Autor Thema: [Scene 7] Auch dem ungeschickten Schwertschmied gelingt einmal ein gutes Schwert  (Gelesen 865 mal)

Beschreibung: Chúseis 3.Szene

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Tsuyoshi

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In seinem Eifer fällt dem jungen Samurai kaum auf, wie teilnahmslos die Frau vor ihm mit einem Mal erscheint. Er drängt sie vielmehr zu einer Eile, die sich auffällig von der Art abhebt, in der er bislang immer durch das Dorf stolziert ist – betont langsam, als könne ihn nichts erschüttern, typisch für einen Vertreter seiner Kaste eben. Tsuyoshi wirkt nun trotz der auffälligen Narbe in seinem Gesicht, der harten Hände und des entschlossenen Gesichtsausdrucks erheblich jünger als seine Begleiterin. Dies ist kein abgeklärter, alter Veteran, sondern ein junger Krieger, der sich angesichts eines Missstands mit der Energie der Jugend dafür entschieden hat, jetzt und hier zu handeln. Nur um welchen Missstand es sich da handelt, das ist für jeden außer ihm unklar, und vielleicht gar für ihn selbst...

An der Behausung der Schmiedefamilie angelangt, verfolgt er mit sichtlicher Aufregung, wie Chúsei die Schwerter aus ihrem Versteck holt. Als die Klingen endlich vor ihm liegen, lässt er die erste sinken, geht auf ein Knie und streicht mit den Fingern der freien Hand beinahe ehrfürchtig über die Waffen. "Die Vollkommenheit eines Menschen ist Illusion. Die Vollkommenheit seiner Werke allein existiert..." zitiert er einen seiner Lehrmeister und neigt den Kopf. Er macht den Eindruck, als sei er von dem Funkeln des Stahls wahrhaft ergriffen. Sogar die neugierigen, schon fast unverschämt offenen Blicke der Frauen und Greise, die ihn und Chúsei auf seinem hastigen Gang zur Schmiede begleitet haben, sind ihm offenbar nicht einmal bewusst geworden.

Miko Yumi

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Chúsei ist erleichtert, als sie ihr Haus erreichen, ohne ihrer Tochter zu begegnen. Kurz nach der Schwelle kehrt auch wieder Leben in sie zurück. Ohne Eile, aber zügig führt sie den Krieger in die Schmiedestube. Direkt angrenzend, durch eine Holztür getrennt, findet sich eine ganze Menge Schmiedegut, ordentlich gestapelt. Ein aufmerksames Auge hätte sicherlich die kleinen Klingen, Speer- und Pfeilspitzen gesehen, doch hatte sie mit Tsuyoshi nur über die Schwerter gesprochen. Also holt sje diese heraus und legt sie ihm vor. Das Gewicht scheint ihr überhaupt nichts auszumachen.

Wie er so in Betrachtung versinkt, beginnen Chúseis Gedanken erneut zu rasen. Würde er sie quasi bestehlen? Was könnte sie dann tun? Kraft und Umgang mit dem Speer hatte sie, doch bräuchte sie die Überraschung auf ihrer Seite, um einen erfahrenen Krieger zu überwältigen. Sie tritt nahe genug heran, dass er nur noch auf Armesreichweite entfernt ist (und damit die Klingen genauso leicht erreichen kann wie Tsuyoshi). "Herr? Was ist nun euer Plan? Und habt ihr über mein Angebot entschieden?"

Nach kurzem Ringen mit sich selbst ergänzt sie: "Es ist nicht so, dass wir wehrlos und panisch sind. Wir sind bereit, unser Dorf zu verteidigen und sind mit den Werkzeugen unserer Arbeit vertraut. Und wir werden alles daran setzen, unsere Lieben zu schützen!" Sie unterstreicht ihre Entschlossenheit mit einem Griff nach einem herumliegenden Maßstock, den sie mit nur einer Hand zerbricht. "Nur sind ein Dämon und bewaffnete Männer zuviel für uns, wir brauchen eure und die Hilfe eurer Leute!", bittet sie mit flehenden Unterton um Hilfe. Der Umgang mit höheren Herrschaften ist sie allerdings nicht gewohnt, so kommt es etwas merkwürdig rüber.

Tsuyoshi

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Er schaut mit einem Gesichtsausdruck auf, als würde ihm erst in diesem Moment wieder bewusst, dass er nicht allein ist. "Dies hier darf nicht in die Hände von ehrlosen Banditen fallen! Sie könnten damit großen Schaden anrichten" sagt er bestimmt. Bei Chúseis Erwiderung runzelt der Ronin erst die Stirn, dann wirkt er für einen Augenblick erheitert. "Euch verteidigen, das Dorf schützen..?!" echot er und scheint lachen zu wollen. "Was sollen ein paar Weiber, Kinder und Greise schon ausrichten? Ihr seid..." Mitten im Satz hält er inne, starrt auf die Klinge in seiner Hand und sinniert sichtlich. Als er wieder aufschaut, vollendet er seinen Satz mit sehr viel ernsterer Miene: "...jedenfalls mutig. Mut ist eine Tugend, die man hoch einschätzen muss. Manchmal höher als Kraft und Erfahrung..." Sein Schmunzeln bei ihrer Demonstration ist diesmal eher gutmütig als abfällig, verschwindet aber rasch wieder. "Ich habe keine Gefährten mehr. Sie sind in alle Winde verstreut, haben sich übers Land verteilt wie Wogen im Meer – Ronin" erklärt er Chúsei tonlos. "Es gibt nur mich." Er steht auf, nimmt die Klingen an sich, ohne nachzudenken, macht einige Schritte. Dann bleibt er noch einmal stehen, dreht sich zu ihr um und ergänzt: "Mich und euren Mut. Ich muss nachdenken." Ehe er seinen Weg fortsetzt und die Hütte verlässt, sieht er ihr in die Augen – und neigt kurz, aber deutlich seinen Kopf zum Abschied. Eine Geste, die man nur gegenüber Gleichgestellten erwarten würde. Und die Schmiedewitwe ist sich nicht sicher, ob da nicht auch ein kaum merkliches Lächeln um seine schmalen Lippen gespielt hat.
« Letzte Änderung: 25.09.2018, 19:29:56 von Tsuyoshi »

Miko Yumi

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Die Eröffnung des jungen Kriegers, nicht die Vorhut einer Menge von Samurai zu sein, trifft die Frau des Schmiedes sehr. Sie sieht die Chancen gegen die Räuberbande schwinden und gebinnt sich zu fragen, was Tsuyoshi eigetnlic antreibt. Dabei sinkt ihr Blick und fällt auf die Klingen, die er nun droht, fortzutragen. Da sie etwas sind, das durchaus zur Verteidigung gebraucht werden könnte, will sie sich eigentlich nicht mehr trennen von ihnen. Und sie fragt sich, ob er sie nicht quasi stiehlt. Sie tritt vor, packt sein Handgelenk mit erstaunlicher Kraft und Festigkeit, und schaut ihm aus nächster Nähe in die Augen: "Herr, überlegt euch, was ihr tut. Euer Lob schmeichelt, doch denkt daran, dieser Mut" - und dabei drückt sie die Hand, die die Klingen trägt, schmerzhaft - "kann sich auch gegen den richten, von dem man enttäuscht oder verraten wurde." Sie hält seinem Blick stand und ergänzt: "Sagt mir, was ihr mit meinen Schwertern vorhabt oder besser noch, führt mich zum Versteck, das ihr für sie plant!"

Tsuyoshi

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Die Miene des Samurai ist bei dem raschen Griff nach seinem Handgelenk erst überrascht, dann ungläubig, und schließlich wird sie zornig. Mit einem harten Ruck reißt er sich los, und die nun freie Hand fährt blitzschnell zum Griff seiner Waffe, um die Frechheit der Bäuerin mit einem einzigen, tödlichen Hieb zu bestrafen. Er hat die Klinge bereits halb herausgezogen, als er in der Bewegung verharrt. Sein Blick bohrt sich in Chúseis Augen. "Deinen Mut, Frau, hast du nun zweimal bewiesen" sagt er endlich beherrscht und lässt das Katana mit einem singenden Laut wieder in die Scheide zurückgleiten. "Du solltest nur aufpassen, dass es kein Übermut wird!"

Nachdem er sie auf diese Weise zurechtgewiesen und erneut nach den Schwertern gegriffen hat, fügt er hinzu: "Du hast mein Wort als Samurai, dass ich mich nicht an diesen Waffen bereichern werde. Ich will sie lediglich dem Zugriff der Banditen entziehen, denn bei aller Entschlossenheit seid ihr nicht in der Lage, sie angemessen zu führen, und habt auch nicht das Recht dazu. Sollte ich in die Lage kommen, sie selbst benutzen zu müssen, verpfände ich meine Ehre dafür, dass ich nicht ruhen werde, bis du den Lohn für die Arbeit deines Mannes bekommen oder die Schwerter selbst zurückerhalten hast." Mit einem Ruck seiner Schultern lockert er die angespannten Muskeln. "Vielleicht" sagt er mit einem Blick in die Ferne "werden sie dann Blut gekostet haben."

Tsuyoshi

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~ Ende der Szene ~