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Autor Thema: Geisterstadt  (Gelesen 94616 mal)

Beschreibung: Episode 1.2

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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #540 am: 23.05.2015, 10:40:03 »
Verstehend nickt Gelirion. „Damit sollten wir versuchen ihn zuerst etwas zu Essen zu geben. Mit Glück ist er dann so satt, dass er einschläft oder nicht mehr schreit.“ Langsam tun Gelirion die Ohren weh, aber in ihm klingeln die Vatergefühle zu sehr, als dass er den Kleinen einfach weggeben würde. „Oben hatten wir doch Vorräte gefunden. Eine Küche muß es doch auch geben und wenn wir dort keine Milch finden, dann können wir wenigstens einen Tee machen.“ Er blickte wieder zu den anderen, machte sich dann aber auf Richtung Treppe um genau diesen Plan umzusetzen.
« Letzte Änderung: 23.05.2015, 23:05:08 von Gelirion »

Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #541 am: 23.05.2015, 21:06:42 »
Katarina schüttelte den Kopf. "Mein Vorschlag wäre, den magischen Schlaf für Notsituationen zu bewahren. Wenn das Kind auf dem Rückeeg doch noch einmal aufwacht und schreit, wäre es besser, noch ein As im Ärmel zu haben."

Sie überlegte einen Moment. "Wir könnten ihm auch Wein geben, ein so kleines Ding schläft davon bestimmt ein. Dürfen Babys Wein trinken? Ich... kenne mich da nicht so aus", gab sie zum wohl ersten Mal, seit sie in der Gruppe war, eine "Schwäche" ihrerseits zu.

Die kleine Rotznase sah kopfschüttelnd zu ihr auf. "Natürlich nicht. Selbst ich dürfte noch keinen Wein trinken. Außerdem schmeckt das Zeug widerlich." Sie sah zu Gelirion. "Mit den richtigen Zutaten und einer einfachen Kochstelle könnte ich den Tee zubereiten."

Währenddessen durchsuchten die drei Männer oben die weiteren Räume, und trugen einander dabei ihre "Geständnisse" vor. Doch viel fanden sie nicht: Die Festung war leergeräumt worden, der einzige tragbare Gegenstand, den man zurückgelassen hatte, war ein Blechtopf in der Küche, die sie im oberen Stockwerk fanden. Und so kehrten sie mit leeren Händen wieder nach unten zurück.[1]
 1. Falls noch jemand auf Will reagieren möchte, kann das gerne retrospektiv geschehen.
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #542 am: 23.05.2015, 23:24:27 »
Verwirrt blieb Geilirion an der Treppe stehen und blickte zu Katarina. Ihm könnte in diesem Moment wirklich angesehen werden, wie er nachdachte. Dann blinzelte er mit den Augen. Er hatte es verstanden. „Oh, entschuldige ich glaube ich habe mich versprochen. Natürlich meinte ich dasselbe wie du mit dem Schlafzauber, bevor wir diesen nutzen sollten wir ihn aber Füttern und versuchen so zu beruhigen. Das meinte ich.“ Sein Blick wanderte zur kleinen Rotznase und er nickte ihr zu. „Sehr gut. Dann sollten wir nun hoch und ihm den Tee machen. Danke, dass du den Tee machst, und danke die Katarina, dass du ihn schlafen legst, wenn es nötig ist.“

Esulilde Ziberadi

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Geisterstadt
« Antwort #543 am: 25.05.2015, 16:12:06 »
Esulilde beobachtete zunächst stumm, wie sich Gelirion um das Elfenbaby kümmerte. Als der Diener Cervias sie nach Möglichkeiten fragte, es zumindest zeitweise ruhigzustellen, antwortete sie: "Wir Priester beherrschen in der Tat einen Zauber, mit welchem wir Bereiche der Stille erzeugen können. Diesen Zauber könnte man sogar auf den Weidenkorb oder den Säugling selbst sprechen. Allerdings habe ich selbst noch nicht die Macht, die Kräfte, die für diesen Zauber notwendig sind, zu kanalisieren. Schlafzauber sind allerdings nicht unser Gebiet."

Ein kurzes Lächeln breitete sich auf den Lippen der Priesterin, die sich die Meiste Zeit in der Nähe von Katarina aufhielt, aus, als -erneut- der Wein zu einem Gesprächsthema wurde und erneut tauchte sie einen Moment in ihre Erinnerungen an die Rituale zu Ehren ihres Gottes ein, wobei man sogar an ihrem beinahe verträumt wirkenden Gesicht erkennen konnte, dass sich ihre Gedanken nicht unbedingt im hier und jetzt befanden.

Areo

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Geisterstadt
« Antwort #544 am: 25.05.2015, 16:28:20 »
Was ging hier nur vor sich?

Der verzweifelte Mann; den magischen Stab drohend erhoben. Die Kugel. Luft, von Zauberei erfüllt, vibrierte und knisterte förmlich, als sich die lautlose Silhouette Gelirions in das Blickfeld des taubstummen Druiden schob. Er näherte sich dem anderen - der trotz seiner drohenden Haltung sich nicht gegen den Paladin zur Wehr setzte!

Die Kopfschmerzen wurden zunehmend stärker. Areos Blick wurde von der Pein beeinflusst; sein letzter Sinn verschwamm zu einem milchigen Kaleidoskop aus Farben und Eindrücken. Während nicht weit von ihm die schartige Klinge eines Schwertes jenen Stab traf und dadurch dessen ungezügelte, gespeicherte Energie zurück auf seinen Besitzer warf - taumelte der Druide zur Seite und stieß gegen die kalte, unterirdische Steinwand zu seiner Linken. Kurzzeitig wurde ihm - trotz all des implodierenden Lichtes - völlig Schwarz vor Augen. Doch es gelang ihm dennoch, sich an der Wand festzuhalten und somit einen Sturz zu verhindern.



Er schüttelte den Kopf, griff instinktiv nach unten und fand schließlich Halt in dem weichen Fell Ains. Sein Blick klärte sich und er nutzte die Gelegenheit - trotz jener nagenden Übelkeit, welche sich nun vehement zu den Kopfschmerzen gesellte - um sich erneut in seinen gänzlich eigenen Eindrücken ein Bild seiner Umgebung zu machen. Der Fremde lag nun am Boden, seine Haut zu bleicher Asche verfärbt. Gelirion richtete sich neben ihm auf, es schien, als wäre er ebenfalls gestürzt. Doch da war noch mehr! Zwei Unbekannte waren augenscheinlich mit Schnüffler und Katarina in eine Unterhaltung vertieft. Zweifelnd versuchte Areo nicht erst, den wahren Grund dieser Auseinandersetzung von ihnen zu erfahren. So sehr es ihm auch widerstrebte; blieb ihm nichts anderes übrig, als sich selbst derweil seinen eigenen Reim auf die Geschehnisse zu machen.

Ein Kind auf dem Altar? Augenscheinlich ein Elfenbaby, eingewickelt in ein weites Tuch. Der Paladin näherte sich und suchte nach Areos Blick. Es ist hungrig - Tee, Milch - Areo sah, wie die Hände seines Freundes zitterten, während sie abgehakte Gesten und Symbole für ihn zum Verständnis formten.

Was war nur mit ihm passiert...?

Er nickte seinem Freund zu, während seine Linke immer noch die Schulterpartie Ains fasste. Gelirion wurde erneut angesprochen und wandte sich wieder zu Katarina und Rotznase, als Areo all seine Kraft sammelte und zu ihnen aufschloss. Er fasste dem Paladin an die Schulter, biss sich auf die Lippen und formte dabei folgende Gesten:

'Haben wir gefunden, weswegen wir hierher sind? Das Artefakt... Ist es das Kind?'

'Haben wir gefunden, was wir suchten?'

Omrah

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Geisterstadt
« Antwort #545 am: 26.05.2015, 03:02:16 »
Die Wut, die sich in Omrah aufgrund des verrückten Planes des fremden Magiers gesammelt hatte, verflog schnell wieder, als dieser elendig zuckend und ohne Gegenwehr starb. Als wäre ein Ventil aufgedreht worden, entwich ein Strudel an Gefühlen aus den Gedanken Omrahs und hinterließ lediglich ein Häufchen Trauer und einen Hauch Zweifel. Omrah senkte den Blick und versuchte, die Tränen zurückzuhalten. 
Der Mann hatte helfen und die Welt retten wollen. Er war kein bloßer Bandit oder Verrückter, der aus Spaß oder Selbstbereicherung tötete, sondern ein verzweifelter, fehlgeleiteter Mann mit guten Absichten gewesen. Auch Omrah verfolgte seine eigenen Pläne und hätte diesen Mann sogar dafür getötet, um die Opferung des Kindes zu verhindern und an das Artefakt zu kommen. Machte ihn das wirklich zu einer besseren Person? In Gedanken versunkten, dachte er darüber nach und verarbeitete diese ganze Situation.

Der sonst so aufgeweckte Junge nickte lediglich, als er von Schnüffler vorgestellt wurde und hob nur kurz den Blick, um die Fremden zu betrachten. Gedanken machte er sich erst einmal keine über die beiden Männer - war er doch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Da von ihnen keine Gefahr auszugehen schien, widmete sich Omrah wieder seinem innerlichen Dilemma.
Erst das laute Schreien und Weinen des Elfenbabys riss ihn aus seiner Lethargie. Langsam hob Omrah wieder den Blick und fing an, die ihn umgebende Situation zu beobachten und zum ersten Mal seit einigen Minuten auch wieder den Gesprächen zuzuhören.

Zuerst wollten sie also das Artefakt zurückbringen und dann zur Sonnenstraße gehen. Omrah versuchte sich daran zu erinnern, ob er die Straße kannte oder nicht. Er war zwar noch nicht so lange in Aradan aber die Mölgichkeit bestand durchaus. Wenn sich dort reiche, fette Kaufleute aufhielten, dann war er sicherlich schon einmal dort gewesen, um sie von der Last ihrer schweren Beutel zu befreien.[1]
Für den Moment mussten sie sich allerdings um das Baby kümmern. Da die beiden Fremden und Schnüffler allerdings bereits nach Oben gegangen waren, blieb Omrah unten und nahm Rotznase das seltsame Tier, das er Ysari genannt hatte, wieder ab.[2] "Danke, dass du dich gekümmert hast." sagte er einfach nur und betrachtete das Tier in seinen Armen schließlich genau. Vorsichtig streichelte er es und flüsterte ihm oder ihr beruhigende Worte zu, während er sich auf den Boden setzte und auf die Rückkehr von Schnüffler und den beiden anderen wartete. "Alles wird gut. Bald sind wir Zuhause..."

Erst als sie zurückkamen, stand Omrah wieder auf. "Habt ihr was gefunden?" fragte er jetzt wieder recht neugierig. Der Schock war soweit überstanden und so musterte er die beiden Fremden jetzt genauer.
 1. Wissen Lokales: 23 bzw. 25 wenn der Bonus von Sneaky Vagabond zählt. / Überlebenskunst 19
 2. Ist zwar schon etwas her aber hier ist der Post dazu

Schnüffler

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Geisterstadt
« Antwort #546 am: 26.05.2015, 18:46:28 »
Schnüffler blieb stehen und blickte den jungen Burschen an. Er versuchte, sein Gesicht zu lesen oder sonst irgendeine Bestätigung für das, was er gerade gehört hatte. "Du meinst, Du hast Dich an einem jungen Ding vergriffen? Und Du bereust es nur wegen Deiner Dummheit? Sei froh, dass die Apokalypse gekommen ist. Im Knast rangieren diejenigen Deiner Sorte noch nach den Mördern.", knurrte Schnüffler. Ihm wurde ganz schwindlig vor Wut wenn er daran dachte, wie der Bursche die kleine Rotznase angeschaut haben mochte. Er schwor sich, dass er Will umhauen würde, würde er dem Mädchen auch nur ein Haar krümmen. Ein paar Jahre Höllenstrafe mehr oder weniger, aber das war es wert.
"Die Grausamkeit der meisten Menschen ist Phantasielosigkeit, und ihre Brutalität Ignoranz."
Kurt Tucholsky

Senses: Perception +6 (+8 um Wertgegenstände zu finden), Darkvision 60 ft., Scent, Coincunning (sucht immer aktiv nach Wertgegenständen im Umkreis von 10 ft.)

William Marlowe

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Geisterstadt
« Antwort #547 am: 26.05.2015, 19:28:07 »
"Nein, hab ich nicht", sagte Will. Ihm war plötzlich ganz kalt. Er blieb auf der letzten Stufe stehen und rührte sich nicht. Dass der Junge sie ansprach, bekam er gar nicht mit. "Aber wenn vor Gericht eine Alberti vortritt—stell dir jemanden wie dein Goldlöckchen vor, nur mit verweintem Unschuldsgesicht—und sagt, ich hätte es, und dann komm ich und sag, ich hätt es nicht, wem glaubt man wohl? Und ihr Vater hat den Richter bezahlt und einen der Schöffen. Der Inquisitior war gar ein Freund der Familie, der hat das Mädchen dann gleich darauf geheiratet. Ha, wer sagt denn, dass der nicht der Vater war? Und ich war drei Jahre im Straflager und hab schon mehr als genug gebüßt dafür, dass ich niemanden ein Leid angetan habe. Und jetzt werd ich es wohl noch einmal büßen dürfen, weil mich niemand einlassen wird, weder im Sanatorium noch in Reststadt, und mein Gesicht kennt leider jeder. Aber ach, was red ich noch. Ich brauch keinen von euch! Meine Lissie ist eh tot und die Kinder auch und ich bin ein Narr, mir Hoffnung zu machen! Büßt Ihr mal alle Eure Sünden, mein Gewissen ist rein, da macht's nix, wenn ich heut krepier, da würd mir eine letzte Woche oder Monat voller guter Taten auch keine Strafermäßigung bringen."

Und er machte auf dem Absatz kehrt, wäre fast auf die drittletzte Stufe getreten, fing sich gerade noch rechtzeitig, drehte aber noch einmal um, um Arjen Jeanas Schwert in die Hand zu drücken—"Für Iritihil. Nun musst doch du's ihr sagen...", bevor er sich wieder abwandte und die Treppe hochstapfte, den selbstgerechten Halbork, aber mehr noch sich selbst verfluchend.

Ich hätte es drauf ankommen lassen sollen... vielleicht hätte mich niemand erkannt... trotz des kostümierten Aufzugs... Ha, ihr könnt mich alle mal! Ich schlag mich schon allein durch! Ich könnte die Stadt verlassen, irgendwo anders hingehen, wo mich keiner kennt... ach, aber das wäre ein fast noch schlimmerer Tod, als sich gleich vom obersten Dachgeschoss auf das Pflaster zu stürzen, das Vergessen, die gesichtslose Fremde, ohne auch nur die Erinnerung an bessere Tage...

"Melonen", murmelte er, wie er die nächste Treppe in Angriff nahm, ohne noch ganz zu begreifen, was er vorhatte. "Melonen!"
« Letzte Änderung: 26.05.2015, 22:51:49 von William Marlowe »
Hell hath no limits, nor is circumscribed
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Schnüffler

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Geisterstadt
« Antwort #548 am: 26.05.2015, 20:18:10 »
Schnüffler war einigermaßen überrascht von dem Ausbruch des jungen Burschen und konnte einen Moment lang nichts sagen. Er überlegte angestrengt, ob er nicht doch etwas von der Sache gehört hatte. Beim Namen Alberti klingelte etwas. Großbürgertum, einigermaßen einflussreich. Hübsche Tochter, wie man sagte, im Alter von vielleicht siebzehn Jahren oder so. War von einem einfachen Schausteller geschwängert worden und später hieß es, er hätte sie vergewaltigt. Jemand hatte dreckig gelacht, als er Schnüffler dies genüßlich erzählte. In 'der Branche' hatte man gehässige Freude an solchen Geschichten gehabt.

Vielleicht hatte er dem Jungen wirklich Unrecht getan. Nunja, wenigstens war kein Kind angefasst worden. Sechzehn-siebzehn Jahre, da konnte man schon heiraten. Schnüffler schaute Gelirion und die anderen an und zuckte dann mit den Schultern. "Ich hole ihn zurück...", sagte er, mehr zu sich selbst.

Schnüffler rannte Will hinterher und rief seinen Namen. Schließlich hatte er zu ihm aufgeschlossen und legte ihm die Hand auf die Schulter. Kraftvoll riss er den jungen Mann zu sich herum. "Jetzt bleib mal steh'n und hör' mir mal zu." Schnüffler atmete kräftig durch. Entschuldigungen gingen ihm nicht leicht über die Lippen. Tatsächlich war es ihm ganz und gar nicht lieb. Für etwas gerade stehen, was man zerbrochen hatte, dafür trat Schnüffler unbedingt ein. Aber sich zu entschuldigen, dass war ihm kaum möglich. "Wie sollte ich es denn verstehen? Du hast so andeutungsweise und verdruckst davon gesprochen. Und ich habe ein Kind. Was soll ich da denken? Okay ja, jetzt fällt es mir ein. Ich habe davon gehört, es ist ja schon ewig her. Was soll ich Dir glauben, zumindestens war sie schon siebzehn. Ja, also gut, ich glaube Dir, dass Du sie nicht vergewaltigt hast. Und ich verstehe jetzt Deine 'Dummheit'. Kannst Du mich jetzt, verdammt noch mal, einfach entlassen, okay?"
« Letzte Änderung: 26.05.2015, 20:39:03 von Schnüffler »
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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #549 am: 27.05.2015, 18:32:17 »
Als Areo die Schulter des Paladin berührte, blieb dieser Stehen. Auf seine Frage nickte er, schüttelte dann aber auch den Kopf. Seine Gesten waren da klarer. Mit der freien Hand deutete er an, das -Kind nicht Artefakt- ist und dass sie das -Artefakt gefunden- hatten.

Dann waren da auch schon die Anderen zurück. Offensichtlich hatten sie nichts gefunden. Etwas verwirrt blickte er dann Schnüffler nach. Irgendwas war vorgefallen und warum lief sein Freund ihm nicht nach. Egal. Sie hatten etwas anderes zu tun. Darum fragte er den Fremden, der als Arjen von seinem Freund bezeichnet wurde, ob sie eine Küche oder Feuerstelle gefunden hatten. Das Kind brauchte immer noch etwas zu trinken und Gelirions Schschschsch zusammen mit dem leichten wiegen, schien es nicht sonderlich zu beruhigen.

Arjen Bucalo

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Geisterstadt
« Antwort #550 am: 27.05.2015, 23:00:46 »
Bei Wills Ausbruch hielt Arjen kurz inne und hörte sich dessen Tirade an. Es war schon interessant, wie sehr Will sich darum bemühte, zu zeigen, dass er gar niemanden brauchte, und das obwohl ihn offensichtlich die - falsche - Meinung seiner Mitmenschen über ihn so sehr aufregte. Als er sich dann umdrehte, stieß er fast mit Arjen, der hinter ihm stand, zusammen.

Als Will dem Krieger das Schwert reichte, griff Arjen danach, hielt aber gleichzeitig mit der anderen Hand seinen Kameraden an der Schulter fest: "Nicht so schnell, Will. Jetzt warte mal." Da beginnt auch bereits Schnüffler zu sprechen und sich zu entschuldigen. Als der Halbork geendet hatte, drückte Arjen noch einmal die Schulter des Stückeschreibers und murmelte leise, so dass nur dieser es hören konnte: "Siehst du? Es scheint mir, dein schlechter Ruf interessiert dich viel mehr, als die Männer und Frauen um dich herum. Mag sein, dass wir alle noch heute krepieren, aber kein Grund, das allein und freiwillig zu tun." Er hielt kurz inne und versuchte sich an einem Lächeln, um die Stimmung zu lockern. Dann drückte er dem Barden Jeannas Schwert wieder in die Hand. "Außerdem - das Versprechen gaben wir gemeinsam; also halten wir es auch gemeinsam."

Der Krieger hob den Kopf und nickte Schnüffler über Wills Schulter hinweg zu, um sich bei ihm für die schnelle Entschuldigung still zu bedanken. Dann wandte er sich an Omrah: "Nein - leider haben wir niemanden gefunden, den wir gesucht haben."

Er schaute zu Gerilion und Katharina - offensichtlich waren das die Anführer dieser Gruppe: "Ihr spracht von davon, zunächst ins Senatorium zu gehen und dann mit frischen Kräften zur Sonnenstraße. Auch wenn wir direkt zu dieser wollten, scheint das ein guter Plan zu sein. Wenn ihr gestattet, schließen wir uns euch zumindest für diese Dauer dieser Reise an."

William Marlowe

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Geisterstadt
« Antwort #551 am: 28.05.2015, 01:28:43 »
Will war noch nicht weit gekommen, nicht einmal die halbe Kellertreppe hoch—auch wenn er so schwer schnaufte, als hätte er gerade die oberste Turmkammer erklommen—da riss der Halbork ihn bereits an der Schulter herum und Arjen packte ihn an der anderen und beide redeten sie auf ihn ein. Will verstand nur die Hälfte. Seine Beine zitterten, als hätte er tatsächlich eine anstrengende Kletterpartie hinter sich. Seine Hände zitterten auch. Eigentlich zitterte er am ganzen Leib. Will suchte den Schuldigen und fand ihn schnell.

"Barnabas!" schimpfte er. "Es reicht jetzt, ich brauch dich nicht, also hau ab und lass mich in Ruh!"

Es war einfach zu viel alles: die kopflose Flucht durch die Nacht, die Rettung ins Theater mit letzter Kraft, am Morgen das böse Erwachen, erneute Flucht vor einem untoten Riesenmonster, Angelo, der noch leben könnte, wenn Will nur besser aufgepasst hätte, die Vertreibung aus der Zuflucht, der Todesschrei der Geisterfrau, Flucht, Flucht und immer nur Flucht, Tote von allen Seiten, Tote hinter ihnen, Tote vor ihnen, der schmale Steg über den Abgrund, dann Jeana... Jeana mit gespaltenem Schädel... die Toten ringsum... und hier? Hier waren sie wieder zu spät, Jeanas Kameraden waren tot, und er, Will, war dabei, wieder alles zu verbocken, wie zuvor bei Luca... und Barnabas! Barnabas war ganz in seinem Element. Natürlich drängte er sich vor, und die anderen ließen ihn! Fabrizio graute vor dem Wahnsinn, der sie umgab, da half kein Scherzen! Rudolfo wusste damit schon gar nicht umzugehen, Eduardo, Ramirez, Claudio, nutzlos allesamt, nicht einmal Sayif ben Yazan, Nekromant von Eschmerat, vermag sich seiner Haut zu wehren noch weiß er Rat!

Arjen hat sich derweil schon wieder abgewandt und redet mit jemandem im Raum, doch der Halbork Schnüffler schien auf eine Antwort zu warten.

"Das war Barnabas", versuchte Will zu erklären. "Er ist der einzige, dem der ganze Wahnsinn nichts ausmacht. Da ist's kein Wunder, dass der in letzter Zeit immer gleich zur Stelle ist. Schon gar, wenn's zum Sanatorium geht. Dort steht seine Wiege. Für ihn geht's nach haus." Herrje, er hatte so schön klar angefangen, aber dann wurd's wirr! Was er hatte sagen wollen: die Idee zum Barnabas war ihm bei seinen Nachforschungen im Sanatorium gekommen; sehr überzeugend sei die Figur gewesen, hatte man ihn nach der Uraufführung gelobt, und auch Wills Darstellung: sehr überzeugend, wie er langsam dem Wahn verfiel!

Will probierte es noch einmal. "Barnabas glaubt, dass er hilft. Aber was nutzt seine Hilfe, wenn er sich am Ende des Stücks in sein Schwert stürzt? Wenn nur Tom länger bleiben könnte. Tom hat auch Mumm und einen praktischen Kopf auf den Schultern, aber er ist noch keinen halben Tag alt, ich kenn ihn kaum. Barnabas aber ist schon seit zwölf Jahren dabei."

Da gab er es auf. Seine Worte wollten einfach keinen Sinn ergeben, den jemand erfassen konnte, der nicht in seinem Kopf steckte. Nun steckten dort zwar sehr viele Leute—so viele, dass es ein herrliches Gedränge und Herumgeschubse war—aber die beiden Männer vor ihm eben nicht.

"Oh je", murmelte er, auf die Stufe sinkend. "Hoffentlich sperren die mich nicht gleich mit dazu."
« Letzte Änderung: 28.05.2015, 17:02:58 von William Marlowe »
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Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #552 am: 29.05.2015, 02:54:13 »
Auch wenn es vielleicht schwierig war, Will zu verstehen - zumindest für den Moment wurde er, ebenso wie Arjen, von der Gruppe aufgenommen. Omrah und die kleine Rotznase bereiteten zusammen einen Tee für das Baby vor, das bald nach der Fütterung tatsächlich ruhig wurde und einschlief. Das Mädchen, das Schnüffler nach wie vor nicht von der Seite wich, nahm es in ihren Arm, und Katarina blieb in der Nähe der beiden - für den Fall der Fälle.

Das Artefakt, für das sie hergekommen waren, ebenso wie das zugehörige Buch, hatte Katarina an sich genommen. Vor ihrem Aufbruch aus dem geheimen alten Tempel stöberte sie bereits in dem Buch, und sprach - mehr zu sich selbst als zu jemand bestimmten - darüber. "Die Sprache ist eindeutig drakonisch, aber es wirkt wie ein alter Dialekt davon. Roher, nicht so fein, wie das heutige Drakonisch." Später dann: "Ich denke, ich verstehe es langsam. Entwickle ein Gefühl für die Sprache. Aber ob ich das wirklich glauben soll, was hier steht..." Und schließlich: "Das ist es. Ja, damit können wir das Artefakt anwenden. Das sollte nicht einmal besonders lange dauern."

Dann, endlich, waren sie bereit zum Aufbruch. Katarina verstaute das Buch, die Gruppe sammelte sich vor dem großen Tor, das auf die Straße hinaus führte. Diesmal hatten sie nicht mehr das Glück, dass die Straße frei war: Drei schwankende und humpelnde Orkmänner kamen ihnen entgegen, die Bäuche aufgerissen, so dass ihr Innerstes nach außen hing. Mit der zusätzlichen Unterstützung durch Arjen gelang es Schnüffler und Gelirion aber schnell, die Gefahr zu beseitigen.

Der ursprüngliche Weg war nach ihren letzten Erfahrungen kein geeigneter Rückweg mehr. Was auch immer in den Tunneln hinter ihnen her gewesen war, sie wollten der Kreatur nicht begegnen. Also führte Katarina sie über verschiedene kleine Gassen durch die Stadt, bis sie an einer früheren Bäckerei ankamen. Auch wenn die Außenwände des hölzernen Gebäudes abgebrannt waren, standen die aus grauem Stein gefertigten Regale noch - nur leider ohne Waren darin. Katharina untersuchte die Regale kurz, dann glitt eines davon ein Stück zur Seite - und gab den Weg frei zu einem unterirdischen Tunnel.

Auf die erstaunten Blicke von Arjen und Will reagierte die kleine Rotznase, indem sie erklärte: "Die Tunnel gibt's überall in der Stadt. Wir sind über welche hergekommen. Aber viel ungefährlicher sind die auch nicht immer."

Schnüffler fiel auf, dass das Mädchen allmählich auftaute. Hatte sie bisher vor allem gesprochen, wenn man sie angesprochen hatte (oder wenn sie mal wieder einen Grund fand, Schnüffler gegen das Schienbein zu treten), fing sie an, selbst Initiative zu ergreifen. Bevor sie in den Tunnel in der alten Bäckerei hinabstiegen, konnte er sogar einen kurzen Moment beobachten, wie sie die Gruppe betrachtete - einen nach dem anderen -, und ein vorsichtiges Lächeln in ihrem Gesicht erschien. Das erste Lächeln, dass er bei dem Mädchen bisher beobachtet hatte. Als sie seinen Blick allerdings bemerkte, verschwand es sofort wieder, wie ein gut gehüteter Schatz, den niemand entdecken durfte.

Der Tunnel war kalt und feucht - von irgendwo her blies ein leichter Wind durch den Gang, der nur für die kleineren aus ihrer Gruppe ausreichend hoch war - einige mussten gebückt laufen, um voranzukommen.

Zu ihrem Glück erwies sich der Gang als ungefährlich, keine weiteren Schreckenskreaturen erwarteten sie hier - lediglich ein paar Rückenschmerzen für die größeren Gruppenmitglieder. Schließlich deutete Katarina auf eine an der Seitenmauer angebrachte Leiter. "Unser Ausgang", erklärte sie. Sie führte die Gruppe nach oben, und sie kamen in der Ruine eines alten Wohnhauses heraus. Katarina deutete in eine Richtung. "Fünfzig Meter in diese Richtung, dann sind wir auf dem Platz vor dem Sanatorium."

Weiter führte sie die Gruppe durch die Straßen, doch jetzt, kurz vor ihrem Ziel, kamen sie ins Zögern. Von irgendwo war ein Raunen und Stöhnen zu hören. Sollte hier irgendwo eine Horde unterwegs sein, nachdem sie auf dem gesamten bisherigen Rückweg Glück gehabt hatten? Sie liefen weiter, doch bis jetzt war nichts von den wandelnden Leichen zu sehen.

Bis sie schließlich tatsächlich auf dem Platz herauskamen, das mächtige Gebäude des Sanatoriums keine dreißig Meter von ihnen entfernt.

Vor dem Festungsgraben liefen wankend zahlreiche Gestalten hin und her. Fast hätte man sie für einfache Spaziergänger halten können, die den Weg entlang des Wassers genossen, wären da nicht die eindeutigen Zeichen von Kämpfen, Fäulnis, Verwesung und Tod. Es mussten bereits achtzig, vielleicht neunzig von ihnen sein, verteilt über die ganze Breite des Grabens, soweit sie ihn von hier aus sehen konnten.

Katarina fluchte. Sie sah zu Schnüffler. "Es gibt noch den Weg, den wir in der ersten Nacht reingekommen sind, aber der Wachmann hat darauf bestanden, einen Schrank auf die Bodenplatte im Sanatorium zu stellen. Glaubst du, du kannst ihn hochheben?"

Sie warf einen Blick in die Runde. "Die einzige andere Alternative ist ein Brunnenschacht. Wir kommen damit direkt im Brunnen im Innenhof heraus - müssen aber dann noch irgendwie hoch kommen, wenn uns niemand hört. Außerdem könnte es sein, dass wir ein Stück weit tauchen müssen." Sie sah zu dem Baby in Rotznases Arm, dann zu Gelirion. "Ich weiß nicht, wie weit."
« Letzte Änderung: 29.05.2015, 03:07:29 von Sternenblut »
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Schnüffler

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Geisterstadt
« Antwort #553 am: 29.05.2015, 18:35:38 »
Schnüffler runzelte nur ein bischen die Stirn über diese Spinnerei des jungen Burschen. "Wer von Euch ist der starke Kämpfer? Genau den brauchen wir jetzt.", sagte er schließlich und führte Will zurück zu den anderen. Als das Baby beruhigt war, machten sie sich gemeinsam auf den Weg.

Obgleich sie gar nicht mal so lange gebraucht hatten, es war noch nicht einmal Nachmittag, fühlte es sich an wie eine Ewigkeit und Schnüffler war froh, wieder hier zu sein. Rotznase wieder in Sicherheit zu wissen...

"Nein, ich kann keine Bodenplatte inklusive Schrank bewegen.", erklärte er gegenüber Katarina. "Ich habe heute noch kein Blut getrunken und mir schwinden die animalischen Kräfte. Ehrlich, ich fühle mich schon fast menschlich."

"Tapferer kleiner Omrah. Meinst Du, Du kannst vorgehen und den Brunnen erklettern und der Wache bescheid geben?", fragte er den Jungen.
« Letzte Änderung: 29.05.2015, 18:44:07 von Schnüffler »
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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #554 am: 29.05.2015, 21:02:40 »
Gelirion luckte immer noch zum Platz. Keine Chance die Untoten abzulenken und wenn doch, dann bedeutete es den Tot für den Lockvogel. Damit blieb wohl nur noch der Vorschlag von Katarina. Zur Gruppe blickend, wendete auch er sich an den kleinen Omrah. „Gute Idee Schnüffler. Omrah traust du dir das zu?“ Er blickte zurück zum Platz. „Wenn die anderen wissen, dass wir kommen, können sie den alten Weg wieder frei räumen. Tauchen ist für den Jungen nicht gut. Auch wenn er es wohl einen Moment lang könnte.“ Erwartungsvoll blickte er zum Jungen.

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