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Autor Thema: Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf  (Gelesen 949 mal)

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Mondragor

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Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« am: 03.02.2019, 22:59:39 »
Eine unheimliche Stille hatte sich über den vom hellen Vollmond gespenstisch erleuchteten Salzsumpf gelegt. Nicht einmal der Ruf einer Eule oder das Flattern einer Fledermaus durchbrachen die Ruhe; wo andernorts für viele Tiere der Tag erst mit Einbruch der Dunkelheit begann, schienen sie diesen Ort zu meiden, als würden sie von einer unsichtbaren Kraft von hier ferngehalten.

Ein menschlicher Beobachter, der die Szenerie betrachtete, hätte sich wohl gefragt, ob er in einem obskuren Albtraum gefangen wäre - doch ein solcher war nirgends zu erahnen. Plötzlich jedoch schnelle Schritte! Das Knacken von Zweigen, als jemand - etwas? - durch den Sumpf huschte, nur ein Schatten hier und dort. Dann durchbrach ein Schrei die Nacht, das Schluchzen einer weiblichen Stimme, die niemand vernahm. Dann wieder: Stille.

~~~

Es war ein früher Herbstmorgen, als Erich Janina Graustein die Straße von Leimbach nach Norden in Richtung Pösen entlang ritt. Der Begriff Straße wäre für einen ausländischen Besucher wohl irreführend gewesen, denn seit dem Ende des Krieges glich sie eher einem Trampelpfad, und der Regen des gestrigen Tages hatte den Boden schwer gemacht, so dass das Vorkommen dem Pferd alle Mühe abverlangte. Erich konnte und wollte es sich jedoch nicht leisten, seine Reise auf einen anderen Tag zu verschieben - sein Kontaktmann bei den Kreuzrittern hatte ihm einen Auftrag gegeben, und Erich pflegte nicht zu trödeln, wenn er ein Ziel erreichen wollte. Heute noch wollte er Hallstein erreichen, einen kleinen Ort in der Nähe des Salzsumpfes, um dort den Gerüchten um einen Schrecken nachzugehen, der im Sumpf sein Unwesen treiben sollte.

Ein Zufall war es, der Friedrich von Dent, einen alten Gewährsmann Erichs, am gleichen Tag auf die gleiche Straße führte, wenn er auch in gegensätzlicher Richtung unterwegs war. An diesem Morgen war er vom Gasthaus an der Südstraße aufgebrochen, und noch vor Mittag erblickte er auf der spärlich frequentierten Straße einen alten Bekannten auf sich zukommen.

Finnegan O'Dougal war sich sicher, dass er dem Dieb auf der Spur war. Von Inismore aus war er dem Mann bis Pösen gefolgt, doch immer war er einen Schritt zu spät, um ihn dingfest zu machen. Als Ernst Himmlein war der Übeltäter zum Gut der O'Dougals gekommen, um sich dort unter falschen Vorwänden die Gastfreundschaft der Familie zu erschleichen. Gedankt hatte er sie mit dem Diebstahl eines wertvollen Familienerbstückes, und seit dieser entdeckt worden war, war Finnegan ihm auf den Fersen. In Dunkeen musste er ernüchtert feststellen, dass der Mann sich bereits eingeschifft hatte, doch ein echter O'Dougal ließ sich von einem solchen Rückschlag nicht entmutigen, machte das Ziel des Schiffes ausfindig und folgte ihm mit dem nächsten verfügbaren Schiff nach Pösen - was ihn allerdings wertvolle Zeit kostete.
In den Eisenlanden angekommen, begann er sofort erneut mit den Nachforschungen, und seine Beschreibungen fruchteten schließlich, als er die Auskunft erhielt, dass sein Ziel, nun unter dem Namen Bernhard Wagner, sich einige Tage zuvor auf den Weg gen Süden gemacht hatte. Von Gasthaus zu Weiler zu Bauernhof fragte Finnegan sich durch, und längst hatte er von weiteren Untaten erfahren, die der Übeltäter unterwegs begangen hatte. Am heutigen Tag führte sein Weg ihn zu einer kleinen Siedlung, die scheinbar erst vor wenigen Jahren gegründet worden war, wenn man den Zustand der Häuser betrachtete. Nouvelle Charouse tat ein Schild außerhalb des Dorfes dessen Namen kund, und Finnegan war nicht wenig überrascht, dass er hier, mitten in den Eisenlanden, offenbar eine Siedlung von Montaignern vorfand.

Diese hatte auch Louis de Fromage Puant wenige Momente vor ihm betreten. Er, den außergewöhnliche Umstände in die weite Welt Théahs vertrieben hatten, hatte auf seinen Reisen in den Eisenlanden von einer Siedlung von Landsleuten gehört, die sich in seiner Nähe befinden sollte, und sogleich beschlossen, ihnen einen Besuch abzustatten. Scheinbar waren ausländische Siedler hier nichts ungewöhnliches, denn Elsa von Pösen warb geradezu um diese, damit sie halfen, das vom Krieg gebeutelte Land wieder aufzubauen. Zu viele Söhne und Töchter des Eisens waren gefallen, und mindestens genauso viele in den Jahren nach dem Krieg vor Hunger und Elend geflohen oder ihnen zum Opfer gefallen. Doch eines hatten die Eisenlande nach wie vor zu bieten: Gold! Und mach ausländischer Siedler war dem Lockruf des gelben Metalls gefolgt, um in der Fremde sein Glück zu finden - so mancher hatte es bereut. Eine ganze Siedlung jedoch war etwas Ungewöhnliches, und so fand sich Louis, nachdem er mühsam der Wildnis geraubte Äcker und Weiden durchquert hatte, in einem kleinen, doch nicht unfeinen Dorf wieder, als er hinter sich die Schritte eines weiteren Pferdes vernahm und einen Mann erblickte, der definitiv nicht in diese Gegend passte.[1]

Don Tristan de Simon de la Verde verstand die Welt nicht mehr. An irgendeiner Stelle musste er wohl falsch abgebogen sein, denn die Straße verdiente weniger und weniger diesen Namen, und nichts deutete hier darauf hin, dass er sich weiterhin auf dem Weg nach Freiburg befand. Stattdessen wurde der Boden morastiger, und Don Tristan dachte gerade darüber nach umzukehren, als er am Horizont ein Haus erblickte - sicherlich gehörte es zu einem Bauernhof, wo er nach dem Wege fragen und womöglich eine warme Mahlzeit in den Magen bekommen konnte.
 1. Natürlich Finnegal
« Letzte Änderung: 13.02.2019, 22:35:37 von Mondragor »

Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #1 am: 04.02.2019, 15:46:09 »
Mit einer gewissen Indignation blickte sich der Montaigner in der kleinen Siedlung um. "Sacrebleu, in welsch kultürloses 'interland bin iesch da bloß geraten..! Wahrliesch, dies iest die erste Dorf, in dem die 'öchstgestellte Persönlieschkeit des Ortes nicht auf dem Mist'aufen zu finden sein dürfte" murmelte er vor sich hin, während er einen seiner riesigen Stulpenhandschuhe abstreifte und unter seinen breiten Gürtel klemmte. Nachdenklich zwirbelte er seinen Schnurrbart und ließ seinen Blick umherschweifen. Dabei nahm seine Miene ganz allmählich fröhlichere Züge an. "Andererseits – wo eine anständige Abenteuer finden, wenn niescht 'ier? 'alunken und Strolsche aller Art muss es doch 'ier in großer Menge geben? Und vielleischt auch das eine oder andere frische Montaigner Landmädschen...  Louis, alter Junge, mir scheint, deine Nase 'at diesch genau an die rieschtige Ort geführt!" Just in diesem Moment wurde er eines anderen Reiters ansichtig. Dessen Äußeres schien nicht auf einen Vertreter des hiesigen Adels hinzudeuten, weswegen er darauf verzichtete, seinen Hut formvollendet zu ziehen. Stattdessen nickte er dem Mann freundlich zu und rief: "Ah, Bonjour! Sagt an, mein Freund, kennt Ihr Eusch 'ier ein wenig aus? Man mag es mir kaum anmerken, doch iesch bin niescht aus der Gegend." Jetzt erst fiel ihm auf, dass sein Gegenüber überhaupt nicht nach einem Einheimischen aussah. "...oder seid Ihr ebenfalls nur auf die Durschreise?" fügte er fragend hinzu.

Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #2 am: 05.02.2019, 06:37:17 »
Gedankenverloren ritt Erich die Straüße entlang und war innerlich froh das es am heutigen Tage nicht schon wieder regnete. Er machte sich Gedanken über diesen Schrecken der wohl auf ihn lauern wird, und über die Opfer die dieser Schrecken schon gefordert hatte.
Es dauerte daher einen Moment bis Erich erkannte wer denn da auf ihn zukam. Für einen kurzen Moment huschte ein lächeln über das Gesicht von Erich. Als die beiden dann auf gleicher Höhe waren Grüßte Erich sein Gegenüber freundlich "Seit gegrüßt Friedrich. Es ist einige Zeit her das wir uns das letzte mal gesehen haben. Was treibt Euch also in diese Gegend? Ich vermute das es wohl nicht unbedingt Zufall ist das sich unsere Wege ausgerechnet hier kreuzen."

Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #3 am: 06.02.2019, 19:18:15 »
Don Tristan hüllte sich enger in den Vendelischen Mantel. Das warme wasserdichte Kleidungsstück war wahrhaftig eine lohnende Investition gewesen. Bei dem verregneten Herbst und dem soweit nördlich garantiert sau kaltem Winter gab es hier in den Eisenlanden eindeutig einen Markt für Vedelische Kleidung.
Der Castillier schüttelte den Kopf. Jetzt fing er schon an wie sein vendelischer Gönner zu denken und überall nur Möglichkeiten für Geschäfte zu sehen.
Er mochte den Gedanken nicht besonders umdrehen zu müssen. "Vamos al menos hasta la próxima. Si no puedes ayudarnos allí, todavía podemos dar la vuelta.."[1] mumelt er seiner Fuchsstute zu und trieb das erschöpfte Tier sanft an.
Bei dem Gebäude angekommen sah er sich um.  "HALLO? IST HIER IRGENDWER?" Er sprach Eisenländisch, auch wenn der castillische Akzent unüberhörbar war.
 1. Castillisch:"Zumindest bis davorne gehen wir noch, wenn man uns dort nicht weiterhelfen kann können wir immernoch umdrehen"
« Letzte Änderung: 07.02.2019, 11:38:25 von Mondragor »

Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #4 am: 07.02.2019, 15:15:47 »
Mehr als einmal hatte sich Friedrich auf seiner Reise gefragt, ob er den richtigen Weg eingeschlagen hatte. Alle diese Wege und Pfade sahen doch gleich aus. Doch so langsam hatte er sich selbst davon überzeugt, richtig zu sein. Dabei wollte er nur einen alten Freund besuchen, der vielleicht ein paar interessante, neue Geschichten oder Arbeit für ihn bereit hielt. Etwas in Gedanken verloren, bemerkte er den Reiter erst recht spät aber noch rechtzeitig, um ihn gebührlich in Empfang nehmen zu können.
"Aaah Erich! Seid auch ihr gegrüßt. Ja, es ist zu lange her aber ihr wisst ja, wie unsere Arbeit so ist. Immer wieder muss man in die entferntesten Winkel der Eisenlande reisen und dann bleibt nun mal keine Zeit, alte Freunde zu besuchen." Er lächelte breit und hätte dem Mann freundschaftlich auf die Schulter geklopft, wenn er nicht reiten würde. "Ich muss euch aber leider enttäuschen. Wir sind in gegensätzlicher Richtung unterwegs und haben vermutlich nicht das gleiche Ziel. Euren Worten entnehme ich aber, dass ihr einen Auftrag habt?" Das Interesse Friedrichs war geweckt. Von Natur aus neugierig, würde er nun nicht aufgeben, bis er erfahren hatte, was Erich vorhatte. "Was ist es diesmal?"

Finnegan O´Dougal

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Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #5 am: 08.02.2019, 06:18:00 »
Gemächlich trottete Finnegans Pferd über den schlammigen Weg. Es hatte keinen Sinn bei solchen Bedingungn durch die Landschaft zu preschen, um sein Ziel schneller zu erreichen. Und außerdem wollte er das Tier schonen, bis seine Schnelligkeit vielleicht in einem wichtigen Moment gebraucht würde. Das Wetter erinnerte ihn an zu Hause, auch wenn dort die Wälder weniger düster waren.
Als er dann das montaignische Dorf erblickte, zügelte er sein Reittier und betrachtete es genauer. Konnte sein Ziel sich hier aufhalten? Nun, Finnegan würde fragen müssen. Bisher hatte er noch immer Informationen aus den Leuten, die er getroffen hatte herausgeholt, ohne zu viel über seine eigenen Motive zu verraten. Es war beschähmend genug, was seinem Clan widerfahren war. So etwas mußte nicht auch noch an die große Glocke gehängt werden.
Als er dann von einem Reiter vor sich auf der Straße angerufen wurde, ließ er das Pferd wieder weitergehen und näherte sich dem Motaigner, wenn man dem Akzent glauben durfte.
An der Kleidung des Inen konnte nur ein Mensch seines Volkes erkennen, daß er nicht arm sondern von gutem Stand war. Denn die Kleidung war zwar einfach gehalten aber von guter Qualität. Festes Leinen und gute, wasserabweisende Wolle waren die Hauptbestandteile. Alles in tadellosem Zustand. Die wenigen aber feinen Stickereien aus Silberfäden und enggewebten Borten taten dies einem Kenner zusätzlich kund. Und auch die hohen Stiefel aus robustem Leder waren gut gearbeitet.
Aber was war so etwas schon im Vergleich mit dem ausschweifenden Rüschen- und Seidenmengen, die Castilier oder Montaigner bevorzugten?
"Seid auch ihr gegrüßt, guter Mann. Ich bin tatsächlich auch nicht von hier. Ihr habt eine schnelle Auffassungsgabe. Ich bin wirklich nur auf der Durchreise.
Ist noch keiner der Bewohner auf? So früh am Morgen ist es doch nun auch nicht mehr."

Wieder blickte Finnegan sich aufmerksam um.
« Letzte Änderung: 08.02.2019, 06:20:33 von Finnegan O´Dougal »
"Bringt mehr Whiskey und Weiber."

Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #6 am: 08.02.2019, 06:36:22 »
Erich muß etwas über die Worte von Friedrich lächeln, denn seine scharfen Sinne haben mal wieder sofort erkannt auf was es ankommt. "Ja Ihr habt Recht, es fällt jemandem wie uns schwer seine Freundschaften zu pflegen, von daher freut es mich um so mehr das wir uns hier mal wieder sehen." Dann macht er eine kurze Pause und schaut sich rein aus antrainierte Reflexen um ob es hier Zuhörer gibt, obwohl er ganz genau weiß das die zwei hier ganz alleine auf der Straße sind.
"Ich bin auf dem Weg nach Hallstein. Dort soll Gerüchten zufolge eine Monstrosität geben die ihr Unwesen treibt, ein Schrecken der die Bevölkerung peinigt. Diesem Gerücht möchte ich nachgehen und dem ganzen auch hoffentlich ein Ende setzten. Von daher ist es Schade das Ihr wohl gerade andere Pläne habt, denn unsere Zusammenarbeit hat ja bisher immer einen fruchtbaren Boden gefunden und wohl sichtlich keinem von uns beiden geschadet" bei dem letzten Satz muß Erich selbst laut lachen.

Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #7 am: 09.02.2019, 13:58:01 »
Seinen Schnurrbart zwirbelnd erwartete Louis den Unbekannten. "Also auch niescht von 'ier" nickte er auf die Worte des anderen. "Nun, das soll us niescht inkommodieren" meinte der Montaigner schließlich. "Iesch glaube, es 'at in der Gegend genug an Banditen und Gesindel, um die Leute vorsieschtig zu machen. Was Wunder, wenn sie siesch verkrieschen, sobald Fremde auftauchen, n'est-ce pas?" Er wendete sein Tier und machte schon Anstalten, näher an die Hütten heran zu reiten, als ihm offenkundig noch etwas einfiel. "Ah, wie überaus vergessliesch von mir... mein Name ist Louis de Fromage Puant, Mousquetaire et Gentilhomme. Es iest mir eine Ehre, Monsieur..?" Seine Hand war in einer nachlässigen Geste des Grußes zur weiten Krempe seines Huts gewandert.

Mondragor

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Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #8 am: 10.02.2019, 13:33:20 »
Finnegan musste jedoch schnell feststellen, dass der Ort nicht so ausgestorben war, wie er vermutet hatte. Zunächst war es nur ein kleines Kind, dessen neugieriger Kopf aus einer Haustür hervorspähte, bevor es wieder nach innen gezogen wurde, doch nach und nach traten einige Bewohner aus ihren Häusern, wobei es sich fast ausnahmslos um Frauen und Kinder handelte. Sowohl Finnegan als auch Louis blieb nicht verborgen, dass die Frauen ausnahmslos Küchenmesser oder zumindest einen Besen griffbereit hielten.

Ein weißbärtiger Mann war es schließlich, der den beiden Fremden offen entgegentrat. Gekleidet war er in einfacher Bauernkleidung montaignischer Machart, wie Louis erkannte - wie auch die übrigen Einwohner, die zu sehen waren. In der Hand hielt er eine Mistgabel fest, und es war nicht ganz klar, ob er sich ob seines fortgeschrittenen Alters auf sie stützte, oder ob er wirklich in der Lage war, sie als Waffe einzusetzen.
"'allo veärrte Fremde!" sprach er sie mit montaignischem Dialekt an. "Versseidt unssere Vorrsiescht, abär wir 'aben nur selten Bessuch 'ier. Und schleschte Erfahrrungän gemacht mit Fremden. Wie 'eisst ihr und was wollt ihr in Nouvelle Charouse?"

Mondragor

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Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #9 am: 10.02.2019, 13:41:09 »
Schon als er dem Haus näherkam, erkannte Don Tristan, dass hier wohl niemand lebte, zumindest nicht mehr. Die Eingangstür war halb aus den Angeln gerissen, und mehr noch, tiefe Furchen wie von gewaltigen Klauen eines Raubtieres waren in sie eingegraben. Kein Rauch trat aus dem Schornstein und nirgends war eine Spur von Aktivität zu sehen. Um mehr darüber zu erfahren, was hier vorgefallen war, musste er die Hütte, die ihrer Größe nach zu urteilen wohl nur aus einem Raum bestand, wohl oder übel betreten. Einen Moment lang stand Don Tristan vor der Tür und überlegte, ob sich das Raubtier wohl immer noch darin befinden mochte und ob er sein Leben riskieren wollte, nur um seine Neugier zu befriedigen.

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« Antwort #10 am: 11.02.2019, 17:25:10 »
Ja, es war ein glücklicher Zufall. Friedrich hatte zwar einige Bekanntschaften in seinem Leben machen können aber nicht viele davon konnte er gut leiden. Erich gehörte zu denen, mit denen er gut arbeiten konnte und das war schon die halbe Miete. Deshalb nickte er freundlich auf die Worte seines Gegenübers. Es waren die anderen Worte, die Friedrich allerdings fast noch mehr erfreuten. "Eine Monstrosität, die ihr Unwesen treibt. Soso." wiederholte er nachdenklich. Natürlich sollte Erich das Wesen erledigen.
Nichts ungewöhnliches aber dennoch interessant. So interessant, dass Friedrich seine bisherigen Pläne aufgeben würde, um der Sache nachzugehen. "Nun. Es sind nur Pläne. Nichts, was man nicht ändern könnte." sagte er mit einem breiten Grinsen. "Ihr habt mich neugierig gemacht. Wie ihr ja selbst sagtet, hat unsere Zusammenarbeit immer... gefruchtet. Wenn ihr also nichts dagegen habt, würde ich euch gerne begleiten. So wie in alten Zeiten."
« Letzte Änderung: 11.02.2019, 17:25:48 von Friedrich von Dent »

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« Antwort #11 am: 13.02.2019, 00:40:05 »
Auf seiner Reise durch die Eisenlande hatte Don Tristan schon eine Menge Schauergeschichten über die Monster gehört, die als Folge des Krieges in diesen Landen ihr Unwesen treiben sollten.
Aber er war sich ziemlich sicher, das an den Geschichten mindestens soviel Übertreibung und Fantasie wie
Wahrheit war. Aber das bedeutete ja nicht, dass es keine Gefahren gab.
Für einen kurzen Moment fochten Neugier und Vorsicht in dem Castillier, dann gewann die Neugier.
Rasch band Don Tristan den Zügel seines Pferdes wohl für eben diesen Zeck an der Hauswand angebrachten hölzernen Haken, zog seinen Rapier und betrat, Klinge voran das Haus.
Dabei öffnete er mit der linken die Tür soweit er konnte um möglichst viel von dem herbstlichen Tageslicht ins Innere fallen zu lassen.

Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #12 am: 13.02.2019, 06:46:02 »
"Das freut mich zu hören, das Ihr erneut an meiner Seite kämpfen wollt." meint Erich mit einem freundlichen lächeln auf den Lippen.
"Also dann, alter Freund. Laßt uns eilen, solange der Tag noch hell ist. Ich möchte noch vor der Dunkelheit in Hallenstein eintreffen." sagt er abschließend zu Friedrich und treibt dann sein Pferd an um wieder Geschwindigkeit auf zu nehmen und weiter voran zu kommen.

Mondragor

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Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #13 am: 13.02.2019, 22:49:47 »
Vorsichtig stieß Don Tristan de la Verde die Tür auf, und als keine Reaktion erfolgte - kein Schrei, kein Knurren, auch kein Scharren, betrat er schließlich das Haus. Was er dort sah, bestätigte nur, was der Zustand der Tür bereits vermuten ließ: Das Innere war komplett verwüstet und zerstört. Die Besitzerin war offenbar eine Kräuterhexe gewesen, denn überall auf dem Boden verstreut waren kleine Tiegel mit Kräutern, Salben und anderen Dingen, die Don Tristan auf den ersten Blick nicht erkannte. Die meisten der Gefäße waren zerbrochen und ihre Inhalte hatten sich auf dem Boden zu einer schmierigen und bröseligen Pampe vermischt. Als der Castiller sich einige Kugeln genauer ansah, die in einer Ecke des Bodens lagen, zuckte er plötzlich erschrocken zurück, als er selbst angeblickt wurde: Offenbar handelte es sich um die Augen eines Tieres, das er nicht weiter zuordnen konnte und wollte.

Dass hier ein wildes Tier (oder Schlimmeres) gewütet haben musste, war klar ersichtlich, doch bei näherem Hinsehen erkannte Don Tristan auch Spuren eines Kampfes: Blutspuren auf dem Boden und einen blutigen Handabdruck an einer Wand. Nun, da er diese gefunden hatte, bemerkte er weitere Spuren, die ihn wieder nach draußen führten, und erkannte schließlich eine Schleifspur, die in Richtung des Sumpfes führte. Wer immer hier gelebt hatte, war offenbar von etwas verschleppt worden: Ob tot oder lebendig, vermochte Tristan nicht zu sagen.

Mondragor

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Prolog: Der Schrecken im Salzsumpf
« Antwort #14 am: 13.02.2019, 23:03:59 »
Der Weg nach Hallstein verlief ereignis- und problemlos, und nun, da Erich einen Gesprächspartner gefunden hatte, auch erheblich kurzweiliger als seine bisherige Reise. Am späten Nachmittag erreichten Friedrich und er den kleinen Ort, den die Kreuzritter ihm genannt hatten, und der im Grunde nicht viel mehr war als eine Ansammlung von vielleicht einem Dutzend Häuser, um die herum ein paar viel zu dünne Schafe grasten, die von einigen Kindern beobachtet wurden.

Eines dieser Häuser jedoch war ein schmuck aussehendes Wirtshaus mit dem einladenden Namen Zur offenen Pforte, und Erich und Friedrich ließen sich nicht zweimal bitten, bevor sie eintraten. Im Inneren traten sie in einen kleinen, aber feinen Schankraum, der zu dieser Zeit noch recht ausgestorben war: Nur an einem Tisch saß ein einzelner Mann, der jedoch über seinem Bier eingeschlafen zu sein schien; ansonsten war nur noch eine rundliche Wirtin anwesend, die gerade hinter dem Tresen einige Gläser spülte.

"Seid gegrüßt, edle Herren!" begrüßte sie die beiden Männer herzlich. "Was kann ich für euch tun? Darf es ein Zimmer sein, um eure müden Knochen auszuruhen, ein Bier, etwas zu essen? Am besten alles, oder? Nur der Eintopf steht noch auf dem Feuer und ist noch nicht soweit. Meist kommen die Gäste in dieser Jahreszeit erst bei Anbruch der Dunkelheit."

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