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Autor Thema: [IC] Kapitel 1: Geraubtes Land  (Gelesen 34227 mal)

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Calxu

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #420 am: 30.08.2021, 18:25:37 »
Die Nackenwirbel von Alu knacken, als er aus den Gedanken gerissen wird und seinen Kopf wieder ins Lot bringt. Er bekommt noch gerade bewusst einen Teil von Miloslavs Worten mit, und ist voller Respekt. Das war mehr als gut gedacht. Diese Flatternfeen, die auch vor Totschlag nicht zurückschrecken, die möchte auch er ungern als Feind haben. Irgendwie traute er den Feen zu, ihren Fieslingen des Nachts blauen Eisenhut in den Mund zu werfen.

Rauch ausschnaubend verdrängte er den schrecklichen Nachtgedanken und wendete sich Katharina zu. „Mit Erlaubnis der Feen, sollten wir noch das Waldgebiet vor uns erkunden. Also ihr Heim sozusagen. Dann können wir sicher weiter zum potenziellen Ort des Tempels ziehen. Ansonsten interessiert auch mich dieser Fallensteller. Mich würde interessieren ob er einen silbernen Hirsch trägt oder andere Signaturen, welche auf die Nachbarländer oder irgendeine Religion hinweisen.“ behäbig rappelte er sich von seinem Sitzplatz auf.

Dungeon Master

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #421 am: 01.09.2021, 19:47:56 »
Perlivash schüttelte energisch den Kopf, nachdem Milo fertiggesprochen hatte.

"Nein, nein. Ihr seid nicht fies. Das weiß ich. Ihr habt die Großlinge an der Furt vertrieben. Naja, Du warst da nicht dabei und der da auch nicht, aber die anderen."

"Der da", also Jhod, sagte dann: "Ich bin schon ziemlich lange unterwegs, ein paar Tage machen mir sicher nichts aus. Und ich bin ja hier, sozusagen, euer Gast. Natürlich würde ich es begrüßen, möglichst bald zum Tempel zu kommen, aber nach dem was wir gehört haben, ist er ja schon mindestens Jahrzehnte, eher sogar Jahrhunderte hier. Da machen ein paar Tage sicherlich nichts aus. Außerdem mag ich die Natur. Was den Fallensteller angeht, wenn wir da nicht schon zu spät sind, und die Natur ihn sich bereits geholt hat, kann ich euch gerne auch dahin begleiten, um dem Mann zumindest ein würdiges Grab zu verschaffen. Auch wenn er vielleicht ein böser Mensch war, ich nehme jedenfalls einfach mal an, dass er ein Mensch war, kann man das ja dennoch für ihn tun."

Als Calxu von dem silbernen Hirsch sprach musste Perlivash laut lachen. "Hahaha! Nein, einen Hirsch hätte ich sicher gesehen, den hatte er bestimmt nicht dabei. Und dann auch noch ein silbernes Fell?"

Tian Eld

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #422 am: 02.09.2021, 09:00:30 »
Tian schluckte den letzten Rest hinunter und blickte an den Baumwipfeln vorbei zum Himmel. Sie hätten wohl noch einige Stunden Tageslicht übrig. "Bevor wir uns zur Ruine aufmachen, würde ich mich hier gerne noch ein bisschen umsehen. Dann können wir unsere Karte weiterzeichnen und lernen diesen Flecken richtig kennen."

Der junge Mann packte seine Habseligkeiten zusammen. "Habt ihr den Bären in letzter Zeit gesehen?" Vielleicht wüssten Perlivash und Tut etwas über den Wächter der Ruine. Vielleicht konnte man sich friedlich mit dem pelzigen Riesen einigen. Tian schulterte seine Tasche, sah sich nach den Feen um und zeigte seine Bereitschft, diesem Waldstück seine Geheimnisse zu entlocken.

Dungeon Master

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #423 am: 02.09.2021, 09:40:00 »
"Nein, ist schon einige Zeit her. Mindestens ein paar Wochen. Der versteht auch absolut keinen Spaß," antwortete Perlivash auf die Frage des Druiden. "Der kann ruhig in seiner Höhle bleiben."

Tian Eld

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #424 am: 02.09.2021, 22:38:33 »
"Na dann, lasst uns aufbrechen. Vielleicht wollt ihr beiden, Perlivash und Tut, uns noch ein Stück begleiten?" Hier gab es vielleicht noch einiges zu entdecken und einen angenehmen Lagerplatz galt es auch zu finden, bevor sie endgültig weiterzogen.

Tian spähte zum Rand der Lichtung. Der junge Druide war wie immer auf der Suche nach Essbarem, nach Kräutern, Gewürz oder süßen Beeren. Zu jagen schien ihm in diesem Teil des Waldes nicht richtig. Und obwohl er seinem Freund gerne eine Freude gemacht hätte, würde Calxu wohl noch ein kleines Weilchen am Trockenfleisch herumknabbern müssen.

Der Rotschopf bemühte sich um Geduld, denn er hatte lernen müssen, dass manchen das Nachgrübeln deutlich mehr lag, als das Tun. Aber sie würden es gewiss noch heute schaffen aufzubrechen, vielleicht sogar in der nächsten Stunde. Inzwischen sprach er den Neuen interessiert an. "Sag mal, Milo, gibt es in deiner Heimat denn dichte Wälder, so wie hier? Und auch Feen?" Ganz anders als hier, hatte der Reisende gesagt. Wie es dort wohl aussah? "Und wie meintest du das mit deinem Freund? Gehört der auch zum Feenreich?"
« Letzte Änderung: 02.09.2021, 22:39:11 von Tian Eld »

Victor Yevgenov

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #425 am: 03.09.2021, 00:31:13 »
Aufbrechen. Ja, das war es, was auch Victor wollte. Es war ja ganz schön, mit den putzigen Feen zu sprechen (wobei die Putzigkeit doch relativiert wurde durch die Art und Weise, wie Perlivash sich des Fallenstellers entledigt hatte), doch sie kamen hier nicht wirklich weiter und hatten eigentlich ein anderes Ziel. Der Gedanke, nun noch einige Zeit ziellos im Wald herumzustreifen, gefiel ihm zwar auch nicht besonders, aber zumindest - darin hatte Tian recht - konnte er die Karte verfeinern, und vielleicht auch eine Art von Grenze um das Feengebiet einzeichnen.

Miloslav beeindruckte auch ihn; wer konnte schon wissen, wie so ein kleiner Drache dachte - da konnte es nicht schaden, bereits vorab ein paar Dinge klarzustellen.

Ansonsten konnte er es kaum abwarten, endlich ihren aktuellen Auftrag zu erfüllen; die Ruine würde hoffentlich interessanter werden als der Wald hier, und vor allem dem Zustand des Lagers, wenn sie wieder zurückkehren würden, blickte er gespannt entgegen. Würden weitere Abenteurer angekommen sein? Hatte Oleg womöglich sogar bereits mit Erweiterungen begonnen? Wie benahmen sich die beiden Banditen? Hatten sie Neuigkeiten vom Hirschkönig?

"Miloslav," fiel ihm nun ihr neuer Begleiter ein, "gab es vor deiner Abreise aus Olegs Posten irgendwelche Neuigkeiten? Vielleicht andere Neuankömmlinge? Oder irgendetwas, was dort passiert ist?"


Katharina

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #426 am: 03.09.2021, 08:42:56 »
"Nun denn, dann sollten wir den restlichen Tag noch nutzen und uns ein wenig umsehen und die Gegend erkunden. Dabei kann es ja nicht schaden wenn wir uns so allmählich in Richtung des Tempel begeben. Vielleicht wollt Ihr zwei uns ja auch noch ein wenig des Weges begleiten", meint Katharina mit einem fröhlichen Lächeln während sie ihre letzten paar Sachen zusammen packt und die beiden Feen aufmunternd ansieht

Miloslav Illjitsch

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #427 am: 04.09.2021, 16:22:29 »
"Neuigkeiten", antwortete Milo auf Victors Frage. "Nein, da wäre mir nichts bewusst. Ich habe mich auch gar nicht lange bei Oleg aufgehalten und all meine Erkundigungen galten euch." Er dachte noch einmal kurz nach, ob er beim Mahl in der Gaststube irgendwelche interessanten Gesprächsthemen an Nachbartischen überhört habe.[1]

Kurz darauf sprach Tian ihn an. "Dichte Wälder?" echote Milo verwirrt. "Äh..."

Er hatte seine Heimat doch ausgiebigst beschrieben, gleich am ersten Tag. Doch nicht umsonst hatte Milo zwei Jahre lang an der Universität von Sothis unterrichtet; Leute, deren Gedächtnis einem Sieb glich, war er gewohnt. Und so erzählte er ungerührt, in einem besonders geduldigen Ton und etwas langsamer, als er normalerweise sprach, alles noch einmal von vorn, darin eingestreut eine Handvoll neuer Wissensbrocken für diejenigen unter seinen Zuhörern, die beim ersten Mal aufgepasst hatten.

"Osirion ist nahezu eine einzige Wüste. Nur entlang der beiden großen Flüsse, an der Küste und in den etwa drei dutzend Oasen gibt es Bäume und Sträucher, aber niemals so dicht wie hier. Sandstürme sind eine ständige Bedrohung, wenn man außerhalb der Siedlungen unterwegs ist. Überall im Sand oder Geröll können Schlangen oder Skorpione lauern, welche sich auch gerne im Gepäck verstecken, wenn dieses einige Zeit auf dem Boden lag. Bisweilen wacht man auch morgens auf und stellt fest, dass über Nacht – es wird sehr kalt des nachts – eine Schlange unter die eigene Decke geschlüpft ist und sich dort ein kuscheliges Nest eingerichtet hat, aus welchem sie nur höchst ungern vertrieben wird! Dann gibt es, wenn auch viel seltener, riesige Skorpione, manns- bis doppeltmannsgroß. Und die Flüsse sind voller Krokodile! Dann gibt es noch Spinnen, die sind auch nicht zu verharmlosen, denn viele Arten davon sind giftig... Ungefährlich, aber faszinierend sind die Sandfische: Echsen, die tatsächlich fast wie Fische anmuten und durch den Sand schwimmen wie Fische durchs Wasser..."

Er unterbricht sich, als sein Ton zu schwärmerisch wird, als zu viel Heimweh in seiner Stimme mitschwingt.

"Und wenn du mit Freund Nubnefer meinst, das ist mehr so etwas wie mein Mentor."

Milo zögerte. Bislang hatte er noch niemandem, nicht einmal dem Vater, von seinen neu erworbenen Fähigkeiten erzählt, und erst recht nicht, auf welche Weise er sie erwirbt. Aber früher oder später würden seine neuen Gefährten ihn zaubern sehen und ihre Schlüsse daraus ziehen und da wäre es vermutlich besser, sie darauf vorzubereiten, damit es keine Missverständnisse gäbe, oder Vorwürfe, er habe anrüchige Geheimnisse.

"Nubnefer Amenemhet Efni Senaaib Sahathor Amenophis hotep-Re lautet sein voller Name, mitsamt des Titels, und man sollte tunlichst darauf achten, ihn stets mit vollem Namen und Titel anzusprechen. Ein Feenwesen ist er nicht, aber wie diese von einer Art, an deren Existenz ein Mensch erst glauben kann, wenn er ein Exemplar mit eigenen Augen sieht. Ich sagte doch, dass ich mich ein wenig auf Magie verstehe? Nun, das habe ich ihm zu verdanken. Er hat es auf sich genommen, mich darin und in vielen anderen Dingen zu unterweisen. Anführer einer Gilde der Kartographen, Landvermesser und Geologen ist er und außerdem ein Pascha, so der osirische Titel, welcher sich am ehesten mit der Stellung und Amteswürde vergleichen lässt, die ein hotep-Re in der Gesellschaft der Shaitan einnimmt."

Voller Sorge, wie diese Offenbarung wohl aufgenommen würde, blickte er in die Runde.
 1. Ich weiß nur, was in Milos Einführungspost stand. Victors Frage könnte also höchstens der DM beantworten.
« Letzte Änderung: 07.09.2021, 11:41:20 von Miloslav Illjitsch »

Dungeon Master

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #428 am: 06.09.2021, 19:38:46 »
Milo fiel tatsächlich nichts ein, was man irgendwie als besonders genug ansehen könnte, was im Handelsposten während seiner kurzen Anwesenheit geschehen war. Er könnte das gute Essen loben, was er dort am Abend seiner Ankunft erhalten hatte, natürlich ganz anders als in Osirion, aber das wussten die anderen sicherlich bereits. Also, dass Svetlana eine gute Köchin war. Einen halben Tag hatte er dort bislang nur verbracht, und die meiste Zeit davon geschlafen, das hätte schon ein großer Zufall sein müssen, wenn es in der Zeit besondere Neuigkeiten gegeben hätte. Von anderen Neuankömmlingen wusste er auch nichts. Natürlich konnte er auch nicht wirklich sagen, wer von den Anwesenden im Handelsposten neu oder schon länger dort war, bis auf ein paar offensichtliche Annahmen, wie z.B. den Herrn Oleg nach dem der Handelsposten benannt war und seine Frau Svetlana.

Perlivash und Tyg waren gerne bereit den Abenteurern die Gegend in der Nähe ihrer Wohnstätte genauer zu zeigen. Das würde wohl ein, zwei Tage dauern, aber dieser Teil des Waldes war absolut sicher, so versicherten es ihnen die beiden Feen.

Den Erklärungen Miloslavs hörte vor allem der kleine Feendrache gespannt zu. Er versuchte den Namen Nubnefers ein paar Mal nachzusprechen, was ihm mehr schlecht als recht gelang und dann ein etwas verlegenes Lächeln hervorbrachte, während Tyg vor allem leise vor sich hin kicherte. Das alles war wohl schrecklich amüsant für sie.

Jhod hörte auch interessiert zu, Osirion kannte er selbst nur vom Hörensagen her, aber der Erastilpriester wartete ansonsten wie zumeist einfach geduldig ab.

Miloslav Illjitsch

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #429 am: 08.09.2021, 12:37:31 »
"Das klingt doch schon ganz gut", lobte Milo den kleinen Drachen. "Überhaupt, wenn sich einer so redlich bemüht wie du, dann wird Nubnefer das wohl anerkennen. Nur die frechen Burschen, die es gar nicht erst versuchen, denen bringt er gern Manieren bei." Dann grinste und zwinkerte er, damit letzteres nicht etwa wie eine Drohung klang.

Ob Nubnefer wohl gerade zuhörte? Milo wagte es nicht nachzusehen, ob ihm aus dem großen Sonnenstein seines Amulettes ein Auge entgegenblickte – und er war sich auch gar nicht sicher, ob dies wirklich ein verlässlicher Indikator war in dem Sinne, dass er sich in Abwesenheit des spähendes Auges tatsächlich unbeobachtet und unbelauscht wähnen durfte. Überhaupt wusste er noch nicht viel über seinen Mentor und dessen Arbeitsweise, Mächte oder Ziele, noch wie er ihn kontaktieren sollte, wenn es einmal dringend war. (Für weniger dringliche Fälle gab es in ihrem Studierzimmer eine Schale, darin konnte Milo Briefchen hinterlegen, mit denen Nubnefer sich dann zu gegebener Zeit befasste. Nun ja, er war eben kein Dschinn. Hast und Eile waren sein Ding nicht.)

Anders als die beiden Feenwesen schien der Rest der Gruppe sich schwer damit zu tun, Milos Offenbarung zu verdauen. Ihm kam der Gedanke, dass sie womöglich gar nicht wussten, was ein Shaitan war. Auch Dschinne waren hierzulande vielleicht gar nicht bekannt oder verbreitet.

"Shaitan, das ist einer der Dschinne, die ich bereits erwähnte", erklärte er daher. "Die sind bei uns in Osirion und den Nachbarländern recht verbreitet. Also zumindest bevölkern sie unsere Geschichte und unsere Sagen in großer Zahl, auch wenn es heute sicherlich nur höchst selten vorkommt, dass man einen leibhaftigen Dschinn zu Gesicht bekommt. Also strenggenommen heißen sie Genii, oder Genien, und wer da jetzt sogleich an genii loci denkt, liegt ganz richtig. Es handelt sich um ortsgebundene, oder besser territoriale Elementargeister. Dschinne, im strengen Sinne, sind jene, die sich dem Element der Luft verbunden fühlen, Ifrit dem Feuer, Mariden dem Wasser, und Shaitani der Erde. Somit leuchtet auch sofort ein, dass ein Archäologe sich einen Shaitan als Lehrmeister sucht, und umgekehrt dieser einen Archäologen als Lehrling. Das Erdreich mit all seinen vergrabenen Geheimnissen ist das verbindene Element. Und bei einer Grabung haben Nubnefer und ich uns dann auch getroffen. Die Ruine war instabil... ein leichtes Beben erschütterte den Boden... alles stürzte auf mich herab... Nubnefer hat mir damals das Leben gerettet."

Ach, verflixt, da hatte Milo sich so bemüht, das Verhältnis zu seinem Mentor so normal und unspannend wie möglich klingen zu lassen, da rutschte ihm das jetzt zum Schluss heraus. Die Sache mit der Lebensrettung klang, wie Milo sie so aussprach, dummerweise allzu sehr danach, als stünde er auf immer in Nubnefers Pflicht und Schuld – was dieser sicherlich auch so sah, aber das musste man ja nicht jeder neuen Bekanntschaft auf die Nase binden. Also schnell so gut als möglich relativieren!

"Dafür habe ich etwas für ihn wiedergefunden, das er vor über dreitausend Jahren verloren hatte! Da war er auch sehr glücklich darüber. Auf einem derart guten Fuß startet nicht jede neue Bekanntschaft!"
« Letzte Änderung: 08.09.2021, 12:48:51 von Miloslav Illjitsch »

Katharina

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #430 am: 08.09.2021, 14:24:34 »
Katharina muss erst einen Moment über die Worte von Milo nachdenken, und tatsächlich versteht sie erst bei der zweiten Erklärung was er da gerade versucht zu erklären. "Ich Glaube zu verstehen was du da gerade erzählst. Ich habe schon in dem ein oder anderen Buch darüber gelesen, und auch schon so manch eine Erzählung darüber gehört. Ich kenne es unter der Kunst der Hexenmeister. Diese Magiewirker gehen ein Bündnis mit einem Wesen einer anderen Existenzebene ein und geifern auf deren Mächte zurück um in der hiesigen Welt die magischen Fäden zu einem Zauber zu verbinden. Das klingt fast so wie das was du uns gerade erzählst. Oder irre ich mich hier und du hast uns versucht doch etwas völlig anderes zu erklären?"

Miloslav Illjitsch

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #431 am: 08.09.2021, 15:34:47 »
"Hexenmeister? Also, äh... nein!" wies Milo alarmiert zurück. Hexen waren in den Märchen seiner Kindheit immer zwielichtige, rachsüchtige Gestalten gewesen, die brave Leute oder deren Vieh oder ganze Dörfer verfluchten, bis der strahlende Held schlussendlich ihrem bösen Treiben ein blutiges Ende setzte.

"Weder bin ich ein Meister noch habe ich etwas mit Hexen zu tun. Sahir nennt man bei uns in Osirion, was ich bin, oder Sahirat im Falle einer weiblichen Person. Das würde ich am ehesten mit Zauberer und Zauberin übersetzen wollen[1]. Und mein Ziel bei der Sache ist vor allem, ein wenig wehrhafter zu werden, um nicht länger vor jedem Wüstenräuber oder Riesenskorpion davonlaufen zu müssen. Zum Beispiel lehrt Nubnefer mich auch im Umgang mit dem Säbel."

Diese Behauptung schien ihm auf einigen Unglauben zu stoßen, oder bildete er sich nur ein, dass in den Gesichtern seiner Begleiter sich zweifelnde Augenbrauen hoben? Dass gar Blicke an ihm auf- und abglitten, welche notwendigerweise bemerken müssen, dass er zwar zwei Dolche im Gürtel stecken hatte, aber keinen Säbel? Dafür gab es zwar eine gute Erklärung, aber...

"Äh, ja, ich will gerne zugeben, dass hier der Erfolg noch auf sich warten lässt. Auf die Ferne hingegen, soviel schäme ich mich nicht zu behaupten, werde ich euch bereits wacker unterstützen können, sollten wir in ein Scharmützel geraten."
 1. Hexenmeister als Übersetzung für warlock finde ich unschön und unpassend. Da warlock in einem deutschen Text natürlich auch blöd klingt, wäre mir Sahir (m) bzw. Sahirat (w) als "Übersetzung" am liebsten - eine eher neutrale (osirische) Bezeichnung für Zauberer bzw. Zauberin.
« Letzte Änderung: 08.09.2021, 15:55:02 von Miloslav Illjitsch »

Dungeon Master

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« Antwort #432 am: 08.09.2021, 16:04:12 »
Der Wanderer legte dem Mann aus Osirion eine Hand auf die Schulter, die Geste wirkte in sich eher beruhigend, auch wenn die schiere Größe und Körperkraft des Goliaths sicherlich auch einschüchternd wirken konnte.

"Ich werde im Kampf vor Dir stehen und Dich beschützen. So wie die anderen auch."


Jhod nickte. "Vielleicht werden wir schon bald die Gelegenheit dazu haben. Wenn ich meine Vision richtig deute, dann wird dieser Bär kaum einfach zu besänftigen sein. Ich hatte tatsächlich den Eindruck, dass man ihn besiegen müsse, um ans Ziel zu kommen."

Victor Yevgenov

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #433 am: 10.09.2021, 00:03:28 »
Victor wusste nicht so recht, was er von Miloslav halten sollte. Der Mann erzählte viel und durchaus unterhaltsam, doch letztlich erschienen ihm die meisten der Geschichten reine Räuberpistolen zu sein. Allein schon die Beschreibung seiner Heimat musste offensichtlich auf reiner Fantasie beruhen: Wer würde schon freiwillig in einem solchen Land leben? Und von was sollte man leben, wenn es überall nur Sand gab? Abgesehen natürlich von den Tieren, die allesamt giftig oder anderweitig tödlich zu sein schienen.
Nein, Victor war sich sicher, dass ein Land, dass derartige Bedrohungen bereithielt, schon vor langer Zeit von jedem halbwegs intelligenten Menschen verlassen worden wäre. Aber sicherlich brachte es Miloslav die Bewunderung der weiblichen (und mancher männlichen) Zuhörerschaft ein, dass er es tapfer in solcher Umgebung ausgehalten hatte.

Victor, dem ein wenig Aufschneiderei nicht fremd war, wenn es den eigenen Zwecken dienlich war, beschloss, auf die Räuberpistole einzugehen und angemessen zu reagieren, indem er immer wieder an den richtigen Stellen deutliche Seufzer, "Ach"s und "Ooh"s einfließen ließ - durchaus so, dass sein Gegenüber merken dürfte, dass er ihn für nicht ganz voll nahm.

Dem ganzen die Krone auf setzte jedoch die Geschichte von diesem mysteriösen Nubnefer. Es schien tatsächlich, als würde ihr neuer Gefährte glauben, ihm folge ein unsichtbarer Geist, der gleichzeitig sein Lehrer war. Natürlich hatte Victor von Magie gehört und auch selbst welche erlebt, aber das erschien ihm dann doch ein wenig absurd.

Dass das Thema schließlich zu für ihn greifbareren Dingen wechselte, kam Victor durchaus zupass.
"Bisher haben wir uns ganz gut geschlagen im Kampf, wenn auch so ein Bär durchaus ein anderes Kaliber sein kann. Mit einer Riesenspinne durften wir es aber bereits aufnehmen, also hoffe ich das Beste. Solange du hinter Gulyre stehst, wenn der Bär angreift, wirst du sowieso kein Problem haben - an Gulyre ist viel mehr gutes Muskelfleisch, was will er schon mit einem von uns Hänflingen anfangen?"

Miloslav Illjitsch

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #434 am: 10.09.2021, 10:02:00 »
Die Anrede durch den stillen Riesen kam so unerwartet, dass Milo erst einmal nichts rechtes zu erwidern wusste. "Äh... Ähm... Ja, also... danke! Und ich... äh... halt dir den Rücken frei."

Diese Worte klangen in seinen eigenen Ohren prahlerisch. Dabei hatte er auf der langen Reise von Osirion nach Brevoy duchaus schon manch brenzlige Situation gemeistert und seine jeweiligen Reisegefährten bei der Abwehr von Räubern und derlei Gefahren unterstützt. Er wusste, dass vor allem sein Eldritchgeschoss bei Gegnern wie Gefährten einigen Eindruck machte: der Donnerknall, die rohe Gewalt, ringsum der aufgepeitschte Staub... und natürlich der Gegner selbst, welcher danach aussah, als habe eine Faust mindestens doppelt so groß wie die des Goliaths ihn großzügig bearbeitet...

Seine Erklärung jedenfalls hatte ihren Zweck verfehlt. Vielleicht hätte er seinen Worten doch eine Demonstration folgen lassen sollen. Ach, aber er hatte sich zu große Sorge gemacht, seine jetzigen Gefährten könnten ihn für einen gefährlichen Hexer oder Paktierer halten! (Und das war er keinesfalls! Ein Vertrag ist schließlich etwas ganz anderes als ein Pakt, und Nubnefer auch keine Kreatur aus Hölle oder Abyss, sondern ein Gelehrter wie Milo, ein Gildenmeister... sein Lehrmeister eben, was könnte natürlicher sein?) Der Erfolg der herabspielenden Rede war nun aber, dass ihn niemand auch nur im geringsten ernst zu nehmen schien. Das wurmte ihn. Hatte ihn schon immer gewurmt, als kleiner Junge schon... Victor schien ja sogar die Beschreibung seines Heimatlandes für eine plumpe Übertreibung zu halten, den theatralischen Achs und Ohs nach zu schließen!

"Geht dir das auch manchmal so", wandte er sich unter vorgehaltener Hand an Perlivash, "dass du unterschätzt wirst und niemand dir recht was zutraut, bloß weil du, wie ich, klein und bunt bist?" Der folgende Seufzer kam von Herzen.

Katharina immerhin kannte sich in magischen Dingen offenbar aus, konnte also mehr als bloß singen und musizieren. Dazu schien sie weder leicht zu beeindrucken noch sich sonderlich darum zu kümmern, woher ein Zauberer seine Kräfte bezog. Da konnte Milo nur hoffen, dass sich die restlichen Gefährten ähnlich offen in dieser Hinsicht erweisen würden... wenn sie ihm dann irgendwann Glauben schenkten. Den Paladin würde er da womöglich im Auge behalten müssen...

Überhaupt hätte er da noch so manche Frage an seine Gefährten. Die Göttin des Paladins etwa, Iomedae, was war das für eine? Was galt bei ihren Anhängern als Pflicht, als Tugend, als mit dem Tode zu ahndendes Laster? Auch Erastil war keine Gottheit, die man in Milos Heimat kannte. Und was für eine Sprache hatte Tian da vorhin mit den beiden Feen gesprochen? War Katharina selbst eine Zauberin, wie er vermutete? Und welche Kompetenzen besaßen die anderen beiden "Hänflinge"? Doch Milo war nicht sonderlich geschickt darin, das Gesprächsthema einer Runde unaufdringlich in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken – und einen Fremden geradheraus persönliche Fragen zu stellen getraute er sich nicht, das verwahrte ihm jeglicher Anstand und Höflichkeit!

"Dieser Bär, welcher nun bereits zum dritten Mal erwähnt wurde – darf ich fragen, was es mit ihm auf sich hat?" Milos Blick galt vor allem Victor und Jhod, welche zu dem Thema bisher am meisten zu sagen wussten.[1]
 1. Mit der Frage will ich jetzt nicht den Betrieb aufhalten... vielleicht könnte Milo unterwegs nur kurz aufgeklärt werden.
« Letzte Änderung: 10.09.2021, 10:59:49 von Miloslav Illjitsch »

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