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Autor Thema: Kapitel 1 - Ein ganz normaler Sommermorgen  (Gelesen 5500 mal)

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Sé Faoláin

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Kapitel 1 - Ein ganz normaler Sommermorgen
« Antwort #300 am: 15.01.2020, 21:09:22 »
Sé starrte von ihrem Schlafplatz aus ins Feuer. Auch in den Flammen ließen sich keine passenden Antworten finden. Sie kam sich klein vor und töricht. Beinahe all ihre Bemühungen waren vergebens gewesen. "Von all den Menschen haben wir also nur einen kleinen Knaben retten können...Wie es den Kindern wohl geht? Was wohl aus ihnen werden soll?" Die zarte Druidin nahm einen Schluck aus ihrer Trinkflasche und lauschte in die Nacht.

Der Regen hatte einen intensiven Geruch hinterlassen, sie waren umgeben von nassem Holz, Blättern und Felsen. Das Feuer wärmte die durchnässten Wanderer und nachdem sie sich den Felsvorsprung hergerichtet hatten, war es fast gemütlich. "Wenn wir je erfahren wollen, was hier geschehen ist, so bleiben uns nur das Mädchen und der Junge in Klauenhafen. Sie sind hoffentlich beide in Sicherheit." Sé blickte nachdenklich in die Runde. "Ich weiß, dass unsere Aufgabe eigentlich beendet ist. Wir haben einen Überlebenden gefunden und festgestellt, dass er der einzige ist. Wenn ihr zurückkehren wollt und die Sache auf sich beruhen lassen, dann versteh ich das. Ich für meinen Teil will versuchen mehr zu erfahren, vielleicht sogar Übles in unserer Zukunft verhindern. Diese Prophezeihung - wenn man das so nennen will - klang ja nicht gerade aufmunternd..." Sie musterte kurz jeden der Gefährten. Würde sie sich weiterhin gegenseitig unterstützen, oder sich nur noch flüchtig grüßen bei zufälligen Begegnungen auf der Straße...

Niyall

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Kapitel 1 - Ein ganz normaler Sommermorgen
« Antwort #301 am: 17.01.2020, 12:14:39 »
"Ich denke, wir sollten trotzdem mal zurück. Das heißt ja nicht, dass wir hier alles aufgeben. Wir werden das ohnehin weiter verfolgen müssen, jetzt wo wir einmal damit angefangen haben. Und diese Prophezeihung war ja auch recht deutlich auf uns gemünzt. Es wird uns nichts anderes übrigbleiben, das weiter zu untersuchen. Aber nichts davon ist ein Grund nicht auch mal wieder zurückzugehen und zu sehen, wie die Lage in Klauenhafen ist," meinte Niyall zu Sé.

Sé Faoláin

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Kapitel 1 - Ein ganz normaler Sommermorgen
« Antwort #302 am: 17.01.2020, 13:39:21 »
"Sag ich doch. Beim ersten Licht nach Klauenhafen - soviel ist doch klar. Ich meinte, dass ich herausfinden will, worum es bei dieser Sache geht und es mir nicht reicht, in der Stadt nach den Kindern zu sehen und dann wieder meiner Wege zu gehen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ihr das auch so seht oder euch dieser Ausflug reicht. Wir wissen jetzt ja um den Verbleib der Menschen vom Hof..." Sé spürte ihre eigene Ungeduld und einen nagenden Zorn, der wohl mitunter dem Ausgang ihrer Reise geschuldet war.

Brogar Tunnelheim

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Kapitel 1 - Ein ganz normaler Sommermorgen
« Antwort #303 am: 18.01.2020, 14:59:27 »
Brogar hatte sich alle Fundstücke sehr genau betrachtet und wiederum Notizen gemacht. Von den kruden Zeichen war eine Abschrift in sein Buch gewandert, von der Maske eine grobe Zeichnung, die er mit einigen zwergischen Symbolen, Fragezeichen und Anmerkungen versah. Darüber brütete er eine ganze Weile, ohne sich am Gespräch zu beteiligen. Schließlich verstaute er das Buch wieder sicher und meinte: "Es scheint mehr hinter der ganzen Sache zu stecken. Daher wäre es unklug, sie einfach auf sich beruhen zu lassen. Auf jeden Fall müsste von dem Knaben noch mehr zu erfahren sein, und auch Nachforschungen in alten Schriften mögen mehr Laternen in den Stollen bringen."

Idunivor

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Kapitel 1 - Ein ganz normaler Sommermorgen
« Antwort #304 am: 20.01.2020, 14:18:27 »
Die Truppe beschloss also am nächsten Tag nach Klauenhafen zurückzukehren, um zu sehen, wie es den beiden Kindern ging. Sie würden dennoch diese Sache weiter untersuchen, auch wenn zunächst nicht klar war, was ihr nächster Schritt dazu sein würde.
Der Regen hörte irgendwann am frühen Morgen auf und nachdem sie einige Stunden in den Tag hinein geruht hatten, fühlten sich alle wieder kräftig genug, um nach Klauenhafen zurückzukehren. Es würde sie gewiss einen Tagesmarsch kosten, der aber erfreulich ereignislos ablief. So sahen sie dann auch gegen Abend die vertraute Palisade, die am Ostufer des Delimbiyr aufragte und provisorischen Schutz bot. Man ließ die bekannten Gesichter ohne viele Fragen in die Stadt und schon nach kurzer Zeit trafen sie auf Oldor, der ebenfalls heil hier angekommen war. Er berichtete ihnen auch, was er von dem Mädchen - Mira Savar - erfahren hatte, die im Gasthaus von Bolin Sarsh das Bett hütete. Sie hatte sich so sehr verausgabt, dass ihr junger Körper nur langsam wieder zu Kräften kam und der Alchemist Torben musste sich nach wie vor um sie kümmern.
Leider hatte Mira vom Angriff selbst kaum etwas mitbekommen, da es dunkel gewesen war. Einer der Knechte hatte sie gerade noch aus einem der Fenster im Erdgeschoss hieven können als die Männer schon im Haus waren. Mehr als große schemenhafte Gestalten hatte das Mädchen nicht gesehen oder sie hatte alles weitere verdrängt. Sie erinnerte sich nur an Schreie und den Auftrag, den der Knecht Jans ihr gegeben hatte: Hol Hilfe aus Klauenhafen.
Nun das war dem Mädchen gelungen und zumindest für ihren kleinen Bruder war sie rechtzeitig gekommen. Und so schnell, dass man dem Rest ihrer Familie hätte helfen können, konnte die junge Mira nicht laufen. Denn wenn man es recht bedachte, hatte der Trupp aus Klauenhafen sich nicht viel Zeit gelassen und der Vorsprung der Entführer war einfach zu groß gewesen.
The only ones who should kill are those prepared to be killed.

Kite in the Wind

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Kapitel 1 - Ein ganz normaler Sommermorgen
« Antwort #305 am: 21.01.2020, 15:27:53 »
Nachdem er sich überzeugt hatte, dass es den Kindern den Umständen entsprechend gut ging, verblieb Yazrin nur mehr wenige Nächte in Klauenhafen. Der mit den Gefährten gemeinsam bestrittene Ausflug in die Wildnis schien den Tiefling genug über sich gelehrt zu haben, um zu wissen, dass sein Platz in der Welt nicht hier war.

An einem lauen Abendsuchte er noch einmal alle auf, die ihm am Herzen lagen und verabschiedete sich in seiner gewohnt wortkarten Art und wünschte ihnen viel Erfolg bei der Aufklärung dieses unheimlichen Rätsels. Dann, am darauf folgenden Morgen, schulterte er seinen Ranzen und marschierte mit neuer Zielstrebigkeit ausgetattet aus dieser Geschichte hinaus um dem Ruf der Straße zu folgen auf der er Zeit seines Lebens gewandelt war.

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