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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 82573 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #915 am: 08.04.2021, 10:28:30 »
Es gibt wenige Gelegenheiten, in denen Abdo sich wünscht, eine harte Metallwaffe in den Händen zu halten - dies ist einer davon. Wie sehr trachtet es ihn, den grausigen Kopf vor ihm mit einem Schwerthieb in zwei Hälften zu teilen. Stattdessen versucht er, langsam verzweifelt und voller Wut, das wild herumzuckende Gebilde mit Schlägen und Tritten zu erwischen - doch ohne Glück![1]
 1. 8 und 12 werden wohl beide nicht treffen.

Urian

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Der Weihort
« Antwort #916 am: 08.04.2021, 20:40:53 »
Gut, dass Abdo dem Zwergen gerade den Rücken zukehrte, als dieser endlich, mit einem einzigen, gewaltigen Hieb seiner Zwergenaxt, seinen Gegner in so viele Teile zerlegte, dass niemand dies würde nachzählen wollen – sicherlich würde man ihn sonst demnächst mit einer riesigen Axt durch die Gegend ziehen sehen! So aber hörte er es nur hinter sich Klirren, als der das Schwert des untoten Kriegers unbeschadet zu Boden fiel.[1]

Auch Kjartan ist nun heran und haut mit seinem (leider wesentlich kleinerem) Sax nach dem bissigen Kopf, und schlägt ihm eines der Ärmchen ab.

Tristans Zauberstimme erfüllt weiterhin, schaurig hallend, den Kellerraum. Freydis lehnt haltsuchend gegen die leuchtende Säule, noch immer vornübergebeugt und sich den Magen aus dem Leib würgend. Uther kommt auf Lîfs Zuruf ein paar verwirrte Schritte die Rampe hinab. Seine Hand liegt wohl am Knauf der Waffe, allwohl, sein Blick ist noch blinzelnd ungläubig.[2]

Runde 12 – Kampf 4: Das Herz der Finsternis

Der Kopf, obwohl schwer angeschlagen und durch das fehlende Ärmchen aus dem Gleichgewicht gebracht, schnappt weiter wild um sich. Fauchend stürzt er sich ausgerechnet auf Lîf, die am wenigsten Kampfstarke, doch geht all sein Beißen und Schnappen ins Leere.[3]
 
 1. Rogar greift Schwertarm an, trifft mit einer 25 für 10 Schaden. (Hatte beim Wurf den +1/+1 vergessen).
 2. Kjartan trifft mit einer 22 für 5 Schaden.
Tristan hält Gesang aufrecht.
 3. Angriff des Kopfes auf Lîf, an der miss chance gescheitert.

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #917 am: 08.04.2021, 21:12:44 »
Dieser gruselige Dämonenkopf bringt Aeryn doch mehr aus der Fassung als es ihr lieb ist. Besonders gut gezielt war ihr letzter Pfeil jedenfalls nicht. Und auch wenn sie sich erneut die Zeit zum Zielen nimmt[1], ist dieser Pfeil ebenfalls nicht gerade zielgenau[2]. Das muss auf jeden Fall besser werden. Immerhin hatte Rogar mehr Glück mit dem anderen Körperteil des Dämonen.
 1. Bewegung: Bullseye Shot
 2. Standard: Angriff 14, Schaden 7

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #918 am: 08.04.2021, 21:51:12 »
Was bleibt Lîf anderes übrig, als würgend und hustend weiter mit der Klinge in Richtung des Kopfes zu stechen - und so tut sie es, wenn auch nicht viel fehlt, dass sie sich mit dem Sax selbst aufschlitzt[1].
 1. Trefferwurf: eine göttliche 1! Dafür aber 4 Punkte (theoretischer) Schaden...

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #919 am: 08.04.2021, 22:58:06 »
Genug!
Was immer dieses Ding da vor ihm ist, es reicht einfach. Abdo bringt sich noch einmal in eine etwas bessere Position[1] und versucht die Kugel vor sich mit den Füßen in den Boden zu stampfen. Diesmal spürt er das befriedigende Gefühl, dass sein Fuß Vollkontakt mit dem Schädel hat und legt sämtliche Kraft hinein, um diesen hoffentlich zu brechen.[2]
 1. 5ft Step zur Seite, um mit Kjartan zu flanken
 2. Falls zum Treffen mehr als 17 notwendig ist: 8 Schaden. Falls 16 oder 17 notwendig ist: 16 Schaden. Falls 15 oder weniger notwendig ist: 25 Schaden.

Urian

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Der Weihort
« Antwort #920 am: 10.04.2021, 17:18:54 »
Bereits Abdos erster Tritt schickt den Kopf röchelnd zu Boden, sein zweiter zeigt, dass dieser sich nicht mehr regt, ein dritter bestätigt den vorigen Eindruck, ein vierter ist nötig, weil man bei diesem Vieh einfach nicht vorsichtig genug sein kann, und um ganz sicher zu gehen, stampft der Ya'Keheter danach noch eine ganze Weile auf dem Teil herum, bis er sich völlig sicher ist, dass wirklich nichts mehr übrig ist, was wiederaufstehen könnte.[1]

Und dann ist es plötzlich still im Raum, bis auf das Würgen der Berührten. Der einzige, der sich bewegt, ist Uther. Das verspritzte Blut und Gedärm wie auch die Gruppe komplett ignorierend, taumelt er schlafwandlerisch auf das Podest mit der Statue zu und die jämmerliche, daran gekettete Kreatur, einer Mumie ähnlicher als einem lebenden Mann. Für tot würde man ihn halten, wäre da nicht immer mal wieder das gequälte Gurgeln.
 1. Der Kopf hatte noch 2 hp – 25 Schaden sind da ein leichter overkill...

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #921 am: 11.04.2021, 13:19:16 »
Ursprünglich hat sich Rogar wohlfeile Widerworte zurechtgelegt auf das unverschämte Reden des Dämons in Tristan und hat gerade dessen Fesselung einleiten wollen, als zunächst Tristan widergekehrt und dann ein weiteres Dämonengebilde auf die Gruppe losgegangen ist. Sofort hat er das Seil fallengelassen und sich instinktiv auf den offensichtlicheren Gegner gestürzt. Wie schon seine Volksgenossen im vorgehalten haben - er ist einfach im Kampf Zuhause und nicht in seinem eigentlichen Beruf.

Ein wenig irritiert, dass ihn seine Verfassung nicht vor den Auswirkungen des geplatzten Dämons schützt, ist er schon. Nichtsdestotrotz ist er mit den Ergebnissen seiner Schläge wenigstens halbwegs zufrieden. Er beginnt, sich und seine Waffe mit dem Inhalt seines Wasserschlauches zu reinigen und sich umzusehen, um dann Uther zu bemerken. Mit einem leise gezischten Fluch lässt er von seiner Arbeit ab uns tritt dem Sohn des Hausherren in den Weg: "Herr, geduldet euch, bis wir alles hier gesichert haben!" Schlimmstenfalls würde er ihn festhalten. "Herr al'Mbadi, könnt ihr bitte weiter über 'Tristan' wachen? Der Rest könnte bitte nachschauen, ob noch mehr Überraschungen auf uns warten."

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #922 am: 11.04.2021, 13:55:30 »
"Jetzt bleiben sie hoffentlich still," bemerkt Aeryn. "Die haben nun wirklich genug Schaden angerichtet. Mehr als genug." Ihr Blick wandert wieder zu dem Fürsten, der irgendwo zwischen Tod und ewigem Leid gefangen ist, dann zu Freydis, der es auch nicht gut geht.

Schließlich wandern die Augen der Elbin zu Uther. Was sich wohl gerade in seinen Gedanken abspielt? Ob er immer noch an seinen Hirngespinsten festhält? Der "Fokus" ist jedenfalls noch am Leben und damit wohl auch die ihn benebelnde Magie, aber die finsere Zauberin, seine Frau, ist tot. Ebenso - hoffentlich - die Dämonenbrut. Wie würde er das alles hier in seiner Scheinwelt für sich erklären?

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #923 am: 11.04.2021, 15:04:00 »
Erschöpft taumelt Lîf zur nächstgelegenen Wand, um sich abzustützen. Während sie mit sichtlich angewiderter Miene ekelhafte Bestandteile ihres besiegten Gegners von Gesicht, Haaren und Kleidern entfernt, gehen ihre Blicke immer wieder in Richtung Tristan. Nachdem sie halbwegs wieder zu Atem gekommen ist - mit der Hoffnung, dass dies nun wirklich das allerletzte Aufbäumen war - macht sie sich denn auch sofort auf den Weg zu ihm. Doch noch während sie neben ihrem Mann niederkniet muss sie auch zu dem bedauernswerten Geschöpf schauen, auf das Uther sich zubewegt. "Die Große Mutter sei ihm gnädig..." flüstert sie heiser, ehe sie Tristan fragt: "Bist du es? Bist du es selbst, Liebster..?"

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #924 am: 12.04.2021, 11:13:29 »
Auch Abdo hat sich, nachdem er überzeugt davon ist, dass keine einzelne Gliedmaßen mehr übrig sind, die jetzt noch anfangen können, sie anzugreifen, wieder zu Tristan begeben. Da Kjartan ihn an das Gitter gefesselt hat, begnügt sich der Ya'Keheter jedoch darauf, ihn genau zu beobachten und sich für den Fall der Fälle bereitzuhalten.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #925 am: 14.04.2021, 18:10:09 »
"Ob ich es bin?" entgegnet Tristan. "Natürlich bin ich's. War ich denn je ein anderer? War ich nicht immer ich selbst...?"

Seine Stimme klingt keinesfalls verwirrt, sondern herausfordernd. Vielleicht ahnt er inzwischen, was geschehen ist, warum seine Hände gefesselt sind. Sein eigenes Weib wird er jedenfalls wohl kaum auf diese Weise herausfordern wollen.

"Selbst damals, als die Pfaffen versuchten, mich zu einem anderen zu machen – mich zum Verstummen zu bringen – blieb ich doch ich selbst. Kein Strafe gab es, die sie mir hätten androhen oder antun können, welche die Töne in mir hätten auslöschen können, ich musste singen, brauchte es zum Leben so sehr wie den Atem oder Speis' und Trank. Weißt du, was ich glaube?" Diese Erkenntnis scheint ihm tatsächlich gerade erst zu kommen, so verblüfft wirkt sein Stirnrunzeln. "Ich glaube, sie wussten damals, was wir waren. Ich glaube, die anderen waren alle wie ich. Deshalb das Schweigegebot. Deshalb die Strafen. Unsere Natur wollte man uns austreiben, unsere Gabe, unseren Zauber. Doch wir konnten nicht anders, als so zu sein, wie wir waren. Unsere Natur, sie wollte heraus... war stärker als alle Strafe und Predigt, alles Drohen und Zetern der Mönchlein und auch all ihre Versprechungen. Feenfluch, Feengabe, nenne es, wie du willst... es war stärker als alles..."

Tristans Blick, welcher sich in der Ferne verloren hat, kehrt zu seinem Weib zurück. "Ich verstehe es nicht. Du etwa? Warum sie uns so hassen. So fürchten. Der Mutter Kinder sind wir nicht weniger als sie... unser Zauber ist Gajas Zauber... Aber die Erdmutter hassen sie ja auch... Was war zuerst? Der Hass auf uns, weil wir Gaja näher sind, oder auf Gaja, weil sie uns gebiert? Und steckt dahinter Neid oder Machthunger oder beides?"

Zu Lîfs Verwunderung schmunzelt er plötzlich. "Glaubst du, der Prophet hatte wirklich was mit der Quelle? Ob es wohl Nachwuchs gab, das tät ich Ninae noch gern fragen..." Dann wird er wieder ernst. "Sie werden Hilfe brauchen. Wenn hier demnächst die Ordensritter einfallen... mir schaudert bei dem Gedanken. Uther und Bruder Meirik scheinen ja wenigstens auf ihrer Seite zu sein und die Heilerschwestern auch, nehme ich an, aber dennoch...Man will hoffen, der Fürstensohn reißt sich endlich mal zusammen und zeigt, dass er zum Fürsten taugt. Dass die Männer ihm folgen... aufs Meer hinaus, durch Sturm und Wetter, durch die endlose Ungewissheit und Tage ohne Hoffnung, einer Nussschale gleich auf schäumenden Wogen tanzend... zuletzt in die Schlacht und in den Tod..."

Gegen Ende wird seine Stimme immer leiser, verträumter. Sein Kopf sinkt in den Nacken zurück, bis er damit gegen das Gitter stößt. Erschöpft schließt Tristan die Augen.

~~~

Rogar erinnert sich an die Hilferufe, die er vorhin aus dem Keller dringen hörte, als Uther nach den Mägden rief[1]. Zwei Gänge gehen von der Halle ab, eine im Süden, die andere im Norden, beide vergittert, doch eine Tür im Gitter befindet sich nur in dem nördlichen Gang, genau dort, wo Tristan angebunden sitzt.

Noch stehen alle ratlos herum. Keiner scheint zu wissen, was als nächstes zu tun ist. Oder sie wissen es genau, aber scheuen die letztendliche Entscheidung, egal wie unumgänglich diese ist? Scheuen die Verantwortung, die Gewissenslast? Wollen nicht die ersten sein, die es zur Sprache bringen, noch weniger derjenige, der die Klinge führt, so sehr es auch eine Gnade wäre? Erlösung für alle Erkrankten im Heilerzelt, für alle Hungerkreaturen und sonstige Verfluchte, die vielleicht noch durch die Gegend streifen? Für deren nächstes Opfer?

Auch auf Rogars Anweisung reagiert so recht niemand.

Nur zwei bewegen sich über das stille Schlachtfeld: Lîf eilt zu ihrem Gatten, und Uther nähert sich langsam, aber unaufhaltsam – ohne Blick für andere Dinge – seinem Vater. Erst vor dem Podest bleibt er stehen, als wagte er die letzten drei Schritte dann doch nicht.

"Das meintet Ihr also...", murmelt er. "Trug... Halluzination... Fluch...! Nicht ihr wart verzaubert... ich war es..." Hinter seiner Miene – fassungslos, entsetzt, angewidert, hilflos – arbeitet es. "Seuche... ihr sprachet von einer Seuche... Ihr sagtet, ihr kenntet Euch damit aus... Ist er...? Könnt Ihr etwas für ihn tun...?"

Mit der letzten Frage wendet er sich nach Lîf um, deren Aufmerksamkeit jedoch ganz dem Gatten gilt. Daraufhin wandert Uthers Blick zu Merles Werkecke, wo seine Frau kurz zuvor noch Gerätschaft und Zutaten verräumt hat, und hält dort inne.

"Verzaubert", murmelt er. "Meine Schwester kann es nicht gewesen sein, ich habe Solveig seit zwei Wochen oder länger nicht mehr gesehen. Die Bachschwestern wären nicht fähig, sich so etwas auszudenken... viel zu kompliziert und was hätten sie davon? Dann muss also irgendjemand hier zaubern können, von dem ich es nicht ahnte, oder aber es bleibt nur noch... nur noch... aber wenn sie es war, dann ist auch hier die Frage: warum? Sie hasst mein Vater und hat einigen Grund dazu, ja, aber das hier...? Und warum mich derart blenden? Um mich zu schützen...? Aber was war ihr Plan...? Wie lange hätte das hier noch so weitergehen sollen...? Wie lange geht es schon... eine Woche, zehn Tage?" Und wie sollte es enden?

Er schüttelt den Kopf, als könne er so die Verwirrung abschütteln.

"Du hast versucht, es mir zu sagen", fährt er fort, abermals in Lîfs Richtung gewandt. "Du hast mich geradeheraus gefragt: 'Wünscht Ihr nicht, den Dingen ins Auge zu sehen, statt von liebevoller Hand gegängelt zu werden... von liebevoller Hand...'" Dann geht ein Ruck durch ihn. Er richtet sich auf. "Wo ist meine Frau? Ich will sie selbst befragen."
 1. s. hier

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #926 am: 14.04.2021, 18:59:44 »
"Merle ist tot."

Die Worte der Elbin dürften wohl genügen, um Uthers Aufmerksamkeit zu erhalten.

"Sie hat uns keine Wahl gelassen. Sie hat diese Dämonenbrut, deren Überreste hier noch überall herumliegen, in euer Heim gebracht, Uther. Es musste sein. Ich weiß nicht, ob ihr jetzt in der Lage seid, klar zu sehen, vielleicht ist mit ihrem Tod ein Teil des Zaubers gebrochen worden, der euch in einer Illusionswelt gefangenhielt. Was sie genau wollte, was ihre Beweggründe waren, das kann ich auch nicht genau sagen, aber sie wollte ihre Scheinwelt, in der Soren nur krank im Bett lag und ihr jeden Zweifel daran zerstreut, dass ihm etwas weit Schlimmeres zugestoßen sein könnte, wohl so lange bewahren, wie möglich."

"Euer Vater..." Jetzt wurde es doch etwas schwieriger, ihm zu erklären, was er dort vor sich sieht. Diese armselige Kreatur, nur noch ein Schatten seiner selbst. Aber erkannt hatte er ihn ja bereits.

"Euer Vater ist auch so gut wie tot. Dafür hat Merle mit ihrem Fluch gesorgt. Eigentlich wäre er es auch schon lange, wenn die Magie, die den Fluch nährt, ihn nicht am Leben halten würde. Ich verstehe selbst nicht viel von diesen Dingen, aber so wurde es mir erklärt. Ich fürchte, nur sein Tod kann diese Sache hier beenden und die Last von eurem Land und seinen Bewohnern nehmen. Seht ihn euch an. Was sonst könnten wir noch für ihn tun, als ihm diese Gnade erweisen."

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #927 am: 15.04.2021, 17:00:25 »
Tristans Verhalten und seine Worte scheinen Lîf ins Herz zu schneiden. Sie kniet neben ihm und lächelt ihn an, aber die Lippen zucken doch verdächtig, und ihre Augen schimmern feucht. "Stärker als alles andere... Große Mutter, gib, dass es so ist" murmelt sie mit heiserer Stimme, während sie ihren Mann nicht aus den Augen lässt, ständig auf leise Nuancen in seiner Stimme horcht, auf ein Aufblitzen in den Augen lauert, irgendein Anzeichen, ob sich da etwas anderes über seine Lippen artikuliert als er selbst.

Mehrmals setzt sie zu sprechen an, kann sich aber wohl nicht durchringen, Tristan zu unterbrechen, so weit seine Gedanken offenbar auch abschweifen. Eines leisen Schauers kann sie sich aber nicht erwehren, kennt sie doch Momente wie diesen, wenn einer spricht, als sähen seine Augen eine andere Welt, wie von weit weg... Als er schließlich vor Erschöpfung verstummt, sucht sie seinen Kopf zu stützen, kramt in den Taschen ihrer Kräutersammlerinnenschürze nach Blättern mit belebender Wirkung. "Geh nicht weg..." stößt sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, wobei nicht ganz klar wird, welche Art von Weggang sie damit meint.

Dennoch muss es ihr sehr wichtig sein, denn sie widmet sich ganz Tristan und schaut erst auf, als Uther sie zum zweiten Mal direkt anspricht. "Ja, das war, was ich Euch zu sagen versuchte" bestätigt sie schlicht, leise Trauer in ihrer Stimme. Sie würde dem armen Mann wohl gern Trost spenden, hätte sie nicht zum einen selbst alle Hände voll mit ihrem Mann zu tun und wüsste sie zum anderen einen Weg, ihm den Schmerz zu ersparen, der wohl unvermeidlich ist - denn zu Aeryns Worten kann sie nach einem langsamen Ausatmen, nach dem Abklingen einer gewissen Anspannung, ebenfalls nur nicken. Lediglich einen Einwurf macht sie: "Freydis sagte uns, dass die Blendung Eurer Sinne nicht ohne weiteres von so langer Wirkung sein könnte. Sie muss erst vor kurzem geschehen sein, vielleicht sogar heute."

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #928 am: 19.04.2021, 21:19:55 »
Uthers Miene zeigt bei Aeryns Worten keinerlei Regung. Sie kann sich nicht einmal sicher sein, dass er sie gehört hat. Immer noch murmelt er vor sich hin. "Aber warum...? Was kann ihr Zweck gewesen sein...? Nein, aber wieso... das Gegenteil könnte ich verstehen... den Abt töten... das könnte ich verstehen... Vater töten... das auch... aber das müsste jeder Pflicht genügt haben... wo soll in dieser Situation der Nutzen gelegen haben...?"

Seinen Vater sieht er während seiner ganzen Rede nicht an. Stattdessen irrt sein Blick suchend über das Schlachtfeld. "Hat sie Euch verraten, worum es ihr ging?" wendet er sich an Aeryn. "Wo ist denn ihre Leiche?" Er geht ein paar Schritte in Richtung der Werkecke. Eine Handvoll Pergamente liegt dort auf dem Tisch, ein dünnes Schreibheft, ein Tintenfass. "Kann jemand von Euch lesen?"

Auch Tristan murmelt jetzt mehr bei sich als zu seiner Frau. Lîf muss sich vorbeugen, um seine Worte zu verstehen. "Du er stærk, Lîf, mit hjerte. Du kan gøre det ... du kan gøre, hvad der skal gøres ..."[1]

Freydis richtet sich langsam auf. Ein letztes Würgen, mehr ein Glucksen, dann klatscht sie sich aus der holen Hand Wasser ins Gesicht und spült sich gurgelnd den Mund aus.[2] Ein Rundumblick verschafft ihr Übersicht über die Lage. Lîf ist mit Tristan befasst, Aeryn mit Uther, aber Abdo und Rogar stehen unschlüssig herum. Sie winkt die beiden heran. "Mir war da vorher noch was eingefallen", erklärt sie ihnen, "von einem ähnlichen Fall. Harald Zwartjod, einer meiner Ahnen, besser bekannt als Harald der Unverzagte, Schutzpatron aller Suchenden. Allerdings weiß ich nicht, ob ich die Geschichte erzählen soll. Ich wüsst' nicht, wie sie uns mit Tristan helfen könnte. Harald hat nie gefunden, was er suchte, und hat darüber zum Schluss gänzlich den Verstand verloren, weshalb man seine Geschichte auch nicht gerne erzählt... Jedenfalls ist er der einzige Fall, von dem ich je gehört habe, dass einer von einem Dämon besessen wurde und wieder freikam..."

Misstrauisch zieht sie sich noch ein wenig weiter von Tristan zurück, bis fast an die gegenüberliegende Seite des Raumes.
 1. Värangsk: "Du bist stark genug, Lîf, mein Herz. Du kannst es tun... Tun, was getan werden muss..."
 2. Prestidigitation

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #929 am: 21.04.2021, 00:48:52 »
Plötzlich kehrt wieder Leben in Abdos Augen zurück. "Sprich, was ist mit ihm geschehen?"
All das, dieser Sieg, wenn man ihn so nennen kann, schmeckt schal in seinem Mund. Nichts haben sie wirklich gewonnen, nur vielleicht das Schlimmste verhindert. Was mit Uthers Vater - denn das, so versteht er Aeryn, scheint das dürre Wesen wohl tatsächlich zu sein - los ist, übersteigt sein Verständnis. Offenbar war er dafür verantwortlich, was hier geschehen ist, wenn auch nicht freiwillig. Ob er zu retten ist oder man ihm den Gnadenstoß verpassen sollte, müssen andere entscheiden.

Doch Tristans Schicksal, das ist womöglich etwas, das er selbst noch beeinflussen kann. Seit der Shetani ihn hat sprechen lassen, scheint Tristan die Kontrolle über sich selbst und seinen Körper zu haben. Doch ist das von Dauer? Die Verschlagenheit der Shetani lässt ihn daran zweifeln. Oder war der Dämon in das Monster übergegangen, das sie gerade bekämpft haben?

Mit weit aufgerissenen Augen starrt er Freydis an und wartet auf weitere Erklärungen.

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