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Autor Thema: Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen  (Gelesen 1649 mal)

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Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« am: 27.06.2019, 00:58:40 »
Nach und nach tauchten auch Don Tristan de Simon de la Verde und Finnegan O'Dougal im Wirtshaus auf und gesellten sich zu den anderen, die auch mit Hilfe des eisenländischen Bieres inzwischen etwas aufgelockert waren und über ihre Pläne sprachen - zumindest so weit, wie sie diese mit den anderen teilen wollten. Die beiden Nachzügler hatten im Laufe des Tages ihre eigenen Nachforschungen angestellt[1] und waren nun ebenfalls froh, sich nach den letzten anstrengenden Tagen in der Wärme eines guten Wirtshauses etwas zu entspannen.

Der Schankraum war inzwischen gut gefüllt, und um die Stille, die Friedrich vorher noch genossen hatte, war es längst geschehen, denn überall um sie herum waren die Tische vollbesetzt und die Gespräche machten nur dann und wann Pause, wenn ein Spielmann, der sich damit sein Essen und ein paar Taler verdiente, die eine oder andere Weise zum Besten gab - durchaus nicht ohne Talent, wie Finnegan als Fachmann anerkennen musste.

Irgendwann am Abend stand plötzlich ein adrett gekleideter junger Mann am Tisch der Gruppe - sie hatten ihn über ihre Gespräche gar nicht hereinkommen sehen, und wartete geduldig, bis er bemerkt wurde und er die Aufmerksamkeit der am Tisch versammelten hatte.
"Entschuldigt, edle Damen, meine Herren! Ich komme im Auftrag des Barons von Naumburg, dem zu Ohren gekommen ist, dass eine illustre Gesellschaft von Edelleuten und wichtigen internationalen Gästen in seine Stadt gereist ist. Er würde Euch gerne zu einem Empfang in die Burg laden, in drei Tagen von heute an. Hier ist eine offizielle Einladung." - dabei händigte er Friedrich einen versiegelten Umschlag aus - "Wenn es Euch beliebt, werde ich morgen noch einmal hierher kommen, um Eure Antwort aufzunehmen. Es sei denn, Ihr möchtet bereits jetzt eine geben?"
 1. @Finnegan: Ich hatte angenommen, dass du auch noch etwas vorhast. Das können wir im alten Thread auch noch nachschieben - oder aber du verschiebst es auf die nächsten Tage.
« Letzte Änderung: 27.06.2019, 00:59:40 von Mondragor »

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #1 am: 28.06.2019, 04:44:48 »
Friedrich genoss den Abend und ließ sich nicht lumpen. Er war großzügig und wollte sein Versprechen einhalten, alles zu bezahlen. Sogar dem Spielmann warf er mal eine Münze oder zwei zu, wenn dieser gut spielte. Er gab ohnehin viel zu wenig seines Vermögens aus, da durfte er auch mal etwas spendabel sein.
Später am Abend wurden sie alle von einem Boten angesprochen, der vom Baron höchstpersönlich ausgesandt worden war. Oho! Das war ja mal eine Überraschung. Edelleute und wichtige internationale Gäste also. Was er wohl über sie gehört hatte und von ihnen wollte? Es war ja eigentlich nicht so, dass sie sich besonders auffällig gegeben hatten oder ausgiebig über ihre Erlebnisse gesprochen hatten. Zumindest er nicht.
Friedrich nahm den Umschlag mit einem Nicken an. Noch bevor er diesen allerdings öffnete und genau las, um was es ging, gab er dem Boten bereits seine Antwort. "Ich wäre der Letzte, der sich dieser Einladung entziehen würde. Es wäre mir eine Ehre, den Baron kennenzulernen. Natürlich nehme ich an." Er war neugierig, was der Baron wollte. Sicherlich wollte er nicht nur einfach Hallo sagen. Außerdem schien der Mann viel Gutes für die Stadt zu tun und ihn kennenzulernen, war bestimmt ein tolles Erlebnis. Als Adliger - auch wenn er sich schon lange nicht mehr in dieser Position sah - war es ohnehin schlau, diesen Kontakt herzustellen.
Erst jetzt öffnete er vorsichtig den Umschlag. Da sie alle zusammen eingeladen worden waren, machte er auch kein Geheimnis daraus, sondern legte ihn gut sichtbar auf den Tisch, wo ihn jeder lesen konnte, der daran Interesse hatte.

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #2 am: 30.06.2019, 15:26:56 »
Don Tristan hatte den Tag in  Finnegans Gesellschaft genossen. Der junge Ine war ein angenehmer Gesellschafter und beide hatten ihr gelegentliches Amüsement und ihre gelegentliche Verwunderung über eisenländische Sitten, Gebräuche und Waren geteilt.
Nachdem was er im Lauf des Tages über den Baron von Naumburg gehört und oben auf der Burg gesehen hatte war Don Tristan nict überrascht, dass hier anscheinend niemand auch nur von El Vagabundo gehört hatte: Der Baron war eindeutig nicht die Sorte Tyrann deren Bekämpfung sich jene Geheime Gesellschaft verpflichtet hatte.

Den Abend genoss der junge Hidalgo bei einem guten Glass Rotwein. Castillischem wie er zu seiner freudigen Überraschung gefunden hatte. Das anstatt seiner all zu mageren Reisekasse ein anderer für Speiss und Trank aufkommen würde erhöhte den Genuss nur noch und Don Tristan war dem Herren von Dent ehrlich dankbar.
Entsprechend gut gelaunt war er als der Bote des Barons an ihrem Tisch erschien und die Einladung seines Herren vorbrachte. Kurz malte sich Don Tristan aus, was hinter der Einladung stecken mochte. Vielleicht benötigte der Baron ihre Dienste, womit sich eine Gelegenheit ergäbe die Reisekasse aufzufüllen. Oder der Baron war nur neugierig und wollte sich mit Geschichten aus fernen Landen unterhalten lassen während er sich ein Bild machte was von seinen Gästen zu halten war. In jedemfall ergab sich hier die Gelegenheit zu einem weiteren festlichen Essen ohne Rechnung - ganz davon abgesehen, dass es nicht nur ungehörich sondern obendrein fahrlässig und gefährlich war die Einladung eines mächtigen Mannes ohne sehr guten Grund abzulehnen. Also nickte der junge Hidalgo zustimmend.
"Sagt eurem Herren es wird Don Tristan de Simon de la Verde eine Ehre sein, seiner freundlichen Einladung folge zu leisten."

Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #3 am: 30.06.2019, 22:57:22 »
Die Einladung enthielt die gleichen Informationen, die der Bote ihnen ebenfalls bereits genannt hatte - das Siegel machte dies nun nur offiziell. Darin stand nur, dass Ernst von Naumburg, der Baron, sich über die Anwesenheit der illustren Gäste zu einem Empfang auf der Burg in drei Tagen freuen würde. Die Einladung enthielt auch keine Namen - wer immer mit ihr dort auftauchen würde, so die Vermutung, würde wohl eingelassen werden.

Nachdem bereits zwei der Anwesenden ihr Kommen zugesagt hatten, verbeugte sich der Bote ein letztes Mal und verließ das Gasthaus daraufhin wieder, nachdem er zugesichert hatte, dem Baron ihre Antwort mitzuteilen.
« Letzte Änderung: 30.06.2019, 22:59:58 von Mondragor »

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #4 am: 01.07.2019, 05:35:26 »
Während Jelena sich offensichtlich gerne einladen ließ und dem Essen gut zusprach, blieben ihre Redeanteile begrenzt. Nicht, weil sie unhöflich Fragen ignorierte oder sich heraushielt aus den Gesprächen, sondern, weil ihre Worte kurz und prägnant ausfielen. Sie trank durchaus dünnes Bier, aber selbst mit einem Humpen verbrachte sie eine lange Zeit. Stattdessen ergänzte sie die Flüssigkeitsaufnahme mit ihrem Tee. Gelegentlich sang sie beim Spielmann mit, irgendeine überschwängliche Reaktion war ihr jedoch nicht abzuringen. Mit neugierigen, direkten Fragen versuchte sie die Reisegesellschaft kennenzulernen und ihre Äußerungen sprachen von einem wenig belehrten, wissbegierigen und wachen Geist.

Dem Boten - den sie nahezu als letzte bemerkte - hörte sie aufmerksam zu. Dann wartete sie die Reaktionen der anderen ab und laß die Einladung, bevor sie ihre Antwort gab. Eine solch günstige Gelegenheit wollte sie sich nicht entgehen lassen: "Habt Dank für diese Ehre, auch Fräulein Petrasowna wird ihr folgen.", kombinierte sie ihre Vorstellung mit der höflichen Annahme.

Erich Janina Graustein

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #5 am: 01.07.2019, 06:36:49 »
Erich war froh das alle die Schlacht gegen das Monster überlebt hatten, und somit kam ihm diese kleine Feier gerade Recht. Er genoss es an der Seite von Friedrich mal wieder ausgelassen und in Ruhe Trinken und Essen zu können. Der ein oder andere war vielleicht etwas verwundert wie viel Bier Erich in sich rein schütten konnte, ohne das es eine offensichtliche Auswirkung auf ihn hatte.

Als dann plötzlich der Bote an Ihrem Tisch auftauchte wartete er einen Moment ab Friedrich reagiert hatte. Da es für Friedrich scheinbar okay war, und Erich gerade sowieso nichts wirklich spannendes zu tun hatte Stimmte auch er, sowie der Rest der Gruppe der Einladung zu "Es ist mir, Erich Janina Graustein, eine Ehre der Einladung des Barons folge zu leisten."

Als der Bote dann wieder weg war fragte Erich ganz offen in die Runde "Und was macht Ihr die nächsten drei Tage noch so? Ich werde wohl nicht viel zu tun haben, außer das ich mich noch von meinen Wunden erholen werde. Mir wurde hier in der Stadt ein guter Arzt empfohlen. Wer also auch noch etwas ärztliche Versorgung benötigt, kann mich gerne morgen früh begleiten."

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #6 am: 01.07.2019, 15:53:56 »
Wie angesichts seiner Herkunft und seines sonstigen Benehmens kaum anders zu erwarten, zeigte sich Louis wieder einmal nicht knauserig: Die Bestellung für sich und sein kurzerhand als solches erklärtes Mündel umfasste das beste, was das Haus zu bieten hatte, erfolgte aber mit einer nachlässigen Nonchalance. Auch Jelena bot er galant an, sich als sein Gast zu fühlen. Die männlichen Gefährten am Tisch dagegen würde er nicht aus eigener Initiative in ihrer Würde kränken, indem er sich aufdrängte. Wer von ihnen allerdings entsprechende Bemerkungen machte, würde sich ohne großes Zögern ebenfalls eingeladen sehen. Ja, Louis fühlte sich sichtlich wieder etwas wohler in seiner sauberen und ordentlichen Kleidung, wenngleich sie noch nicht seinem gewohnten Standard entsprach. Dem Boten nickte er gelassen zu und meinte: "Wohlan, Ihr könnt Eure 'err ausrieschten, dass es Monsieur de Fromage Puant eine Freude sein wird, le baron zu Diensten zu sein." Obwohl seine Antwort mit der Würde eines Königs vorgetragen war, atmete der Montaigner dabei dennoch innerlich erleichtert auf, denn die Frist bis zu dem Empfang würde ihm die Gelegenheit geben, sich selbst und Jeanne auf eine solche Einladung vorzubereiten. Wozu natürlich auch noch anderes gehörte als Kleidung und Etikette... "Nun, iesch denke in der Tat, es wäre von Vorteil, wenn siesch eine maitre de médecine diese unangenehme Kratzer 'ier ansieht" meinte der Musketier auf Erichs Angebot erfreut. "Er inkommodiert miesch doch noch er'ebliesch."

Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #7 am: 07.07.2019, 16:38:45 »
Keiner der Versammelten schien nach dem Abschied des Boten noch einen großen Redebedarf zu haben, und so verlief der Rest des Abends eher ruhig, als alle eher mit eigenen Gedanken beschäftigt waren und jeder erst einmal die Geschehnisse der letzten Tage, die sie so unerwartet zusammenkommen hatte lassen, innerlich Revue passieren ließ.

Nach einer ruhigen Nacht, die je nach Vorliebe direkt in der Kneipe, die auch günstige Zimmer anbot, oder aber im Hirschen, den Friedrich und Erich von ihrem Ordensbruder empfohlen bekommen hatten, verbracht wurde, schien die Last der letzten Ereignisse schon deutlich zu verblassen. Die Helden wurden von einem sonnigen Morgen begrüßt, der fast vergessen ließ, welche Qualen das Land außerhalb der Stadt immer noch erlitt. Bis zur Feier war noch genügend Zeit, um sich anderen Dingen zu widmen, und so begann jeder den Tag auf seine eigene Weise.

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #8 am: 09.07.2019, 16:57:09 »
Die Enttäuschung über die geringere Unterstützung durch Erich, was eine Unterkunft angeht, ließ sich Jelena nicht anmerken. Das Angebot für einen Arztbesuch schlug sie mit Hinweis auf Don Tristans Diagnose und Hilfe dankend aus. Erichs Frage nach den weiteren Plänen beantwortete sie damit, dass sie Erkundigungen einziehen  und unter Umständen einen fernen Verwandten besuchen würde. Sie bat in aller Deutlichkeit, dass die Gruppe in Kontakt bleiben möge und schlug vor, sich allabendlich wieder in dieser Kneipe zu treffen. Besonders auf Friedrich ging sie noch einmal ein: "Freund, mögt ihr mich bitte für die Audienz einweisen in Umgangsformen und angemessener Garderobe?" Sie ging davon aus, dass er mit seinem Familienhintergrund und als Landsmann am ehesten wusste, was es zu beachten gab.

Entsprechend Erichs Empfehlung suchte sie für die Unterkunft den Hirschen auf und ließ es sich nicht nehmen, kurz um den Preis zu feilschen. Sie wünschte den anderen eine geruhsame Nacht und zog sich zurück. Am nächsten Morgen war sie zeitig auf und setzte ihre Erkundungen fort, wobei sie darauf achtete, ob Leute Hilfe brauchten. Nebenher informierte sie sich, ob es ein Jagd- oder ein Gildenrecht zu beachten gab, um kleine Gelegenheiten zur Aufbesserung der Reisekasse zu organisieren. Ein paar Dinge zur Reparatur, Pflege und Vervollständigung ihrer Ausrüstung erwarb sie auch - nicht ohne feilschen.

Gegen Mittag machte sie Pause und vervollständigte ihren Bericht, bevor sie sich an den eigentlichen Grund ihrer Reise hierher machte: Sie besuchte erneut das Freudenviertel, dass zu dieser Stunde noch nicht mit seinen Geschäften begonnen hatte und seine Bewohner gerade ausgeschlafen genug waren, um gesprächsbereit zu sein - so hoffte sie zumindest. Sie suchte sich Frauen, am besten mit mindestens einer Älteren, und trat - Unsicherheit mimend - an sie heran. An der Reaktion versuchte sie abzuschätzen, wie freundlich und offen sie mit ihr umgehen würden: "Hallo, ähm...Verzeihung, ich bin Jelena und-und nicht von hier, vielleicht könnten Sie mir helfen?"

Die ersten Schritte ihrer Vorbereitungen auf das Fest plante sie für den späteren Nachmittag oder frühen Abend umzusetzen.

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #9 am: 13.07.2019, 14:36:07 »
Da sie eine entsprechende Vereinbarung getroffen hatten, würde Louis auf Erich warten – oder vielleicht würde es eher anders herum nötig werden, denn der Montaigner war beileibe kein Frühaufsteher, wenn er sich in halbwegs zivilisierten Gegenden befand. Allzu viel Zeit ließ er sich an diesem Morgen jedoch auch wieder nicht, denn da waren ja noch genug Dinge, um die er sich kümmern musste: Die neue Garderobe wartete, es galt etwas für die mittellose Jeanne zu tun, und er musste dem guten Ton folgend Erkundigungen einziehen, welchen Wohlgeborenen er seine Aufwartung zu machen hatte, um sich standesgemäß einzuführen. Sollte er sie noch antreffen, würde er es sich als Edelmann natürlich nicht nehmen lassen, auch mademoiselle Jelena Hilfe anzubieten, wäre sie derer bedürftig. Abgesehen hiervon widmete er sich zunächst und vor allem einmal einem gediegenen Frühstück.

Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #10 am: 13.07.2019, 19:47:06 »
An Nachfrage an ihren Fähigkeiten würde es nicht mangeln, wenn Jelena ihre Reisekasse aufbessern wollte - das merkte sie schnell. Der erste Eindruck der Stadt schien sie nicht getrogen zu haben, und die Menschen waren wohlhabend genug, um sich verschiedenste Dienstleistungen und Waren leisten zu können. Was die Ussurerin jedoch schnell lernte, war, dass die Bewohner der Eisenlande nicht gerne feilschten. Nicht nur einmal hörte sie bei ihren Einkäufen den Satz "Ich mache faire Preise. Zahlt sie oder lasst es bleiben." Und sie musste sich eingestehen, dass dies auch tatsächlich so war - andere Länder, andere Sitten, wurde ihr bewusst.

Als sie ihre Suche schließlich im Freudenviertel fortsetzte, fand sie schnell eine Dame, die sie als vielversprechende Quelle ausmachte.
"Was willst du denn, Mädchen? Suchst du Arbeit? Eine wie dich würde ich schon an den Mann bringen, etwas Exotik geht immer, auch wenn du ein bisschen dünn bist. Aber ehrlich gesagt siehst du nicht so aus, als wäre das etwas für dich."

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #11 am: 14.07.2019, 05:46:15 »
Den Rest des Abends verbrachte Friedrich recht ruhig. Er war nicht unhöflich und beteiligte sich an Gesprächen und antwortete, wenn er etwas gefragt wurde aber mit den Gedanken war er noch immer bei dem Werwolf. Als die Nacht schließlich immer näher kam, verabschiedete er sich schließlich und ging herüber zum Hirschen, der ihm und Erich empfohlen worden war, um dort zu übernachten. Nicht jedoch, ohne Jelena eine Antwort auf ihre Frage zu geben. "Natürlich." gab er zurück. "Allerdings habe ich in den letzten Jahren wenigen solcher Treffen beigewohnt. Ich bin etwas eingerostet." Doch dann lächelte er. "Das sollte aber kein Problem sein, denn in diesen Kreisen ändert sich selten etwas."
Am nächsten Tag wartete er darauf, Jelena etwas unterrichten zu können. Er hatte ohnehin nicht viel vor und so konnte er sich für diese Aufgabe etwas Zeit nehmen. Sollte noch jemand anderes Interesse daran haben, so teilte er auch mit dieser Person seine Erfahrungen. Umgangsformen, Garderobe und wichtige Einzelheiten und Details waren das Thema. Neben dem Adel redete er aber auch über die Gebräuche und Eigenheiten der Eisenlande selbst. Er kannte den Baron nicht und wusste nicht, wie viel Wert dieser darauf legte aber zur Sicherheit erklärte Friedrich alles ganz genau.
Erst als jeder zufrieden schien und sich die Wege erneut für eine Weile trennten, zog es Friedrich ein weiteres Mal zur Burg. Er musste seinen Ordensbruder aufsuchen. Es war noch nicht viel Zeit vergangen, das wusste er aber er konnte einfach nicht lange warten. Irgendetwas würde Walter schon herausgefunden haben und wenn nicht, konnte er ihm ja bei den Untersuchungen zur Hand gehen.

Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #12 am: 14.07.2019, 22:49:42 »
Der alte Kreuzritter begrüßte Friedrich herzlich, als dieser am Nachmittag auf der Burg auftauchte. "Ah, Herr Kollege! Du willst sicher wissen, ob ich etwas über den Werwolf in Erfahrung gebracht habe. Komm mit in mein Labor!"
Friedrich folgte dem Gelehrten in eine kleine Kammer, gespannt darauf, wie dieses Labor wohl aussehen würde. Viel Platz bot es nicht, doch jeder Zoll davon war genutzt worden, um irgendeine Apparatur, eine Phiole oder sonst etwas abzustellen, und vermutlich würde außer Walter selbst jeder Mensch Monate brauchen, um sich hier zurechtzufinden. Ein kleines Regal enthielt mehrere Bücher, die auf den ersten Blick Beobachtungen über Monster aller Art enthielten, doch das Zentrum des Raumes war ein kleiner Tisch, von dessen Oberfläche beinahe nichts zu sehen war, lagen doch Reagenzien, lose Blätter und ähnliches über die gesamte Fläche verteilt.

Die Aufmerksamkeit Friedrichs wurde jedoch sofort von einem Apparat in Beschlag genommen, der in der Mitte des Tisches stand, und an dem Walter wohl gerade arbeitete. Es schien eine Art Röhre zu sein, die an einem Gestell befestigt war, und unterhalb derer eine kleine Glasschale stand. Friedrich hatte so etwas noch nie gesehen, doch es fiel ihm sofort auf, dass man scheinbar durch die Röhre hindurchsehen konnte.

"Ein Wunderwerk der Technik, meinst du nicht? Ich habe es von einem Gönner des Ordens bekommen - unbezahlbar. Man nennt es Mikroskop, eine brandneue Erfindung. Man kann damit winzige Dinge so vergrößern, dass sie für das menschliche Auge sichtbar werden. Willst du einmal durchsehen?"

Erich Janina Graustein

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #13 am: 15.07.2019, 06:31:32 »
Erich dachte sich ja schon fast das er auf Louis warten musste, aber das sich dieser bei seinem Frühstück so lange Zeit ließ strapazierte die Geduld von Erich dann doch sehr.
Nachdem die beiden dann endlich zum Abmarsch fertig waren stiefelte Erich voran und suchte den Weg zum Arzt, zum Glück hatte er eine gute Beschreibung von seinen Ordensbrüdern bekommen so das er den Arzt recht schnell fand.
Dort angekommen Stellte sich Erich kurz vor "Seit gegrüßt, mein Name ist Erich Janina Graustein.", danach zeigte er kurz zu Louis "Und das ist ein Mitstreiter von mir der mir vor kurzem in einem schweren Kampf zur Seite stand." Dann zeigte Erich ganz nebenbei und sehr unauffällig seinen Ring während er dem Arzt die Hand reichte "Ein paar gemeinsame Freunde von uns haben mich und meinen Begleiter an Euch verwiesen. Sie sagten das Ihr uns helfen könnt und unsere Wunden versorgen könnt." Erich verzichtete bewußt auf die gebräuchliche Begrüßungsformel denn er hatte keine Lust das Louis zu viel vom Orden mitbekommt, er hoffte das der Arzt diese Geste sofort verstand.

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #14 am: 16.07.2019, 16:56:26 »
Louis verpasste Jelena am Morgen, konnte aber Friedrichs Worten entnehmen, dass sie zum Nachmittag wieder da sein würde für die Einweisung in Gepflogenheiten und angemessener Garderobe für das Fest. Dann konnte er direkt mit dem Gang zum Schneider sein Angebot an die Frau bringen.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen ließ sie die Versuche zu feilschen sein. Sie war es gewohnt, gute Preise herauszuhandeln, aber sie passte sich lieber der eisenländischen Gepflogenheiten an, bevor die Verkäufer ihren Ärger in Preiserhöhungen ausdrückten.

Das Halbblut ging in der Rolle, die sie andeutete, auf. Als die Dame ihr Arbeit anbot, machte sie große Augen und sah dann verlegen weg. "Nein - ähm, danke, ist es gerade nicht, w-was ich brauche. Verzeiht, mh, sollte ich den Eindruck erweckt haben.", brachte sie leise hervor. "Ähm, also, ich bräuchte heilkundigen Rat, verstehen Sie? Vor allem diskreten! Einer Kräuterfrau am besten. Könnten Sie mir etwas vermitteln, bitte?" Fahrig fingerte sie an ihrer Gürteltasche herum, woraufhin ein leises Klimpern von Münzen hörbar wurde.
« Letzte Änderung: 16.07.2019, 16:57:43 von Jelena Sejm Petrasowna »

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