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Autor Thema: Geisterstadt  (Gelesen 96507 mal)

Beschreibung: Episode 1.2

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Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #780 am: 15.11.2015, 18:17:57 »
Das Buch konnte Gelirion nicht genau erkennen, der Einband verriet ihm aber, dass es sich um einen wertvollen Band handelte - sicher keine einfache Unterhaltungsliteratur. Die Zelle war karg, aber aufgeräumt, das Bett ordentlich gemacht. Auch er selbst war gepflegt, die Haare frisiert, das Gesicht frisch rasiert.

Unsicher sah er zwischen Khoon und Gelirion hin und her. "Was ich tun würde, wenn ich frei wäre? Als erstes würde ich mich auf die Suche nach Aphinia machen. Ich bezweifle zwar, dass sie auf mich gewartet hat - wir waren erst kurz zusammen, als ich eingesperrt wurde -, aber ich möchte zumindest wissen, wie es ihr geht."

Er dachte einen Moment nach. "Danach, wenn ich die freie Wahl hätte, würde ich die Stadt verlassen und woanders ein neues Leben anfangen. Mir eine Arbeit und eine Unterkunft suchen und nach vorne blicken."
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #781 am: 15.11.2015, 19:17:14 »
Gelirion nickt langsam. Scheinbar war die erste Einschätzung nicht so schlecht, jedenfalls scheinen die Worte aufrichtig zu sein. Ein neues Leben anzufangen, vom alten vielleicht noch einen Teil mitzunehmen, war gar keine so schlechte Entscheidung. Es ließ vermuten, dass er ahnte, dass die Bevölkerung nicht vergessen würde was passiert war. Egal ob er es war oder nicht.
Kurz blickte er zu seinen beiden Begleitern, dann wendete er sich wieder an Jiuroon „Ich verstehe. Also, ich suche Streiter um gegen Untote zu kämpfen. Keine leichte Aufgabe und auch sehr gefährlich aber es geht darum Frauen, Kinder und viele andere zu schützen. Da ihr eine Miliz aufbauen wolltet, wärt ihr ein sehr großer gewinn, denn die meisten die mitstreiten sind keine geübten Krieger.“ Er griff mit beiden Händen die Gitterstangen. „Die Freiheit die ich versprechen kann basiert auf dem Recht der Feldrekrutierung. Hier im Sanatorium natürlich nur unter der Rücksicht dieser beiden Herren, da sie die Insassen am ehesten einschätzen können.“ Er machte eine kurze Pause. Auch ihm wollte er hier nicht die Wahrheit offenbaren das es um das Sanatorium ging. „Mein Angebot der Freiheit ist also durchaus echt. Hier und jetzt möchte ich noch nicht über die genauen Umstände sprechen aber wenn alle potenziellen Rekruten gefunden wurden, werde ich natürlich alles genau offenbaren. Dann, so ihr es wollt, könnt ihr eure Entscheidung widerrufen. Falls ihr es wollt. Also, wollt ihr mir also folgen um die Leute zu schützen?“ Gelirion löste eine Hand vom Gitter und hielt sie dem Mann durch die Stäbe hin.[1] Eine Geste die er bei der Elfe nie gemacht hätte. Denn er wollte diesen Mann auch behalten, wenn die Verteidigung beendet war. Ihn für die Sache begeistern und vielleicht sogar so jemanden fähigen im Sanatorium zu wissen, wenn sie wieder auf Himmelfahrtskommandos waren.
 1. Diplomatie nat 20 (30)
« Letzte Änderung: 15.11.2015, 19:22:04 von Gelirion »

Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #782 am: 15.11.2015, 21:13:28 »
Jiuroons Stirn legte sich in Falten. Er machte einen Schritt nach hinten, und sah die drei Männer vor sich nachdenklich an. "Hier geht es um deutlich mehr als eine normale militärische Aktion, richtig?" Sein Blick fiel wieder auf Gelirion. "Wenn ich tatsächlich die Freiheit habe, zu widerrufen, bin ich dabei."

So ließ Khoon auch den dritten Insassen frei. "Die vier anderen sind schwierigere Entscheidungen. Wir sollten die drei anderen zunächst von hier wegbringen." Er sah zu Elisias. "Würdet ihr sie in den ersten Behandlungsraum bringen?"

Elisias nickte, und wandte sich zum Gehen um. Khoon deutete auf das Ende des Ganges. "Zwei weitere gleich dort. Gruon ist ein Ork, der an einer Angststörung leidet. Er ist im Herzen nicht schlecht, aber unter genug Druck befolgt er Anweisungen, die sehr böse sein können. Er gehörte früher zu Straßenschlägern, wollte aber eigentlich raus aus dem Sumpf. Das haben seine Bosse mitbekommen, und ihm solche Angst gemacht, dass er auf ihre Anweisung eine ganze Truppe Wachsoldaten im Schlaf meuchelte."

Khoon sah Gelirion fragend an. "Kommt er überhaupt in Frage? Dann bringe ich dich zu ihm."
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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #783 am: 15.11.2015, 22:13:13 »
Zur Frage von Jiuroons nickte Gelirion. Er meinte beides erst und der schwerste Teil würde wohl noch kommen. Hier hoffte er aber auf die Hilfe der beiden Heiler. Vielleicht fanden sie passende Worte. Aber jetzt war noch keine Zeit sich darüber gedanken zu machen. Es lagen noch vier vor ihnen.
Als die anderen gegangen waren und ihn Khoon von Gruon erzählte, nickte Gelirion langsam. "ich verstehe." sagte er und überlegte. Es war schwer über jemanden zu Urteilen der nicht da war und noch schwerer auf eine starke Hand, die so ein Ork sicher hatte, zu verzichten. "Angst. Ja Angst ist das mittel mit denen die Heeren des Todes arbeiten. Sie versuchen uns Angst zu machen, zu dummen Taten zu verleiten und uns zu zermürben." schwer atmete Gelirion aus. "Ich glaube Gruon sollte in seiner Zelle bleiben. Er wäre eine zu große gefahr. Nicht dass ich erwarte er meuchelt uns in der Nacht, nein wenn die Herrn des Todes ihm genug Angst machen würden, ihn einflüstern er dürfe leben wenn er ihr unsere Köpfe bringt, dann könnte er es machen oder? Wenn du dem zustimmst lassenwir ihn aus. Später wenn sich die Lage beruhigt hat, wäre er wohl wieder ein Kandidat." Alle brauchten viel Willen um zu überleben. Sie durften sich nicht der Angst verschreiben. Omrah hatte es schon gut erfasst. Ihnen Angst einzuflößen und zu schnellen Taten verleiten war wohl oder Übel einer der Pläne dieser Untoten.

Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #784 am: 16.11.2015, 01:05:43 »
Khoon nickte. "Einverstanden. Die zweite ist... nun, sie ist im Grunde nur ein Mädchen, aber sehr klug, und... eher das Gegenteil von Gruon. Sie hat als Kind etwas Schreckliches erlebt, musste mit ansehen, wie ihre Eltern gefoltert und getötet wurden. Das hat sie in den Wahnsinn getrieben, aber sie ist inzwischen weitgehend geheilt. Ich würde sie in meiner direkten Obhut halten. Sie ist erst elf, aber durch das, was sie erlebt hat, kann sie dem Schrecken da draußen wohl besser Stand halten als alle anderen. Ihre Erfahrungen haben sie hart gemacht. Obwohl sie noch ein Kind ist, kann sie mit Messer und Pfeil und Bogen umgehen."

Der Heiler begann, den Gang in Richtung der Zelle entlangzugehen. "Solange sie in meiner Obhut bleibt, habe ich bei ihr keine Zweifel. Aber das ist eben die Bedingung."
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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #785 am: 16.11.2015, 09:10:21 »
"So sei es Khoon." ging Gelirion auf die Bedingung des Heilers ein. Er fragte sich aber auch, wie weit er bei der Suche nach Kämpfern gehen würde. Ein elfjähriges Kind ist so oder so schon ziehmlich grenzwertig doch hätte das Mädchen genauso wie die drei Kinder der Gruppe das Recht sich zu Verteidigen. Ihre Kindheit ist wohl oder über in der vorletzten Nacht gestorben.

Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #786 am: 16.11.2015, 11:30:39 »
Khoon nickte, und schenkte Gelirion ein dankbares Lächeln. Er erklärte ihm, dass er das Mädchen nachher selbst holen würde, und führte ihn zunächst zu den nächsten beiden Insassen. Auf dem Weg dorthin begann er wiederum zu erzählen.

"Zwei Brüder. Söhne eines niederen Adligen. Sie feierten gern - und haben dabei vielfältige Rauschmittel eingenommen.  Von einem wurden sie abhängig  - Frühlingsstaub. Ein Mittel, das nicht nur euphorisch macht, sondern auch massiv die Sexualität anregt. Die beiden Brüder haben so viel davon eingenommen, dass sie das Wort 'Nein' nicht mehr kannten."

Er seufzte. "Sie haben vielen Mädchen viele schlimme Dinge angetan, aber sie waren nicht wirklich sie selbst. Sie sind inzwischen von den Drogen befreit, aber es ist durchaus möglich, dass sie rückfällig werden, wenn sie Rauschmittel in die Hände bekommen. Und ja, im Sanatorium gibt es welche  - die wir zu medizinischen Zwecken eingesetzt haben."

Khoon deutete auf eine Zelle gute zehn Meter vor ihnen. "Ohne Drogen würde ich sagen, der eine der Brüder, der jüngere, hat seine Lektion gelernt, der andere hat noch ein gewisses Aggressionsproblem, ist aber steuerbar."
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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #787 am: 16.11.2015, 18:30:59 »
Schwer holte Gelirion Luft. Er hatte nicht sehr viel übrig für Adlige die über die Stränge schlugen. Das daran zum Teil eine Droge schuld war, verschärfte das Ganze sogar noch. Alkohol, ja gut aber von etwas abhängig werden und dann alle Grenzen überschreiten. Wohl oder übel musste er bei den beiden auf Autorität setzen. Eine zweite Chance hatte nach der schrecklichen Nacht jeder verdient. Ihm wurde aber auch klar, dass er nicht einmal richtig wusste was Schnüffler vorher gemacht hatte. Doch am Ende war es egal.
„Das heißt auf beide müsste wir genau aufpassen, richtig? Wenn ihr wollt achte ich mit auf sie und falls sie die  Finger nicht von irgendeiner Droge lassen können, helfe ich gerne beim Kaltentzug mit.“ sagte Gelirion im ruhigen Ton. Er musste die Gedanken vom was wäre wenn je wegschieben. Auch wenn die beiden Burschen Frauen schändende Bastarde waren. So sie sich wirklich ändern wollten, durfte er sie nicht vorverurteilen.
So schritt er dann weiter zu den Zellen der beiden. Dort angekommen warf er einen genauen Blick in die jeweilige Zelle und auf den jeweiligen Burschen. Ähnlich wie beim Mann zuvor, nahm er es bei den beiden sehr genau.[1]
 1. Wahrnehmung Zelle 1: 8
Wahrnehmung Zelle 2: 16

Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #788 am: 17.11.2015, 12:54:30 »
Khoon zuckte bei Gelirions Frage leicht mit den Schultern. "Ich denke, zumindest ein Auge auf sie sollten mehr Leute haben. Ich würde sie nie ganz ohne Aufsicht lassen, und es sollte eine Aufsicht sein, die sich notfalls durchsetzen kann - auch körperlich." Er seufzte. "Es mag unnötig sein, aber die Verlockung, einer Sucht nachzugeben, kann sehr beherrschend sein."

An den Zellen angekommen, erwarteten Gelirion zwei Männer in den mittleren Zwanzigern. Beide waren gut ein Meter achtzig groß, breitschultrig, allerdings nicht besonders trainiert. Sie hatten dunkle, mittellange Haare; der ältere der beiden hatte sie nach hinten gekämmt, der andere ließ sie halb ins Gesicht fallen. Dass sie Brüder waren, war unverkennbar, aber die Rauschmittel hatten ebenfalls an beiden ihre Spuren hinterlassen. Ihre Haut war leicht fahl, die Augen eingesunken. Sie sahen zu den beiden Männern auf, als diese vor ihren Zellen stehen blieben.

"Delphor und Darkin To'Kvaro", stellte Khoon zunächst den älteren, dann den jüngeren der beiden Männer vor. "Beide seit drei Jahren in meiner Obhut."

Delphor sah Gelirion mit einem Blick an, den der Paladin nur schwer deuten konnte. Vermutlich eine Mischung aus Neugier und Resignation, aber sicher war sich Gelirion nicht. Darkin hingegen stand auf und kam zum Gitter. "Ich grüße euch. Geht es um... was auch immer da draußen vorgeht? Ich hab Geräusche gehört... und einer der Insassen aus einem der anderen Blocks hat seltsame Dinge geschrien, ich hab ihn bis hierhin gehört."

Darkin, das war für Gelirion offensichtlich, hatte Angst, aber er war trotzdem ruhig, kontrolliert. In seiner Stimme lag eine Bitte, keine Förderung nach Antworten. Er wirkte fast sanft auf den Paladin.
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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #789 am: 17.11.2015, 14:28:42 »
Am Ende hieß es, dass Schnüffler und er auf die beiden aufpassen mussten aber das würde sich noch zeigen. Nachdenklich blickte Gelirion von einem zum anderen. Sie waren etwa in seinem Alter und saßen hier seit drei Jahren fest. Was für eine seltsame Stadt. Seine Gedanken wanderten zu dem Familiennamen der beiden. To´Kvaro, rasch ging er die Namen durch, welche ihm sein Bruder und seine Schwester gesagt hatten. Vielleicht viel ihm etwas ein. Selbst wenn nicht nahm er sich aber vor seine Landsfrau danach zu fragen. Sie als Diplomaten müsste auch wissen über niedrige Adlige der Stadt haben.[1]
Langsam wendete er sich dem jüngeren der beiden zu. „Richtig angenommen Darkin.“ er ging näher an das Gitter heran. „Jedoch sind wir nicht auf einer Informationsrunde.“ Die Stimme des Paladin war offen und deutlich überlegt. Mit Adligen egal welchen Standes musste vorsichtig umgegangen werden. Vor allem wollte er sich hier nicht den Hinweis mit den Untoten geben. Schließlich waren sie nicht allein und ein mal eins kann selbst ein Holzkopf zusammenrechnen, wenn er aufpasste. „Khoon hat mir von euch erzählt. Von dem was ihr getan habt.“ trotz seiner offenen, ruhigen Stimme blickte Gelirion Darkin direkt in die Augen. Er wollte sehen, wie der jüngere, den Khoon als stabiler hielt, sieh verhielt. Wich er dem Blick des Paladin aus, fühlte er etwas wie Schuld? „Daran erinnerst du dich doch Darkin. An den Frühlingsstaub, an die Euphorie, an die Mädchen?“[2] Nachdem er genug gesehen hatte, ging er vor das andere Gitter und blickte zu Delphor. Er schien auf dem Paladien deutlich distanzierter zu sein. „Und natürlich auch du, Delphor oder ist es hier in das Reich des Vergessens geraten?“ bei ihm war es schwerer in seine Augen zu blicken und ohne es wirklich zu wollen hörte sich Gelirion kurz arroganter und hochmütiger an als er wollte.[3]
Dann ging er wieder zurück neben Khoon und versuchte beide im Blick zu behalten. „Khoon und die Heiler haben in den drei Jahren mit euch gearbeitet und er ist der meinung, dass ihr beide genau das seit was ich suche.“ kurz machte er eine Pause „Ich suche Leute für einen Kampf. Keine Angst, kein Kanonenfutter sondern Leute die Seite an Seite mit mir und anderen Kämpfen. Für eine gute Sache und für euch beide sogar mit der Aussicht wieder Teil einer Gemeinschaft zu werden. Wärt ihr interessiert?“[4]
 1. Adelswissen auf den Namen  To'Kvaro: 19
 2. Motiv erkennen Darkin: 23
 3. Motiv erkennen Delphor: 13
 4.  Diplomatie Darkin: 28
Diplomatie Delphor: 15

Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #790 am: 07.12.2015, 01:39:20 »
Tatsächlich hatte Gelirion den Namen schon einmal gehört, jedoch nur in einem Nebensatz. Die Familie hatte vermutlich keine besonders große Bedeutung in der Stadt gespielt. Als der Paladin Darkin auf seine Taten ansprach, zuckte dieser zusammen, als hätte man ihn mit einer Peitsche geschlagen. Er sah zu Boden. "Ja, ich erinnere mich. Daran werde ich mich immer erinnern."

Delphor hingegen richtete sich auf. Er bemühte sich um eine stolze Haltung, sah Gelirion direkt in die Augen - was der Paladin dort sah, war allerdings kein Stolz, sondern Unsicherheit. Sein Blick flackerte hin und her, als er antwortete. "Was ich getan habe, wird immer ein Teil von mir sein."

Er sah zu Khoon, dann wieder zu Gelirion. "Feldrekrutierung, hm? Dann müsst ihr verzweifelt sein." Er ging direkt zu den Gitterstäben. "Erwartet nicht von mir, dass ich buckle. Ich bin dazu bereit, ja. Aber wenn ich mein Leben riskiere, für die Gemeinschaft, dann bin ich auch ein vollwertiger Teil von ihr. Kein Gefangener mehr. Meine Vergangenheit ist dann nur noch etwas für mich, und geht niemanden sonst etwas an."

Darkin gesellte sich schließlich zu ihm, zögerlicher. Er sah noch immer zu Boden, als er antwortete. "Ich bin auch dabei. Ohne irgendwelche Bedingungen."
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Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #791 am: 08.12.2015, 08:01:21 »
Angst beherrschte die Stimmung im Sanatorium. Alle hielten zusammen, arbeiteten gemeinsam an der Verteidigung ihrer Festung. Daran, jeden Lebenden in diesen Mauern zu schützen, selbst die Insassen trotz all ihrer schrecklichen Taten.

Es war vor allem Will, der es schaffte, immer wieder zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein, um den Leuten Mut zuzusprechen, sie aufzumuntern, sie zu stärken. Wann immer die beiden Mädchen, Mia und Kendra, von den sich sammelnden Untoten berichteten, indem sie von der Mauer herabriefen, wann immer der Bau einer Falle oder Barrikade nicht so klappte, wie es sollte, der Barde schien ein instinktives Gespür dafür zu haben, wann die Stimmung einbrach, und baute die Kameraden wieder auf.

Der Einzige, der von alledem nichts mitzubekommen schien, was der kleine Timeroth, der friedlich auf dem Boden spielte, während seine Mutter sich an den Aufbauarbeiten beteiligte. Ob er von den hungrigen Massen vor den Toren nichts mitbekam, oder es ihm egal war, war unmöglich zu sagen.

Esulilde sprach mit Mentaru, und tatsächlich hatte sie einige echte Durchbrüche: Der alte Mann erinnerte sich an einen Tunnel unterhalb des Innenhofs, der einsturzgefährdet war. Mit ein wenig Nachhelfen schaffte Schnüffler es, den Boden so zu präparieren, dass der Boden tatsächlich einstürzen würde, sobald ein gewisses Gewicht den Boden belastete. Das mit Stacheldraht versehene Gitter auf dem Boden war bereits eine gute Falle, um die Toten bewegungsunfähig zu machen, doch mit dem Tunnel dazu war es sogar eine hervorragende Falle.
Eine weitere wichtige Information war ein eingestürzter Geheimgang innerhalb des Gebäudes. Die Falle, die Schnüffler hier gebaut hatte, empfand er als sehr unzufrieden stellend, doch mit der neuen Information wurden die wie eine Reuse aufgebauten Holzplatten zu einer Einbahnstraße in einen Gang, der nach guten zehn Metern endete. Es wäre zwar nicht unmöglich, von dort wieder herauszukommen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich einige der geistlosen Untoten darin verfangen würden, war groß. Und nachdem sie gesiegt hatten, würden die Überlebenden sich immer noch um die dort gefangenen lebenden Leichen kümmern können.

Radjesha sowie Omrah und Ryffa bemühten sich darum, Fluchtwege vorzubereiten – nicht nur für die endgültige Flucht, sollten sie in der Verteidigung der Anlage scheitern, sondern auch für kurzzeitige Rückzüge, wenn sie einzelne Bereiche räumen mussten. Radjesha stelle jedoch bald fest, dass ihr Wissen über die Baukunst sich doch stark von dem unterschied, was hier im Sanatorium angewendet worden war, und obwohl sie die eine oder andere hilfreiche Information fand, wandte sie sich bald dem Bau von weiteren Fallen zu – allerdings auch eher mit mittelmäßigem Erfolg.

Omrah hingegen kam schnell in Fahrt. Er brauchte ein wenig, um sich einzudenken, orientierte sich zunächst an Radjeshas Vorgehensweise, fand jedoch bald heraus, dass seine eigenen Instinkte ein wesentlich besserer Ratgeber waren. Wo Schnüffler Holzplatten für eine Reuse benutzt hatte, nutzte er sie, um einen wichtigen Fluchtweg so zu schützen, dass die Toten nicht allzu schnell hinterher kommen würden. Wo Esulilde einen eingestürzten Geheimgang fand, um die Toten in die Falle zu locken, machte Omrah einen schmalen Spalt aus, durch den sich ein Mensch würde hindurchbewegen können, wenn auch mühsam, an dem ein unkoordinierter Untoter aber scheitern würde.

Schnüffler, Will, Arjen, Iana und Semerok, sie alle verbarrikadierten und bauten Fallen, Omrah und die anderen bereiteten Fluchtwege vor, Pläne wurden geschmiedet, Gelirion sprach mit den Insassen, Esulilde verteilte ihre wichtigen Informationen. Gemeinsam bereiteten sie das Sanatorium auf den schweren Angriff vor, der ihnen bevorstand.

„Sie sammeln sich immer mehr um die Schleuder!“ riefen Mia und Kendra von ihrem Wachposten herunter. „Es müssen inzwischen über Hundert sein!“
Nach einiger Zeit dann: „Die hier vorne am Graben wandern jetzt auch zur Schleuder! Aber… das ist komisch… sie bleiben ein gutes Stück davor stehen.“
Die beiden Mädchen fokussierten sich auf die Toten, die sich um die Schleuder sammelten, und versuchten, zu verstehen, was dort geschah, doch aus der Ferne konnten sie offenbar nicht mehr herausfinden. Wäre es vielleicht doch besser gewesen, anzugreifen? Hatte Omrah Unrecht gehabt? Sie würden es bald herausfinden…

Schließlich, die Gefährten hatten bereits über ein Dutzend Fallen und Barrikaden gebaut, schrie Mia vor Schreck auf. Sie zeigte in Richtung des Warwulfs. „Da sind noch mehr! Sie sind… sie sind aus dem Nichts gekommen!“ Es brauchte einen Moment und einige Nachfragen, bis die Situation klar wurde. Die Untoten von den Gräben waren nicht einfach stehen geblieben. Sie waren auf weitere Untote gestoßen, die offenbar unter einem Zauber gestanden hatten, der sie unsichtbar gemacht hatte. Es waren noch einmal über Hundert weitere Monstren.

Es war eine bösartige Falle: Wer auch immer zum Warwulf gegangen wäre, um die Kriegsmaschine auszuschalten, hätte sich noch in Sicherheit gewiegt, weit genug entfernt von den Untoten – und wäre von aus dem Nichts erscheinenden hungrigen Leichen angefallen worden, die nur auf ihn gewartet hätten.
Omrahs Vision hatte gestimmt. Wer auch immer das Katapult angegriffen hätte, wäre bei dem Versuch gestorben, und die restlichen Überlebenden hätten sich alleine verteidigen müssen. Aber hier, im Sanatorium, brauchten sie jeden Einzelnen aus der Gruppe, das wurde immer klarer.

Die Sonne stand bereits am frühen Abendhimmel, und sie alle waren erschöpft von der Arbeit, und zugleich unendlich angespannt, als Kendra den Ruf ausstieß, der alles einläuten sollte. „Es geht los! Da… da ist jemand an der Schleuder! Die Toten greifen ihn nicht an. Oh Götter, es fängt an!“

Dies war der Moment, an dem die beiden Mädchen ihren Wachposten verließen, und zu den anderen Überlebenden flüchteten, den Verteidigern des Sanatoriums. Sie waren keine Kämpferinnen, doch selbst in den hinteren Reihen, hinter den erfahrenen Verteidigern, begaben sie sich in Kampfposition, bereit, alles für die Verteidigung ihrer derzeitigen Heimat zu tun.

Was dann geschah, konnte man nur als vollen Erfolg für die Verteidiger werten. Ein ums andere Mal schoss der Warwulf. Die untoten Körper flogen über die Mauer, doch das war nicht alles: Wer auch immer ihr Feind war, hatte sich gut vorbereitet. Denn kurz vor dem Aufprall stoppte etwas den Flug der Toten, verhinderte ein ums andere Mal, dass die Kreaturen alleine durch den Aufprall selbst zerschmettert wurden. Nur einige wenige Male griff der Zauber zu spät.
Doch die Fallen und Barrikaden funktionierten. Die Untoten blieben in Holzpflöcken stecken, in Stacheldraht und Gängen, oder blieben, geistlos wie sie waren, vor einer simplen Mauer aus Holzplatten stehen und fanden nicht den Weg drumherum.

Es musste um die zwanzig Mal sein, dass die Kriegsmaschine feuerte, und jedes Mal hörten sie ein Geräusch, als würde eine gewaltige, angespannte Sehne plötzlich durchtrennt werden, gefolgt von Flattern und Sirren, gefolgt von Raunen, Ächzen und Stöhnen. Jedes Mal zuckten die Gefährten zusammen, und ein ums andere Mal griffen ihre Verteidigungsmaßnahmen.

Ganze fünf Mal schafften es die Untoten, durch die Barrikaden durchzubrechen. Dies waren die Momente, in denen die über das Sanatorium verteilten Kampfgruppen sich tatsächlich gegen die Angreifer direkt zur Wehr setzen mussten.

Hier geht es weiter!
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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #792 am: 11.12.2015, 18:09:57 »
Gelirion öffnete etwas mehr die Augen. Die Reaktionen der beiden waren teilweise erwartet. Wirklich überraschend war jedoch die Unsicherheit. Doch der Paladin glaubte in beiden Reaktionen an die Ehrlichkeit in ihnen. Als er die Augenlieder wieder sinken ließ, nickte er langsam. „Du sagtest, was du getan hast, wird immer ein Teil von dir sein. Gute Worte und auch dein Wunsch.“ das es in Wahrheit eine Bedingung war, überging Gelirion einfach. Schließlich hätte er jetzt auch einfach gehen können. „Ja ihr dürft als Teil der Gemeinschaft kämpfen. Mit den gleichen Rechten und Pflichten die jeder trägt. Nichts anderes würde ich erwarten.“ Kurz schwieg er „Das heißt auch, dass ihr frei entscheiden könnt, wer noch von eurer Vergangenheit erfährt oder nicht. Ich selbst werde euch nach euren jetzigen und zukünftigen Taten messen.“ Langsam gab er Khoon mit einem Nicken das Signal, dass er die beiden Brüder frei lassen konnte.

Nun gab es keine Zeit mehr zu verschwenden.

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