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Autor Thema: Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen  (Gelesen 538 mal)

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Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #45 am: 15.08.2019, 15:08:34 »
"Monsieur, Ihr scheint ein überaus charmanter Edelmann zu sein. Muss ich mir Sorgen machen, dass in zwei Jahren scharenweise Kleinkinder in meiner Stadt herumlaufen, deren erste Worte montaignisch klingen werden?"
Louis war überrascht über diese Worte aus dem Mund eines Sechzehnjähren, doch er bemerkte schnell, dass der junge Baron sein ganzes Leben lang auf sein Erbe vorbereitet worden war - was offenbar auch das eine oder andere höfische Bonmot beinhaltete.
"Nun, ich bin ein wenig gekränkt, da mir diese hervorragende Geschichte bisher vorenthalten blieb. Würde es Euch etwas ausmachen, diese schwere Wissenslücke zu füllen?"
Auch die beiden Berater des Barons blickten Louis neugierig an, wobei der Abt eher verdrossen dreinblickte. Stefan Handgrat jedoch sah den Montaigner mit einer Intensität an, als wollte er ihm direkt in die Seele blicken. Dies war auf keinen Fall die höfische Zurückhaltung, die man in den Schlössern der Montaigne pflegte.

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Don Tristan musste nicht lange suchen, bis er seinen Landsmann unter den Gästen erkannte, denn dieser suchte von sich aus das Gespräch mit dem Castillier. "Don Tristan de la Verde!" begrüßte Don Alfonso ihn mit einer Verbeugung. "Der Sohn des Don Simon." fügte er mit einem Lächeln hinzu, das Tristan nicht deuten konnte. "Ich habe einige Informationen eingeholt, wie Ihr bemerkt. Kommt, lasst uns ein Stück vom Buffet weggehen, wo das Gedränge nicht so groß ist."

Als sie ein wenig abseits der Menge in der Nähe einer der Außenwände zum Stehen kamen, fuhr Don Alfonso fort: "Das Schicksal Eurer Familie und vor allem Eures Vaters ist tragisch. Er war ein großer Patriot und hatte eine derartige Behandlung nicht verdient, denkt Ihr nicht?"
Mehr sagte er jedoch zunächst nicht; stattdessen sah er Tristan erwartungsvoll an und schien darauf zu warten, wie dieser reagieren würde.

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Friedrich musste nicht lange warten, bis ihn noch am Buffet der alte Walter Heckler ansprach, bevor er danach zu seinem Sohn und Erich stoßen würde. "Herr von Dent, Friedrich, auf ein Wort! Darf ich dir jemanden vorstellen? Wie es der Zufall so will, treffe ich hier auf dem Empfang meinen alten Bekannten Gottfried; derjenige, dem ich das Mikroskop zu verdanken habe. Nicht nur, dass er es mir geschenkt hat, es beruht auch maßgeblich auf seinen Berechnungen. Gottfried ist Dozent an der Universität zu Pösen, also ein Kollege, wenn ich so sagen darf?"
Friedrich verschluckte sich beinahe, als er Gottfried zu Gesicht bekam, denn er erkannte den Mann sofort, auch wenn er ihn noch nie von Angesicht zu Angesicht erblickt hatte. Es handelte sich um niemand Geringeren als Gottfried Labnütz[1], den Philosophen, Mathematiker und Universalgelehrten, der jedem Mann der Wissenschaft in den Eisenlanden, mehr noch in ganz Théah, ohne Zweifel ein Begriff war.

Während Friedrich noch um seine Fassung rang, sprach das Genie ihn freundlich an: "Sehr erfreut, Herr von Dent. Der gute Walter sagt mir, dass Ihr Dozent wart? Was war Euer Fachgebiet, habe ich etwas von Euch gelesen?"
 1. Offensichtlich die théahnische Variante von Gottfried Wilhelm Leibniz
« Letzte Änderung: 15.08.2019, 15:09:26 von Mondragor »

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #46 am: 17.08.2019, 11:43:08 »
Halb geschmeichelt, halb freudig überrascht von der Wortgewandtheit seines Gegenübers strich sich der Musketier über den Schnurrbart, ehe er mit einer leichten Verbeugung erwiderte: "Iesch danke sehr für Eure freundlieschen Worte, aber dies braucht Ihr mitnieschten zu befürschten, votre Altesse!" Nach einer wirkungsvollen Pause fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu: "Denn natürliesch werden sie alle glü'ende An'änger der 'iesigen Sitten und Sprache sein!" Er suchte Abt und Hauptmann seinerseits einzuschätzen, während er auch ihnen jeweils mit einer Neigung des Kopfes seinen Respekt erwies. Dann lächelte er breit, überspielte das in seinen Augen ungelenke Verhalten des letzteren und würde dem Baron und seinem Gefolge die Geschichte des Kampfes gegen die Kreatur ebenfalls präsentieren - in diesem Falle natürlich mit anderen Bemerkungen gewürzt als für die schmachtenden Edeldamen, womöglich eine Spur nüchterner, ohne jedoch auf subtile Hinweise zu verzichten, welche den Mut der kleinen Abenteurergruppe unterstrichen.

In einem geeigneten Moment würde er seinerseits einflechten: "Es wäre mir im übrigen eine Ehre, Eusch auch weiter'in dienliesch sein zu können. Da iesch miesch für einige Zeit in Eurem schönen Lande aufzu'alten gedenke - Euer Einverständnies und das Eurer ehrenwerten Berater vorausgesetzt - versteht es siesch von selbst, dass iesch miesch voll und ganz zu Eurer Verfügung 'alte, solltet Ihr meiner Dienste bedürfen." Begleitet wurden diese Worte von einem neuerlichen Schwenken des Huts, bei dem die behandschuhte Linke vielsagend auf dem Knauf des Degens ruhte.

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