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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 81633 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #540 am: 23.01.2018, 21:21:19 »
Aeryn ist überrascht, als sie Freydis Worte vernimmt. Warum sollten sie ihnen nicht glauben?

"Ich sehe keinen Grund, warum sie unseren Worten keinen Glauben schenken sollten, vor allem, wenn die Verschmutzung des Flusses erstmal aufhört. Und da sind ja auch noch die Kinder, die einiges bestätigen können, wenn das so wichtig ist."

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #541 am: 24.01.2018, 00:41:46 »
Freydis' Einwand hat auch Abdo nachdenklich gemacht, und auf Aeryns Antwort hin erhebt auch er seine Stimme: "Warum? Ich gestehe, ich kenne dieses Land noch nicht sehr gut, aber ein paar Dinge habe ich aufgeschnappt. Sind Freydis und Lîf in den Augen der meisten Leute nicht Hexen? Auch Rogar mit seinem für Menschen fremdartigen Äußeren dürfte Schwierigkeiten haben, ihr Vertrauen zu finden - von mir will ich dabei gar nicht sprechen. Wir sollten auf jeden Fall vorsichtig sein, mit wem wir über was sprechen, auch wenn ich nicht lügen werde.
Ich hoffe immer noch, dass Talahan es geschafft hat. Sein Wort dürfte am meisten Gewicht haben."

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #542 am: 24.01.2018, 10:34:27 »
Lîf folgt der Unterhaltung mit verkniffener Miene. Sie würde Aeryn von Herzen gern zustimmen und der anscheinend immer düster und pessimistisch eingestellten Freydis ebenso widersprechen. Doch ihre Erfahrungen besagen, dass die Berührte zumindest teilweise recht behalten könnte. Daher nickt sie zu Abdos Worten und sagt: "Das halte ich auch für das vernünftigste. Wir dürfen nicht gleich das schlimmste annehmen, doch Vorsicht könnte uns sehr nützlich sein. Hören wir auf Abdo – immerhin hat er Talahans Vertrauen." Womit sie dem Dunkelhäutigen nochmals zunickt. Ihr unabhängiger Geist sträubt sich dagegen, von irgendjemandem Anweisungen entgegenzunehmen, doch wenn sie noch nicht einmal dem Anführer folgt, den sie auf Talahans Rat anerkannt hat... Die letzten Ereignisse haben gezeigt, das sie nur gemeinsam etwas erreichen – und überleben – können. Und da der drudkvinde stets die Pflichten einer Ratgeberin und Versöhnerin zufallen, die hilft, eine Gemeinschaft zusammenzuhalten, ist es wohl an der Zeit, diesen nachzukommen.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #543 am: 24.01.2018, 23:33:43 »
Nachdem Abdo die ihm noch unbekannte kleine Nachbarhöhle, in welcher der bewusstlose Tristan mit dem Kopf auf Ninaes Schoß gebettet lag, erkundet und dann in der Nähe des Falls ein paar Atemzüge frischer Luft genossen hat, nebst den herrlichen Ausblick auf ein Stück sonnenhellen Himmels, kehrt er in die düstere Höhle des Abtes zurück auf der Suche nach Antworten.

Aber das sagt sich leicht. Ein wenig missmutig stapft er in der Höhle umher. Rogar folgt ihm schweigend auf dem Fuß, schaut allerdings nur oberflächlich, nicht so interessiert wie man es von ihm gewohnt ist. Der Zwerg blickt auch noch recht benommen und vielleicht sucht er rein instinktiv die Nähe des Kameraden, mit dem er zuvor Seite an Seite ums nackte Überleben kämpfte.

War das jetzt also dämonisch, was die Mönche in diese Kreaturen verwandelt hat, oder nicht? Das war so wenig zu erkennen, wie man einem Toten seinen Mörder ansieht. Dass Menschen, die sich längere Zeit in der Nähe von Dämonen aufhalten, schreckliche Verwandlungen durchmachen, schließt ja nicht aus, dass auch andere Dinge dafür verantwortlich sein können, von denen Abdo noch nie gehört hat. Hier in Dalaran gibt es viele Wesen, die es in Ya'Kehet nicht gibt, und selbst die Menschen haben für ihn unerklärliche Fähigkeiten![1] Magie. Talahan schien ja wenig Zweifel daran zu hegen, dass sie für die Geschehnisse hier verantwortlich sei. Und Freydis hat zwar wütend ob dieser indirekten Anschuldigung geguckt, aber nicht widersprochen. Weil sie sonst immer recht eifrig widerspricht, ist Abdo geneigt, ihr Schweigen als Zustimmung zu werten.

Aber kann man hier überhaupt von Verwandlung sprechen, wenn die falschen Mönche nur aus den Leibern der echten geschlüpft sind?[2] So denkt Abdo, als er von einer Leiche zur nächsten zieht und sie gründlich betrachtet und untersucht. (Noch immer folgt ihm der Zwerg.) Zunächst die beiden in Halfirs Höhle nahe dem Felsspalt, der zur kleinen Nachbarhöhle führt.[3] Der rechte der beiden gleicht, trotz der ausgezehrten Gesichtszüge, einem der beiden Erschlagenen am Bachufer wie ein Zwilling (dem zweiten fehlt der Kopf); unter den restlichen sechs erkennt Abdo mindestens drei, vielleicht sogar vier der Schreiber aus dem Skriptorium. Aber weder Edgar noch Jarus noch Abt Halfir entdeckt er unter den Leichen. Wohl aber stößt sein stiller Begleiter plötzlich einen schnaufenden Seufzer aus, auf einen der Toten deutend, und spricht: "Das ist Bruder Wulfhart. Der Infirmar." Sofort erscheint der Anblick, den man in dessen Stube vorgefunden hat, in lebhafter Deutlichkeit vor Abdos innerem Auge: die beiden Jungen, einer fast noch ein Kind, mit durchschnittener Kehle—ein Gnadenwerk ihres Lehrmeisters, das sieht der Ya'Keheter nun wohl ein, wie er auf dessen grauslichen Überreste blickt.

Nachdem schließlich alle Leichen untersucht sind, fällt ihm etwas auf. (Beweisen lässt es sich natürlich nicht, weil sich durch Abwesenheit niemals eine Nichtexistenz belegen lässt.) Jedenfalls bringt ihn seine Beobachtung, dass eben genau diese Leichen fehlen, auf eine Idee: Halfir, Edgar, Jarus, kann es sein, dass diese vielleicht nicht geschlüpft sind, sondern tatsächlich verwandelt wurden, alle auf einen Schlag, in der Sturmnacht? Wenn es stimmt, was Tristan in der Kapelle meinte: dass Edgar und Jarus während der Andacht den Abt umstanden, zusammen mit Wulfhart und einem weiteren, als Halfir von jenem unnatürlichen Blitz getroffen wurde, welcher daraufhin auf die Umstehenden übersprang: auf den Bibliothekar, den Pilgervater, den Novizenmeister—nur der Infirmar habe sich offenbar durch einen Sprung in den Treppenaufgang zum Turm retten können.[4] Und Freydis hat danach zugegeben, dass sie schon von Zauberern gehört hatte, die mächtig genug für eine solche Tat waren, auch wenn sie dann doch lieber Dämonen am Werk vermutete.

Nun gut. Für Abdo sieht es ja auch irgendwie dämonisch aus, die ganze Sauerei hier. Sagt ihm sein Bauchgefühl. Auch wenn der Kopf widerspricht: eigentlich kann es nicht sein, nicht innerhalb weniger Tage, Verwandlungen dieser Art ziehen sich über Monate hin, eher Jahre!

Magie. Das ist die Unbekannte, die er nicht einschätzen kann. Daheim gibt es so etwas nicht. Wenn die Kämpfer aus einer Schlacht gegen Dämonen mit Brandwunden heimkehren, dann weiß man alchemische Brandbomben verantwortlich.[5] Ein Vorfall wie der in Ninaes Kerker vorhin hätte in Ya'Kehet eine vernünftige Erklärung, etwa dass die Betroffenen Dämpfe oder Düfte eingeatmet hätten, Pheromone oder Psychogene, deren Wirkung wissenschaftlich erforscht und empirisch belegt sind. Und doch, so skeptisch Abdo zunächst war, lässt es sich doch nicht leugnen: vieles von dem, was er heute hier mit eigenen Augen bezeugt hat, lässt sich nicht durch Wissenschaft, wohl aber durch Magie erklären.

Da stellt sich doch die Frage: Vielleicht wirkt hier beides zusammen, Magie und Dämonenwerk?[6] In Ya'Kehet hat er von Menschen gehört—gesehen hat er sie selbst noch nicht—die unter dämonischen Einfluss geraten waren oder diese gar wie Götter verehrten. Was würde nun also passieren, wenn jemand wie Lîf oder Freydis unter diesen Einfluss geriete? Dazu fielen ihm Talahans Worte dem Bibliothekar gegenüber wieder ein: "Ich weiß, Ihr habt hier einer der größten Sammlungen verbotenen Wissens in ganz Fersland. Als ich vor zehn Jahren hier war, hat sich besonders ein Bruder Meirik dafür interessiert. Vielleicht ist ihm in seinen Studien ein ähnlicher Zauber, wie er gerade in Ansdag geschieht, schon untergekommen. Wenn also Pater Halfir nicht zu sprechen ist, dann lasst doch bitte Bruder Meirik kommen."[7] Da Abdo zu jenem Zeitpunkt die Existenz von Magie noch nicht in Betracht zog, hat er diesen Worten wenig Bedeutung zugemessen. Außerdem wusste er da auch noch nicht um den hiesigen Religionsstreit! Kräuterweiber, die als Hexen verbrannt oder erdrosselt werden, weil sie die Erde als Muttergöttin anbeteten; Zauberinnen, die ihre heilenden (!) Kräfte ängstlich verbargen, aus Furcht vor ebensolchem Schicksal. Sprich: erst jetzt versteht Abdo, was Talahan mit 'verbotenem Wissen' meinte. Magisches Wissen.
 1. Abdo, zu der Frage, ob hier Dämonen ihre Finger im Spiel haben, sagte ich eigentlich bereits alles, s. Freund und Feind, Abdos Erkenntnisse Nr. 2 und 3. Kannst Du Dir ja noch einmal anschauen. Aber keine Sorge, neue Erkenntnisse folgen.
 2. Die Hungerkreaturen erwähne ich hier nicht noch einmal gesondert, die sind nicht geschlüpft, sondern haben sich verwandelt – so wie Solveig auch von dem Jungen (Ilf) berichtet hat, der bei ihr in Behandlung war. Die Hungerkreaturen sind auch KEINE Pflanzenwesen gewesen, haben kein Gift gespuckt, sind nicht explodiert... Und Talahans Symptome passen zu Ilfs bzw. auch Rogar hat berichtet, dass es zweierlei Art von Befallenen gab.
 3. Diese beiden sind die einzigen, die ihr nicht "losgetreten" habt, aber das kann Abdo nicht sicher wissen, da er so lange K.O. war. Aber sie sehen etwas "ordentlicher" aus als die völlig verhedderten restlichen sechs. Mit diesen acht Leichen meine ich die, die schon vor dem Kampf tot auf dem Boden lagen.
 4. s. Beschreibung der Kapelle
 5. Anmerkung: das stimmt nicht ganz. Dämonen haben durchaus auch übernatürliche Fähigkeiten, in etwa wie per Monster Manual. Aber diese lassen sich zumeist leicht als mit entsprechenden weltlichen Hilfsmitteln erzeugbare Effekte interpretieren, Feuerball, Verstärkung rufen, etc. Und so erfahren ist Abdo ja nun nicht. Der Großteil seines Wissens über Dämonen kennt er halt nur vom Hörensagen (oder hat es irgendwo gelesen).
 6. Knowledge (demons) = 20
 7. Talahan zu Bruder Edgar im Skriptorium.
« Letzte Änderung: 14.02.2018, 19:50:22 von Gaja »

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #544 am: 25.01.2018, 06:54:57 »
Als Rogar wieder zu sich kommt, braucht er einen Augenblick zur Orientierung. Lif bekommt einen kurzen Dank zu hören, dann sieht er sich um und überprüft die Situation. Anscheinend waren alle Feinde besiegt, dafür alle Männer und die Elbin schwer verletzt. Er hatte gehört, wie wenig Unterschied dieses Volk zwischen ihren Geschlechtern machen (sie waren ja auch schwer auseinender zu halten), daher wirkte das Ergebnis des Kampfes relativ vertraut und zu seiner Ordnung passend. Viel tröstete es ihn allerdings nicht. Die Frauen hatten offensichtlich mitkämpfen müssen und waren der Gefahr ausgesetzt gewesen - besonders Fräulein Ninae, was er in seiner unnatürlich überhöhten Besorgnis um sie nicht ertrug.
Seine eigene Schande über sein Versagen im Kampf - er war zwar ein Apothekarius, aber auch ein Dain! - war etwas, das ihm am meisten zu schaffen machte. Jede ernsthafte Auseinandersetzung endete mit seinem Versagen, und er als einziger Dain vertrat auch noch sein Volk. Von ihm würden sie auf andere schließen. Neben seinem Versagen kamen auch noch die Erfolge der feindlichen Furchtmagie und Gift hinzu, etwas, was ihn seiner Ansicht nach nicht betreffen sollte. Natürlich würde er seinem Volk wahrheitsgemäß berichten und sein Urteil akzeptieren, aber den durch ihn angerichteten Schaden konnte er nicht mehr gumachen. Was er damit seiner Lady, seiner Gilde und seiner Familie antat, wollte er sich garnicht ausmalen. Verärgert und hilflos verloren sich seine Gedanken in diesen Kreisen.

Äußerlich blieb er still und wortkarg. Er hörte zu, was die anderen über ihren Anteil am Kampf berichteten, zuckte stumm mit den Schultern, als er nach seienr Gesundheit gefragt wurde und nickte mit versteinertem Gesicht, als er nach seiner Reisefähigkeit gefragt wurde. Prinzipiell ließ er vor allem Ninae höchstens kurz aus dem Blickfeld, da er ihre Sicherheit immer noch über alles stellte. Nebenher kontrollierte er die Gesundheitszustände der Gruppe und nahm Lif einen Teil ihrer Arbeit ab, sammelte seine Ausrüstung wieder ein zusammen mit Proben der verschiedenen Schleime und Pilze für weitere Untersuchungen. Er wusch sich und seine Ausrüstung im Bach, versorgte seine eigenen Wunden und braute bzw. kippte sich etwas gegen die Giftsporen in seinem Körper ein. Zum Schluß setzte er seine Ausrüstung wieder in Stand und verstaute sie. Erst dann sah er nach, ob es noch Wiederverwertbares auf dem Schlachtfeld gab und überlegte, was er sich an Theorien zu den Vorgängen und den Auswirkungen dieses magischen Pilzfluches zusammenreimen konnte.

Mi der Zeit lenkte er seine Gedanken in produktivere Bahnen. Er würde es durchstehen und seine Aufgaben weiter verfolgen. Ein erster Schritt, um seine Schmach nicht weiter zu mehren, würden umfangreichere Vorbereitungen sein. Das anscheinend von den Menschen erwartete ehrlose Verhalten ihres eigenen kindischen Volkes überraschte ihn nicht. Es würde nur keinen Einfluss darauf haben auf sein Verhalten. Er war der Ehre, der Zurückhaltung und vor allem der Ehrlichkeit verpflichtet.
« Letzte Änderung: 25.01.2018, 06:57:47 von Rogar, Apothekarius »

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #545 am: 25.01.2018, 18:52:35 »
Lîf muss schon ein wenig schlucken, als sie zu ihrem Gatten zurückkehrt und ihn friedlich schlummernd mit dem Kopf auf Ninaes Schoß vorfindet, während diese ihm sanft durch das Haar streicht und in einer Sprache, die Lîf nicht versteht, zärtlich auf ihn einsäuselt. Einem lieblichen Bächlein gleich plätschern ihre Worte dahin und Tristans Augenlider flackern wohl auch hin und wieder und lassen ihn verträumt aufblicken. Kann man es seinem Weib da verdenken, dass ihre Fürsorge ein wenig rauer als geplant ausfällt? Dass sie mit den Bandagen und Salbentiegeln kämpft, während sie innerlich vor Empörung bebt und ihre Hände fahrig zittern oder gar daneben greifen? Dass sie erst einmal eine ganze Weile lang tief einatmen muss, bis sie sich überhaupt so weit beruhigt hat, dass sie seine Verletzungen anständig versorgen kann?[1]

Freydis interessiert sich derweil für die beiden Männer, die in der hintersten Ecke der Höhle auf Strohsäcken lagen—gefesselt, wie sie feststellt und durchaus noch am Leben.[2] Der Atem der beiden geht flach, ihre Stirn ist fieberheiß, und die Berührung von Freydis' kühler Hand vermag die beiden nicht zu Bewusstsein bringen. Offenbar befinden sie sich in einem frühen Stadium der Infektion. Vielleicht waren dies die beiden, die sie gestern mit ihren Häschern im Hof gehört hat?[3]

Aeryn rührt sich derweil nicht vom Fleck. Nicht einmal zum Waschen kann sie sich aufraffen.[4] Statt dessen verfolgt sie nur mit ihrem Blick—alles andere wäre zu anstrengend—den Lauf des Schleimes, der inzwischen die beiden gefallenen Hungerkreaturen erreicht hat und sich weiter in Richtung des bachnahen Ganges schiebt. Sein Ziel kennt sie, hat sie doch von der Brücke aus gesehen, wie dort Schleim ins Wasser tropfte.[5]

Rogar findet: vier Knüppel, drei Bögen, seine Axt (noch immer im Kopf des Mönches steckend, der hinterrücks ins Wasser stürzte), dazu drei einfache Lederrüstungen, unter den Mönchskutten ihrer Gegner verborgen. Überhaupt sahen diese drei anders aus als die Mönche, die er in den letzten Tagen hier kennengelernt hat: wettergegerbte Züge, breite Schultern, breite und raue Hände, die Arbeit gewohnt sind, nicht den Griffel.
 1. Du kannst Dir Zeit lassen und einen take 10 nehmen.
 2. perception = 20. Die "Kisten und Fässer" im Südosten der battle map wurden schon als Körper auf Lagern identifiziert, nämlich
hier (Anzeigen)
 3. s. hier
 4. In Feld F18 gibt es sauberes Wasser, der Rest ist leider verseucht, u.a. durch M1.
 5. s. hier.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #546 am: 25.01.2018, 23:22:20 »
Nachdem sie alles durchsucht haben, und Abdo einen Schrecken bekommt, als er erfährt, dass dort noch zwei lebende Männer auf den Lagern sind (noch mehr Verantwortung - und, nach Freydis Schilderung beide ebenfalls verdammt, zu solchen Monstern zu werden.), versammelt sich die Gruppe erst einmal wieder. Die Bestandaufnahme fällt nicht überraschend, aber dennoch ernüchternd  aus: Außer Lîf und Freydis (und Ninae, die er immer noch nicht einschätzen kann) können sich alle nur eben gerade so auf den Beinen halten. Was immer sie als nächstes tun mögen, ohne längere Rast ist an Aufbruch nicht zu denken. Eigentlich müssten sie eher eine Woche ruhen, würde er sagen - auch wenn er nicht viel von der Heilkunde versteht.

Bevor Abdo seine Beobachtungen und Vermutungen zu der Seuche (oder was immer es ist) mit den anderen teilt, schlägt er jedoch vor, diesen üblen Ort zu verlassen und lieber an der frischen Luft zu lagern; auch wenn es dort womöglich etwas gefährlicher sein mag. Doch wer weiß schon, welche Monster sich noch in der Nähe befinden mögen?

Die beiden Kranken lasten schwer auf seiner Seele. Sollen sie sie mitnehmen, in der Hoffnung, dass die Heilerin im Dorf vielleicht ein Heilmittel gefunden hat? Würden sie so lange aushalten? Oder war es die menschlichere Handlungsweise, sie bereits jetzt von ihrem Leiden zu erlösen - etwas, was er wohl selbst durchführen müsste, und nicht weiß, ob er dazu in der Lage wäre. Für den Moment jedoch will er vorschlagen, auch die beiden nach draußen zu bringen, um dort die nächsten Schritte zu planen.
Doch just in diesem Moment verfällt er in einen erneuten Hustenanfall (es waren wohl immer noch Spuren des Giftes in seiner Lunge). Das Husten geht über in ein Röcheln, als Abdo plötzlich keine Luft mehr bekommt und erneut bewusstlos zu Boden sinkt.
« Letzte Änderung: 25.01.2018, 23:43:37 von Abdo al'Mbabi »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #547 am: 26.01.2018, 13:37:28 »
Mühsam beherrscht versorgt Lîf die Wunden Tristans[1] Dabei fällt es ihr schwer, Ninae nicht allzu viele böse Blicke zuzusenden. Dass das Feenwesen um ihren Mann besorgt ist, mag etwas gutes sein – ihre Besorgnis geht aber reichlich weit! Da hockt sie und gurrt wie ein Täubchen, am Ende auch noch irgendwelche Liebesverse?! Und Lîf? Die müht sich mit dem blutigen Teil ab – mit dem, was ihm wirklich hilft! Gelegentlich muss sie die Zähne zusammenbeißen, um nicht einen lauten Streit vom Zaun zu brechen, der wohl in vielerlei Hinsicht unvernünftig wäre. Als sie endlich ihre Arbeit vollbracht hat, mustert sie Ninae noch einmal mehr als misstrauisch und sagt recht unwirsch zu ihr: "Er braucht jetzt Ruhe!"

Dann stemmt sie sich hoch, murmelt leise "Trollet skulle hente kvinden..!"[2], räumt ihre Utensilien wieder zusammen und geht, um nach den beiden Männern zu sehen, die Freydis solche Sorgen machen. Auf dem Weg murrt sie leise mit einem Blick auf den zähen Schleim: "Können wir nicht irgendwie verhindern, dass das widerliche Zeug auch noch ins Wasser gelangt?" Ihr selbst bleibt dafür kaum die nötige Zeit. Denn der Rotschopf hat die beiden Kranken noch nicht eingehend untersucht, da alarmieren sie ein Röcheln und ein dumpfer Aufschlag. Mit bösen Vorahnungen eilt sie zurück und stöhnt auf, als sie Abdo am Boden liegen sieht. Ohne auf die Erschöpfung zu achten, die sie langsam aber sicher fester in ihren Griff bekommt, kniet sie sich neben ihn und überlegt, was ihm helfen könnte[3]: Frische Luft? Ein kühler Trunk, der die Kehle reinigt? Oder vielleicht nur Schlaf, Ruhe und genügend Zeit?
 1. Per take 10 mit einer 21.
 2. Vaerangsk: Der Troll soll das Weib holen..!
 3. Heilkundewurf mit einer 31 (nat. 20).

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #548 am: 27.01.2018, 11:42:35 »
Es ist nicht zu übersehen, dass sich die meisten ihrer Gefährten kaum auf den Beinen halten können. Dazu die zwei Bewusstlosen und die Jungen oben im Kloster und Freydis hat großen Zweifel, dass sie es heil den Berg hinunter ins Dorf schaffen können. Spätestens wenn sie da draussen dann noch ein paar dieser Hungerkreaturen in die Arme laufen wären sie geliefert. Im Minimum braucht die Gruppe zumindest ein paar Stunden Rast zur Versorgen der Verwundeten.
"Wir müssen erstmal die Verwundeten so gut es geht versorgen, und uns anderen würde eine Rast auch nicht schaden. Ich schlage vor wir ziehen uns zunächst nach oben in den Turm zurück und kümmern uns um die Versorgung der Verwundeten. Dannach können wir entscheiden wie wir weiter vorgehen. Vielleicht können  oder zwei von uns weniger angeschlagenen um Hilfe zu hohlen." Sie denkt dabei an sich selbst, trotz der bohrenden Kopfschmerzen. Schließlich sind nur sie, Lîv und Ninae unverletzt und die Drudkvinde wird eindeutig hier bei den Verletzten gebraucht und die Huldre[1] erfreut sich ihren eigenen Worten nach  nicht gerade des Vertrauens der lokalen Bevölkerung. Vielleicht kannn sie Rogar mitnehmen. Dain haben den Ruf sehr zäh zu sein und im Gegensatz zu Abdo scheint ihr der Apothekarius schon wieder recht sicher auf den gepanzerten Beinen zu sein.
"Auf die Weise kann sich der Prinzling oder wen auch immer er schickt auch selber ein Bild von dem machen was hier im Kloster passiert ist.  ergänzt sie.
 1. EDIT Gaja: Freydis kennt sich mit Feenwesen nicht aus und weiß deshalb nicht, was Ninae für ein solches ist. Ich habe "Nymphe" also mal durch das "Huldre" ersetzt, das heißt einfach "Fee" (auf Albion und den Inseln), Plural huldrer.
« Letzte Änderung: 06.02.2018, 21:48:16 von Gaja »
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #549 am: 28.01.2018, 21:52:16 »
Rogar sammelt die Ausrüstung der 'Mönche' auf einem der Steine zusammen und fragt in die Runde (wahrscheinlich eigentlich eher in Tristans Richtung): "Gibt es Regeln oder Wünsche, wie diese Toten versorgt werden (wollen)? Wenn nicht, würde ich verbrennen vorschlagen, um eine Ausbreitung der Seuche zu unterbinden." Er lehnt sich gegen den Haufen kärglicher Beute und fragt weiter: "Wie steht es mit ihrem Besitz? Irgendwelche Gesetze, wem es gehört? Wenn nicht, kann einer von euch etwas gebrauchen?" In Gedanken zerlegt er die Dinge bereits zum Transport oder Umbau, um Nutzen oder zumindest Gewinn daraus zu schlagen. Alles andere käme seiner Dain-Natur wie eine Verschwendung vor.
« Letzte Änderung: 01.02.2018, 23:58:04 von Rogar, Apothekarius »

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #550 am: 29.01.2018, 21:47:39 »
Aeryn hat sich in der Zwischenzeit ein mehr oder minder bequemes Plätzchen gesucht, wo sie nicht direkt in dem widerlichen Schleim stehen muss, und wartet darauf, dass sie endlich aufbrechen können.

"Wir sollten auf jeden Fall einen ruhigen Ort aufsuchen, wo wir uns ausruhen können. In dem Zustand werden wir niemanden aufhalten können, wenn wir doch noch auf Feinde treffen sollten."

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #551 am: 06.02.2018, 21:22:24 »
Wie Lîf den ohnmächtigen Abdo untersucht, fällt ihr etwas auf.[1] Sie haben es hier mit zwei verschiedenen Giften zu tun: der schwarze Schleim einerseits, welcher den Bach verseucht hat und die Menschen—über Hautkontakt? Verschlucken?—in Bestien verwandelt (man denke an Dana, Ilf und die wilden Kreaturen, welche im Pilgerturm und hier im Keller über die Gruppe hergefallen sind, und an Talahan, dem nämliches Schicksal droht!), und andererseits die Sporen, welche der Abt in einer Wolke um sich herum ausstieß. Diese wirken offensichtlich übers Einatmen. Und zu was ein solcher Sporenbefall führt, kann Lîf sich denken. So wie Pilze sich über Sporen vermehren, vermehren sich auch diese Kreaturen über Sporen—also zumindest der Abt tat es auf diese Weise. Sie keucht vor Schreck auf. Vor ihrem inneren Auge liegt Abdo bereits da, Kopf und Glieder bis auf die Knochen ausgezehrt, der Leib aber grotesk geschwollen, und etwas bewegt sich darinnen, kämpft, will heraus... Und nichts kann sie dagegen tun! Nichts außer die Große Mutter anflehen und hoffen. Abdo ist ein starker, gesunder Mann, und er war den Sporen nur ganz kurz ausgesetzt, vielleicht kann sein Körper das Gift abwehren?

Tatsächlich scheint es so, denn nach einer Weile beruhigt sich sein Atem. Auch das Zittern, was ihn zwischenzeitlich gepackt hat bei gleichzeitigem Schweißausbruch, lässt wieder nach. Mit frischem, kühlem Wasser, das Freydis auf gewohnt platschende Weise beisteuert, kann Lîf dem Ya'Keheter Gesicht und Oberkörper säubern und ihn so wieder zu Bewusstsein bringen.

Als Abdo aufwacht, sieht er abermals das rothaarige Weib über sich gebeugt, damit beschäftigt, ihn zu waschen.

Tristan, dank Lîfs Zuwendungen wieder auf den Beinen, wenn auch noch recht schwankend, fühlt sich zunächst nicht angesprochen. Eine ähnliche Frage hat Rogar ihm vorhin in der Krypta gestellt und Tristans Antwort war, dass er sich mit den hiesigen Gesetzen auch nicht auskennt.

"Wie schon gesagt, ich glaube nicht, dass diese Toten hier noch durch irgendwas entweiht werden können, und ich wüsst' auch nicht, wie man hier noch im Guten etwas bewirken wollte. Was allerdings das Verbrennen anbelangt, oder ein Eindämmen des Schleimes"—hier geht sein Blick zu Lîf—"so sehe ich hier keinen, der momentan zu solch Taten imstande wäre. Überhaupt, soll doch der Fürst oder sein Sohn sich ums Aufräumen kümmern, wenn wir schon den Feind bezwungen haben, was eigentlich nicht unsere Aufgabe gewesen wäre."

Bei der zweiten Frage des Zwerges schaut Tristan erstaunt. "Natürlich gehört dem Sieger der Besitz des bezwungenen Feindes!" Ein wenig fassungslos schüttelt er den Kopf. Die Dain scheinen ein Volk mit äußerst seltsamen Sitten zu sein, wenn sie etwas derartig Selbstverständliches hinterfragen müssen!

Tatsächlich gefallen Rogar die Antworten nicht, besonders wohl die erste. So weit zu kommen und dann nichts tun zu können, um den Ort hier zu säubern! Ihn in diesem Zustand zurücklassen zu müssen! Mag er auch einsehen, dass hier niemand ausreichend bei Kräften ist, kann er sich doch nicht dazu durchringen, dem Ort einfach so den Rücken zuzuwenden. Und so steht er unentschlossen da, bis Ninae an seine Seite tritt, sich bei ihm unterhakt und ihm allerlei Lob und Trost ausspricht, wie wunderbar er und seine Kameraden sich hier geschlagen hätten, dass sie die größte Gefahr doch erst einmal gebannt hätten—ach, wie heldenhaft sie doch seien, wie wacker und todesmutig, dabei ehrlich und gut!—und sich deshalb jetzt wohlverdient erholen müssten.

"Und ums Aufputzen, liebster Rogar, da mache dir keine Sorge, darum kümmern sich meine Schwestern und ich, und auch die Nachtschwester und der Nachtbruder sollen helfen!" Ihr Blick fällt auf den schwarzen Schleim, der einmal ihr Gegner war, und plötzlich kichert sie. "Ach herrje, Choron wird sich gar nicht freuen, wenn ihm der ganze Dreck gleich auf den Kopf fällt. Eine Laune wird er haben! Bis ins Dorf wird man ihn schimpfen hören. Und dann komme ich ihm auch noch mit Arbeit an!" Sie prustet fröhlich.

Als die Gruppe dann also endlich bereit ist, den Ort des Schreckens zu verlassen, stellt sich die Frage, was mit den beiden letzten Opfern des Abtes zu tun sei.

"Fieberpatienten", diagnostiziert Rogar.[2] "Wahrscheinlich wurden sie letzte Nacht infiziert. Gut zwei Tage dürften sie noch sicher sein, bevor sie sich dann in diese kreischenden Kreaturen verwandeln."

Aber ein Zurücklassen käme für Lîf auch gar nicht in Frage und für Rogar ja eigentlich auch nicht, auch wenn er sich nicht viel Hoffnung macht. Ein Gegengift müsste man finden, jetzt, da man weiß, dass Gift die Ursache dieser seltsamen Erkrankung ist.

Unter Lîfs Fürsorge[3] kommen die beiden zu sich, lassen sich nach einer ganzen Weile auch beruhigen und schaffen es schließlich sogar, mit Hilfe der drei Frauen, wackelig auf die Beine.

Gemeinsam macht man sich auf in Richtung Kellertreppe.
 1. Dank des überragenden Heilkunde-Wurfes.
 2. Dafür nehme ich jetzt mal diesen Heilwurf von 20.
 3. Zwei take 10 Heal Checks angenommen.
« Letzte Änderung: 09.02.2018, 13:13:51 von Gaja »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #552 am: 09.02.2018, 13:03:42 »
Rogars Vorschlag und Tristans Antwort darauf lassen die Heilerin seufzen. "Ich denke auch, es ist am besten, sie zu verbrennen, sowie wir dazu in der Lage sind. Das Wohl der Lebenden geht vor." Da sowohl Aeryn als auch Freydis schon davon sprachen, nickt sie aber endlich und ergänzt: "Bis es soweit ist, stimme ich auch dafür, uns an einen halbwegs sicheren Ort wie den Turm zurückzuziehen, die armen Jungen aus der Ungewissheit zu befreien und unsere Wunden zu pflegen. Jedenfalls so, dass wir ohne Probleme zurück ins Dorf können. Danach können wir mehr ausrichten."

Auf Rogars Frage, ob sie wohl etwas von der gefundenen Habe brauchen können, schüttelt sie müde den Kopf und murmelt: "Ich für meinen Teil glaube nicht, nein." Sie reckt ihre schmerzenden Glieder, lässt den Blick über ihre ganzen Patientin streichen – beinahe mehr Arbeit, als sie bewältigen kann – und fühlt sich wie zerschlagen. Umso missmutiger schaut sie drein, als Ninae so munter und frisch daherplappert und lacht. Kein Wunder: Die hat ja auch keine Verantwortung für die Kranken am Halse..! denkt sie und beäugt misstrauisch jeden Blick, der zwischen den Feenwesen und ihrem Tristan noch hin und her gehen mag.

Ihre Sorgen nehmen nicht gerade ab, als sie sich Abdo anschaut. Nachdem er aufgewacht ist, sagt sie leise zu ihm: "Wir haben vorerst einen Sieg errungen, wie es scheint. Aber bevor wir weiteres unternehmen, müssen wir wieder Kräfte schöpfen. Vor allem du, Krieger, musst dich schonen." Besorgt achtet sie auf Anzeichen, die ihr sagen, dass die giftigen Sporen weiter in ihm arbeiten, während sie ihm auf die Beine hilft. Wenn die Große Mutter und das Glück sie nur nicht ausgerechnet jetzt im Stich lassen, wo sie einen üblen Gegner überwunden haben..! Aber es gilt wohl, noch eine Weile die Zähne zusammenzubeißen. Obwohl sie sich selbst nach einem Bett sehnt, sucht sie also zumindest einen der Verletzten zu stützen, als sie sich auf den Weg machen. Die freie Hand hält sie verstohlen auf ihren Bauch gepresst. Ihre Glieder sind schwer wie Blei.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #553 am: 11.02.2018, 19:16:14 »
Eifersüchtig ist Tristans Blick, als Ninae sich so eifrig um ihren zweiten Verehrer kümmert, soviel bemerkt sein Weib noch, bevor es die enge Wendeltreppe hinaufgeht, Freydis mit gezückter Waffe vorneweg, Lîf gleich hernach, denn von hinten erwartet man diesmal keinen Ärger mehr. Am Erdgeschoss vorbei müht sich die angeschlagene Gruppe mitsamt der beiden Befreiten, die sich kaum auf den Beinen halten können, weiter hinauf, und als man endlich im ersten Stock steht, offenbart ein zählender Blick der Heilerin, dass zwei ihrer Schäflein fehlen. Ninae und der Zwerg sind verschwunden! Sie lauscht die Treppe hinunter, doch hört keine Schritte darauf. "Wartet hier!" weist sie die Verletzten an[1], schnappt sich Freydis zur Verstärkung und eilt die soeben erklommene Treppe wieder hinunter.

Im Erdgeschoss angekommen, lauschen die beiden Frauen in alle Richtungen: sind die Verschwundenen links zur Bibliothek hinaus oder geradeaus durch die unbekannte Tür oder nach rechts, Richtung Kapelle? Schnell sind Lîf und Freydis sich einig: rechts aus dem Gang dringen Geräusche, die nach entfernten Schritten und Stimmen klingen. Man hastet hinterher. In der zerstörten Kapelle wird man fündig. Rogar hat sich Ninae, die zum Tor hinausschlüpfen will, breitbeinig in den Weg gestellt und redet beschwörend auf sie ein. "Das geht doch nicht, Ihr könnt doch nicht so ganz allein... schutzlos... Fräulein Ninae!" So oder so ähnlich ereifert sich der Dain, während Ninae ihm ebenso eifrig versichert, dass sie von hier aus schon allein zurecht käme. "Ich muss zurück, die Schwestern vermissen mich doch schon ganz schrecklich!" Als sie Lîf und Freydis erblickt, winkt sie die beiden hilfeheischend herbei. Zu dritt gelingt es den Damen dann tatsächlich, den Zwergen wenn nicht zu überzeugen, dann zumindest lange genug abzulenken, dass Ninae ins Freie entwischen kann. Falls Rogar ihr dorthin folgen will, so wird er wenige Schritte später feststellen, dass er sie nirgends mehr entdecken kann. Und dann lassen auch seine Kräfte nach.

Zu dritt macht man also kehrt. Fast noch schauriger als am Morgen erscheint ihnen der verwüstete Gebetsraum. Jetzt, da sie wissen, was aus den Betenden wurde...! Scherben knirschen unter ihren Schritten. Ihrer aller Blick geht zu dem großen, zerschlagenen Fenster an der Stirnseite des Saales, durch das der Blitz vor nunmehr acht Tagen eingeschlagen ist und den Abt zu jenem Monster machte, das die Gruppe soeben im Keller bezwang. Nach Westen hin geht das Fenster, zur Felswand hin, und Ansdag liegt nicht weit dahinter, fast zum Greifen nahe, wenn man nach der Luftlinie geht. (Und doch momentan zu weit entfernt für die Erschöpften und Verwundeten.)[2] Welch hinterhältiger Anschlag!

Schließlich eilt man weiter, still und mit den eigenen Gedanken beschäftigt, die sich indes erstaunlich ähneln: der Zwerg wie auch die beiden Frauen grübeln abermals darüber nach, welch unsäglicher Hass sich hier gegen den Einen Gott entladen haben muss—oder vielleicht auch gezielt gegen den Abt des Klosters? Nachdem, was Ninae über ihn erzählt hat, war dies ja auch vor seiner Verwandlung kein angenehmer Zeitgenosse.[3] Selbst in einer so frommen Gegend wie dieser dürfte er sich mit seiner Härte nicht nur Freunde gemacht haben.

Dann sind sie endlich wieder bei ihren Gefährten im ersten Stock und machen sich gemeinsam auf in Richtung des Novizenturmes, wo selbst man die drei zurückgelassenen Knaben unversehrt, wenn auch recht verängstigt, auffindet.

~~~

Sighvat und Ragnar heißen die beiden Befreiten und ihre Geschichte ist schnell erzählt. Ein Bauer aus der Gegend ist ersterer, der zweite ein Pilger auf dem Weg hierher. Unterkunft hat Sighvat dem Wanderer auf seinem kleinen Hof gewährt; überfallen wurden sie letzte Nacht, verschleppt, was aus dem Gesinde wurde, weiß er nicht, das Weib sei, dem Einen sei Dank, mit den beiden Söhnen bei den Großeltern im Ort, Schutz suchend, seit der schrecklichen Sturmnacht.

Gerade einmal so lange halten die beiden jüngeren Novizen durch, bevor sie drängeln: "Wann können wir endlich hier raus?" Vor Angst zittern sie nun, obwohl doch so viele Helfer um sie herum sind, die ihnen versichern, der schlimmste Feind sei besiegt. Lîf tut ihr Bestes, die beiden zu trösten, doch sie muss sich um so viele kümmern—Abdo wenigstens scheint es besser zu gehen, oder jedenfalls nicht schlechter—dass sie kaum noch weiß, wo ihr der Kopf steht. Umarmen würde sie ihren Gemahl am liebsten vor lauter Dankbarkeit, als dieser, an die Wand des Turmzimmers gelehnt auf dem Boden sitzend, die beiden Jungen erst schilt, "Ach herrje, seid ihr Männer oder Memmen, jetzt hört doch auf zu plärren!" und sie dann zu sich winkt, "Kommt, ich erzähle euch eine Geschichte, wie ihr sie noch nie gehört habt. Vor Stürmen habt ihr Angst? Gebt es zu, das habt ihr! Und damit seid ihr nicht die einzigen. Aber es gibt auch Menschen, die lieben Stürme. Habt ihr schon einmal von Askyr, dem Sturmboten gehört? Nicht? Seht ihr, das dachte ich mir. Die Pfaffen verstehen nicht viel von den Ahnengeistern. Also setzt euch daher und ich erzähle euch, wie es damals war mit Askyr und wie er zu einem Ahnengeist wurde."

Die beiden gehorchen und auch der ältere Novize setzt sich neugierig dazu. Von den Gefährten mag lauschen, wer Lust hat, oder aber weghören, wen die Geschichte nicht interessiert oder wer sie schon tausendmal gehört hat.

"Niemand weiß, woher Askyr stammt", beginnt Tristan zu erzählen. "Nicht aus welcher Gegend noch aus welchem Elternhaus. Als junger Mann tauchte er irgendwann auf, mal in diesem, dann wieder in jenem Dorf, und tauschte seine Zauber gegen Geld, Kost, Logis und Waren. Ja, ihr habt recht gehört, er war ein Zauberer, das war damals noch nichts Verrufenes. Ein Zauberer und ein Wanderer und dabei ein recht fröhlicher Geselle. Böse Absichten kannte er keine, nur das Leben genießen wollte er auf Gajas schöner Erde! Nun war es aber so: Wo immer er hinzog, da zog ein oder zwei Tage darauf ein schreckliches Unwetter auf, und so zeigten schon bald die Leute mit dem Finger auf ihn und schimpften und beschuldigten ihn: "Du bist es, der die Unwetter beschwört, die uns so plagen!" Doch Askyr beteuerte eifrig: "Nein, ich bin es nicht! Ihr habt doch selbst gesehen: allen Zauber, den ich wirke, stets zu eurem Nutzen ist er! Ja, so glaubt mir doch! Selbst wenn ich's wollt', könnt ich nicht tun, was ihr mir vorwerft: jede Menschenkraft übersteigen die entfesselten Himmelsmächte! Nicht herbeirufen tu ich sie, davor warnen möcht' ich euch!"

Doch die Leute wollten ihm nicht glauben und verschlossen ihm Haus und Hof, ließen ihn hungernd und frierend auf der Straße stehen, jagten ihn fort. Da suchte Askyr Schutz vor der Sturmnacht in einem Haseldickicht und sann auf einen Ausweg aus seiner misslichen Lage. Die Lösung, die er schließlich fand, war süß in mehrerlei Hinsicht: süß waren die Mädchen, die er verführte;"
—hier zwinkert Tristan dem älteren Novizen zu, der nächtens wohl von Mädchen träumte, seiner Strafarbeit nach zu urteilen—"süß die Speisen, die sie ihm brachten: Beeren und Äpfel und allerlei Gutes;"—hier den beiden Jüngeren, von denen einer wegen seiner Naschfinger beim Beerenpflücken im Turm einsaß—"süß vor allem aber schmeckte ihm seine Rache. Und so ging er dabei vor: in Haselsträuchern versteckt lauerte er den Mädchen auf, bis er sah, dass sie allein waren und hübsch und jung. Dann lockte er sie herbei mit süßen Worten, versprach ihnen viel, packte seine Zauber in die Worte, bis sie ihm verfallen waren. Dann machte er mit ihnen aus: heute nacht, wieder hier, und bringt ein Mahl, damit wir uns stärken können. Und so verführte er in jenem Dorf ein Dutzend Jungfern, bis man ihm auf die Schliche kam. Doch da zog er einfach weiter und verfuhr im nächsten Ort ebenso. Bald wurde er kühner und besuchte die Mädchen in ihren Kammern oder im Heuschober auf ihrer Eltern Hof, und wenn er sie nach vollbrachter Liebestat am frühen Morgen verließ, so zauberte er einen Haselstrauch vor ihr Haus, auf dass jeder im Dorf sehen möge: Askyr war hier! Askyr, den ihr falsch beschuldigt habt, nimmt seine süße Rache! Und so wandert Askyr lange Zeit von Dorf zu Dorf, nirgends mehr als drei Tage verweilend, und noch immer folgen die Stürme seinem Weg. Und die Leute begannen den Haselstrauch zu fürchten: nicht nur wegen der verführten Jungfrau, sondern auch wegen des Sturmes, den er ankündigte.

Und wie geschah es, dass Askyr vom verhassten Zauberer und Mädchenverführer zum verehrten Ahnen wurde? Nun, in einer Sache hatte er nicht gelogen: er rief die Stürme nicht herbei. Statt dessen zog er ihnen nach oder vielmehr voraus: er spürte, wo es bald einen Sturm geben würde, und zog genau dorthin. Nicht, weil er die Leute warnen wollte, wie er in seiner Not behauptet hatte, sondern weil er Stürme liebte. Er war in einer Sturmnacht geboren und als erwachsener Mann zog es ihn immer wieder in den Sturm zurück.

Doch einige Jahre später kam es, dass Askyr einen Sturm aufziehen spürte, wie er ihn noch nie erlebt hatte, so gewaltig, so zerstörerisch: Blitze würden vom Himmel herabfahren, in die Häuser, Ställe, die Richtlinde, und alles entflammen; derweil würden Winde eine Flutwelle vom Meer heraufpeitschen und die Fischerdörfer verschlucken; sodann würden sich sämtliche Himmelspforten zugleich öffnen und eine Sintflut auf die Erde herabschicken, die Bäche zu reißenden Flüssen werden ließe und die Flüsse ganze Dörfer hinfortreißen und alles ertränken, die Alten wie die Jungen, die Menschen wie das Vieh. Und Askyr versuchte, die Leute zu warnen. "Rettet euch ins Binnenland, in die Berge, irgendwohin, wo kein Bach und kein Fluss in der Nähe ist und kein Meer!" Doch niemand glaubte ihm. Wahrscheinlich dachten sie, er wolle ihre verlassenen Höfe plündern. Und so musste er, der sich auf einen Berg gerettet hatte, in hilflosem Entsetzen mitansehen, wie all das geschah, was er prophezeit hatte. Das einzige, was er diesen schrecklichen Gewalten entgegenhalten konnte, war sein eigener kleiner Zauber, und es kostete ihn seine ganze Kraft, den letzten Funken Lebenssaft: all die Jungfern, die er verführt hatte, bald tausend an der Zahl, ob seine Saat in ihrem Schoß aufging oder nicht, verwandelte er—mitsamt der Brut in ihrem Leib, an Brust oder Rockzipfel—in Haselsträucher. Kein Blitz schlug hier ein. Fest verwurzelt in der Erde hielten sie den Fluten stand. Als diese sich endlich wieder zurückzogen und die Erde drei Tage später wieder zum Vorschein kam, da verwandelten die Haseln sich in junge Frauen zurück mitsamt ihrer Brut. Und Askyr, der solange durchgehalten hatte, sank tot zu Boden."


Und plötzlich ist es wieder still in dem Turmzimmer. Die drei Novizen starren den Skalden weiterhin mit offenen Mündern an, als könnten sie sich nicht von ihm oder vielmehr seiner Geschichte losreißen.
 1. Dem mag folgen, wer will—oder nicht.
 2. Genaue Beschreibung der zerstörten Kapelle, s. hier, unterster Teil. Die damaligen Erkenntnisse Lîfs, Freydis' und Rogars, an die sie oben anknüpfen, finden sich in diesem Beitrag, oberer Teil.
 3. Nämlich hier, die unteren beiden Absätze. Ich bitte alle Spieler darum, sich das noch einmal durchzulesen. Vielleicht in Zukunft auch ein paar Notizen machen, damit solche Erkenntnisse nicht gleich wieder vergessen werden?
« Letzte Änderung: 13.02.2018, 10:32:27 von Gaja »

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #554 am: 12.02.2018, 22:35:06 »
Auf den implizierten Vorwurf des Sänger-Kriegers, er hätte die Antwort auf seine Frage schon gehabt, ignoriert Rogar äußerlich, obwohl er ihn durchaus wahrnimmt. Das dem Sieger der Besitz des Verlierers  gehört, macht für Rogar nur Sinn bei Volksfremden. Die Regelungen innerhalb seines Volkes waren da wesentlich komplizierter. Kurz blickt er zu Aeryn, die ihm den Besitz seines ehemaligen Kameraden nicht streitig gemacht hatte. Aber der Versuch, einen Elben zu verstehen, hat schon manchen Dain Haare verlieren lassen. So nickt und zuckt er mit den Achseln zu den Antworten beziehungsweise Aeryns Anregung zu einer Verschnaufspause. In aller Ruhe packt er die Beute in einer Decke und trägt sie mit auf dem Weg nach oben.
Zu den Einwänden, das Verbrennen der Leichen könten sie nicht bewerkstelligen, denkt er sich seinen Teil. Er erinnert sich an die Ausstattung der Keller- und Lagerstätten sowie die Kleidung. Das könnten sie später in Angriff nehmen. Tristans Meinung, das sollten andere machen, teilt er nicht. Sie waren doch da, warum also nicht? Ninaes Worte, ihre Schwestern, ihr Bruder und sie könnten das Aufräumen übernehmen, irritieren ihn mehr. Mussten sich so schützenswerte Wesen in eine solche Gefahr begeben?

Nach der kleinen Episode mit dem Abschied von Ninae stapft der Dain missmutig mit nach oben in den Turm. Er beginnt, die Beute ordentlich umzupacken, bis der Barde mit seiner Geschichte beginnt. Obwohl er den Wert der Ablenkung der Jung-Menschen versteht, erinnert er sich nur zu gut an das Erlebnis während der letzten Erzählung. Prompt steht er auf, greift seinen Schild und Waffen und begibt sich ein Stück die Treppe hinunter. Die Blicke der anderen beantwortet er mit einem gegrummelten: "ICH halte Wache.", bevor er verschwindet.

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