Autor Thema: [Szene 9] Narben, die das Leben schlägt  (Gelesen 371 mal)

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Miko Yumi

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[Szene 9] Narben, die das Leben schlägt
« Antwort #15 am: 05.04.2019, 07:08:24 »
Den zwischen ihnen hängenden Arm Tsuyoshis übersieht Yumi völlig, zu gefangen ist sie von seinem forschenden Blick und ihren eigenen Sorgen. Als sie dann mit ihrem eigenem Angebot und Fragen an sich mit sich selbst beschäftigt ist, bekommt sie die weitere Annäherung des jungen Kriegers gar nicht mehr mit. Sie nimmt diese erst wahr, als der Körperkontakt initiiert wird. Mit einem überraschten Quieken reißt sie instinktiv die Arme hoch, um sich gegen seine Brust zu stemmen, doch ist sie zu spät. Sie bekommt gerade noch die Unterarme auf ihn, sodass sie ihre Vorderseite kaum eine halbe Armlänge von ihm halten kann. Auch ist die Kraft, die sie in ihrer Verwirrung in ihre Verteidigung legt, quasi substanzlos. Selbst wenn man aufgrund ihrer jungen Jahre und zarten Gestalt geringe Körperkräfte vermuten würde, wäre ihre Abwehr nicht ernst zu nehmen (und wer weiß, dass sie den Bogen erfolgreich einsetzt, weiß, wieviel mehr Kraft sie eigentlich hat).

So endet ihre Stirn auf seiner Brust und seine Hand in ihrem langen Haar. "Was...?", stammelt sie noch, während ihre Gedanken immer rasender und konfuser werden. Die Hitze, die sie ausstrahlt, nimmt erneut massiv zu und Tsuyoshi spürt neben seinem eigenen Schweiß etwas anderes an sich herunterrinnen - Tränen oder ihr Schweiß? Nur Augenblicke später, die ihr wie eine Ewigkeit vorkommen, fängt sich die Welt zu drehen an, wird bunt und dunkler. Kurz greift sie kraftlos in seine Kleidung, dann ermattet sie wie eine Puppe, deren Fäden fallen gelassen wurden. Ohnmächtig hängt sie in seinen Armen.

Tsuyoshi

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[Szene 9] Narben, die das Leben schlägt
« Antwort #16 am: 11.04.2019, 20:26:52 »
Das plötzliche Erschlaffen des Mädchens trifft den jungen Samurai überraschender als ein blitzartiger Angriff aus dem Nichts: Kaum hat er die Zeit, richtig zuzugreifen, ehe sie ihm an die Brust sinkt und sich nicht mehr rührt. Vorsichtig schüttelt er sie. Da keine Reaktion kommt, schlingt er einen Arm fester um ihre schmale Hüfte und hebt mit der freien Hand ihr Kinn an. Ein Blick in ihr Gesicht sagt ihm alles: Die Augen sind geschlossen, die Haare fallen wirr in die Stirn. Die Miko ist bewusstlos. Unentschlossen hält er sie fest und sieht sich um. Doch weder die Bäume, noch die Ahnen des nahen Schreins bieten ihm irgendeine Hilfe. Nach kurzem Zögern schiebt er ihr den zweiten Arm unter die Kniekehlen und hebt sie vollständig an. So trägt er sie zum Schrein und bettet sie in das warme Gras, als hätte er es mit rohen Eiern zu tun.

Einen Schritt zurücktretend, lässt er seinen Blick über sie schweifen und atmet schwer. Die meisten Dorffrauen altern bei ihrem harten, entbehrungsreichen Leben rasch, welken zu Greisinnen dahin, dass man fast dabei zusehen kann. Doch in jedem Dorf gibt es auch ein paar junge Mädchen, die gerade erst dabei sind, voll zur Frau zu erblühen – so wie Yumi. Um sich abzulenken und die Versuchung zu bekämpfen, macht er sich auf, um etwas Wasser zu besorgen. Doch zurück bei der Ohnmächtigen wird ihm klar, dass die Behandlung, die er einem anderen Krieger zukommen ließe, für ein weibliches Wesen nicht tauglich und nicht angemessen ist. Ein Tuch befeuchtend kniet er sich also neben sie, zögert erneut und tupft ihr dann die Stirn mit dem kühlen Stoff ab.

Sie wirkt trotz ihrer für ein Mädchen ungewöhnlichen Wehrhaftigkeit so verletzlich, dass er Bedenken hegt, etwas falsch zu machen. Zu töten, ja, dem eigenen Tod entschlossen ins Auge zu sehen, das hat er gelernt. Aber den Umgang mit jungen Frauen..? Er macht nun einen deutlich weniger souveränen Eindruck als bei seinem Einzug in das kleine Dorf. "Mädchen", sagt er nach einer Weile, "hörst du mich? Komm doch zu dir!" Doch sein Tonfall hat einen eher bittenden als befehlenden Unterton. Tsuyoshi ist fürwahr vollends ratlos.

Miko Yumi

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[Szene 9] Narben, die das Leben schlägt
« Antwort #17 am: 12.04.2019, 06:59:06 »
Da die Hitze und Windstille auch die Tiere verstummen lässt, kann Tsuyoshi bei seinem hilfesuchenden Blick über den Ort nichts finden. Einzig die Insekten sind eifrig zu hlren und zwei von ihnen scheinen einander zu umschwirren in der Nähe der jungen Menschen.

Auf die Berührung mi dem feuchten Tuch reagiert sie umgehend, jedoch nur mit einem schwachen Erzittern. Erst die Ansprache lässt ihre Augenlider flattern. Scließlich schlägt sie die Augen auf und starrt mit verwirrtem Blick in den Himmel. Sie braucht eine Weile, sich zu orientieren. In der Zeitspanne färben sich nicht nur ihre Wangen wieder rosig, auch ihre Ohren werden hochrot. Sie versucht, sich hochzustemmen, doch schwndelt ihr sofort wieder. Sie wendet ihren Blick auf den jungen Krieger, hält den Kontakt aber nicht. Ihren Körper oer ihre Kleidung zu prüfen kommt ihr anscheinend nicht in den Sinn.

Stattdessen rückt die junge Frau ein wenig ab und macht sich klein. "Verzeiht, Ishida-san, ich möchte keine Umstände machen. Es...wird gleich wieder gehen.", verkündet sie mit einem zarten Lächeln. "Wie - wiè lange war ich...?" Dann fällt ihr erst sein desolater Zustand auf. Sie stemmt sich, diesmal erfolgreich, hoch und schlägt vor: "Herrjeh, meine Msnieren. Bei der Hitze sollte man sich abkühlen. Zum Teich?" Ihr durstiger lick bleibt auf dem Wassertuch und -eimer hängen.

Tsuyoshi

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[Szene 9] Narben, die das Leben schlägt
« Antwort #18 am: 14.04.2019, 11:27:16 »
In der drückenden Stille kniet der Ronin neben dem Mädchen und wartet auf den Erfolg seiner Bemühungen. Als sie sich regt, atmet er zuerst einmal erleichtert auf, versucht aber dabei eine unbewegte Miene aufzusetzen, um keine menschliche Schwäche zu zeigen. Dann runzelt er verwirrt die Stirn, da sie so offenkundig errötet. Da er unerfahren in derlei Dingen ist, rätselt Tsuyoshi, ob er womöglich in irgendeiner Weise die Etikette verletzt hat – gegenüber einer weiblichen Person, gegenüber einer Miko... es gibt so viele Fallen, in die man tappen kann, wenn man keine hohe Schule der Gesellschaft durchlaufen hat.

Dass sie sich entschuldigt, nimmt er mit einem kurzen Nicken zur Kenntnis. Doch gebietet die Sitte, dass dies die Frau auch dann tut, wenn der Mann unrecht hat. Yumis Verhalten liefert ihm also kaum Anhaltspunkte, die ihn in seinen Überlegungen weiter brächten. "Nur einige Momente" antwortet er zu ihrer Beruhigung nicht ganz wahrheitsgemäß und überspielt ihre Entschuldigung und seine Verunsicherung. Den Vorschlag, sich abzukühlen, nimmt er nach einem Moment der Überraschung umso bereitwilliger mit einem Nicken an: "Das ist wohl das beste. Die Hitze macht durstig." Indem er aufsteht, hilft er auch dem Mädchen auf. Nun ist er es, der wenig auf sein schweißüberströmtes Gesicht und den Kimono achtet, der ihm um die Schultern klebt.

Ohne darüber nachzudenken, führt und stützt er sie bis zum besagten Teich. Das Summen der Insekten, das Rascheln des Grases unter ihren Füßen und der Kimonos sind die einzigen Geräusche, die sie begleiten. Die Oberfläche des kleinen Teichs schimmert wie ein polierter Spiegel im gleißenden Sonnenlicht. Kein Windhauch kräuselt seine Oberfläche, deren silbriger Glanz erfrischende Kühle verspricht. Der junge Samurai geht auf ein Knie, schöpft mit der hohlen Hand Wasser und nimmt einen tiefen Zug. Er kann einen wohligen Seufzer dabei nicht ganz unterdrücken.