• Drucken

Autor Thema: Wildwasser  (Gelesen 31547 mal)

Beschreibung:

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Kivan

  • Beiträge: 494
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #165 am: 10.11.2019, 15:02:38 »
Lob an begrüßte es, dass die anderen das Gespräch übernahmen. Es ärgerte ihn jedoch immer noch, dass sie den Spitzel nicht erwischt hatten. Der Waldläufer hielt sich daher zurück und ließ seinen Blick über die Umgebung schweifen. Es war schließlich nicht unwahrscheinlich, dass sie weiterhin beobachtet wurden.
Der Bogenmacher formt den Bogen, der Meisterschütze formt sich selbst.

Blutschwinge

  • Moderator
  • Beiträge: 2090
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #166 am: 10.11.2019, 19:51:22 »
Die Frau sah Eronomion verwundert an und dann blickte sie misstrauisch nach rechts und nach links. Sie schien etwas ratlos darüber, was hier gerade passierte. Schließlich nickte sie. "Dann kommt mal rein."

Sie ging ins Haus, die Gruppe hinterher. Der Mann setzte sich wieder auf die Bank, warf der Gruppe aber ebenfalls einen misstrauischen Blick hinterher. Drinnen war es eng und dämmrig, das Haus war klein und hatte nur winzige Fenster. Die Gruppe passte gerade so hinein. Sie zeigte auf einige Holzschemel, die um einen Tisch standen. "Ich habe nur vier Hocker, der Rest von euch muss wohl stehen. Und anbieten kann ich euch auch nichts."
Der Raum war ordentlich eingerichtet, die Möbel aus guten Holz, aber einfach gefertigt. Lenia selbst blieb stehen und sah die Gruppe schief an. "So, ihr wollt also helfen. Und wie?"
« Letzte Änderung: 10.11.2019, 19:52:41 von Blutschwinge »

Ponzio

  • Beiträge: 440
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #167 am: 12.11.2019, 12:37:19 »
Wie selbstverständlich setzte Ponzio sich auf einen der angebotenen Hocker - ein Privileg des Alters, welches er sich ungefragt herausnahm.
"Es gibt viele Wege, Erastils Werk zu tun." begann er, ohne auf Eronomion zu warten. "Einer ist der der Gerechtigkeit. Eurer Familie ist großes Unrecht angetan worden, und wir möchten den oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Wir wollen sicherstellen, dass so etwas nicht wieder geschieht, und dafür sorgen, dass in dieser Stadt wieder jeder frei sein Handwerk ausüben und frei seine Meinung äußern kann, ohne mit finsteren Machenschaften zu rechnen. Dazu müssten wir aber mehr über die Hintergründe dessen erfahren, was Eurem Mann zugestoßen ist.

Doch wir verstehen auch, dass Gerechtigkeit Euch nicht satt macht. Könnt Ihr uns mehr über Eure Situation erzählen? Gibt es einen Sohn, der das Handwerk Eures Mannes weiterführt? Wie sieht Eure finanzielle Situation aus? Wir haben, das muss ich leider dazu sagen, keine unbegrenzten Mittel zur Verfügung, doch wo es angemessen und notwendig ist, können wir Euch schon aushelfen."


Ponzio sah die Frau erwartungsvoll an: Sie konnte womöglich zur wichtigen Verbündeten werden, und er war bereit, davon auch einen Teil seiner privaten Goldreserven anzutasten. Doch viel konnte er ihr nicht anbieten, nicht nach dem Hauskauf.

Blutschwinge

  • Moderator
  • Beiträge: 2090
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #168 am: 15.11.2019, 11:29:33 »
Der Blick der Frau wurde immer verwunderter. Als Ponzio fertig gesprochen hatte, sah sie die Gruppe einen Moment an.
 
"Also, ihr seid wirklich komisch. Ich habe von euch gehört, ihr seid berühmt. Man sagt, ihr wollt hier ein Haus kaufen, ihr habt ein Monster getötet und jetzt kommt ihr zu mir. Und ihr scheint es gut zu meinen, aber ehrlich, ihr glaube ihr seid noch nicht lange genug hier um zu verstehen, wie das hier läuft. Mein Mann wurde umgebracht. Die Leiter wurde angesägt, das hat die Wache schnell herausgefunden, aber sie stand draußen, niemand hat etwas gesehen, man geht hier nachts nicht vor das Haus, also selbst wenn ihr es ernst meint, ihr kriegt den nicht. Und das Geschäft, das schaffen wir schon, ich brauche dafür keinen Sohn, meine Tochter und ich schaffen das auch. Wir Frauen halten hier viel zusammen. Das einzige, was uns hier helfen kann, ist die Zerschlagung der Händlergilde und ihrer käuflichen Helfer in der Verwaltung. Und das vermögt ihr nicht, fürchte ich."

Ihr Blick wanderte erneut über die Gruppe, als versuche sie zu erkennen, was in diesen Köpfen vorging.
"Aber ihr gebt den Menschen tatsächlich Hoffnung. Man spricht überall von euch. Also prüft eure Leitern, bevor ihr sie benutzt."

Alyssa

  • Beiträge: 573
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #169 am: 16.11.2019, 04:48:00 »
Für den Anfang hielt sich Alyssa etwas zurück und überließ es dem Rest zu reden. Sie begnügte sich damit, sich an den Tisch zu stellen und dem kurzen Gespräch zuzuhören. Bestärkend nickte sie Ponzio zu, denn seine Worte fand sie sehr gut gewählt. Auch Lenia schien dieser Meinung zu sein und sie war dankbar für die Hilfe, auch wenn sie glaubte, dass sie den Täter nicht finden konnten.
"Das freut uns zu hören. Wenn wir euch und eurer Tochter sonst irgendwie unter die Arme greifen können, dann sagt uns bitte wie. Wir versuchen zu helfen, wenn wir können." Zumindest ein letztes Mal wollte Alyssa das Angebot machen, auch wenn Lenia nicht wie eine Frau schien, die auf Hilfe angewiesen war oder diese überhaupt groß wollte. "Habt ihr keine Anhaltspunkte, denen wir nachgehen können, was den Täter angeht? Sind euch in letzter Zeit irgendwelche Personen besonders aufgefallen? War eine Person öfter hier, die ihr sonst nie gesehen hattet? Hattet ihr oder euer Mann Streit mit jemand bestimmtem? Alles was euch komisch vorkommt, kann ein möglicher Hinweis sein, also zögert nicht, uns davon zu erzählen."
Sie strich sich nachdenklich durchs Haar. Was konnten sie noch tun, um hier an mehr Informationen zu kommen? "Könnt ihr uns vielleicht den Ort zeigen, an dem euer Mann von der Leiter gestürzt ist?" Alyssa hatte nicht viel Hoffnung, dass sie dort mehr erfahren konnten. Es schien wirklich nur eine angesägte Leiter gewesen zu sein aber man konnte ja nie wissen, was eine magische Untersuchung und ein paar Adleraugen zu Tage fördern konnten.

Kyras Goldhand

  • Beiträge: 158
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #170 am: 16.11.2019, 12:00:26 »
Auch Kyras hörte sich erst einmal alles in Ruhe an und machte sich seine eigenen Gedanken zu dem was bisher gesagt wurde und welche Fragen bisher gestellt wurden. Es schien wohl nicht ganz so einfach zu werden wie sich alle erhofft hatten. Der oder die Täter waren also nicht gerade dumm und unvorsichtig.

"Ich möchte gerne noch einen weiteren Ansatz verfolgen bei dem Ihr vielleicht behilflich sein könnt", meldet sich dann Kyras zu Wort "Ihr habt von der Händlergilde erzählt. Könnt Ihr uns davon etwas mehr erzählen? Denn Ihr habt Recht wir sind noch nicht lange hier und kennen daher noch nicht alle Abläufe in dieser Stadt. Welchen Einfluss hat diese Händlergilde? Wie ist sie strukturiert? Wie wird man darin Mitglied? Wer gehört aktuell dazu und gibt es dort eine gewisse Rangfolge? Und was noch viel interessanter ist, wie hängt die Verwaltung in dem ganzen und welche Vorteile hat sie daraus? Ihr seht es wäre interessant für uns zu verstehen wie dieses ganze System funktioniert, denn nur wenn wir das verstanden haben, haben wir vielleicht eine Chance einen Weg zu finden wie man es ändern kann oder zu unserem Vorteil ausnutzen kann um es für alle gerechter zu machen."

Blutschwinge

  • Moderator
  • Beiträge: 2090
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #171 am: 16.11.2019, 18:20:37 »
Lenia antwortete zunächst auf Kyras Frage, vielleicht weil es die zuletzt gestellte gewesen war.

"Alle Händler der Stadt sind in der Händlergilde vertreten. Die großen Handelshäuser sind seit jeher darin vertreten und die kleineren Gewerbe können einen oder zwei Vertreter schicken. Die Händler bringen die Waren in das Land oder hinaus, sie bringen das Geld und sie haben das Sagen. Das ist so, seit ich mich erinnern kann. Gegen die Händler kann niemand etwas ausrichten, auch der König nicht. Und die Händler haben sich alles schön aufgeteilt, jeder handelt mit anderen Waren, so kommt man sich nicht in die Quere und kann die Preise diktieren. Der König hat einmal versucht, daran etwas zu ändern, es ist schon lange her, aber er ist gescheitert. Er wollte die Steuern erhöhen, um die Stadt besser in Stand halten zu können und plötzlich fehlen viele Waren, entweder waren die Wagen überfallen worden oder die Waren waren zu teuer geworden, so dass wegen der neuen Steuern der Handel nicht mehr lohnend war. Das ging fast ein halbes Jahr, bis die Not so groß war, dass die Steuern wieder gesenkt wurden, sie waren dann sogar niedriger als zuvor. Einige Jahre später versuchte der König, anderen Händlern eine Lizenz in der Stadt anzubieten, aber die wenigen Interessenten sprangen alle schnell ab. Es gab Gerüchte über Unfälle bei den auswärtigen Händlern und wer weiß was noch. Am Ende hat der König scheinbar den Kampf aufgegeben und die Stadt damit an die Händlergilde verkauft. Seit dem lenken die Sprecher der Händler die Geschicke der Stadt und des Landes, im Moment sind es Kathalina Lain und Eron Park. Aber der Titel Sprecher ist untertrieben, sie haben das Sagen und keiner widerspricht. Immerhin, sie sorgen dafür, das alle nötigen Waren da sind, aber die Preise steigen immer wieder. Ja, und mein Mann, der hat sich im Winter beschwert, weil wir an die einfachen Leute unsere Sachen verkaufen und die haben kein Geld. Wir können also nicht mehr verlangen, aber wir müssen immer teurer einkaufen. Also hat er sich mit anderen Markthändlern zusammen geschlossen und sie haben sich beschwert. Und was dann passierte, wisst ihr ja. Es ist draußen im Hof passiert, er musste aufs Dach, da gibt es ein Loch, das immer wieder geflickt werden muss. Die Leiter haben die Wachen mitgenommen. Sicher hat jemand aus der Gilde den Auftrag für den Unfall gegeben, aber wer weiß ich nicht. Im Moment haben wir keinen neuen Sprecher der Markt- und Straßenhändler, es hat sich keiner gefunden, der es machen wollte. Es ist sowieso egal. Wenn wir immer freundlich nicken, können wir auch weg bleiben und wenn wir widersprechen, passiert ein Unglück. Die Preise sind vor ein paar Tagen wieder gesunken, weil sie billiger einkaufen konnten, behaupten sie. Ich glaube sie wollen erstmal wieder alle zur Ruhe bringen. So läuft es hier in der Stadt."

Kyras Goldhand

  • Beiträge: 158
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #172 am: 16.11.2019, 18:43:45 »
Kyras ist doch etwas überrascht und zugleich doch sehr froh das sie diese Informationen nun erhalten haben und vor allem das es doch so detailliert war. Vor allem ist es nun klar das es in der Stadt doch noch mehr Machtpositionen gab wie nur den König. Es ist aber auch erschreckend wie machtvoll diese Händlergilde wohl ist.

"Um Sprecher der Markt- und Straßenhändler zu werden, bracht man vermutlich einen entsprechenden Handel? Kann jeder hier ohne weitere Auflagen Händler werden, oder muss man zuvor so etwas wie eine Konzession erwerben? Wenn ja was müsste man tun um eine solche Konzession zu erhalten?"

Blutschwinge

  • Moderator
  • Beiträge: 2090
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #173 am: 17.11.2019, 12:54:32 »
Lenia nickte. "Nur wer das Verkaufsrecht hat, darf handeln und für den Markt braucht man eine Marktlizenz. Und dann benennen wir als Markt- und Straßenhändler denjenigen, der für uns in der Gilde spricht. Und die ganzen Rechte und Lizenzen erteilt der Handelsrichter, nach Genehmigung durch die Händlergilde."

Ponzio

  • Beiträge: 440
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #174 am: 19.11.2019, 00:15:31 »
"Ist die Situation denn schon lange so wie Ihr sie beschreibt?", wollte Ponzio wissen. Auch er war überrascht - waren sie etwa auf dem kompletten Holzweg gewesen, und die Misere der Stadt lag weniger an der Habgier des Königs als an seiner Schwäche, sich nicht gegen die Handelsgilde durchsetzen zu können?
"Und hatte der Richter nichts zu den Gegebenheiten zu sagen?"
« Letzte Änderung: 19.11.2019, 23:51:27 von Ponzio »

Kyras Goldhand

  • Beiträge: 158
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #175 am: 19.11.2019, 19:51:31 »
"Hmm, Na gut. Was meint Ihr wie realistisch es ist das wir es schaffen eine solche Lizenz zu bekommen? Und was würde es uns kosten? Es wäre doch zu schön wenn wir einen Fuß in diesen Rat rein bekommen würden. Vielleicht kann uns mein Bruder ja auch ein wenig bei diesem Manöver unterstützen. Es muss ja mal zu etwas gut sein das er im Norden das Handelsimperium unserer verstorbenen Eltern übernommen hat."

Blutschwinge

  • Moderator
  • Beiträge: 2090
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #176 am: 21.11.2019, 07:35:52 »
Lenia zuckte mit den Schultern. "Das ist schon immer so, es sind Geschichten. Mein Vater hat sie mir erzählt, er war auch schon Markthändler hier. Und es ist ja alles nicht gegen das Recht oder man hat es nicht geschafft, etwas zu beweisen."

Als Kyras dann nach einer Lizenz fragte, musste sie lachen. "Naja, ihr müsst hier wohnen, aber ein Haus habt ihr ja bald. Ehrlich, ich kann es mit nicht vorstellen, dass es einfach sein wird, aber wenn ihr nur lange genug aushaltet und lästig seid, also immer wieder anfragt und Einsprüche gegen die Ablehnungen einlegt, dann wird die Verwaltung vielleicht irgendwann nachgeben."

"Trinkt ihr Tee, dann setze ich mal Wasser auf." Der eher zurückhaltende Haltung hatte die Frau mittlerweile abgelegt. Sie ging in die kleine offene Kochnische und begann ein glimmendes Feuer anzufachen.
« Letzte Änderung: 21.11.2019, 07:36:12 von Blutschwinge »

Kyras Goldhand

  • Beiträge: 158
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #177 am: 21.11.2019, 11:50:37 »
Die Fragen von Kyras sind im Moment alle erst einmal beantwortet.

"Ich dachte mir schon das es alles etwas zeitaufwendig und schwierig werden wird", meinte er dann nur knapp "Achja, den Tee würde ich sehr gerne annehmen"

Blutschwinge

  • Moderator
  • Beiträge: 2090
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #178 am: 24.11.2019, 09:17:11 »
Es dauerte eine ganze Weile, bis das Wasser kochte. Lenia bereitete derweil eine einfache Tonkanne vor, warf einige getrocknete Blätter hinein und am Ende füllte sie noch etwas ein, das wie ein dunkler Sirup aussah. So lange hatte die Gruppe die Möglichkeit, sich ungestört zu unterhalten.

Schließlich füllte sie das kochende Wasser in die Kanne und brachte den Tee und danach einige kleine Tongefäße zum Tisch, neben dem die Gruppe platz genommen hatte. Danach verteilte sie den Tee an alle, die ihn probieren wollen, Lenia trank ebenfalls davon. Er roch würzig nach Kräutern und schmeckte angenehm kräftig und leicht bitter.

Sie tranken also ihren Tee und dann verabschiedeten sie sich. Beim hinausgehen sagte Lenia zu Kyras: "Wenn du eine Lizenz hast dann komm wieder vorbei. Und wenn es nicht klappt kannst auch kommen, dann kriegst du hier einen Tee, das macht gute Laune." Sie lachte und wünschte der Gruppe alles Gute.

Als sie aus dem Haus kamen saß ein Junge neben dem Mann auf der Bank. Er sprang auf, als die Gruppe das Haus verließ und kam auf sie zu. "Karl hat mich geschickt um euch zu holen. Und er hat gesagt, ich bekomme dafür ein Kupferchen von euch" Breit grinsend stand der Junge vor ihnen.[1]
 1. Wenn ihr zurück geht, schiebe ich euch weiter. Falls nicht sagt einfach, wohin ihr wollt.
« Letzte Änderung: 29.11.2019, 19:52:21 von Blutschwinge »

Ponzio

  • Beiträge: 440
    • Profil anzeigen
Wildwasser
« Antwort #179 am: 01.12.2019, 13:11:45 »
Ponzio überlegte kurz - wenn Karl sie holen ließ, hatte er ihnen vielleicht etwas mitzuteilen. Ansonsten konnten sie später noch ihren anderen losen Fäden nachgehen.
"Hier, für dich." sagte er, als er dem Jungen ein Kupferstück zuschnippte. "Dann geh mal voran, nicht dass wir uns noch verirren." fügte er lächeln hinzu.

  • Drucken