Autor Thema: Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen  (Gelesen 556 mal)

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Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #30 am: 30.07.2019, 00:37:39 »
Die Frau war offensichtlich überwältigt vom Wortschwall der Ussurerin, doch als sie schließlich zu Wort kam, musste Jelena eine Enttäuschung hinnehmen. "Halt, halt! Ich weiß nicht, wer Lilija ist, und habe ihr auch nicht gedient. Und mein Haus steht fest und sicher, hier, wo ich bin."
Als sie Jelenas enttäuschten Blick sah, fuhr sie jedoch aufmunternd fort. "Aber, vielleicht weiß ich, zu wem du möchtest. Vor wenigen Tagen ist ein Kräuterweib aus dem Sumpf hier angekommen und hat bei der Gilde offiziell um Erlaubnis nachgefragt, hier ihre Dienste anbieten zu dürfen. Um ehrlich zu sein, meine Stimme wird sie nicht bekommen - weitere Konkurrenz kann ich nicht gebrauchen. Bisher ist aber keine Entscheidung gefallen. Wenn du sie suchst, kann ich dir aber den Weg beschreiben. Sie hat sich bis auf weiteres im Armenviertel niedergelassen.
Ein Werwolf, sagst du?"


Einige Erklärungen, die durch ein paar Münzen herausgelockt wurden, und ein Fußmarsch durch die halbe Stadt später stand sie einer weiteren Frau gegenüber, diesmal fand die Begegnung jedoch vor einem lädierten Zelt statt, in dem die Immigrantin hauste. Jelena wiederholte ihre Rede und diesmal blitzte etwas in den Augen ihrer Gesprächspartnerin auf, das ihr verriet, dass sie auf der richtigen Fährte war.
"Valerija? Ein nettes Mädchen, hat sein Schicksal nicht verdient. Aber was ist schon Gerechtigkeit, wenn die Reichen sich ihr Spielzeug nehmen." Aus ihrer Stimme klang Verbitterung, und es war Jelena sofort klar, dass sie keine Liebe zu Lilija oder ihrem Mann hegte. "Ja, ich weiß, wo sie sind - oder zumindest, wohin sie gereist sind, nachdem sie sich meiner entledigt hatten. Nach Freiburg wollten sie. Ob sie noch dort sind, kann ich Euch nicht sagen, aber tut mir den Gefallen, und holt Eure Cousine dort heraus!"
« Letzte Änderung: 31.07.2019, 12:14:30 von Mondragor »

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #31 am: 30.07.2019, 22:52:50 »
Die erste Enttäuschung überwand Jelena schnell, als Sieglinde ihr den entscheidenden Hinweis gab (wenn auch gegen Geld). Auf die Nachfrage nach dem Werwolf erzählte sie noch ein paar Details mehr: Das er sich im Sumpf niedergelassen hatte, eine weitere Frau und sie drohten, seine Opfer zu werden, und das fünf Edelmänner - zwei Eisenländer, ein Hidalgo, ein Ine und ein Montaigner - sie gerettet hatten, indem sie das monstrum erschlugen. Nebenbei war Jelena auch klar, dass Sieglinde die Aussicht, dass das 'Kräuterweib' wahrscheinlich zurückgehen würde, gefällt.

Bei ihrem eigentlichen Ziel angekommen tat ihr die Kräuterfrau ob ihres Schicksals leid. Zunächst stellte sie ihre Fragen und Bitten und war erfreut, wenigstens eine Spur zum Aufnehmen zu bekommen. "Habt vielen Dank, es tut gut zu hören, dass sie wahrscheinlich noch lebt. Erzählt mir von ihr, bitte! Was ist ihr passiert?", auch wenn die Matuschka-Gesegnete ruhig blieb, konnte eine aufmerksame Beobachterin ihre Freude und Sorge bemerken. "Ob sie aus ihrem Dienst kommt, wollte ich mich erkundigen." Sie versuchte weiter, auch mehr Informationen über das Adelspaar zu bekommen und überbrachte der Frau schließlich die gute Nachricht: "Der Werwolf ist erschlagen, als ich eure Hütte besuchte, war sie nur verwüstet. Nehmt dies als Anzahlung für eure Worte. Ich habe eine Arbeit in Aussicht, vom Lohn möchte ich euch etwas geben, um wieder anzufangen." Dazu gab sie ein paar ihrer mitlerweile wenig gewordenen Münzen. Anschließend verabschiedete sie sich und versprach, in ein paar Tagen nochmal vorbei zu kommen.

Den Rest des Tages verbrachte sie mit Friedrich und Louis und erwies sich als eifrige, neugierige und verständige Schülerin, was die Politik, den Baron, die höfischen Gepflogenheiten und die aktuelle Mode anging. Beim Schneider suchte sie sich mit deren Hilfe ein braun-rotes Kleid aus, ließ von sich Maß nehmen für die notwendigen Anpassungen und bat um einige Assessoires. Das Angebot des Montaigners, die Vorrauszahlungen zu übernehmen, nahm sie erst nach einiger Diskussion und unter einer Bedingung an: Sie würde es ihm bei nächster Gelegenheit zurückzahlen.

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #32 am: 30.07.2019, 22:53:45 »
Nach einem ruhigen gemeinsamen Abend in der Kneipe kehrte sie erneut im Hirschen ein für die Übernachtung. Sie stand sehr früh auf, denn sie hatte einiges zu tun. Am Vortag hatte sie mitbekommen, dass dem Forstmeister des Barons sein Jäger wegen Krankheit auf längere Zeit fehlen würde. Im Anbetracht des geplanten Festes würde es aber einen hohen Bedarf an Fleisch, gerade Wild und Geflügel, geben. Mit höflicher, aber vehementer Art fragte sie sich zum Forstmeister durch und bot ihm ihre Unterstützung als Spurenleserin und Koordinatorin einer Treibjagd an. Der Meister war verzweifelt genug, sie zumindest anzuhören, aber verständlicherweise skeptisch. Was könnte eine Durchreisende schon helfen. Es kam zu einer längeren Diskussion, in deren Verlauf er ihre Kenntnisse abfragte und mit Erstaunen feststellte, dass sie die Jagdgründe bereits einschätzen konnte und ein umfangreiches Wissen über die Beute hatte. Einzig bei den Jagdmethoden erwiesen sich ihre Kenntnisse als veraltet. Schlussendlich überzeugte sie ihn und begleitete ihn bei der weiteren Organisation der Jagd. Sie wurde als Treibjagd geplant, um möglichst effizient mit wenig ausgebildeten Teilnehmern reiche Beute zu machen.

Es dauerte bis zum Nachmittag, bis Jelena alles für die Jagd am nächsten Tag geregelt hatte. Sie organisierte sich schnell etwas zu Beißen auf dem Markt und machte sich dann auf die Suche nach dem sarmatischen Händler, den sie am Vortage entdeckt hatte. Es war nicht wahrscheinlich, das er selbst ein Mitglied der Sutarties Sergėtojai war oder einen im Gefolge hatte, aber zumindest würde ihr Bericht gute Chancen haben, sein Ziel zu erreichen. Als sie ihn schließlich fand, beaufsichtigte seine rechte Hand gerade das Verladen erworbener und nicht-verkaufter Waren für den Aufbruch am nächsten Tag. Sie wartete, bis er auf sie aufmerksam wurde und sprach dann: "Bendruomenė, ar galite praleisti swojego czasu?"[1] Der Angesprochene drehte sich überrascht um, antwortete dann freundlich: "Ale jasne, drauge. Esu labai laiminga, poznać ich i kalba nasze sandora dostrzec. Kas ten? Potrzebujesz pomocy? Ar esate osierocony?"[2] Jelena lächelte, schüttelte jedoch den Kopf. Sie überreichte ihm eine dicke lederumhüllte Rolle - ihren Bericht - versiegelt mit Wachs. "Ne, ale dzięki. Man reikia tik bezpieczna przesyłka ten list. Kiek kainuoja?"[3] Als der Mann den Namen des Adressaten im Siegelwachs entzifferte, zog er seine Augenbrauen hoch und fragte: "Tada tikras patriota. Tada to kosztuje niekas. Jak pilna jest turinys?"[4] Nun war das Halbblut überrascht. Er musste wissen, um wen es ging, vielleicht war er doch ein Mitglied der Sutojai? "Nie jest on. Tai yra pavyzdys - egzamin."[5], antwortete sie. Kurz zog der Mann die Stirn kraus, dann entschied er sich, nicht weiter zu fragen. Mit einem Nicken steckte er die Rolle weg. Sie verabschiedeten sich höflich voneinander und gingen ihrer Wege.
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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #33 am: 30.07.2019, 22:54:44 »
Nach einem weiteren Abend in der Kneipe und einer Nacht im Hirschen traf Jelena früh am Morgen am Stadtrand ein und übernahm die vom Forstmeister organisierte Gruppe. Die war sichtlich unbegeistert, von einer Ausländerin angeleitet zu werden. Doch die Befehle des Forstmeisters waren eindeutig und die erfahreneren Mitglieder erkannten bald ihre Kompetenz. Außerdem blieb sie stets sachlich und hatte eine durchsetzungsstarke Art mit ihnen umzugehen. Sie zogen aus zum Jagdgebiet und die Treibergruppe fächerte sich mit den Hunden entsprechend ihrer Anweisungen auf. Jelena untersuchte zunächst die Wildspuren und zog dann mit dem anderen Teil der Gruppe in das Zielgebiet, wohin die Tiere getrieben werden sollten.

Mit Beginn der Jagd machten die Treiber einen ohrenbetäubenden Lärm und gingen langsam vor. Die Schützen unter den Jäger holten zusammen mit der Anführerin zunächst die auffliegenden Vögel wie Fasane, Enten und Wildhühner vom Himmel, wenn es sich lohnte und getroffen wurde. Die Treiber beeilten sich, diese einzusammeln. Als die ersten Tiere am Boden auf die Jäger zurannten, stachen und schlugen diese auf Kaninchen, Hasen, Rehe ein. Wie erwartet brachen auch zwei Wilschweine mit Frischlingen aus dem Unterholz. Die Jungtiere waren kein Problem, doch die erwachsenen Tiere wehrten sich nach Kräften. Trotz Eberspeeren entkam eines, wenn auch verletzt, und sie hinterließen mehrere leicht verletzte Jäger. Am Ende kamen trotzdem so viel Beute zusammen, dass mehr als die Festgesellschaft versorgt werden konnte.

Der Forstmeister war so zufrieden, dass er Jelena glatt - halb im Scherz - fragte, ob sie sich nicht anstellen lassen würde. Er zahlte gut und die Matruschka-Gesegnete konnte endlich Louis sein Geld zurückgeben.[1] Da es schon spät am Nachmittag war, eilte sie bei der Kräuterfrau vorbei, ihr ein Drittel des Verdienstes zu geben.[2] Ohne lange zu verweilen steuerte sie anschließend den Schneider an und holte ihr Kleid ab. Nach einem Abstecher über den Feinschmied hatte sie auch ihren Schmuck. Der Festabend konnte kommen.
 1. 1 Reichtum in Kleid und Schmuck
 2. 1 Reichtum

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #34 am: 02.08.2019, 01:31:14 »
Überrascht blieb Don Tristan stehen und starrte den castillischen Adeligen an, der da wie eine plötzliche Erscheinung vor ihm stand. Er hatte nicht damit gerechnet hier einem Landsmann zu begegnen, schon gar keinem von Stand. Und castilisch hatte er nicht mehr gehört seit er sich in Vedel von  seiner Schwester verabschiedet hatte.
Er verneigte sich in der eleganten aber etwas gekünstelt wirkenden Verbeugung wie sie am castilischen Hof üblich war. "Don Tristan de Simon de la Verde.", erwiederte er die Vorstellung des anderen, "und es wird mir eine Ehre sein eure freundliche Einladung anzunehmen. Begleitet mich zu meinem Gasthaus. Es ist nicht weit und das Bier ist sehr gut. Im Gegensatz zum Wein, für den haben die Eisenländer weder Geschmack noch genug Sonne." Der humorvolle Ton versteckte hoffenentlich dass Misttrauen.
Wenn dieser unerwartet erschienene castilische Adelige in Diensten der Inquisition stand war es definitv besser ihm nicht in ein unbekanntes Etablisement zu folgen. War er aber was er vorgab zu sein würde er keine Einwende gegen Tristans Vorschlag haben. Zumal das Bier in ihrem Gasthaus wirklich gut war. Auf dem weg rief sich der junge Hidalgo in Erinnerung was er über die Familie del Belacante wusste und behielt seinen Begleiter im Auge. Es war eines sich als Mann von Stand zu kleiden, aber etwas anderes auch so aufzutreten.
Don Tristan bedauerte die Notwendigkeit dem anderen mit soviel Misstrauen zu begegnen, aber als Sohn eines verurteilten Ketzers hatte er Grund genug die Inquisition zu fürchten. Dennoch hoffte er, dass Don Alonso wirklich war, was er zu sein schien.

Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #35 am: 02.08.2019, 09:41:12 »
So vergingen für jeden Einzelnen die Tage bis zum Empfang, und ehe sie sich versahen, war der besagte Abend herangebrochen. Froh, nach ihren teils längeren Reisen nun wieder einmal für einige Tage die Segnungen der Zivilisation in Anspruch nehmen zu können, machten die meisten regen Gebrauch davon, und kleideten sich neu ein, genossen die Freuden eines ebensolchen Hauses oder aber besserten auch ihre etwas lädierte Reisekasse durch die eine oder andere angenommene Arbeit etwas auf.

Tristans neuer Bekannter hatte dessen Einladung angenommen, und es entspann sich an dem Abend noch ein durchaus interessantes Gespräch; doch dem genauen Grund für die Anwesenheit des Castillers hier in dieser Stadt konnte er nicht herausfinden. Immerhin eröffnete dieser ihm, dass er ebenfalls an dem Empfang teilnehmen würde und sie sicherlich zu diesem Anlass noch einmal Gelegenheit haben würden, miteinander zu plaudern.

Während der letzten beiden Tage mussten - oder durften - sie feststellen, dass sich die Kunde von ihrer Heldentat langsam in der Stadt verbreitet hatte. Immer häufiger sah jeder Einzelne, wenn er oder so durch Naumburg lief, wie Passanten ihnen verstohlene Blicke zuwarfen oder hinter ihrem Rücken tuschelten; doch es gab auch Bürger, die den einen oder anderen der Helden offen ansprachen und sie zu ihrer Tat beglückwünschten. Louis hatte, so er denn wollte, durchaus die Gelegenheit für ein amouröses Abenteuer auch ohne finanzielle Hintergedanken - und so ging es auch den anderen, die allesamt diverse Angebote in dieser Richtung erhielten. Ob sie Interesse an derlei Ablenkung hatten, war dabei eine andere Sache ...

~~~

Am Abend des Empfangs trafen die Helden nach und nach oder, falls sie sich vorher verabredet hatten, auch in Gruppen, in der Burg ein, wo sie heute bereits am Burgtor von Wachen empfangen wurden, die Unbefugten ohne Einladung den Eintritt verwehrten. Livrierte Diener geleiteten die Gäste von hier zum großen Saal der Burg, wo sie beim Eintreten namentlich angekündigt wurden (diese hatte der Diener zuvor diskret abgefragt).

Als die Bezwinger des Werwolfes an der Reihe waren, war der Saal bereits gut gefüllt mit allem, was in dieser Stadt Rang und Namen zu haben schien. Als ihre Namen aufgerufen wurden, schien für einen Moment jegliches Gespräch zu verstummen, und ein deutliches Raunen war zu vernehmen, bevor die Geräuschkulisse wieder ihren vorherigen Stand erreichte und sie sich zunächst etwas umsehen konnten.

Für Louis und Don Tristan mochte der Saal sehr schlicht geschmückt sein; die Festsäle in Castillien und der Montaigne waren deutlich üppiger verziert, und die Räume heller. Doch Erich und Friedrich fühlten sich sofort wohl, und auch Jelena kannte aus ihrer Heimat eher schlichte und zweckmäßige Einrichtungen, so wie sie hier vorherrschten. Wenige Wandteppiche und Fresken schmückten die Wände, und das Licht der beiden Kronleuchter reichte gerade aus, um eine etwas schummrige Atmosphäre zu schaffen - es war zu sehen, dass der Baron nicht gewillt war, seine Stadt zu ruinieren, nur um ein Fest auszurichten, so wie es in südlicheren Gefilden durchaus nicht unüblich war.

Es gab nur eine größere Tafel, die auf einer kleinen Empore stand und an der ein junger hagerer Bursche, offenbar der Baron, flankiert von einem Kirchenmann und einem Gerüsteten saßen. Diejenigen, die zuvor Erkundigungen in diese Richtung eingeholt hatten, wussten, dass es sich bei den beiden um Abt Pius von der vaticinischen Kirche sowie um Stefan Handgrat, den Wachmann der Garde des Barons, handelte - die beiden engsten Berater des Barons, dem seine Unerfahrenheit und Nervosität deutlich anzusehen waren. Der Baron konnte den Saal von seiner erhabenen Position aus übersehen, während der Raum ansonsten ohne Tische auskam - mit Ausnahme von zwei größeren Exemplaren, auf denen ein Buffet errichtet war, das jedoch noch nicht eröffnet war. Sitzgelegenheiten waren spärlich, allerdings gab es den einen oder anderen Stuhl an der Seite des Raumes, wo sich ältere Gäste ausruhen konnten.

Die Gäste - es mochten vielleicht etwa hundert sein, die sich eingefunden hatten - unterhielten sich in kleinen Gruppen oder blickten sich neugierig um, auf der Suche nach Gesprächspartnern. Zwischen ihnen liefen Diener mit Karaffen, um die Becher der Gäste immer wieder nachzufüllen. Sobald die Neuankömmlinge nach ihrer Vorstellung in den Raum traten, lösten sich die ersten Menschen aus der Menge und wetteiferten um ihre Aufmerksamkeit; es schien beinahe ein Statussymbol zu sein, ein Gespräch mit einem der Helden zu erhaschen. Bald waren sie weit verstreut in der Halle und mussten immer wieder die gleichen Fragen über sich ergehen lassen: "Ein Werwolf?" "Wie sah er aus?" "Habt Ihr Euch nicht zu Tode gefürchtet?" und ähnliches.

Schließlich ebbten die Gespräche langsam ab, und als sich die Helden umblickten, bemerkten sie, dass der Baron sich erhoben hatte, um eine kurze Ansprache zu halten. Seine Stimme war zunächst dünn, wurde aber langsam fester, je länger er sprach.
"Edle Damen und Herren, Bürger von Naumburg, seid willkommen zu unserer Feier! Es ist nun ein halbes Jahr vergangen, seit mein Vater, Baron Karl von Naumburg, von uns gegangen ist. Es war für mich und meine Schwester Isolde[1] eine schwere Zeit, denn er war uns immer ein liebender Vater gewesen, so wie er auch diese Stadt und die umliegende Baronie geliebt hat. Mir ist das schwere Erbe zugefallen, seinem Beispiel zu folgen und unser Land in die Zukunft zu führen. Ich hoffe, ich werde euch alle nicht enttäuschen.

In einer solch schweren Zeit ist es umso erfreulicher und ein Schimmer der Hoffnung, wenn wackere Helden dazu beitragen, dieses schöne Land, unsere Heimat, ein Stück sicherer zu machen, indem sie einen der furchtbaren Schrecken zur Strecke bringen, die uns immer wieder heimsuchen. Deshalb ist es mir eine besondere Ehre und Freude, unsere Ehrengäste zu begrüßen, die uns allen die Ehre erweisen, sich unserem Feste anzuschließen. Mögen wir alle an ihrem Beispiel wachsen und uns aufrichten!

Und nun genug der Worte: Das Buffet ist eröffnet, lasst es euch schmecken!"
 1. Ich habe ganz ehrlich keine Ahnung, ob ich irgendwo schon einmal Namen festgelegt habe für die drei. Falls ja, stimmen sie mit Sicherheit nicht mit denen hier überein; ich bitte das zu entschuldigen und wenn ihr mich darauf hinweist, ändere ich die alten ...

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #36 am: 03.08.2019, 01:40:06 »
Die Tage bis zum Fest waren für Friedrich die entspanntesten seit langer Zeit. Wenn er konnte und Walter für ihn Verwendung fand, half er diesem bei seinen Forschungen. Die restliche Zeit verbrachte er unter anderem mit seinen eigenen Aufzeichnungen und Forschungen. Er musste noch einige Notizen aufarbeiten und ordentlich in sein Buch übertragen. Auch mit seinem Freund Erich verbrachte er etwas Zeit, wenn dieser nicht alleine unterwegs war und etwas Gesellschaft wollte. Etwas ungewöhnlich war es, dass sie sich über Politik unterhielten aber Friedrich fand Gefallen daran, auch wenn das Thema ein Ernstes war. Da Naumburg eine große Stadt war, suchte er auch die hiesigen Orte des Wissens auf. Bibliotheken, Schulen oder Universitäten und andere Einrichtungen dieser Art. Er war sogar bereit eine Weile zu Reisen, wenn sie abseits gelegen waren. Schließlich hatte er Zeit und wollte diese sinnvoll nutzen. Neue Bekanntschaften machte er hier und dort aber vermutlich nichts, was von Dauer sein würde. Der Hirsch erlaubte ihm einen angenehmen Aufenthalt in der Stadt und so war sich Friedrich nicht zu schade, dem Besitzer ein Trinkgeld dazulassen.
Schließlich war der Tag des Empfangs gekommen. Der Monsterforscher hatte die letzten Tage genutzt und sich bei einem der besten Schneider der Stadt neu einkleiden lassen. Schließlich waren ihm solche Veranstaltungen bekannt und er wusste, dass Kleider Leute machten. So trug er nun einen maßgeschneiderten Anzug nach neuster, eisenländischer Mode. Bis auf sein Buch, welches er selbst zu so einem Anlass nicht aus den Augen verlieren wollte, trug er keine seiner Ausrüstung mit sich. Er würde keine Verwendung dafür finden - hier waren andere Dinge gefragt. Auch Erich half er dabei, eine entsprechend passende Bekleidung für diesen Anlass zu finden.
Zusammen mit denen, die sein Angebot zum gemeinsamen Betreten des Festes angenommen hatten, ging er nun in den Saal. Mit Freude erkannte er, dass der Baron keine Reichtümer für diesen Empfang geopfert hatte, sondern stattdessen alles recht Bodenständig geblieben war. Innerlich nickte er. Ja, der Herrscher dieser Stadt war zwar jung aber er schien zumindest gute Vorstellungen zu haben, auf was es ankam und auch fähige Berater. Das war genau das, was diese Stadt brauchte. Leider schien der Baron allerdings ein Bündnis mit Wirsche anzustreben, was natürlich nicht gut für Erich war, der Pösen angehörte. Es gab nun mal immer gute und schlechte Seiten.
Ein bisschen störte es Friedrich, so viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er sah sich nicht als Helden an, sondern als einfachen Bürger, der seinem Land helfen wollte. Auf seine Art, indem er die Monster jagte, die es heimsuchten und diese auch erforschte. Trotzdem war er - wie auch schon in den Tagen zuvor - stets freundlich und bereit Fragen zu beantworten, wenn man auf ihn zutrat. Eine ganze Weile verbrachte er so, den Wissensdurst neugieriger Menschen zu stillen. Es lag in seinem Blut und er fühlte sich etwas an die Zeit zurückerinnert, als er noch als Dozent in der Universität seiner Heimatstadt gearbeitet hatte.
Der Baron hielt eine kleine Ansprache und wieder musste Friedrich damit leben, dass ihm besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Er verbeugte sich kurz, bewegte sich dann aber auch schon in Richtung des Buffets. Auf dem Weg trank er einen Schluck Wein, der hier stets nachgefüllt wurde. Er hatte sich schon einige Gedanken darum gemacht, was er hier erreichen wollte. Das adlige Leben war zwar nicht mehr ganz seins aber er war immer noch ein Von Dent. Einen Teil der Zeit wollte er also aufbringen, um Kontakte zu knüpfen und die Gäste kennenzulernen. Er wusste allerdings dass er etwas eingerostet auf diesem Gebiet war. Er versuchte also vor allem Kontakte zu den Menschen zu knüpfen, die ohnehin schon Interesse gezeigt hatten. Vielleicht konnte er hier mit seinem Wissen glänzen, statt mit einer silbernen Zunge. Das größte Ziel war und blieb allerdings der Baron selbst. Friedrich hatte echtes Interesse daran und würde viel dafür geben, ein kurzes Gespräch mit dem jungen Monarchen zu führen. Ganz davon abgesehen wollte er natürlich Erich helfen und deshalb einige Informationen einholen. Vielleicht konnte er den Baron sogar davon überzeugen, von dem Bündnis mit Wirsche abzulassen aber sicher war er da nicht. Friedrich war nun Monsterforscher. Ob sein Einfluss noch so weit reichte, war fraglich. Versuchen würde er es allerdings.
« Letzte Änderung: 12.08.2019, 16:26:12 von Friedrich Alfred von Dent »

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #37 am: 03.08.2019, 14:31:15 »
Louis war die Sache natürlich nach montaignischer Art angegangen: Er hatte sich aufs feinste gekleidet, soweit es ihm hier möglich gewesen war. Der Bart war bis in die schimmernden Spitzen gepflegt, der Degen samt Wehrgehenk blitzte nur so, und den Hut schmückte eine frisch gefärbte, weithin leuchtende Feder. Als Musketier adeliger Abstammung Empfänge gewohnt, ließ er es nicht an formvollendeten Verbeugungen und Grüßen – vor allem der holden Damenwelt gegenüber – fehlen. Man merkte ihm unschwer an, dass er sich hier für eisenländische Verhältnisse in seinem Element fühlte. Fragen nach der Großtat der Abenteurer beantwortete er natürlich gern und ausführlich, wobei seine Art zu prahlen eine womöglich hierzulande nicht übliche war: Statt den Werwolf noch einmal so groß und stark zu machen, wie er in der Tat gewesen war, spielte der Montaigner die ganze Sache mit charmantem Lächeln herunter: "Ah, die Loup-Garou... Madame la baronne, iesch darf Eusch versischern, dass 'ier maßlos übertrieben wird – 'auptsäschliesch ist es ein 'erausforderung gewesen für le nez. Wie sagt man doch gleisch... der Riescher?" plauderte er ungezwungen. "Es gab da zwar ein ganz unbedeutende blessure, doch iesch möschte Eusch niescht mit derlei Details inkommodieren. Von Reschts wegen 'ätte siesch die Bestie ohne'in an die Regeln eines Duells 'alten müssen, dann wäre diese kleine malheur gar niescht zu beklagen, à coup sûr!" Mittels fachmännischer Schilderungen des Kampfes wusste er aber auch die Herren zu beeindrucken. Als endlich der junge Baron seine Ansprache hielt und die Helden würdigte, zog er seinen Hut und schwenkte ihn mit einer tiefen Verbeugung in Richtung des Dreigestirns aus Baron, Abt und Hauptmann.

Erich Janina Graustein

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #38 am: 04.08.2019, 16:38:00 »
In den Tagen vor dem Fest verbrachte Erich unter anderem viel Zeit damit sich ein wenig über den Baron zu informieren. Neben der Ausbildung an der Kaserne hatte er aber noch genügend Zeit sich mit seinem alten Freund uns Ordensbruder Friedrich zu unterhalten. Er teilte Friedrich mit das ihm Gerüchte zu Ohren gekommen sind das der junge Baron sich politisch vielleicht etwas anderes ausrichten möchte wie sein Vater. Da Erich wusste das Friedrich sich auf dem politischen Parkett wesentlich besser auskannte bat er seinen alten Freund sich hier vielleicht etwas genauer um zu hören und vielleicht seinen Einfluss als adliger der Eisenlande hier spielen zu lassen. Erich teilte seinem Freund daher im Vertrauen mit das der junge Baron sich vielleicht Wirsche anschließen möchte, obwohl sein Vater die ganze Zeit eher ein Anhänger von Pösen war. Da Friedrich wusste das Erich aus einer kleinen Grafschaft kam die Pösen angehörte wusste er sofort warum Erich ihn um diesen Gefallen gebeten hatte, den Erich wollte bestimmt nicht das seine Familie in einen potenziellen Krieg einbezogen wird.

Während dieser Besprechungen bat Erich sein Freund jedoch noch um weitere Hilfe und fragte ihn um etwas Unterstützung bei der richtigen Auswahl der Garderobe für einen solchen Anlass, denn Friedrich wusste ebenfalls das Erich sich auf solchen Anlässen nicht besonders wohl fühlte. Im Gegenzug verriet Erich seinem Freund noch ein weiteres Gerücht auf das er gestoßen war. Erich erzählte das es sein könnte das der alte Baron nicht unbedingt einem Unfall zum Opfer gefallen sein könnte.

Noch bevor der Tag des großen Festes gekommen war statte Erich seinem Ordensbruder Gunther Heckler, dem Schmied einen Besuch ab. Er bat den Schmied darum ihm ein neues Schwert zu schmieden. Eines das besser ausbalanciert ist und aus etwas härterem und schärferem Stahl besteht wie sein aktuelles Schwert. Er bot seinem Ordensbruder auch eine ordentliche Bezahlung an um diesen Wunsch auch möglichst gut und zeitnah umsetzen zu können.[1]

Am Tag des Festes war Erich dann sehr froh das sein alter Freund ihn an seiner Seite begleitete und ihm etwas Hilfe auf dem glatten Parkett der Diplomatie gab. Erich hielt sich eher etwas im Hintergrund, wobei dies natürlich denklich schwer war nachdem Sie alle so in den Vordergrund gestellt wurden und von allen so bewundert und als Helden gefeiert wurden. Nachdem sich der erste Rummel etwas gelegt hatte hielt sich Erich an das Bier und das Buffet. Die einzigen Leute die er aktiv ansprach waren seine Ordenbrüder aus Naumburg. Bei denen versuchte er so dezent wie möglich ein wenig mehr über das Ableben des alten Barons zu erfahren und wie es um den jungen Baron und dessen politischen Ausrichtung in Bezug auf Pösen und Wirsche steht und ob die Chance besteht das der junge Baron vielleicht doch noch dem Weg seines  Vater folgte. Wenn sich die Gelegenheit ergab dann würde er vielleicht noch Kontakt zu dem militärischen Berater des Barons suchen um von diesem recht allgemein zu erfahren wie der junge Baron den die Zukunft von Naumburg sieht.

Generell versuchte Erich Gesprächen aber ansonst eher aus dem Weg zu gehen. Falls er von jemandem direkt auf den Kampf mit dem Werwolf angesprochen wurde, dann schilderte Erich den Kampf eher sachlich und hielt sich kurz, er wollte nicht zu dick auftragen. Ließ aber deutlich spüren das er einen nicht gerade geringen Anteil dazu beigetragen hatte die Bestie zu erlegen. Sollten Damen versuchen seine Aufmerksamkeit zu erlangen, dann wies er diese so freundlich wie möglich nach möglichst kurzer Zeit ab, denn seine Gedanken waren alleine bei Anna Cornelia von Hauenstein.
 1. 1 Punkt Reichtum zur Bezahlung des Schwertes

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #39 am: 06.08.2019, 06:41:39 »
Jelena kam lieber gemeinsam mit den Herren, in diesem Fall also mit den Eisenländern an. Sie kam auf den letzten Drücker und hat sich ordentlich zurecht gemacht. Ihr Kleid hatten Friedrich und Louis schon gesehen (nur ergänzt um Fell am Kragen und den Ärmeln):
Dazu trug sie silbernes Geschmeide mit Perlen, Jade und Bernstein. Vom Diener mit ihrem vollen Namen angekündigt, machte sie einen Knicks und beeilte sich, bei ihrer Gruppe zu bleiben. Ihr gefiel die schlichte Art des Empfanges und gegen die Jugend des Barons hatte sie nichts. Dank der Aufmerksamkeit, die ihnen zu Teil wurde, fand sie sich bald isoliert vom Rest der Gruppe wieder. Als einzige Frau der fremdländischen Gäste bekam sie auch spezielle Fragen von den anwesenden Damen und Herren gestellt. Sie antwortete stets kurz und präzise, wobei sie sich um einen diplomatischen Ton bemühte.

Zweideutige Angebote hatte sie in den Vortagen kaum bekommen, da sie meist gearbeitet hatte. Nun wurde sie umso heftiger damit konfrontiert. Ein wenig trauerte sie den mölichkeiten nach, aber ihr war bewusst, dass sie, falls sie zu heftig feierte, Matuschkas Geschenke riskierte. So spielte sie die Unbedarfte und verstand die Zweideutigkeiten immer unverfänglich. So endete es meist mit einem Tanz oder einer gemeinsam verzehrten Speise sowie ein paar netten Wortwechseln. Fragen nach dem Werwolf und ihrer Furcht beantwortete sie wahrheitsgetreu. Immer wieder musste sie den Eindruck korriieren, sie wäre mehr als ein aus den Fängen des Werwolfes gerettetes Opfer. Natürlich hatte sie Angst. Ihre Verletzung wiederum spielte sie massiv herunter.

Als der Baron die Helden gegen den Werwolf benannte, schloss sie sich demonstrativ den Beifall klatschenden an. Mit zunehmender Zeit wurde sie sicherer, was den Umgang mit den gehobenen Gästen anging. Sie bemühte sich, einen 150%igen Auftritt hinzulegen. Sie hörte vor allem viel und gerne zu, wobei sie vornehmlich darauf filterte, was an Problemen der Baronie und näheren Umgebung angesprohen wurde, um einzuschätzen, ob sie helfen könne. Schließlich begann sie selbst höfliche Fragen zu stellen und leitete dann zurückhaltende Erkundigungen nach ihrer Cousine, vor allem über deren Herren wie Lilija, ein.
« Letzte Änderung: 06.08.2019, 06:46:05 von Jelena Sejm Petrasowna »

Mondragor

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Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #40 am: 07.08.2019, 15:37:53 »
Da Erich sich auf diplomatischem Parkett nicht wirklich wohlfühlte, zog er es also vor, in vertrautem Terrain zu bleiben, und unterhielt sich während des Empfanges hauptsächlich mit Vater und Sohn Heckler. Bald lenkte er das Gespräch auf den alten Baron und die Umstände seines Ablebens, doch auch die Hecklers schienen nicht mehr zu wissen als das, was er bereits gehört hatte. 
"Ein Jagdunfall war es, und es waren genügend Leute dabei, die es bezeugen können. Es gibt Gerüchte, dass bei dem Unfall nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll, aber wenn ein wilder Eber dich über den Haufen rennt, fällt es mir schwer, an ein Attentat zu glauben." relativierte Gunther die Erzählungen, die Erich auf der Straße aufgeschnappt hatte. "Das heißt nicht, dass es nicht Profiteure gibt, wie immer, wenn jemand Bedeutendes stirbt. Im Moment ist nur noch nicht so ganz klar, wer es wird. Soviel ich höre, macht der junge Baron dem Erbe seines Vaters bisher alle Ehre, aber von allen Seiten wird an ihm gezerrt. Der Abt, aber das hast du nicht von mir gehört, will ihn wohl in Richtung Wirsche treiben. Zumindest behaupten das einige, die mit den Ohren näher dran sind als ich. Ich hoffe mal, dass das nicht stimmt. Die alte Roswitha scheint ja oberflächlich gute Arbeit zu leisten drüben in Wirsche, aber du weißt, was man sich über sie erzählt, oder?"

Als Erich dies glaubhaft verneinte, beugte sich Gunther dicht zu ihm und sprach im Flüsterton weiter: "Ich habe mit Brüdern gesprochen, die in Wirsche gewirkt haben. Sie sprechen davon, dass in der Umgebung der Burg der Gräfin immer wieder Leichen gefunden werden - blutleere Körper! Und von Roswitha sagt man, dass man ihr das Alter nicht ansieht. Nun, ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich persönlich möchte nicht von ihr regiert werden."

Erich Janina Graustein

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« Antwort #41 am: 09.08.2019, 06:40:45 »
Erich ist froh das die Ordensbrüder ebenfalls auf dem Fest sind, denn so hat ein wenigstens ein paar bekannte Gesichter um sich und weiß das er zumindest ihnen gegenüber offen reden kann und keine Angst davor haben muß das hier irgend etwas an die falschen Ohren gerät oder ein Satz im Munde verdreht wird.

Als die beiden dann auf das Thema Wirsche und die Gräfin kommen wird Erich sehr hellhörig, denn was die beiden da erzählen kann er zu Anfang erst gar nicht Glauben, daher fragt er noch einmal genauer nach "Und wie sicher sind da Eure Quellen? Haben unsere Brüder die Leichen selbst mit eigenen Augen gesehen, oder hat man es ihnen nur zugeflüstert? Und wisst Ihr wie groß der Einfluss des Abtes hier ist? Ist der Orden über all das hier informiert, und was gedenkt man zu unternehmen?"

Mondragor

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« Antwort #42 am: 09.08.2019, 23:27:44 »
Auf Erichs Interesse hin schaltete sich nun auch der Vater des Schmieds in das Gespräch ein: "Ach, der gute Gunther übertreibt mal wieder. Schrecken gibt es nun einmal überall, hier wie auch in Wirsche. Und die Leute neigen eben dazu, in ihren Feinden nur das Schlimmste zu sehen. Auch ich bin nicht gerade ein Anhänger von Roswitha von Wirsche, aber man muss anerkennen, dass sie deutlich mehr aus ihrem Land macht als manche andere der Eisenfürsten. Aber es stimmt schon, man sagt ihr Ambitionen auf den Drachenthron nach, und es würde mich nicht wundern, wenn sie die Hand nach Naumburg ausstreckt."

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Louis' "Bescheidenheit" verfehlte ihre Wirkung nicht, denn die Damen der Gesellschaft umringten ihn nur umso mehr und jede seiner Schilderungen wurde von einer Geräuschkulisse von "Oh's", "Ah's" und anderen Seufzern begleitet. Doch nicht nur die Damenwelt hing an seinen Lippen, denn seine Erzählungen waren nicht nur spannend, sondern auch höchst unterhaltsam und nicht nur einmal versetzte er seine Zuhörerschaft in schallendes Gelächter.
Der Montaigner hatte schon das eine oder andere Mal in Richtung des Tisches des Barons geschielt, um zu sehen, ob sich eine passende Gelegenheit für ihn ergab, dessen Aufmerksamkeit zu erhalten, als einer der Diener ihn plötzlich ansprach: "Monsieur, der Baron würde sich gerne ein wenig mit Euch unterhalten, falls Ihr etwas Zeit erübrigen möchtet?"

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Auch wenn Jelena womöglich gedacht hatte, dass sie weniger Aufmerksamkeit erhalten würde als die anderen, da sie beim Kampf gegen den Werwolf nicht beteiligt gewesen war, fand sie schnell, dass dieses Detail ohnehin niemandem wirklich bekannt war. Auch sie wurde ein ums andere Mal darum gebeten, den Kampf doch zu schildern, doch als sie sich als nicht besonders auskunftsfreudig erwies, verlegte sich die allgemeine Aufmerksamkeit mehr und mehr auf Louis, der diese auch zu genießen schien. Nachdem sie auch alle Versuche, ihr den Hof zu machen, höflich, aber bestimmt, ablehnte, hatte sie endlich genügend Ruhe, um selbst auf die Suche nach Informationen zu gehen.
Geschickt lenkte Jelena verschiedene Gespräche immer wieder in Richtung Freiburg, und so hatte sie bald eine junge Adlige ausfindig gemacht, die selbst von dort stammte und hier nur für einige Wochen bei Verwandten zu Besuch weilte. Eva von Webel, so ihr Name, wirkte angetan von Jelenas Interesse an ihrer Heimatstadt und so entspann sich bald ein lebhaftes Gespräch zwischen den beiden. Schließlich ließ die Berührte den Namen der Familie fallen, bei der sie ihre Cousine vermutete[1], und sofort froren die Gesichtszüge Evas ein. Es war unschwer zu erkennen, dass sie ihn wiedererkannte - und keine positiven Erinnerungen damit verband.
 1. Ich glaube, den hatten wir noch nicht festgelegt? Denk dir dann einfach einen aus.

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #43 am: 12.08.2019, 20:08:56 »
Bei seiner Erzählung, gespickt mit Anekdoten aus Montaigne, versäumte der Musketier nicht, an den passenden Stellen galante Komplimente an die anwesenden Damen einzuflechten und vergaß dabei keine einzige. Seine lebhafte Gestik unterstrich den Redefluss wirkungsvoll und ließ den schlanken, sehnigen Mann mit dem gepflegten Bärtchen quicklebendig erscheinen. Die Einladung des Barons erwiderte er mit einem Nicken in Richtung des Dieners: "Es iest mir eine Ehre, natürliesch stehe iesch le baron voll und ganz zur Verfügung!" Seinen bisherigen Zuhörern sagte er mit ehrlich klingendem Bedauern: "Mesdames et messieurs, iesch bin untröstliesch, miesch entfernen zu müssen – doch iesch gebe mein Wort, dass iesch miesch niescht länger dieser 'öchst scharmanten Gesellschaft berauben werde, als unbedingt nötieg!"

Eine Verbeugung, ein verschmitztes Lächeln und ein wohlgefälliger Blick, der über so einige der wohlgeformtesten Dekolletés glitt (der jeweiligen Besitzerin dabei schelmisch zuzwinkernd), dann trat er mit einem eleganten Schritt zurück und vollführte zugleich eine Vierteldrehung, die ihn der Gruppe um den Baron zuwandte. Zu dieser trat er mit tänzerisch anmutenden Bewegungen, um in gebührendem Abstand stehenzubleiben, seinen Hut abzunehmen und mit einer tiefen Verbeugung zu schwenken. "Votre Altesse, Euer Diener" verkündete er mit montaignischer Grandezza. Darauf richtete er sich wieder auf, den Hut in einer Hand, die andere auf dem Knauf des Degens, einen Fuß wie ein Fechter nach vorn geschoben: Das Bild eines Mannes, der sich des schuldigen Respekts gegenüber dem höheren Adel, seiner eigenen gehobenen Position jedoch ebenso bewusst war.

Kapitel 1: Ein Fest mit Folgen
« Antwort #44 am: 14.08.2019, 21:26:37 »
Auch der Castillier hatte sich Friedrich beim Besuch des Schneiders angeschlossen. Zu seiner Freude war der Mann im Stande gewesen ihm einen Umhang im castillischen Stil zu fertigen in dem er einen vorhandenen eisenländischen entsprechend modifizierte. Leichter, eleganter und mit einem Innenfutter aus weinroter Seide war das Kleidungsstück weit besser für den Anlass geeignet als Don Tristans vendelischer Reisemantel, auch wenn er leider dunkelgrau und nicht wie es die castilische Mode bevorzugte schwarz oder blau war.
Ansonsten war Don Tristan dem gewohnten und bevorzugtem schwarzen Leder treu geblieben.  Seine Vendelischen Stiefel hatte er von einer der Mägde in ihrer Unterkunft blitzeblank putzen lassen. Aber über dem dem feuerroten Kummerbund und einem schneeweißen Fechterhemd mit weiten Ärmeln trug er seinen zweiten Einkauf: Eine Weste aus feinstem nachtschwarzem Brokat auf deren linker Brust das silberne Abzeichen der Torres-Akademie blitzte.
Der Baron machte einen angenehmen Eindruck auf ihn und entsprach dem was der Hidalgo erwartet hatte. Ebenso der Abt zu seiner Rechten. Aber das Hauptmann Handrat es offenbar für nötig hielt selbst hier auf dem Fest in voller Rüstung zu erscheinen überraschte ihn. Paranoia? Wusste der Mann etwas von dem die Helden nichts ahnten? Oder hatte er ganz einfach keine passende Gaderobe für den Anlass und war deshalb in Rüstung erschienen. Ganz automatisch suchten Don Tristans Augen die Rüstung nach Schwachstellen ab und er war froh dass er ganz selbstverständlich seinen Rapier an der Hüfte trug. Sollte Handrats Rüstung sich heute Abend als notwendig erweisen hätte er bei Deus nicht unbewaffnet sein wollen.
Neugierig besah er sich die anderen Gäste in der Hoffnung Don Alfonso del Belcante möge zugegen sein. Auf die Weise wäre er zumindest nicht der einzige Castilier hier.