Luft zu machen, da steckte Kara ihm einen feuerroten  Edelstein zu und verblüffte ihn damit so sehr, dass er das Kämpfen kämpfen sein ließ.

Geschwind verschwand der Stein in einem Beutel unter seiner Rüstung und er prostete Kara grinsend zu. Faire Verteilung der Beute wie es aussah. Als er jedoch den Silberpokal sah, wollte der Sturmpriester ihn bereits ordnungsgemäß für sich beanspruchen, schließlich war er der Kapitän und sein Anteil an dem Kapergut war standesgemäß der größte, doch dann erinnerte sich Kylre wieder ein wenig wehmütig daran, dass dies hier nur zum Teil seine Mannschaft war. Und er ein Kapitän ohne Schiff. Zumindest für den Augenblick.

Doch es half nichts. "Der Pokal ist ein würdiger Preis fürs Wettsaufen!" verkündete er statt dessen gut gelaunt in der absoluten Sicherheit diesen Wettstreit zu gewinnen und grinste Kara herausfordernd an.

Als seine Freundin sich jedoch an Fiona wandte und ihr die Tierhaut reichte, konnte der Ruathym die steile Falte auf ihrem hübschen Gesicht sehen, an der er erkannte, dass die junge Magierin nichts damit anzufangen wusste.

Gönnerhaft setzte sich der Hühne direkt neben die Schöne und legte ihr einen muskulösen Arm um die Schulter. Um sie zu trösten und zum mittrinken zu animieren. Das würde ein Spaß werden heute!

Dabei fiel sein Blick zufällig auf die Tierhaut und niemand staunte mehr als Kylre selbst, als er die Worte die da standen tatsächlich lesen konnte und sie einen Sinn für ihn ergaben. "Ha! Da steht etwas von deinem Zwerg Fiona Schattenhaar." verkündete er amüsiert und nahm einen genüsslichen Bissen von seiner fetttriefenden Keule.

Blutschwinge

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« Antwort #718 am: 22.05.2020, 18:40:28 »
Kylre war zurecht enttäuscht, denn die Trinkfreude der Soldaten hielt sich wirklich in Grenzen. Ob es daran lag, dass der Hauptmann am Tisch saß konnte er zwar nicht sagen, denn dieser trank durchaus ordentlich mit, im Vergleich zu Kylres Vorstellungen aber war das kaum der Rede wert.

"Das ist wirklich ein prächtiger Pokal. Ungewöhnlich, denn es ist offenbar keine Menschenarbeit, aber ich dachte immer, Riesen würden nicht so etwas feines herstellen. Wie auch immer, ihr habt ihn euch verdient. Aber nun entschuldigt ihr mich bitte, ich muss noch die Tagesplanung für morgen mit meinen Mannen besprechen. Falls ihr heute Abend noch hier seid trinke ich gerne weiter mit euch."

Damit erhob er sich und ging zu einem etwas abgelegenen Tisch. Zwei Soldaten im mittleren Alter hatten wohl nur darauf gewartet und standen ebenfalls auf und warne vor ihm am Tisch. All setzten sich und waren schnell in ein Gespräch vertieft.
Bald darauf kam eine Gruppe von Soldaten zur Taverne und eine andere Gruppe ging dafür in Richtung der Riesen. Der Wirt hatte alle Hände voll zu tun und kam daher nur sporadisch an ihren Tisch, um Kylre und vielleicht auch Kara frisches Bier nachzugießen. Insgesamt war die Stimmung trotz der vielen Männer gedrückt, es wurde nicht gelacht und nur leise gesprochen. Die Einheimischen hatten sich mittlerweile alle in die Häuser zurück gezogen.

Fiona

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Erstes Kapitel - Das Grollen am Horizont
« Antwort #719 am: 22.05.2020, 20:22:51 »
Fiona lächelte dem Hauptmann dankbar zu. "Ghelryn also. Ich werde morgen einmal mein Glück in seiner Schmiede versuchen."

Qualitätsarbeit liefern sie ja ab, die Zwerge, das steht außer Frage. Aber hoffentlich weiß er seiner Arbeit auch die nötige Eleganz zu verleihen.

Auch Kara erntete ein dankbares Lächeln. "Ein wirklich schöner Rubin. Danke!" Der Edelstein verschwand in einem kleinen Beutel an ihrem Gürtel.

Als die wilde Kriegerin dann auch noch den Rest der Beute vorzeigte, wusste die Halbelfin auch keine rechte Antwort auf die Frage, was man mit so einem riesigen Kelch wohl anstellen solle. Vielleicht als Tränke für die Pferde? Aber da hatte Kylre natürlich schon eine andere Idee.

Innerlich schüttelte die Hofdame schon den Kopf ob der mangelnden Etikette der beiden Ruathym. Mit Kultur hatten sie auf der Insel oder auf ihrem Schiff offensichtlich nicht allzuviele Berührungspunkte. Dass hier ein größerer Teil der Bewohner in der Schlacht ihre Behausung oder noch mehr verloren hatten, kam ihnen garnicht erst in den Sinn, so schien es. Zumindest der Hauptmann legte aber ein gewisses Maß an Umgangsformen an den Tag und verfiel nicht gleich in Trinklieder und ein ausgiebiges Gelage, was ihm auch gleich einen missmutigen Seitenblick von Kylre einbrachte.

Mit der kurz hingehaltenen bekritzelten Tierhaut von Kara konnte Fiona nicht allzuviel anfangen. Sah sie aus wie eine Gelehrte? Nun, wenn man sich so umsah... konnte sie Kara diesen Gedankengang sicherlich nicht verübeln. Aber da hatte Kapitän Kylre sie auch schon an sich gerissen. Zumindest schien er der dort niedergeschriebenen Sprache durchaus mächtig zu sein.

Seinen alles andere als subtilen Annäherungsversuchen, stellte sich die Zauberin allerdings mit strafendem Blick entgegen, der hoffentlich ausreichte, um Kylre für einen kurzen Moment einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen zu lassen und ihn spüren zu lassen, mit welchen Mächten er sich hier einließ. Sie war schließlich eine Zauberin und nicht irgendeine dahergelaufene Schankmaid. Gedanklich entschuldigte sich die Halbelfin direkt bei der imaginären Schankmaid, die nun wirklich nichts dafür konnte.

Sobald Kylre dann wieder in sein normales Benehmen zurückfiel, fragte sie allerdings noch: "Was für ein Zwerg? Der Schmied? Was steht dort geschrieben?" Ihre Stimme klang dabei deutlich weniger freundlich, als er es gewohnt war und ein gutes Stück resoluter. Aber auch das würde sich sicherlich wieder legen...

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