Autor Thema: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.  (Gelesen 413 mal)

Beschreibung: Chúseis 5.Szene

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Josei Kimiko

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All die neuen ungewohnten Erlebnisse und unerwarteten Erkenntnisse schwirrten in Chúseis Kopf, solange bis ihre Gedanken sich wieder ohne Ausweg im Kreis drehten. Der junge Krieger hatte ihr eröffnet, dass er allein und ohne Fürst ist, er hatte ihre Schwerter ohne Versprechen des Schutzes irgendwo hin mitgenommen und sie hatte sich seinem Stand und der Gefahr, die von ihm ausging, gegenüber völlig unangemessen verhalten. Das sie noch lebte war das einzige, was sie Positives sehen konnte. Weiterhin von ihren Ängsten und Sorgen getrieben verließ sie ihr Haus und wanderte ziellos umher. Es reichte aber nicht, sie abzulenken .

Dann entdeckte sie einige Kinder beim Samurai-Spielen und erinnerte sich zurück an die Zeit, als ihr Mann noch da war - Wie er und die anderen Männer trainiert hatten. Plötzlich wurde ihr klar, was sie zu tun hatte - sie würde diejenigen, die damals dabei und nicht mitgezogen waren zusammentrommeln und mit allen, die den Willen dafür haben, trainieren.

Einige Zeit später konnte man die Kraftrufe einiger Frauen, Alten und Jungen hören, die sich auf einer Weide neben dem Dorf versammelt hatten. Mit langen, geraden und beschwerten Stäben wiederholen sie gemeinsam im Gleichtakt die Bewegungen, die Chúsei und einige andere Geübtere vormachen. Es waren unverkennbar  Übungen, die Ashigaru für die Verwendung von Yari oder Naginata lernten. Ein paar wirklich alte Bauern beobachteten das Schauspiel und gaben mehr oder weniger hilfreiche Kommentare, Bei den Jungen war schwer zu unterscheiden, wer mit Ernst trainierte und wer nur nachmachte beziehungsweise -spielte.

Tsuyoshi

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[Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
« Antwort #1 am: 03.10.2018, 16:17:15 »
Eine ganze Weile nach dem Gespräch mit Chúsei marschiert der Ronin erneut durchs Dorf. An seiner Seite prangt nun neben dem Wakizashi eine der meisterlichen Klingen, die er von der Schmiedewitwe erhalten hat. Seinem grimmigen Gesichtsausdruck ist anzusehen, dass er gereizt ist. Den Grund für diese Gereiztheit erkennt man allerdings nicht so leicht: Es ist der Ärger über sich selbst. Er hat aus seinem Ehrgefühl heraus sofort für sich beschlossen, dass die herrlichen Waffen einem guten Zweck zugeführt werden müssen, einem ehrenhaften, und nicht in die Hände von Banditen fallen dürfen. Doch er hat nicht im Entferntesten die Mittel, gleich mehrere solcher Klingen zu bezahlen – während seine Ehre ihn wiederum daran hindert, sie einfach so mitzunehmen. Zurückgeben kann er sie nach seinen Worten auch nicht mehr ohne einen Gesichtsverlust. Alles in allem eine Lage, in der er keinen rechten Ausweg mehr weiß.

In diesen düsteren Gedanken gefangen tritt er zwischen den letzten Hütten hervor und blickt dann auf das schmale Stück Weideland zwischen den Felsen des kargen Gebirgsbodens, das wohl allenfalls einigen sehr genügsamen Kleintieren ausreichen mag. Der Anblick der dort übenden Frauen, Greise und halben Kinder lässt ihn zurückprallen und ganz perplex schauen. Dann packt ihn mit einem Mal die Wut, und es flammt in seinen Augen auf. Raschen Schrittes marschiert er zu den Dörflern, reißt dem ersten besten die hölzerne Stange aus den Hände und herrscht den erschrockenen alten Mann an: "Was ist das?! Was soll das werden?!" Die stammelnde Entschuldigung des gebeugten Bauern wischt er mit einer Handbewegung beiseite, ohne sich um die betroffen schauenden "Krieger", hauptsächlich Dorffrauen, zu kümmern.

"So würde nur ein krummbeiniger Gebirgsaffe seine Lanze halten. Hier und hier fasst man zu" brüllt er, indem er den Stab packt und so blitzartig in Kampfstellung geht, dass der Stoff seiner Ärmel knallt. "So! Grundstellung! Zustoßen! Abwehr, Zurückweichen! Zustoßen!" Vor den Augen der versammelten Mannschaft exerziert der Samurai die grundlegenden Bewegungen durch, die ein Ashigaru braucht, um in einer Formation zu kämpfen. Dann drückt er dem völlig verdutzten Bauern das Holz wieder in die dürren Hände. "Nachmachen! Los!" kommandiert er laut. "Nicht so, du Tölpel! Du stößt ja deinem Nachbarn ein Auge aus! So – hier, und hier, und so! Noch mal!" Wie bei einem Rekruten packt Tsuyoshi die Unterarme des Alten und führt ihm die Waffe, bis der Bauer es begriffen hat. Dann wendet er sich an die anderen: "Wenn ihr schon kämpfen wollt, dann müsst ihr es richtig tun, sonst könnt ihr den Banditen auch gleich in die Klingen laufen!" Sein Blick wandert über die Reihen, als er sich ereifert.

Josei Kimiko

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[Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
« Antwort #2 am: 10.10.2018, 18:09:49 »
Bevor Chúsei auf Tsuyoshi aufmerksam wird, redet sie gerade auf eine Gruppe jüngerer Frauen ein: "Ihr habt doch die Miko bereits mehrfach zur Jagd begleitet, geht zu ihr und überzeugt sie davon, euch weiter zu unterweisen - verstecken, schleichen, Herstellung von und Umgang mit den Jagdwafffen - ihr wisst schon, Fallen, Schleuder, geworfene Waffen, Bogen. Einiges habt ihr doch schon gelernt!" Erst ist sie etwas irritiert, als sie merkt, dass die Frauen ihr nicht mehr richtig zuhören, dannbeginnt der Tumult hinter ihr und eine vertraute junge, barsche Stimme kommandiert herum.
Sie scheucht die Frauen zu ihrer Aufgabe und wendet sich um, um das Geschehen zu beobachten. Zunächst kann sie den Anblick der Trainingsbewegungen genießen, dann faltet der junge Kriger seine Schüler weiter zusammen. "Bei der Nervosität werden wir nichts mehr hinbekommen, geschweige denn unser bißchen Mut behalten.", denkt sie, traut sich aber nicht, etwas zu sagen.
Als er endlich verstummt und durch die Reihen starrt, ergreift sie - den Stab untergehakt - das Wort: "Lasst uns dem ehrenwerten Herren für seine Hilfe und Einsatz danken! Denkt daran, was passieren würde, wenn wir nicht bereit sind! Dann verliert jedes Training seinen Schrecken!" Geschickt kommt sie sich nicht vor, aber sie ist nun mal eher eine Frau der Taten als der Worte. Entsprechend tritt sie demonstrativ vor die Gruppe und führt die Bewegungen energisch und kraftvoll durch.

Tsuyoshi

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« Antwort #3 am: 11.10.2018, 19:50:41 »
Breitbeinig steht der Ronin vor den versammelten Bäuerinnen, jungen Burschen und Greisen und lässt seinen Blick über die Reihen schweifen – reichlich krumme Reihen, denen man in vielerlei Hinsicht ansieht, dass hier keine trainierten Kämpfer stehen. Seine Mundwinkel sind unwillig nach unten gezogen, doch er wird von dem Bild, das sich ihm bietet, offenbar nicht dazu bewegt, sich resignierend abzuwenden. Vielmehr lässt er Chúsei ihre kurze Ansprache halten, ehe er mit ausgestrecktem Finger auf sie zeigt und fordert: "So wie sie – nachmachen, alle!" Darauf beginnt für die Ungeübten eine harte Lektion, die ihnen schon bald den Schweiß auf die Stirnen treibt. Natürlich will niemand vor allen anderen zurückstehen, doch der Samurai lässt sie unerbittlich üben, nochmals üben und wieder üben, bis immer mehr Lungen sich durch lautes Keuchen und Pfeifen bemerkbar machen.

Ein alter Mann lässt sich mit einem Klagelaut zur Seite sinken. Sofort steht Tsuyoshi neben ihm und sieht auf ihn hinunter. "Erbarmen, Herr... ich bin ein alter Mann, ich kann nicht mehr..!" röchelt der Alte. "Glaubst du, die Banditen werden danach fragen, wenn sie vor euren Hütten stehen und deine Enkelin holen wollen?" Der stumme Blick des Greises sagt alles. Er lässt den Kopf hängen. Da greift der Ronin zu, zieht ihn wieder auf die Füße und drückt ihm den fallengelassenen Übungsspeer in die zittrigen Hände. "Du willst dein Dorf verteidigen?" fragt er. Der Alte blinzelt ihn an. Dann strafft er sich, so gut er kann, packt das Holz fester und bemüht sich um Haltung: "Das will ich, Herr!" Ein knappes Nicken Tsuyoshis, und er beginnt wieder die Reihen auf und ab zu marschieren, seinen Holzspeer wie einen Marschallstab unter die Achsel geklemmt. Bei jedem und jeder einzelnen korrigiert er Haltung und Bewegungen, bei Chúsei ebenso wie bei allen anderen.

Tsuyoshis Gesichtsausdruck ist undurchdringlich. Er konzentriert sich offenbar voll auf den Drill. Und für den Moment scheint es fast, als reiche die bloße Anwesenheit des Samurai aus, um alle anzuspornen: Sie leisten, was sie können.

Josei Kimiko

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« Antwort #4 am: 22.10.2018, 07:07:36 »
Während die meisten mit verzweifelndem Ernst bei der Sache sind, wird es einigen fast noch kindlichen Jungen und Mädchen zu viel. Vereinzelt versuchen sie sich davon zu stehlen, doch mögliche Beschämung und Aufmerksamkeit der anderen bremst die meisten. Lieber klappen sie vorzeitig vor Erschöpfung um. Chúsei, die die Korrekturen und damit verbundene Nähe des jungen Ronin kaum registriert, ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Wie einer der älteren, mit Respekt behandelten Männer, kommt sie zwar ins Schwitzen, wiederholt die Bewegungen aber konzentriert und kraftvoll. Ihre Ausdauer scheint kaum zu erschöpfen, ihr Fokus schwer zu brechen. Das Letzteres eigentlich mehr mit ihrem Unwillen, sich von Angst beherrschen zu lassen, zusammenhängt, weiß außer ihr keiner.

Als es endliche iene Pause gibt und die meisten einfach an Ort und Stelle niedersinken, flüchten erst die Jüngsten und beginnt Chúsei mit anderen, Wasser zu holen und zu verteilen. Schließlich kommt sie bei Tsuyoshi an und bietet ihm ebenfalls die Kelle an, von der schon die anderen getrunken haben. Eigentlich ist er wesentlich weniger von Durst und Erschößfung betroffen, aber mit vorsichtiger Zurüclkhaltung (sprich: stumm) bietet sie ihm das Wasser trotzdem an. Unabhängig von seiner Entscheidung scöpft sie sich selbst den letzten Tropfen aus dem Eimer und bleibt zunächst neben dem jungen Krieger stehen, um ihre Atmung wieder in ruhige Bahnen zu lenken.

Tsuyoshi

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« Antwort #5 am: 23.10.2018, 20:12:59 »
Bis zum Abschluss des Trainings bekommen die Dörfler von dem Ronin wenig mehr zu hören als Kommandos. In seinen Augen eine große Ehre für sie, werden sie doch immerhin fast genauso behandelt wie echte Kämpfer – für die meisten unter ihnen aber eher eine sehr unwillkommene Ehre, wie das pfeifende Keuch- und Japskonzert hinterher beweist. Tsuyoshi selbst hat zwar ebenfalls diverse der Übungen gemacht, allein schon zur Demonstration, zeigt aber keine erkennbaren Anzeichen von Erschöpfung außer den dunklen Schweißflecken auf dem Kimono, wie sie bei diesem heißen Sommerwetter nicht zu vermeiden sind.

Schweigend nimmt er das Wasser von Chúsei entgegen und trinkt einen Schluck, ehe er einen weiteren Blick über die erschöpften Dorfleute schweifen lässt und nach einigem Zögern laut erklärt: "Genug für heute. Morgen in aller Frühe machen wir weiter." Sie sehen zu müde aus, als dass er heute noch viel mit ihnen anfangen könnte. Dann wendet er sich der Frau zu, die bis zum Ende geübt hat, ohne aufzugeben. Sie wirkt genau betrachtet nicht wesentlich weniger angegriffen als die anderen, scheint aber willentlich gegen die Erschöpfung anzukämpfen. Lange ruht sein Blick auf ihr, während er sich auf den Übungsspeer stützt.

Josei Kimiko

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« Antwort #6 am: 01.11.2018, 07:25:21 »
Anscheinend bekommt Chúsei von Tsuyohis Blicken zunächst nichts mit, denn sie trinkt zunächst ungeniert vor ihm, um dann die letzten Wassertropfen zur Kühlung in ihr Gesicht zu werfen. Als der junge Krieger dann die erschöpften Dorfbwohner entlässt, kann die Frau des Schmiedes nur hoffen, dass diese wieder zurückkommen werden. Sie beobachtet die Gehenden eine Weile und versucht abzuschätzen, wie die Aussichten auf ein Wiedersehen sind.

Als der Großteil gegangen ist und ihr Atem sich wieder beruhigt hat, wendet sie sich dem neben ihr Stehenden zu und bemerkt erst, wie er sie ansieht. Nun weicht sie dem Blick aus und wirkt leicht verlegen, denn sie fragt sich, was wohl durch seinen Kopf geht. In seinen Augen muss das alles hier sehr bescheiden wirken. Da weiter kein Wort kommt, sieht sie auf und entschließt sich, den jungen Mann mit einer kleinen Geste mehr an die Gemeinschaft zu binden: "Herr, nach diesen Strapazen wäre eine kräftigende Mahlzeit sicher angemessen. Darf ich euch mein bescheidenes Haus anbieten, auch wenn die Zubereitung noch ein wenig dauern wird?"

Tsuyoshi

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[Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
« Antwort #7 am: 02.11.2018, 19:56:52 »
Die Verlegenheit der Dörflerin nimmt der Ronin gelassen zur Kenntnis. Als Angehöriger einer Kaste, die von Kindesbeinen an eine klare Trennlinie zwischen sich und den niedrigeren Ständen zieht – und sei der einzelne Samurai noch so arm und abgerissen – ist er es kaum anders gewohnt. Die unerwartete Einladung Chúseis allerdings lässt ihn zum ersten Mal Anzeichen echter Überraschung zeigen: Er richtet sich auf, runzelt die Stirn, scheint zu überlegen. Seine Blicke gleiten über die einfache Frau, bis er irgendwann einmal langsam und tief nickt. "Ich nehme dein Angebot an" erklärt er in einem förmlich klingenden Ton, wie er im Allgemeinen eher zwischen Samurai üblich ist.

Ihre vorsorglichen Einschränkungen und Entschuldigungen wischt er mit einer Handbewegung beiseite. "Sei unbesorgt, Frau: Mein Vater war nicht reich, so dass ich wahrscheinlich kaum öfter geschälten Reis gegessen habe als du." Damit legt er den Speer locker auf die Achsel und mach eine halbe Wende, um sich dem Dorf zuzuwenden. Ehe er den ersten Schritt macht, erkundigt er sich allerdings noch: "Hast du denn überhaupt genug Vorräte? Du und dein Kind, ihr sollt deswegen nicht hungern müssen." Er klingt dabei wegwerfend und stolz, als wäre die Einladung für ihn nicht mehr als eine pure Höflichkeitsgeste. Seine abgetragene Kleidung spricht allerdings eine andere Sprache, was seine Versorgung mit weltlichen Gütern angeht.

Josei Kimiko

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« Antwort #8 am: 06.11.2018, 17:51:08 »
Das der junge Krieger ihre EInladung annimmt, freut die Frau des Schmiedes und lässt sie innerlich erleichtert ausatmen, dass sie anscheinend keine unbeabsichtigte Beleidigung ausgesprochen hat. Sie ordnet ihr leicht zerzaustes Haar und streicht ihre Kleider glatt, während Tsuyoshi sden Aufbruch beginnt. Gerade will Chùsei folgen, einen Schritt schräg hinter ihm, da sie nicht führen braucht und fern seines Standes ist, da dreht er sich um und gewährt ihr einen weiteren Einblick in sein Leben, gepaart mit einer Frage, die Aufmerksamkeit und Mitgefühl ausdrückt. Sie nickt, lächelt und geht nicht auf seine ärmlichen Verhältnisse ein, stattdessen sagt sie: "Es ist nicht üppig, doch reicht der Reis. Mit anderem Gesammeltem und Gejagtem ist es genug, das verspreche ich euch." Ihr Lächeln und ihr Blick werden frecher: "Gerade euer Geschenk an das Dorf in Form des Wildfleisches macht diese Mahlzeit für uns zu einem Ereignis" Man könnte den Eindruck gewinnen, das die Dörfler wohl auch mehr zu reden hätten über die gemeinsame Jagd der jungen Leute als nur über die Beute.

Auf dem Weg werden die beiden von vielen beobachtet, vor allem jüngeren Frauen, doch alle machen ehrerbietig Platz und behelligen sie nicht. Bei der Schmiede angekommen schlüpft Chúsei vor ihrem Gast hinein und prüft, ob Tisch und Sitzgelegenheit anietbar sind. Nach dem Eintreten bekommt Tsuyoshi ein Becher Wasser angeboten und die Frau des Schmiedes macht sich daran, die Mahlzeit zu bereiten. Über dem Feuer köchelt bald der Reis, gemeinsam mit etwas getrocknetem Gemüse, während das Wildschweinfleisch separat gebraten wird. Von sich aus beginnt die Gastgeberin kein Gespräch, ist sie doch nicht in der hohen Kunst der Konversation ausgebildet und sich dessen bewusst.

Tsuyoshi

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« Antwort #9 am: 07.11.2018, 20:00:28 »
Ohne sich um die Blicke der Dörfler zu kümmern, marschiert der Ronin mit demonstrativem Selbstbewusstsein hinter der Schmiedewitwe her. Auf ihre Worte hat er nur knapp genickt, worauf sein Blick sofort wieder von ihr abglitt – wobei es schwer zu sagen ist, ob das aus dem üblichen Stolz des Samurai heraus geschah, der einfache Leute nicht wahrnimmt, oder weil er keine Antwort auf ihr verstehendes Lächeln und ihrer Blicke wusste. Immerhin weiß sie nun, dass er selbst kein im Laufe des Krieges verarmter Edelmann ist, sondern von vornherein aus der Familie eines Samurai stammt, der von seinem Lehnsherrn nicht sehr reichlich bedacht wurde. Falls er verlegen ist, dann muss jedenfalls die besondere schweigende Würde, mit der er sein Wasser entgegennimmt, ebenfalls Ausdruck dessen sein:

Er sitzt mit untergeschlagenen Beinen relativ entspannt, hat das Daisho neben sich abgelegt wie jeder gute Krieger und wartet mit stoischer Geduld auf das Essen. Nur gelegentlich wandert ein ganz kurzer Blick in Richtung des Feuers, von wo ein Geruch herüberweht, der einem den Hunger doppelt bewusst macht. Schließlich meint er in beiläufigem Ton: "Das Fleisch stammt von der Jagd, aber du hattest noch genug Reis und Gemüse – sicherlich nicht einfach für eine Frau ohne Beschützer. Dein Mann muss wohl sehr zufrieden gewesen sein mit seiner Familie." Das Wörtchen "zufrieden" kommt nach einer kaum merklichen Pause über Tsuyoshis Lippen, als habe er ursprünglich etwas anderes sagen wollte. Bedächtig hebt er den Becher und setzt ihn an, um in kleinen Schlucken zu trinken, als habe er einen heißen Tee vor sich.

Josei Kimiko

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« Antwort #10 am: 16.11.2018, 07:14:08 »
Ohne den Blick von ihrer Arbeit abzuwenden, Chùsei ohne Zögern: "Herr, die Lage unseres Dorfes ist nicht schlecht und wir arbeiten eng zusammen. Familien mit Kindern oder Ungeborenen werden großzügiger bedacht als ihr Arbeitsanteil ist. Wobei mein Arbeitsanteil bei aller Bescheidenheit eher größer ist als den meisten alleinstehenden Frauen." Anschließend werden ihre Worte zögerlicher, ohne dem Stolz Abbruch zu tun: "Unsere Tochter ist unser ein und alles und wir...waren eine glückliche und gesegnete Familie. Mein Mann hat..te nie geklagt, eher anderen gegenüber mit uns angegeben." Nicht nur wirkt ihre Wortwahl unsicherer, auch ihre Arbeitsbewegungen sind konzentrierter.

Für ein paar Augenblicke beibt es stilll, wenn man von Chùseis Küchengeräuschen absieht. Dann teilt sie mit: "Es ist getan." und teilt das Fleisch in drei Portionen. Dem Gast gibt sie die größte, sich selbst nimmt sie die kleinste. die dritte wird zusammen mit einer großzügigen Portion Reis und Gemüse für später verstaut, wahrscheinlich die Tochter. Das sich Chùsei auch von den Beilagen wenig nimmt, bleibt genug für einen großzügigen Nachschlag für Tsuyoshi nachdem angerichtet ist. Kaum ist alles fertig, setzt sich Chùsei ihrem Gast gegenüber und wartet darauf, dass er die Mahlzeit eröffnet.

Tsuyoshi

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« Antwort #11 am: 16.11.2018, 20:13:49 »
Während seine Gastgeberin spricht, nickt der Ronin einige Male nachdenklich. Chúseis Worte bestätigen so ziemlich das Bild, das er sich von dieser Frau gemacht hat. Ihre Arbeit zur Vorbereitung der Mahlzeit übergeht er, gewohnt, diese Dienstleistung Angehörigen niederer Stände und dort insbesondere den weiblichen unter ihnen zu überlassen. Immer wieder nippt er an seinem Wasser – weil es so heißt ist oder um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen? Das ist seiner kaum bewegten Miene schlecht zu entnehmen. Doch scheint er sich bald anderen Überlegungen zuzuwenden, denn sein Blick wandert immer wieder einmal zu der Frau hinüber und ruht längere Zeit auf ihrem Körper. Der Ausdruck auf seinen kantigen Zügen zeugt hierbei davon, dass er über Fragen grübelt, die er sich offenbar zum ersten Mal stellt. "Ich verstehe" meint er mehr zu sich selbst. "Er war wohl mit Recht stolz auf dich."

Sein Grübeln wird gestört, als sie schließlich das Essen serviert. Mit einem knappen Nicken quittiert er, wie sie ihm seine Portion vorsetzt. Wortlos greift er nach den Essstäbchen und beginnt zu essen, zügig, diszipliniert und offenkundig nicht sehr genießerisch, als trage er sich noch immer mit schwerwiegenden Gedanken. Dann jedoch schaut er mit einem Mal auf, kaut, schluckt den Bissen hinunter und meint unvermittelt: "Es schmeckt gut – du bist eine begabte Köchin. Eine gute Frau weiß, wie sie eine Mahlzeit bereitet, auch wenn die Lage es schwierig macht." Mehrmals nickend schiebt er sich einen weiteren Bissen in den Mund. Eine Frau, die ihren Haushalt klug führt, die Mut hat – wenn auch vielleicht eher aus Verzweiflung geboren – und zugleich ohne Klagen harte Arbeit verrichtet, zu harte Arbeit für Weiberhände eigentlich... "Es ist bewundernswert" bemerkt er, als er den Mund wieder frei hat, "wie ihr euch hier in eurem Dorf behauptet, ohne den Schutz und die Arme eurer Männer. Sind eure Frauen alle so wie du?"