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Autor Thema: Buch II - Das Schwert der Tugend  (Gelesen 2852 mal)

Beschreibung: Erstes Kapitel - Der Marsch der Kreuzfahrer

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Ultan

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Buch II - Das Schwert der Tugend
« Antwort #135 am: 12.04.2019, 21:50:23 »
Der Abschied ist herzlich doch kurz. Königin Galfrey drängt auf einen baldigen Aufbruch und so kommt es, dass die Helden schon wenige Stunden später auf einer staubigen Straße gegen Norden reiten und Kenabres bald am Horizont verschwindet.

Razgrim und Baldark haben sich zwei ungewöhnliche Reittiere ausgesucht: Ein Wollnashorn und ein Widder stampfen schnaufend neben den Pferden der übrigen Gefährten.

Aaron Kir lenkt seinen pechschwarzen Rappen neben die Helden und legt die Stirn in Falten.

"So, jetzt wird es ernst. Ich habe mir gestern Nacht eine Marschroute nach Drezen überlegt:

Wir sollten direkt nach Norden reisen, bis nach Valas Gabe, ein kleines Dorf etwas weniger als einen Tagesmarsch entfernt.
 Von dort werden wir direkt zum Sellen vorstoßen und ab dann dem Ostufer des Flusses folgen.
In 2-3 Tagen müssen wir dann Fort Vilareth erreichen, dort können wir den auf das andere Ufer übersetzen.
Bis zum ausgetrockneten Flussbett des Ahari ist es dann nicht mehr weit und wenn wir dem Verlauf des Ahari folgen gelangen wir direkt nach Drezen.

Ich schlage diesen Weg vor weil wir so fast zwei Drittel des Weges am Rand der Weltenwunde verbringen und nicht gezwungen sind durch das Ödland zu wander.
Ab Fort Vilareth wird es dann gefährlich, die Weltenwunde ist ein ungastlicher Ort. Da es kaum natürliche Landmarken gibt, würde das Flussbett uns sicher den Weg leiten können.

Aber ihr seid die Generäle. Wenn ihr den direkten Weg wählen wollt werden wir dies tun. Ich rate allerdings davon ab. Wir würden nichts gewinnen und es wäre deutlich unsicherer."
« Letzte Änderung: 12.04.2019, 21:51:26 von Ultan »

Damian

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Buch II - Das Schwert der Tugend
« Antwort #136 am: 14.04.2019, 11:17:47 »
Damian bedeutet seinem schneeweißen Pferd, in den Schritt überzugehen und blickt nach Westen in die blutrote Einöde der Weltenwunde, während Aaron seinen Plan erläutert. Galfrey hatte den jungen Mann auserwählt und so gibt es wenig Grund, an seinem Rat zu zweifeln. Vielleicht ließe sich diese Situation aber nützen, um mehr über ihre neuen Gefährten herauszufinden, weswegen er sich im Sattel zur Befehlshaberin der 3. Kompanie zuwendet.

"Was sagt ihr dazu, Leutnant Dan? Mit dem Fall des Wächtersteins ist die Ostseite des Sellen nicht sicherer als das Ödland der Wunde selbst, aber das Gelände könnte ein Vorankommen begünstigen."

Seine Anspielung auf den Wächterstein ist Absicht. Auch wenn sich die Königin auf ihre Seite gestellt hat, für viele Soldaten, insbesondere die Paladine, ist die Vernichtung des Geschenk Iomedaes nach wie vor ein Sakrileg; zudem Mendev den Dämonen nun gänzlich schutzlos ausgeliefert ist. Damian ist sich sicher, dass Kamilo ihnen nur aus Loyalität zu Königin Galfrey folgt und sie lieber vor einem Kriegsgericht als an der Spitze dieses Heeres sehen würde.

Ultan

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Buch II - Das Schwert der Tugend
« Antwort #137 am: 14.04.2019, 12:52:33 »
Kamilo Dan wirkt etwas überrascht als Damian sie nach ihrer Meinung fragt.

"Es gibt keinen Grund für einen Soldaten seinen Befehlshaber in Frage zu stellen, General.
Meine Männer und ich werden euch überall hin folgen, ob es der Pfad entlang des Sellens oder ein Ritt durch die Weltenwunde selbst ist."


Leutnant Dan setzt eine entschlossene Miene auf, so als wäre alles Wichtige gesagt worden.
Nach einer kurzen Pause fügt sie jedoch hinzu:

"Wenn ihr eine zweite Meinung wünscht, halte ich Kirs Vorschlag jedoch für sinnvoll. Wir werden entlang des Sellens kein schwieriges Gelände vorfinden, der Weg ist übersichtlich wir haben eine klar Orientierung.
Wir werden sehen wie vorteilhaft es ist, später im ausgetrockneten Flussbett des Ahari zu bleiben. Das klingt nach einem gefährlichen Ort der uns angreifbar für einen Hinterhalt macht.

Zuerst sollten wir den Marsch nach Valas Gabe hinter uns bringen, das Dorf könnte ein geeignetes Lager für die Nacht bieten. Falls es noch existiert..."


Das Gesicht des Leutnants verhärtet sich und ruft in den Helden die Erinnerung wach, dass nicht nur Kenabres der Invasion der Dämonen ausgesetzt war.

Razgrim

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Buch II - Das Schwert der Tugend
« Antwort #138 am: 14.04.2019, 16:29:45 »
Razgrim folgt dem Gespräch zwischen Damian und Kommandantin Dan stumm. Selbst wenn er sich zügelt solche Gedanken seinen Geist beherrschen zu lassen, er kann es auch hier nicht zur Gänze unterdrücken. 'Ich hoffe das Gegenteil, doch der Schlag der Horden wird nicht nur die großen Städte erreicht haben, und jetzt da die schützende Grenze nicht mehr ist...'

Andererseits wäre es nicht das erste Mal, dass ihn die Einwohner Mendevs überraschen würden. Ein stilles kurzes Gebet an der Allvater, lässt den Zwerg tief ausatmen.

"Ein Weiler so nahe an der Grenze zur Weltenwunde. Wie kommt man auf die Idee dort, weit ab schützender Mauern, zu siedeln? Sehen wir lieber zu, dass wir diesen Ort erreichen. Und beten wir dafür, dass die Dämonen bisher kein Interesse an einem solch winzigen Dorf gefunden haben."
« Letzte Änderung: 14.04.2019, 19:46:04 von Razgrim »

Ultan

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« Antwort #139 am: 14.04.2019, 21:23:25 »
Nurah schließt neben Razgrim auf und streicht sich eine Locke aus dem Gesicht.

"Über die Hälfte allen Getreides für Kenabres kommt aus Valas Gabe. Es ist eine kleine, aber wichtige Gemeinschaft voller hartgesottener Farmer und Kriegsveteranen im Ruhestand.

Der Boden um das Dorf ist fruchtbar, trotz der Nähe zur Weltenwunde. Ein kleiner Ort voller Bauern wirkt nicht wichtig, doch ohne die harte Arbeit dieser Männer und Frauen, tagein, tagaus, Sommer oder Winter, wäre Kenabres nie zu der Größe gewachsen die es jetzt hat.

Ein Wächterstein schützt Valas Gabe und die Miliz besteht aus Leuten die zuvor im Krieg gedient haben, es ist also kein schutzloser Ort.
Doch mit dem Zusammenbruch der Barriere sind die kleinen Ortschaften entlang der Grenze in arge Bedrängnis geraten. Wir können nur hoffen, dass sich die Dämonen nicht für Valas Gabe interessiert haben."


Die Halblingin lächelt zaghaft und die Gruppe setzt den Ritt fort. Die Armee kommt gut vorran und der Tag verläuft ohne nennenswerten Ereignisse.

Am frühen Abend jedoch gibt es bereits die ersten schlechten Nachrichten.
Ein Trupp Kundschafter kehrt mit der Nachricht zurück, dass Valas Gabe nur noch eine rauchende Ruine ist. Das Dorf scheint gestürmt und niedergebrannt worden zu sein.

Die Soldaten berichten, dass die das Dorf umgebenden Pallisaden schwer beschädigt sind und um Valas Gabe herum keine Menschenseele zu sehen ist.

Leutnant Dans beißt die Zähne zusammen und für einen Moment ist in ihren Augen ein Funken wie auf geschliffenem Stahl zu sehen.

Aaron Kir verzieht den Mund zu einer Grimasse.

"Ich hatte gehofft, dass wir hier unsere Vorräte zusätzlich aufstocken lassen könnten.
Oder einfach auch nur eine ruhige Nacht finden.

Törichte Gedanken. Ich hätte mir denken können wie es hier aussieht.

Was wollt ihr tun? Wir könnten die Kundschafter in die Ruine schicken, vielleicht finden sich Überle... vielleicht finden sich noch Vorräte oder Waffen.
Es wird den Soldaten aber mit Sicherheit aufs Gemüt schlagen. Ich kann mir nur allzu gut vorstellen wie es dort drinnen aussieht."

Damian

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« Antwort #140 am: 14.04.2019, 23:44:06 »
Damian zieht den Mund zu einem Strich zusammen. Seit Valas Gabe zum ersten Mal erwähnt wurde, hatte er dieselben Befürchtungen wie Razgrim. Auch wenn der Priester Torags es nicht ausgeprochen hatte, wusste er, dass die Schuld ihn plagte, obwohl sie keine Wahl gehabt hatten. Wäre es Areelu Vorlesh gelungen, den Wächterstein zu korrumpieren, hätte dies weitaus mehr Leben gekostet. Trotzdem haben sie damit die Bewohner von Valas Gabe den Dämonen ausgeliefert. Grimmig antwortet er Aaron Kir:

"Sagt den Truppen, sie sollen hier kurz Stellung beziehen. Wir werden mit Ulric und den Höllenrittern in das Dorf reiten. Es werden noch Dämonen dort sein."

Baldark

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« Antwort #141 am: 16.04.2019, 17:09:29 »
Baldark schüttelt bei den Worten seines Gefährten den Kopf.

"Damian, wir ziehen mit Soldaten, nicht Zivilisten, in Territorium der Weltenwunde. Meint ihr wirklich es ist sinnvoll so behütend mit ihnen umzuspringen? Ihr wollt ihnen den Zustand der Realität vorenthalten. Ich weiß ihr meint es gut, aber sie sollten wissen auf was sie sich eingelassen haben. Und auch darauf vorbereitet sein, wenn es ihnen gegenübersteht.

Ihr könnt nicht immer die Höllenritter vorschicken, um die Drecksarbeit zu erledigen."


Der Zwerg löst seinen Bogen vom Rücken und zieht drei Pfeile aus seinem Köcher.

"Lasst den Rest der Kompanie wenigstens das Dorf umstellen. Keiner dieser elenden Brut soll entkommen. Lasst sie mit Blut zahlen, was sie den Bauern angetan haben."

Ultan

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Buch II - Das Schwert der Tugend
« Antwort #142 am: 17.04.2019, 23:30:33 »
Während die Armee auf Baldarks Befehl das Dorf umstellt, führen die Helden die Höllenritter mit Ulrik an ihrer Spitze durch das zerschmetterte Tor in der Pallisadenwand.

Das Bild das sich ihnen bietet ist das von völliger Zerstörung. Es ist fast wie als wären die Helden gerade erst aus den Katakomben unter Kenabres an die Oberfläche gestiegen, doch die Feuer die hier brannten sind schon längst erloschen und die Glut und Asche haben sich bereits im Wind verstreut.

In Schutt und Trümmern ist keinerlei Menschenseele zu sehen, nicht einmal Leichen sind in den Ruinen der Stadt auszumachen. Ein starker Geruch nach Verwesung liegt jedoch in der Luft.

Schon kurze Zeit nachdem die Kompanie das Tor passiert hat begegnen sie einer monströsen Kreatur die auch den größten Höllenritter noch um zwei Haupteslängen überragt. Das Monster schlurft mit hängenden Armen über die Straße und fokussiert mit winzigen, bösartig funkelnden Augen die Neuankömmlinge, offenbar unbeeindruckt von der Mannstärke der Kompanie. Dicke, knotige Haut, Klauenhände und ein bestienhaftes Gesicht mit herausragenden Fangzähnen weisen die Kreatur als Troll aus, ihre Haut ist allerdings mehr rötlich als grün.
Ein zweites Monster schiebt sich in aller Seelenruhe aus einem Hauseingang, ein drittes taucht schmatzend hinter einem Haus auf.
Einen Augenblick später hat sich ein halbes Dutzend der Kreaturen zu erkennen gegeben und die Höllenritter ziehen geschlossen ihre Waffen.

"Wundentrolle! Seid vorsichtig, diese Biester sind ganz besonders gefährlich, die dämonische Energie der Weltenwunde fließt durch ihre Körper. Im Gegensatz zu normalen Trollen sind sie äußerst widerstandsfähig gegenüber Feuer, was es umso schwieriger macht sie auszuschalten.

Tretet zurück, wir kümmern uns darum. Eine Handvoll Wundentrolle werden die Götterklaue nicht stoppen.
In Formation, Männer!"


Damian

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Buch II - Das Schwert der Tugend
« Antwort #143 am: 20.04.2019, 09:45:34 »
Damian hält den Höllenritter an der Schulter zurück.

"Zieht Eure Männer zurück, Ulric, mit denen werden wir schon fertig."

An seine Gefährten gewandt, fügt er hinzu:

"Wundentrolle sind nicht nur schwer mit Feuer zu verwunden, sondern sind auch unempfindlich gegen Kälte. Ebensowenig wird uns kaltgeschmiedetes Eisen helfen. Wundentrolle sind fast nur durch geweihte Waffen zu verletzen. Die Essenz des Abyss verleiht ihnen auch eine schwache Zauberresistenz, also seht Euch vor.

Schwierige Gegner, aber die Götter sind mit uns! Ziegen wir unseren Armeen, das wir mit Grund an ihrer Spitze stehen!"
[1]

 1. Kampf!
« Letzte Änderung: 21.04.2019, 13:25:35 von Ultan »

Ultan

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« Antwort #144 am: 28.04.2019, 21:34:00 »
Der letzte Troll fällt unter dem Ansturm von Othams magischer Klinge und auf einmal ist es still in den Ruinen von Valas Gabe.[1]

Ulrik tritt an den versengten Leichnam eines der Monster heran und gibt ihm einen Tritt, wohl um sicher zu gehen, dass der Troll auch wirklich tot ist.
Ein Raunen geht durch die versammelte Kompanie der Höllenritter und der Kellide schüttelt ungläubig den Kopf.

"Sie haben euch nicht einmal berühren können!
Ich weiß, ihr habt gegen Areelu Vorlesh selbst gekämpft und habt die Hexe zurückgedrängt. Aber das waren sechs Wundentrolle. Hätten meine Männer gegen Sie gekämpft - alle fünfzig wohlgemerkt - wir wären wohl nicht ohne Verluste aus dem Gefecht gekommen.

Die Kraft des Wächtersteins steckt in euch, daran gibt es keinen Zweifel.

Ha, wir könnten diese Mission sogar erfolgreich hinter uns bringen. Unter eurer Führung scheint nichts unmöglich."


Ulrik lächelt kurz, dann wirbelt er herum und bellt einige scharfe Befehle:

"Aufteilen in Gefechtsgruppen aus je fünf Soldaten! Wir durchkämmen das Dorf nach Überlebenden. Bei Feindkontakt geordneter Rückzug und sofortige Berichterstattung. Ich will das Valas Gabe in einer Stunde gesichert ist!"
 1. +1.920 EP pro Gruppenmitglied

Razgrim

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« Antwort #145 am: 29.04.2019, 17:15:06 »
Razgrim sieht von den Leichen der Wundentrolle zu Ulrik und bemüht sich bei seinen anerkennenden Worten um eine stoische Miene. Er würde sich wohl nie an überschwängliches Lob gewöhnen können.

Dann sieht er zu seinen Gefährten. "Ich werde einen der Trupps begleiten. Sollte Valas Gabe noch bis vor kurzem zu seinem Zweck genutzt worden sein, dann lassen sich hier vielleicht noch Vorräte finden, die wir für unsere bevorstehende Aufgabe gebrauchen können.

An Ulrik gewandt fügt er hinzu "Informiert unsere Truppen vor der Palisade. Sobald wir hier fertig sind, sollten wir unser Nachtlager errichten. Unsere Späher werden die Nachtwache in den äußersten Ruinen übernehmen."

Daraufhin schließt der Priester sich einem der Trupps an, die mit der Durchsuchung der Ruinen beginnen.[1]
 1. Perception: 14

Otham Sauertopf

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« Antwort #146 am: 30.04.2019, 14:44:43 »
Ein wenig erstaunt kommt Otham mitten in der Bewegung zum Stehen als der Troll plötzlich vor ihm zusammenbricht. Ein wenig erstaunt schaut er auf die verbrannte Hütte, die vor einem Moment noch von dem Troll verdeckt war.

"Das war ja einfach.", kommentiert Yaniel noch kurz bevor sie in der Scheide verschwindet. Otham zuckt nur leicht mit den Schultern; bei Desna mit einem solch einfach Sieg hat er auch nicht gerechnet, wohl genauso wenig wie Ulrik.

Anscheinend sind Ulrik und Razgrim schon dabei Anweisungen zu geben. Zwei Herzen schlagen in Othams Brust einerseits möchte er das Dorf anschauen, andererseits hat er eine Ahnung von dem was er finden wird. Und eigentlich reicht ihm diese Ahnung.
"Ich begebe mich zur Dorfmitte. Dort wird Bericht erstattet.", entscheidet er, dort sollten die Wege für alle gleichlang sein und eine etwas größere Fläche sein um sich zu sammeln.

Ultan

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Buch II - Das Schwert der Tugend
« Antwort #147 am: 30.04.2019, 18:03:41 »
Die Höllenritter schwärmen auf den Befehl Ulriks aus und innerhalb einer knappen Stunde sind die Überreste von Valas Gabe komplett auf den Kopf gestellt worden und die Ruine gesichert.

Otham fand bereits nach wenigen Minuten den Ort, der den Trollen vermutlich als Lagerstätte gedient hat. In Ruinen, die vermutlich einmal eine Schänke waren, entdeckte er eine tiefe Mulde im Boden, die fast bis zum Rand mit Knochen gefüllt ist - den Überreste der verschwunden Dorfbewohner.

Der Verwesungsgestank um die Grube herum ist bestialisch, obgleich die Gebeine fast alle säuberlich abgenagt sind.

Die Truppen entdecken einige Reste an Proviant und Kriegsmaterial, doch sind fast alle Lebensmittel verdorben oder verunreinigt und alle Waffen und Rüstungen so sehr beschädigt, dass es keine nennenswerten Funde gibt.

Razgrim entdeckt in der halb zusammengefallen Stube eines Hauses jedoch einen Schild, der ein ihm wohlvertrautes Wappen zeigt. Zwei Hämmer vor einer strahlenden Sonne, das Symbol der Hämmer des Himmels, der ehemaligen Kompanie des Verräters Staunton Vhane.

Als der Kleriker sich umsieht, findet er die versengte Leiche eines Zwerges, halb begraben unter Schutt. Razgrim zieht den Leichnam ins Licht, muss jedoch feststellen, dass das Gesicht des Zwerges so entsetzlich durch die Flammen entstellt wurde, dass er nicht mehr zu identifizieren ist. Aus dem Wams des Gefallenen lugen jedoch die lediglich angesengten Seiten eines kleine Büchleins hervor, das wie durch ein Wunder dem Feuer entronnen ist. Der Zwerg muss im Tod nach vorn gekippt sein und hat mit seinem Körper das Schriftstück vor der Hitze bewahrt.

Neugierig blättert Razgrim durch das Buch, nicht weniger als ein grob gebundenes Heft mit kurzen Textpassagen in krackeligen zwergischen Runen. Schnell stellt sich heraus, dass es sich hier wohl um ein Tagebuch handelt.
Der Besitzer des Buchs wird namentlich nicht genannt, aber es erschließt sich, dass er wohl ein Söldner im Dienst der Hämmer des Himmels gewesen war.
Razgrim überfliegt die Eintragungen, die größtenteils vom Alltag eines Soldaten im Krieg berichten, gespickt mit sentimentalen Erinnerungen an die Heimat. Nirgendwo ist ein Datum zu finden.

Die Eintragungen im letzten Drittel des Büchleins sind von besonderem Interesse:

Gestern habe ich gehört wie der Kommandant in seinem Zelt mit irgendjemandem geredet hat. Als ich nachgeschaut habe, war dort niemand, aber Vhane saß allein in der Mitte des Zelts auf dem Boden und hat in die Luft gestarrt. Er wurde ziemlich wütend als ich ihn gefragt habe mit wem er da gesprochen hat.

Der Kommandant ist nach wie vor ungeschlagen im Kampf Mann gegen Mann. Nachdem ich ihn habe kämpfen sehen frage ich mich wer es überhaupt mit ihm aufnehmen könnte. Er scheint weder Erschöpfung noch Müdigkeit zu spüren.
Ich frage mich wie lange man trainieren muss um so zu werden.

Wir haben heute vier Männer im Kampf gegen die Dämonen verloren. Vhane hat bei ihrer Bestattung kein Wort gesagt. Hat nichtmal hingeschaut.

Berk hat sich Vhanes Waffe "geborgt". Wollte sich das Ding mal aus der Nähe angucken. Kann ich irgendwo verstehen, die Klinge ist schon irgendwie gruselig. Vhane hat ihn erwischt, hat Berk grün und blau geschlagen. So laut hab ich Vhane noch nie schreien hören, der Kommandant war vollkommen außer sich. wäre Joram nicht dazwischen gegangen, ich glaube er hätte Berk totgeprügelt.

Berk ist weg. Joram sagt er hätte ihn weggeschickt. Merkwürdig, alle von Berks Sachen sind noch da.

Vhane empfängt jetzt schon zum dritten Mal diese seltsamen Typen in den dunklen Kutten. Was sind das für Leute?
...
Vielleicht will ich das gar nicht wissen.

Dem Kommandant scheint es nicht gut zu gehen. Sieht aus als hätte er seit einer Woche nicht geschlafen.
Was machen wir überhaupt hier? Jeden Tag nur Einöde, Dämonen, Kämpfen und sterben. Sind wir nicht aufgebrochen um Jormurdun zu finden? So viele tote Kameraden, so viel Zeit verloren.
Wieviel Zeit? Ich weiß es nicht mehr. Die Weltenwunde wird uns alle auffressen.

Vhane ist weggegangen, niemand weiß wohin. Joram meinte er wäre in Kenabres auf der Suche nach neuen Soldaten.
Woher kamen eigentlich all die Rekruten davor? Irgendwie waren immer ein paar neue Gesichter da.
Joram wirkt irgendwie angespannt. Geht mich nichts an, schätze ich.

Die Kutten sind zurück! Haben Joram angebrüllt. Sind die verrückt? Joram ist die rechte Hand von Vhane und Vhane ist der Kommandant?! Was erlauben die sich. Joram hat sich nicht einmal gewehrt, sondern einfach nur den Kopf hängen lassen.
Was ist aus dieser Kompanie geworden?

Vhane ist immer noch fort. Wird er überhaupt je zurückkommen? In Kenabres scheint etwas Schlimmes passiert zu sein, aber hier draußen erfährt man nicht viel.
Ich traue Joram nicht. Ich glaube er weiß etwas, aber er sagt es uns nicht. Hockt den ganzen Tag in seinem Zelt und bläst Trübsal.
Es gibt überhaupt keine richtige Befehlskette mehr!

Es reicht! Heute haben uns die Dämonen überrascht, weil Joram vergessen hat die Wachablösung richtig einzuteilen.
Mehr als ein Dutzend Waffenbrüder hat der Fehler dieses Dummkopfs das Leben gekostet.

Ich weiß nicht wo Vhane steckt, aber sein Bruder ist ein Versager als Anführer. Ich werde nicht das nächste Opfer dieser Inkompetenz sein! Heute Abend hau ich ab, die sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt um zu merken das ich fehle. Mein Sold sollte mir ein paar Jahre ein schönes Leben ermöglichen, was danach kommt wird sich zeigen.

Die letzen Seiten scheinen in größerem zeitliche Abstand geschrieben worden zu sein. Offenbar hat der Autor sich nach einiger Zeit hier in Valas Gabe niedergelassen. Der Rest des Textes handelt von eher belanglosen Vorfällen aus dem Alltag. Nichts deutet auf den Angriff und die Zerstörung des Dorfs hin.
« Letzte Änderung: 30.04.2019, 18:06:55 von Ultan »

Damian

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« Antwort #148 am: 01.05.2019, 12:28:13 »
"Er war einer der besten eures Volkes."

Damian war hinter Razgrim in die Stube getreten. Seine Augen waren auf den Schild mit dem Wappen der Hämmer des Himmels gerichtet und seine Stimme ausdruckslos.

"Wir vergessen das immer, wenn wir von Verrätern sprechen. Jedes Kind von Kenabres kennt die Geschichte vom Zweikampf zwischen dem Gefallenen Vhane und Paladin Irabeth. Vom schrecklichen Verrat Vhanes, der diesem Kampf vorausging. Wie er seine Schwüre brach, den Kreuzzug und seine Treue an Torag wiederrief und dem Abgrund anheim fiel.

Aber keiner spricht mehr davon, dass er unser Held war. Wie seine Hämmer des Himmels durch das Südtor marschierten und er mit der Zuversicht eines Königs verkündete, die Dämonen zurückzutreiben und die verlorene Himmelszitadelle zurückzuerobern. Wir wollten ihm glauben, erzielte seine Kompanie doch schon bald beachtliche Erfolge.

Vhane kam kurz nach Ende des Zweiten Kreuzzugs, unserer bis dahin schlimmsten Niederlage. Niemand glaubte mehr daran, dass wir den Dämonen standhalten könnten. Die Wächtersteine hatten uns vor dem schlimmsten bewahrt, aber niemand glaubte damals daran, dass wir den Dämonen in der Weltenwunde entgegentreten könnten.

Ob wir es heute noch hören wollen oder nicht. Vhane war ein Symbol der Hoffnung. Zahllose Dämonen wurden von den Hämmern des Himmels zurück in den Abgrund verbannt. Er war ein Ideal und wurde nicht nur von seinen Kriegern verehrt. Und doch ist er gefallen. Hat alles aufgegeben, an das er geglaubt hatte.

Ich frage mich oft, was uns vor seinem Schicksal bewahrt. War es Verzweiflung, die seine Seele in den Abgrund trieb? Furcht? Sah er darin ein Mittel, den ewigen Krieg zu beenden? Vielleicht ist es törricht, Vhane verstehen zu wollen, aber sein Verrat ist uns bleibt mir rätselhaft."

Razgrim

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« Antwort #149 am: 01.05.2019, 15:23:42 »
Razgrim blickt nicht zurück, als Damian hinter ihn tritt. Sein Griff zieht sich fest um den staubigen Umschlag. Für einen Moment scheint es, als würde der Zwerg dem Drang, das Buch mit bloßen Händen zu zerquetschen, nicht widerstehen können, doch dann verlässt ihn die Anspannung und zurück bleiben nicht mehr als ein paar Knicke und Falten in den vergilbten Seiten.

Er kennt die Geschichte Vhanes nur zu gut, doch die Geschehnisse aus der Sichtweise einer seiner früheren Waffenbruders zu lesen, ist umso schlimmer für ihn. Razgrim schließt die Augen und atmet tief durch, dann verstaut er das Tagebuch in seinem Rucksack und sieht zu einem der gesprungenen Fenster hinaus. Ein Trupp von Merrics Spähern hetzt seine Hunde unter lautem Gehechel die angrenzende Straße hinunter.

"Ich verstehe, warum diese Gedanken euren Geist beschäftigen. Mir ergeht es ebenso, Damian."
Daraufhin sieht er zu dem ruhig dreinblickenden Aasimar auf.
"Es fällt mir schwer... oder fast unmöglich den Grund für seine Taten überhaupt verstehen zu wollen. Eine Seite von mir möchte erfahren, warum er es getan hat. Doch die Andere möchte ihn für seine Taten zur Rechenschaft ziehen. Für den Verrat an seinem Volk, dafür das er die Seinen ohne Reue abgeschlachtet hat und den Unschuldigen den Krieg erklärt hat!" Seine letzten Worte werden lauter und zittern, dann beißt er die Zähne aufeinander. Langsam schüttelt er verneinend den Kopf. Seine Züge scheinen sich vor Trauer zu krümmen. "Nicht vor einem Gericht, nicht in einer Verhandlung. Nein. Ich allein könnte über ihn richten und entscheiden. Ich könnte ihm den Schädel spalten und niemand würde es in Frage stellen."

Damian, sollte es soweit sein, bitte ich euch. Ich flehe euch an, versucht mich daran zu hindern! Mit allen Mitteln,wenn es sein muss."

Zerrissen und in Gedanken lässt er seinen Gefährten stehen und verlässt mit schnellem Schritt die Ruinen

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