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Autor Thema: Buch II - Das Schwert der Tugend  (Gelesen 5533 mal)

Beschreibung: Erstes Kapitel - Der Marsch der Kreuzfahrer

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Razgrim

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Buch II - Das Schwert der Tugend
« Antwort #210 am: 30.06.2019, 21:49:55 »
Das macht die Taten dieses Verräters auch nicht wett. Jormundur, auch Vhane wollte die alte Himmelszitadelle finden. Ein weiteres Ziel, dass er sich offenbar mit diesem Abschaum teilt oder zumindest geteilt hat. Razgrim wendet sein Gesicht einen Moment ab. Er spürt den Zorn in seinem Blick und schämt sich insgeheim dafür diese Wut nicht gänzlich unter Kontrolle zu haben. Ob er sie bereits gefunden hat und nun ihre Geheimnisse für die Pläne seiner boshaften Herren nutzt? Seine Seele aufspalten, vermutlich ist Vhane in der Kapelle auf etwas getroffen, dass seine Ansicht radikal geändert hat. Vielleicht war aber auch sein vorheriges Leben ein einziges Schauspiel.

Er braucht einen Moment, dann sieht er auf und zieht die Karte ihrer Route hervor.

"Zeigt mir auf dieser Karte, wo sich diese Kapelle befinden soll. Unser Ziel ist Vhanes Sitz und wir werden ihn von seinem erbeuteten Thron stürzen. Jeder noch so kleine Hinweis kann dabei behilflich sein, also sollten wir uns bei dieser Kapelle vielleicht mal umsehen."

"Was könnt ihr uns noch über ihn erzählen. Warum glaubt ihr hat er das alles getan, es klingt fast so, als ob er damals keinen anderen Weg mehr gesehen hätte. Was hat ihn zu solchen Taten veranlasst?"
« Letzte Änderung: 01.07.2019, 09:22:42 von Razgrim »

Damian

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« Antwort #211 am: 30.06.2019, 21:52:07 »
In den tiefsten Kammern Letztwalls ist Damian einst auf einen Text gestoßen, der von dem Versuch eines Nekromanten aus Osirion sprach, Pharasma zu betrügen, seine eigene Seele aufzuspalten und zu verstecken, auf dass er dem Schicksal entgehen würde, von ihr je gerichtet zu werden. Damian hielt den Text damals für eine Lüge. Eine Seele war kein Gebilde einzelner Bestandteile, sondern vielmehr ein unzertrennlich ganzes; würde man versuchen, die eigene Seele aufzuspalten, würde man nur sterben.

Das hatte Damian zumindest immer geglaubt, aber was dieser Geist sagte, lief auf das genaue Gegenteil heraus. Hätte er nicht kurz zuvor den Nosoi gesehen, Damian hätte den Geist für ein weiteres Opfer der Weltenwunde gehalten; um den Verstand gebracht ob all der Gräueltaten der Dämonen. Aber so? Damian kennt viele Geschichten gefallener Paladine und nicht selten waren es große Übel, Dämonen oder Teufel, die hinter dem Fall standen.

Damian blickt zu Razgrim und sieht in den Augen seines Gefährten, dass sie es herausfinden würden. Aber er schweigt auf weiteres, zu gespannt auf die Antwort des Geistes.

Ultan

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« Antwort #212 am: 01.07.2019, 22:50:28 »
Dem Geist von Darius Ward entfährt ein tiefes Seufzen.

"Ich kann es euch nicht sagen, Behauener.
Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ein Mann wie Staunton Vhane so tief fallen könnte und auch jetzt noch, viele Jahre nach seinem Aufstieg zum Champion Deskaris fällt es mir schwer zu glauben, dass Vhane wirklich auf der Seite unserer verhassten Feinde kämpft.

Es fällt mir schwer ihn zu hassen, denn ich kannte ihn noch zu einer Zeit zu der ich mit ganzen Herzen an ihn geglaubt habe. Vielleicht sind es einfach die sentimentalen Erinnerungen eines alten Mannes, doch ich würde mir nichts sehnlicher Wünschen als das Vhane zu uns zurück kehrt, so unmöglich dies auch erscheint.
Ich glaube es gibt einen Grund für seinen Fall, einen Grund für den er in Kauf nahm sein gutes Herz tintenschwarz zu färben. Ich würde alles dafür geben ihn zu erlösen, doch bin ich nunmehr selbst ein bloßer Schatten geworden. Kurz vor dem Ziel wähnte ich mich, Jahre intensivster Nachforschung und Aquise verbotenster Arkana - alles für Nichts und wieder Nichts."

Otham Sauertopf

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« Antwort #213 am: 04.07.2019, 11:32:59 »
"Razgrim und Damian sind vorhin irgendwo da hinten verschwunden.", er zuckt kurz mit den Schultern: "Wer weiß wem sie Bericht erstatten." - Ein müdes Lächeln umspielt seine Lippen. Es war als Spaß gedacht, doch die heutigen Begebenenheiten schlagen ihm deutlich aufs Gemüt.

"Ich denke ich warte noch kurz auf die Beiden und dann lege ich mich hin. Es wird Zeit, dass dieser Tag hier vorüber ist. Ich denke etwas Schlaf tut uns allen gut."

Damian

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« Antwort #214 am: 08.07.2019, 08:07:07 »
Die Geschichte des Geistes stimmte Damian nachdenklich. War Vhane doch nicht der Verräter, für den ihn ganz Kenabres hielt? War er selbst das Opfer einer Verschwörung des Abgrunds? Doch der Geist sprach davon, dass Vhane aus freien Stücken handelte, wenn auch nicht davon, dass Vhane seine Seele Deskari aus niederen Gründen anbot. Was trieb dann aber Vhane zu solch einer Verzweiflungstat?

Damian fühlt bereits Zweifel in sich aufkeimen. Was, wenn Vhane tatsächlich zu retten wäre, wie der Geist behauptet? Er braucht Klarheit!

"Ich verspreche Euch, nicht eher zu ruhen, als bis ich Vhanes Glaube, seine Ehre und sein Herz den Klauen der Weltenwunde entrissen habe! Aber sagt uns, Kommandant, wie wolltet ihr Vhane erlösen? Teilt Euer Wissen und nennt uns das magische Ritual! Gibt es einen Weg, Vhane zurückzugeben, was er einst freiwillig opferte?"

Ultan

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« Antwort #215 am: 08.07.2019, 11:28:06 »
Der Geist nickt wissend auf Damians Frage.

"Es ist kein leichtes Unterfangen eine zersplitterte Seele wiederherzustellen und nur wenige Wesen sind dazu in der Lage.

Viele Jahre habe ich auf der Suche nach einem Fachmann für ein derart obskures Handwerk wie der Restauration gebrochener Seelen verschwendet, bevor ich auf eine Fährte stieß, die mich in weiteste Ferne führte, nämlich außerhalb unserer Existenzebene.

Es ist eigentlich ganz einfach, wisst Ihr? Eine bestimmte Art extraplanarer Geschöpfe ist schon seit uralter Zeit auf dem Gebiet der Seelenmanipulation derart versiert, dass man sie für die unangefochtenen Experten auf diesem Gebiet ansehen muss. Und ganz nebenbei sind diese Kreaturen auf die dämonischen Horden des Abgrunds ganz und gar nicht gut zu sprechen und immer auf der Suche nach einer Möglichkeit diesen einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Also habe ich einen Höllenteufel beschworen und einen Pakt mit ihm ausgehandelt, um Vhanes Seele wieder zusammenzufügen.
In meiner Kammer im obersten Geschoss des Bergfrieds steht ein Schreibtisch, der an seiner Unterseite ein verstecktes Fach hat. Ihr findet dort eine Schriftrolle, mit der Ihr den Externar beschwören könnt. Er weiß, was zu tun ist.
Ich bitte Euch, Kreuzfahrer. Stellt Vhane wieder her und führt Ihn zurück zum Kreuzzug. Ihr würdet einen alten Mann sehr glücklich machen..."


Noch bevor Damian oder Razgrim etwas erwidern können, verblasst der Geist einen Wimpernschlag später ist er verschwunden. Der Nosoi dreht den Kopf, um einen Blick Richtung Damians zu werfen, flattert dann mit den Flügeln und fliegt ohne Kommentar davon, so dass der Aasimar und der Zwerg alleine vor dem Scheiterhaufen stehen.

Razgrim

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« Antwort #216 am: 08.07.2019, 11:40:22 »
Razgrim starrt entsetzt auf den Punkt an dem eben noch der Geist vor ihnen schwebte.

"Bei Torag, ein Teufel?" Er sieht ungläubig zu Damian. "Dieser Zwerg war verrückt, verzweifelt! Das ist die einzige Erklärung! Einen Höllenteufel als Lösung eines Problems?" grummelt der Zwerg vor sich hin und rauft sich den Bart. "Damian, das wäre Wahnsinn! Das seht ihr doch genauso nicht wahr?"

Unruhig läuft Razgrim hin und her, ehe er vor dem Aasimar stehen bleibt und zu ihm auf sieht.
"Wir müssen die Anderen informieren und gemeinsam beratschlagen, was wir nun tun. Kommt."
Ohne auf eine Antwort zu warten, zieht er Damian mit sich. Seine Gedanken rasen. Das konnte dieser ehemalige Kommandant nicht ernst meinen. Eine Beschwörung aus der Hölle, beim Allvater.

Otham Sauertopf

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« Antwort #217 am: 09.07.2019, 14:39:47 »
Razgrim und Damian tauchen zwischen den Feuern des Militärlagers wieder auf und finden ihren Weg zu Ragni, Baldark und Otham. Otham wartet bis die Beiden sich gesetzt haben. Irgendwie sieht es so aus, als ob irgendetwas passiert ist.

"Na wart ihr unterwegs einem Dämonenheerführer bericht erstatten?", fragt er den Zwerg und den Assimar, so leise, dass außer ihnen sie niemand hören kann.

Razgrim

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« Antwort #218 am: 09.07.2019, 18:33:56 »
Razgrim winkt Otham und die Anderen schon heran, als sie noch einige Schritt entfernt sind. Auf die ironische Nachfrage des Halblings bleibt er ernst.

"Nein, doch ein Treffen mit einer merkwürdigen Gestalt hatten wir allemal. Kein Dämon, sondern ein Geist. Ein Geist eines Gefallenen Verteidigers dieser Festung und ein ehemaliger Waffenbruder eben jenes Mannes, den wir versuchen von seinem Thron zu stürzen. Staunton Vhane."

Und der Priester beginnt die ganze Geschichte noch einmal zu erzählen. Dabei gibt er Acht nicht zu laut zu werden. Diese Worte sollten erstmal nicht zu den Soldaten durchdringen, wer weiß wie sie auf so etwas reagieren würden.

Damian

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« Antwort #219 am: 10.07.2019, 07:41:45 »
Damian hört Razgrim schweigend zu. Er hatte sich mittlerweile eine Pfeife angezündet und schaut nachdenklich in den Sternenhimmel. Als Razgrim zu der Stelle kommt, als der Geist den Höllenschlundteufel erwähnt, kehrt zunächst Stille ein, die Damian nach kurzer Zeit unterbricht.

"Was, wenn er die Wahrheit spricht?"

Auch wenn es nicht auszuschließen war, dass der Geist seinen Verstand verloren hatte, so hat er zumindest insoweit Recht, als dass Teufel in der Tat Experten waren, wenn es um Seelen ging. Phlegethon, die vierte Hölle, war bekannt für die Schmieden Belials. Dem Erzteufel soll es gelungen sein, Seelen in Gegenstände zu binden oder aus ihnen gänzlich neue Teufel zu erschaffen. Allein die Idee, eine Seele aufzubrechen, wäre für jeden in der Kirche Pharasmas ein Sakrileg, doch wenn es darum geht, zu bestimmen, wer das notwendige Wissen und die Fertigkeit für so ein Unterfangen hätte, so ist auch Damian überzeugt, dass der Geist die Wahrheit spricht.

Razgrim

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« Antwort #220 am: 10.07.2019, 10:17:46 »
Der Zwerg blickt mit leicht offen stehendem Mund ungläubig zu Damian, die rechte Augenbraue nach oben gezogen.

"Ist das euer Ernst? Wir sprechen hier von den verräterischsten Kreaturen des Universums, Damian! Selbst wenn der Geist die Wahrheit gesprochen hat, wir könnten und sollten den Worten eines Teufels kein Gehör schenken. Ihre ganze Existenz beruht auf Intrigen und ehe ihr euch verseht, habt ihr für einen kleinen Gefallen eure Seele verspielt!"

Razgrim tritt etwas näher, sein Gesicht liegt in Falten.

"Bitte, das könnt ihr doch nicht wirklich in Erwägung ziehen."

Baldark

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« Antwort #221 am: 10.07.2019, 12:27:54 »
Baldark's Gesicht verfinstert sich als Razgrim zu erzählen beginnt.

"Ein Pakt mit einem Teufel? Mit jedem Schritt, den wir gehen, wird unser Pfad wahnwitziger... "

Shiva's leises Schnurren unterbricht die Stille, während die Katze immer noch sichtlich angespannt die Gruppe umkreist. Der Zwerg greift in einen Beutel an seinem Gürtel und holt ein Stück getrocknetes Fleisch hervor. Baldark klopft dem Raubtier zweimal beruhigend auf den Rücken und Shiva verwindet mit seiner Belohnung im Maul wieder in der Nacht.

"Ob die Höllenritter damit etwas zu tun haben? An Darius Ward's Stelle und solch einem Unterfangen wären sie meine erste Anlaufstelle.

Aber wenn Ward einen Teufel beschworen hat und bereits einen Pakt mit ihm eingegangen ist, um Vhane's Seele wieder zu vereinen, warum ist Vhane dann noch ein Anhänger der Dämonenbrut. Wir müssen in Erfahrung bringen was passiert ist. Woran ist Ward's Plan gescheitert? In wie weit sind nun auch Teufel in diesen Krieg involviert? Ist Vhane's Seele noch zu retten?

Razgrim, wir können diese Fragen nicht einfach ignorieren! Niemand hier hat vor einen Teufel zu beschwören um dies in Erfahrung zu bringen, deshalb... "


Baldark stockt. hektisch schaut er sich im umliegenden Lager um. Die Soldaten sehen müde und bedrückt aus und doch wissen sie nicht ansatzweise, was auf sie noch zukommen wird. Sein Blick bleibt starr auf Nurah hängen.

"Darius Ward sagtet ihr? Vielleicht ist schon längst passiert, was ihr befürchtet."

Und so berichtet auch Baldark, was Ragni und er beobachtet haben. Erneut tritt Stille über die Gruppe, welche Baldark schließlich bricht.

"Wir müssen in den Bergfried, um uns zu vergewissern, ob sie erneut das Ritual durchgeführt hat."

Ragni

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« Antwort #222 am: 10.07.2019, 15:15:27 »

Bei der ironischen Nachfrage des Halblings lacht Ragni kurz hustend auf. Er schiebt seine Brille nach oben und reibt sich die Augen, dabei hört er den anderen aufmerksam zu.
Bei Baldarks erneutem Bericht stößt Ragni der Verrat sauer auf und eine grimmige Abscheu gegen Nurah steigt in ihm auf. Die kleine Ratte atmet zwei Mal tief durch, um sich zu beruhigen und stimmt Baldark zu:
"Wir sollten den Bergfried so schnell es geht untersuchen. Nurah stellt eine potenzielle Gefahr dar, aber wir sollten jetzt keinen Unmut in unseren Reihen erwecken. Wenn wir im Bergfried waren, wissen wir mehr und können handeln."

Ultan

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« Antwort #223 am: 12.07.2019, 15:34:37 »
Hastig und ohne die Berater vorher zu informieren, macht sich die Gruppe auf den Weg in den Bergfried.
Das Zimmer des ehemaligen Kommandanten ist ganz oben, direkt und der Aussichtsplattform auf dem Dach angebracht und hat die Verwüstung einigermaßen überstanden.
Zwar sind Wände und Boden der Kammer verschmutzt und das Mobiliar teils schwer beschädigt, doch scheint zumindest der wuchtige Schreibtisch Kommandant Wards nicht zerstört worden zu sein.

Das Geheimfach ist schnell gefunden, jetzt da seine Existenz gelüftet wurde.
Es ist nur ein einziger Gegenstand darin, ein sorgfältig verschlossener Metallzylinder, der mit der schwach glühenden Rune eines Pentagrams versehen ist. Der Zylinder lässt sich problemlos öffnen.

Im Inneren des Zylinders befindet sich eine Rolle Pergament, die mit unleserlichen Runen in dunkelroter Tinte beschrieben ist.[1] Die Pergamentrolle ist lang. Obwohl die Helden bereits etwa einen Meter Pergament ausgerollt haben wird die Schriftrolle kaum dünner. Es muss sich um ein enorm ausführliches Dokument handeln, dass vermutlich zusätzlich verzaubert ist.
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« Letzte Änderung: 12.07.2019, 19:46:48 von Ultan »

Damian

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« Antwort #224 am: 13.07.2019, 11:01:30 »
Damian hat die Pergamentrolle auf dem Schreibtisch ausgebreitet und folgt den Zeilen hochkonzentriert mit den Augen, die Stirn in Falten. Razgrim hat insoweit Recht, als dass es in der Natur des Teufels liegt, einen solchen Vertrag auf eine Weise zu formulieren, dass er eine Falle ist. Handelt es sich bei dem Vertragsaussteller zusätzlich um einen Höllenschlundteufel, ist sich Damian sicher, dass er diesem mächtigen Fürst des Abgrunds nicht gewachsen ist.

Hier wird es aber interessant. Vhane hat seine Seele Deskari versprochen, ob willentlich oder durch eine schreckliche Fügung. Wie kommt nun ein Höllenschlundteufel ins Spiel? So mächtig diese Kreaturen sind, gegen einen Dämonenfürsten wäre ein Kampf aussichtlos und welcher Richter sollte dem Höllenschlundteufel zum Recht verhelfen? Nur ein Gott wäre dazu in der Lage, doch Pharasma würde keine Variante des Seelenhandels gestatten. Also eine andere Macht, nur welche?

Millorns Worte kamen Damian wieder in den Sinn, aber das würde bedeuten, dass eine höhere infernalische Macht Interesse daran hätte, Deskaris Siegszug in der Weltenwunde zu sabotieren. Ein Erzteufel? Asmodeus selbst? Die Vermutung wurde immer konkreter, dass Vhane eine Spielfigur ist, was auch erklären würde, warum die Seele des Kommandanten Wards immer noch als Geist in den Fugen der Realität ausharrt. Warum sonst sollte sich der Höllenschlundteufel die Seele des verdammten Zwerges nicht einfach nehmen, sondern ihm vielmehr die Möglichkeit gestatten, andere Opfer auf seine Fährte zu locken.

Wurden sie vielleicht sogar ausgesucht? Ein Höllenschlundteufel verfügt über die Macht, eine Seele zu kommandieren. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass Ward sie gezielt angesprochen hat, im Wissen des Höllenschlundteufels, dass Damian und seine Gefährten mächtig genug sind, Vhanes Seele wieder zusammensetzen und Deskari so eines wichtigen Dieners zu berauben. Das sie ein Spielball der Götter sind, wissen sie bereits. Ist es so unwahrscheinlich, dass nun auch Diener der Höllen mitmischten? Welches Interesse hat aber Pharasma, ihm diese Schriftrolle zu zeigen und ihn so auf die Fährte eines Höllenschlundteufels zu setzen?

Damian schaut sich um, ob Shiva bei ihnen ist. Die Nachricht vom Verrat Nurahs ruft Erinnerungen an Lisandra wach. So schmerzlich es ist, sie müssen von nun an damit rechnen, dass Spione aller Seiten Interesse an ihnen haben. Wäre es geschickter, Nurah zu enttarnen oder über sie eine falsche Fährte zu legen? Damian hält es für ausgeschlossen, dass sie den Teufel beschworen hat. Wenn sie für den Höllenschlundteufel arbeitet, müsste sie ihn nicht beschwören. Ist sie einem Dämonenfürsten ergeben, würde es nicht zu einem Pakt kommen. Eine dritte Partei kann Damian auch nicht ausschließen. Möglich, dass sie für die Hexen Irisens oder die Mammutfürsten spioniert, vielleicht sogar für Königin Galfrey selbst, schließlich kann sie sich nicht sicher sein, ob Damian und seine Gefährten der Weltenwunde wirklich trotzen können, wenn Helden wie Vhane fallen.

Damian kneift kurz die Augen zusammen und reibt sich den Nasenrücken. Zu viele Variablen. Zu viele kontrafaktische Konditionale. Sollte er Blut vergießen, um Klarheit zu haben? Was sollte den Höllenschlundteufel hindern, ihnen die Essenz des Wächtersteins samt ihrer Seelen einfach zu entreißen? Sie stünden in keinem Vertragsverhältnis und jeder Schutzkreis, den Damian erschaffen könnte, wäre der Macht des Erzteufels nicht gewachsen. Er seufzt und wendet sich an seine Gefährten.

"Zumindest haben wir nun Klarheit, das der Vertrag existiert. Gehen wir davon aus, dass dieser Vertrag tatsächlich einen Höllenschlundteufel beschwört, können wir nicht mehr ausschließen, dass Vhanes Seele  gespalten ist und eine Möglichkeit besteht, sie wieder instand zu setzen.

Die Frage ist nur, wie gehen wir weiter vor?"

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