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Autor Thema: Prolog: Die letzten Vier  (Gelesen 2300 mal)

Beschreibung: Ein Lebensabschnitt endet, ein neuer beginnt...

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Amani

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #150 am: 08.04.2019, 09:50:15 »
Völlig zermartet erwacht Amani am nächsten Morgen. Was die Nachtruhe ihr auch immer an Erholung hat schenken sollen ist nicht eingetreten. Vielmehr hat sie das Gefühl der nächtliche Albtraum hat sie mehr Kräfte gekostet als sie wahrhaben will. Doch eines hat ihr der Traum in aller Deutlichkeit gezeigt: sie müssen Martok Adartu finden.

"Martok Adartu", sind dann auch ihre ersten Worte als sie wieder am Tisch zusammensitzen: "Wir müssen ihn finden. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir ihn schnell finden sollten." Amani lässt offen warum sie in diesem Glauben ist.

"Wahrscheinlich sollten wir uns auf den Märkten umhören, die Chance dort einen Hinweis auf ihn zu finden scheint mir am höchste. Und wir sollten Geld wechseln, damit wir etwas Kupfer haben. Informationen können teuer sein."

Einar

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #151 am: 08.04.2019, 17:56:22 »
„Da bin ich ganz deiner Meinung.“ stimmt Seth zu, der trotz der Nacht in Sicherheit und einem verhältnismässig luxuriösen Bett ziemlich geschafft aussieht. „Hatte einen ganz miesen Traum, der mit schwarzem Schleim und dem Tod endete. Und den Worten: Es gibt kein Entkommen, aber einen Ausweg. Könnte schwören, dass ich diesen Adartu nun bereits reden gehört habe.“
Er überlegt derweil, ob ihm diese Götzenfigur des vierarmigen Affen vielleicht einen Hinweis auf Martoks Aufenthaltsort geben könnte.

Cerebro

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #152 am: 08.04.2019, 19:00:38 »
Seth hat keine Ahnung, um wen oder was es sich bei dem Affen-Götzen handelt, denn er hat dieses Abbild noch nie zuvor gesehen. Falls es ein Hinweis auf Adartu sein sollte, dann keiner, den er zu deuten weiß...

Einar

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #153 am: 13.04.2019, 20:27:55 »
Als Seth seinen Traum anspricht, wird schnell klar, dass er da nicht der einzige war, der in der Nacht geplagt wurde. Obwohl sie nicht alle das selbe träumten, finden sich schnell ein paar Gemeinsamkeiten - und keine davon verheisst gutes...

Nachdem sie ihre Träume kurz untereinander abgeglichen haben, macht sich eine beklommene Stimmung breit, die noch anhält bis sie sich vom Wirt verabschiedet, ihre Sachen gepackt und sich schliesslich auf dem Markt eingefunden haben. Dort sorgen dann endlich das rege Treiben, die vielen verschiedenen Gerüche, sowie der Lärm und die unzähligen feilgebotenen Waren für eine willkommene Ablenkung.

„Wir sollten uns aufteilen, am besten jemand kommt mit mir mit und jemand geht mit Amani zusammen los. Fragen wir einfach jeden der aussieht als hätte er Ahnung von Magie oder mies gelaunten Göttern.“

Cerebro

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #154 am: 13.04.2019, 23:38:11 »
Die Vier teilen sich auf: Askwin geht mit Amani und Brynja mit Seth - die beiden Einheimischen übernehmen jeweils die Führung. Sie besprechen noch einen Zeit- und Treffpunkt, dann trennen sie sich, um die Straßen der Stadt abzuklappern und nach Anhaltspunkten herumzufragen. Brynja und Askwin haben es hierbei etwas schwerer, denn sie können sich nur der Handelszunge bedienen, die in Makkâd zwar einigermaßen geläufig ist, aber - so merken sie schnell - nicht von jedermann gesprochen wird.

Alle vier lernen nach vielerlei Fehlschlägen etwas über den Affengötzen, den ihnen Seth aus seinem Traum beschrieben hat:

"Du meinst sicher Simatala," meint ein Händler zu Askwin und macht dabei eine abwertende Geste mit der Hand. "Ein dreckiger Tiergott aus Laksha. Als ich noch jung und reiselustig war, habe ich dieses Land einmal besucht, aber das ist lange her und Laksha ist sehr weit fort von hier. Es heißt, der Kult von Simatala hat sich seither weiter nach Osten ausgebreitet, aber wenn uns seine Jünger zu aufdringlich werden, übergeben wir sie einfach der Lebenden Flamme!"

Von einer alten Frau erfährt Anami: "Ein Affe mit vier Armen? Ich glaube in den fernen Ländern im Westen verehrt man so ein Wesen. Wenn du mehr darüber wissen willst, solltest du jemanden fragen, der von dort herstammt. Hier in der Stadt trifft sich allerlei Volk - ich wette, da sind auch einige von dieser Sorte dabei. Im Tempelbezirk findet man einen solchen Götzen jedenfalls nicht und ich will mit derlei Unfug auch nichts zu tun haben!"

"Man ehm... sagen, sie opfern Affengott äh... Jungfrauen," stammelt ein hagerer Mann in brüchiger Handelszunge, mit dem Brynja kurz ins Gespräch kommen kann. "Tot durch - wie sagt man? Erwürgen! Ich erm... weiß mit schöner Frau ja besseres Dinge zu machen, aber naja... Haha! So jemand wie du muss nicht... äh... Furcht zeigen? Groß und stark! Haha!"

Eine der Stadtwachen rümpft die Nase, als Seth nach dem Affenbildnis fragt, meint nach einer abwägenden Pause aber schließlich: "Das ist ein Götze der Lakshaner. Es gibt ein paar dieser Ausländer hier in Makkâd. Bleiben gern unter sich. Irgendwo im Adelsviertel existiert eine Enklave, aber Genaues weiß ich darüber nicht..."


Die Fragen nach Martok Adartu tragen weniger üppige Früchte. Ein alter Greis plappert zu Amani, dass Adartu ein mächtiger Hexer gewesen sei, der vor hunderten von Jahren gelebt haben soll, bis er schließlich von seinen Feinden getötet wurde. "Das war, als der Vater meines Großvaters Vater noch ein Knabe war," meint der Alte und setzt zu weiteren uninteressanten Anekdoten an, bis sich Amani schließlich von ihm losreißen kann. Brynja, Askwin und Seth ernten stattdessen nur Kopfschütteln oder andere Abweisungen, obgleich der Dieb bei einer befragten Person das Gefühl bekommt, bei der Nennung des Namens aufzuschrecken. Weiteres Bohren verläuft allerdings im Sand und der Mann entschwindet rasch im Gewusel des vollen Marktes.

Nach mehreren Stunden treffen sich die vier vom Schicksal vereinten Gefährten wieder an einem schattigen Plätzchen nahe der bekannten Wirtschaft im Hafenviertel, um ihre Ergebnisse auszutauschen. Es ist später Nachmittag und noch immer herrscht viel Betrieb auf den Straßen. So ziemlich alle haben ihren Teil erzählt, als sich ihnen plötzlich ein Mann nähert. Er sieht aus wie eine der Stadtwachen, trägt aber eine etwas andere Kluft - womöglich ein Leibwächter oder Söldner. Er ist groß, mit breiten Schultern, von der Sonne gebräunten Haut und schwarzem Vollbart. Ein roter Turban sitzt auf seinem Kopf und ein mit roten Tüchern geschmückter Schuppenpanzer schützt seinen Leib; an seiner Seite hängt ein Säbel in lederner Scheide. "Du." Er richtet seine Worte (in Zadj) an Seth. "Mein Herr wünscht dich zu sprechen..."
« Letzte Änderung: 15.04.2019, 00:50:00 von Cerebro »

Einar

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #155 am: 14.04.2019, 11:51:45 »
„Ich?“ fragt Seth etwas ungläubig. „Seid Ihr euch da denn sicher? Ich bin nur auf der Durchreise und kenne keine Herren hier, für die meine Wenigkeit von Belang sein könnte. Würde also nur ungern die kostbare Zeit eures Herren verschwenden, aber wenn Ihr euch da sicher seid, werde ich der Einladung natürlich gerne folgen. Darf ich fragen in welcher Angelegenheit mich welcher Herr denn gerne sprechen würde? Und dürften mich meine treuen Gefährten begleiten?“
Von Einladung kann wohl kaum die Rede sein, denn ein Nein würde hier vermutlich nicht akzeptiert. Seth fragt sich dabei, wem er wohl auf die Füsse getreten ist? Hat er seine Finger doch absichtlich stets in den eigenen Taschen behalten... Na gut, dann hat es vermutlich mit ihrer Fragerei zu tun - was vielleicht gar schlimmer ist. Diebstahl kostet eine Hand, die falschen Fragen zu stellen von der Zunge bis hin zum ganzen Kopf.

Cerebro

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #156 am: 14.04.2019, 12:38:06 »
"Mein Herr ist der ehrenwerte Yariman Najar, Mitglied des Rates der Neun," erhält Seth zur Antwort. "Es ist nicht an mir, seine Angelegenheiten mit dir zu besprechen, aber eine Ver­wech­se­lung ist ausgeschlossen, dessen kannst du dir sicher sein." Er richtet seinen Blick auf Seths Kameraden. "Deine Gefährten sind willkommen, dich zu begleiten. Mein Herr wartet in seinem bescheidenen Geschäft. Bitte folgt mir."

Der Bote macht eine einladende Geste mit dem Arm und dreht sich halb um, behält jedoch ein Auge darauf, ob die Gruppe seiner Aufforderung tatsächlich nachkommt.


Seth sagt zwar der hier regierende Rat der Neun etwas, doch über dessen aktuelle Mitglieder ist er wenig informiert. Im Gegensatz zu ihm hat Amani den Namen 'Yariman Najar' schon einmal zufällig aufgeschnappt: Er ist einer der drei Repräsentanten des Handels.
« Letzte Änderung: 15.04.2019, 00:52:06 von Cerebro »

Amani

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #157 am: 15.04.2019, 15:24:10 »
Suchen sie einen Toten? Schießt es Amani während des Tages durch den Kopf. Immerhin scheint er ein Hexer zu sein, was ihre Hoffnung erhöht, dass er helfen kann... wenn sie ihn finden sollten. Warum hat Kallian sie befreit und als Rettung einen Toten genannt? Aber es ist nichts was ihr hilft, wenn sie sich jetzt darüber den Kopf zerbricht.

Anscheinend hat Seth irgendwo einen Eindruck hinterlassen. Was auch immer geschehen soll; Amani folgt dem Dieb. Sie sind keine wirkliche Truppe, eher ein durch das Schicksal zusammengewürfelter Haufen, dass heißt aber nicht das ihre Überlebenschancen zusammen größer sind als alleine.

Einar

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #158 am: 15.04.2019, 16:44:38 »
„Habt Dank.“ nickt Seth auf die Zusage des Boten und wendet sich an die anderen, in Handelszunge, damit auch jeder versteht was hier gerade passiert: „Sieht so aus als wären wir mit unserer Fragerei aufgefallen. Ein Herr Najar vom Rat der Neun möchte mich sprechen - und ihr seit natürlich auch eingeladen. Vielleicht erfahren wir dort ja mehr über unser Ziel. Ich würde vorschlagen, ihr kommt mit - und legt eure besten Manieren an den Tag.“ Er könnte gut darauf verzichten, dass Brynja aus Versehen auch noch die tote Mutter dieses Herren beleidigt.

Nachdem das also geklärt ist, folgt Seth der Aufforderung des Boten und stiefelt diesem brav hinterher, gespannt was sie dabei erwartet. Er bleibt nach wie vor misstrauisch, will aber seinem Plan treu bleiben und nirgendwo anecken, bis sie diesen Martok  und noch viel mehr den  mysteriösen ‚Ausweg‘ gefunden haben.

Cerebro

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #159 am: 15.04.2019, 18:18:14 »
Die Vier folgen dem Boten und erreichen einige Zeit später den Großen Basar, im Silberdistrikt der Stadt. An großen und kleinen Geschäften geht es vorbei und durch dichte Menschentrauben hindurch, so dass es manchmal schwer fällt, einander nicht aus den Augen zu verlieren. Schließlich dünnen die Massen etwas aus und der Bote biegt in eine enge Nebengasse ein, deren Zugang von zwei Vertretern der Stadtwache flankiert wird. Sie nicken dem Mann im roten Turban zu und lassen die Gruppe passieren. Das kurze Gässchen dahinter erscheint nahezu menschenleer, die Lehmgebäude hier sind mehrstöckig und in guter Verfassung, aber zumindest von außen nicht auffallend edel oder kunstvoll verziert. Vor einem der Häuser steht eine dritte Wache - hier machen sie Halt und ihr Führer wendet sich zur Gruppe.

"Wir sind da. Bitte übergebt der Wache eure Waffen - ihr erhaltet sie später zurück."

Es ist klar, dass dies ein Punkt ist, der nicht zur Verhandlung steht. Da sie die Einladung hierher unvorbereitet erreicht hat, blieb auch kaum Zeit für heimliche Verstecke. Mehr oder weniger willig geben sie ihre Waffen also ab und werden im Anschluss daran trotzdem noch sehr gründlich durchsucht. Als dieser weniger angenehme Part überstanden ist, geleitet sie der Bote endlich ins Innere des Hauses.


Sie betreten einen gemütlichen, ansehnlich eingerichteten Raum. Die Wände sind zum Teil mit Holz verkleidet sowie hier und da mit Wandteppichen behängt. Pflanzen ragen aus aufgestellten Töpfen und frische Luft kommt durch zwei zur Gasse hin ausgerichtete Fenster, die jedoch - wie oft üblich in dieser Gegend - von engmaschigen Holzgittern durchzogen sind, so dass das Licht des Tages nur sporadisch hindurchdringt. Zum Ausgleich dienen mehrere entzündete Lampen, zusätzlich verbreiten angesteckte Räucherstäbchen einen süßlichen Duft. In der Mitte steht ein niedriger Tisch sowie kreisförmig darum mehrere zylinderförmige Sitzkissen mit kunstfertigen Stickereien; weiter hinten im Raum befindet sich ein weiterer, größerer Tisch und eine geschlossene Tür an der rückwärtigen Wand. Hinter dem Tisch sitzt ein Mann inmitten diverser Papiere und lässt eine Schreibfeder tanzen. Als die Besucher den Raum betreten, legt er den Stift beiseite und schaut auf.

"Herr," spricht der Bote auf Zadj und verbeugt sich. "Der Fremde, nach dem Ihr geschickt habt. Und seine Begleiter."

Der andere erhebt sich mit ausgebreiteten Armen sowie einem aufgelegten Lächeln. "Willkommen!" grüßt er nach einem raschen Seitenblick auf Askwin und Brynja in perfekt flüssiger Handelszunge. "Ich bin Yariman Najar und froh, dass ihr es einrichten konntet, mich zu besuchen. Ich hoffe, meine Einladung trifft euch nicht zu unvorbereitet... und ich hoffe, Ehsab hier war nicht zu ruppig in seinem Auftreten. Er ist einer meiner treusten Diener, jedoch kein sehr begnadeter Diplomat." Yariman ist vergleichsweise groß und hager. Sein schwarzes Haar ist bereits zu Teilen ergraut. Ein akkurat geschnittener, feiner Ziegenbart umrahmt seine Mundpartie und er trägt edle Stoffe sowie einen Turban, allerdings keinerlei offensichtlichen Schmuck. Er deutet auf die Sitzkissen.

"Bitte, nehmt doch Platz. Macht es euch gemütlich..." Yariman selbst lässt sich auf einem der Sitzkissen nieder. "Sicher habt ihr viele Fragen," setzt er schließlich wieder an und richtet sich dabei hauptsächlich an Seth, "aber gestattet, dass ich den Anfang mache. Wie mir zugetragen wurde, habt Ihr den Großteil des Tages damit verbracht, Euch nach dem Namen 'Martok Adartu' zu erkundigen - bin ich diesbezüglich korrekt informiert? Darf ich fragen, was es mit diesem... nun ja... ungewöhnlichen Unterfangen auf sich hat?"
« Letzte Änderung: 16.04.2019, 19:04:52 von Cerebro »

Einar

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #160 am: 16.04.2019, 19:16:45 »
Bisher wirkt dieser Najar äusserst freundlich, was Seth dazu verleitet ganz ehrlich zu erklären was Sache ist. Insbesondere hegt er die Hoffnung, dass jemand so wichtiges wie ein Ratsmitglied am ehesten etwas über Martok Adartu wissen könnte.
„Na gut, wo fang ich da am besten an... Nun, sagen wir unser Ausflug in die Wüste stand unter einem schlechten Stern.“
Es folgt eine kurze Zusammenfassung wie sie in Gefangenschaft gerieten, gerettet wurden und schliesslich hier ankamen, mit dem mysteriösen Tipp besagten Mann zu finden. Ihre seltsamen Träume, die der ganzen Sache noch einmal deutlichen Nachdruck verliehen, lässt er dabei auch nicht aus. Einzig dass sie jeden Preis für Martoks Hilfe zahlen sollten, behält er noch für sich. Dies würde nur ihre Verzweiflung verdeutlichen und sie unnötig angreifbar machen. Verzweifelte Leute sind immer die beliebtesten Ziele für Betrüger.
„Sagen Sie, glauben Sie an böse Gottheiten und Flüche?“
« Letzte Änderung: 16.04.2019, 20:03:48 von Seth Vargas »

Cerebro

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Prolog: Die letzten Vier
« Antwort #161 am: 16.04.2019, 20:42:45 »
Seths Bericht über die vergangenen Ereignisse nimmt trotz der Zusammenfassung etwas Zeit in Anspruch, zumal Yariman hin und wieder gezielte Zwischenfragen stellt und sich gewisse Aspekte detailliert beschreiben lässt. Davon abgesehen hört er konzentriert zu und umspielt hin und wieder mit den Fingern das abstehende Stück Bart an seinem Kinn.

"Eine äußerst interessante Geschichte," meint er abschließend, "und ich danke dir für deine Ehrlichkeit. Gern würde ich diesen Creithaner kennenlernen, doch ich fürchte das muss warten... Was deine Frage angeht - nun, ich muss nichts glauben, mein Freund. Mein Geschäft ist es, zu wissen! Und ich weiß viele Dinge. Dinge die euch möglicherweise helfen... und Dinge, die euch mit Sicherheit vernichten..." Er blickt auf zu seinem Diener. "Ehsab, warte draußen vor der Tür. Niemand betritt dieses Haus, ohne dass ich es explizit wünsche. Hast du verstanden?!" Ehsab neigt den Kopf. "Natürlich, Herr." Damit dreht sich der große Mann zur Tür und geht hinaus.

Yariman wendet sich wieder an Seth. Die aufgesetzte Fröhlichkeit ist inzwischen verblasst und ein durchdringendes Funkeln erhellt die Tiefen seiner dunklen Augen. "Folgt mir..." Mit dieser kurzen Anweisung erhebt er sich und steuert zur zweiten Tür am Ende des Raums. Wie die anderen sehen, ist sie mit einem Schloss gesichert, doch ihr Gastgeber fördert aus einer versteckten Tasche seiner Kleidung einen langstieligen Schlüssel zutage und sperrt auf. Der Anblick des Zimmers dahinter versetzt Seth in kurzes Schaudern. Es wirkt trotz seiner Größe eng, denn es ist vollgestopft mit Regalen sowie allerlei Krimskrams: Schränke gefüllt mit Büchern und Schriften, aufgereihte Flaschen mit unbekanntem Inhalt, dazu einige Vorräte sowie alltägliche Gebrauchsgegenstände neben diversen Skulpturen und Artefakten. Es gibt keine Fenster und erst als Yariman eine Öllampe entzündet, kehrt etwas Licht in die Szene. "Dies ist einer meiner Rückzugsorte, wenn ich ungestört sein möchte," erklärt er, wendet sich dabei aber hauptsächlich an Seth. "Ein Studierzimmer, wenn man so will. Deiner Erzählung gemäß, kennst du es bereits..." Abwartend beobachtet er die Reaktion des Diebes, dann fährt er fort. "Schließt die Tür hinter euch. Ihr werdet stehen oder mit dem Boden Vorlieb nehmen müssen, aber hier kann ich mir sicher sein, dass die Wände keine Ohren haben..."

Yariman steuert nun auf einen Diwan zu und setzt sich - es ist das einzige Sitzmöbel hier. Seth fühlt sich sofort in seinen Traum zurückversetzt, nur dass die zuvor unkenntliche Schattengestalt nun das Gesicht Yariman Najars trägt. Die Stimme ist allerdings eine andere als in seinem Traum.

Seth spürt beinahe, wie der schwarze Schleim seine Kehle hinaufsteigt, doch dies entpuppt sich glücklicherweise als Einbildung. Nachdem alle eingekehrt und die schwere Tür hinter ihnen geschlossen ist, blickt Yariman in die Runde. Mit einer Hand umspielt er Bart und Wangen, während seine Augen im vorherrschenden Zwielicht abschätzend funkeln. "Martok Adartu ist tot," erklärt er schließlich. "Er starb vor langer Zeit durch die Hände verachtenswerter Narren. Doch ich sollte sagen 'sein Körper starb', denn sein Geist ist unsterblich und wandert durch die Generationen. Ich bin Martok Adartu..."
« Letzte Änderung: 16.04.2019, 23:51:45 von Cerebro »

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