Autor Thema: Interpellation  (Gelesen 6789 mal)

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Menthir

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Interpellation
« am: 24.01.2011, 15:40:20 »
Auch hier gilt:
Zitat
"Kritik ist Wind in meinen Segeln." - Martin Walser

Fühlt euch frei, euch zu äußern, sobald auch nur irgendwas nicht passt oder ihr irgendetwas besonders gut findet. Ihr werdet sehen, dass ich doch eine sehr diskussions- und kritikfreudige Person bin. Und daher wünsche ich mir zumindest hin und wieder eine Rückmeldung hier. :)
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Menthir

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« Antwort #1 am: 28.06.2011, 00:25:51 »
Da wird bereits das erste halbe Jahr seid Ideengeneration hinter uns gebracht haben, würde ich gerne die erste Kritikrunde eröffnen und euch dazu ermuntern, mir etwas Rückmeldung zu geben.

Christian Morgenstern hat einst gesagt: "In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik am andern."
Und damit will ich es auch halten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie das mit dem Tempo und der Kampagne ankommt, und ich weiß, dass es einen Unterschied zwischen den Beiträge gibt, welcher auch in der freien Zeit der Beteiligten liegt. Das möchte ich auch nicht kritisieren, ganz im Gegenteil. Aber aufgrund dessen, dass Karl und Conrad weniger Zeit zum Beitragen haben, kann ich nur schwerlich einschätzen, welchen Eindruck die Kampagne auf sie macht.

Ich denke, ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die Impulse, was Frequenz und Länge angehen von Alfred, Carl und von Hermene kommen (Der Kampf war natürlich ein notwendiger Bruch). Das bringt mich jedoch nicht dazu, die Beiträge von Conrad und Karl als schlechter oder weniger wichtig anzusehen, auch wenn ich vor allem Alfred und Carl und in Ansätzen von Hermene (ist zeitlich hin und wieder ja auch verhindert, was ja kein Problem ist!) für ihre Beteiligung gerne lobe! Insbesondere gefällt mir Alfreds naturwissenschaftliche Nähe und die Detailarbeit bei diesen Beiträgen und diese Tiefe, welche Alfred bereits jetzt gewonnen hat. Bei Carl gefällt mir sehr gut, dass er den preußischen Geist gut einzufangen weiß und immer wieder die Initiative zu übernehmen weiß. Hermenes Rolle als konservatie Nonne gefällt mir auch.
Aber auch Karls Plattdeutscheinwürfe fand ich sehr schön, ebenso Conrads Fähigkeit, wichtige Information knapp und verständlich wiederzugeben und vor allem auch, die wichtigen Fragen zu stellen. Und auch wenn Karls und Conrads Beiträge nicht immer sehr lang sind (was auch nicht gefordert ist), haben sie doch auch wichtige Impulse setzen können.
Da eure Rückmeldung bei mir jedoch geringer ist, weiß ich nicht, wie ich das einschätzen kann. Ob ihr einfach noch nicht so viel über eure Charaktere selbst preisgeben wollt, ob ihr einfach nur zeitlich gebunden seid oder ob es vielleicht sogar so ist, dass dieser Kampagnentyp euch nicht in dem Maße anspricht. Da ich das deswegen schwer nachvollziehen kann, will ich deswegen nochmal gezielt nachfragen, wie die Kampagne bei euch ankommt. Natürlich möchte ich insgesamt von jedem Spieler eine zumindest kurze Rückmeldung und darum bitte ich inständig.

Ich selbst bin sehr zufrieden mit dem Fortschritt. Zwar haben wir kein verblüffendes Tempo, aber ich habe ein gutes Gefühl, was diese Kampagne angeht und gerade die guten Beiträgen geben mir immer wieder Anlass, die Motivation zu finden, mich tief in die Kampagne einzuwühlen. Ich hoffe, dass sich das bisweilen auch zeigt.
Natürlich habe ich auch immer ein bisschen Sorge, dass ich ein bisschen übertreibe in den Darstellungen oder in anderen Situationen zu wenig Pathos zeige. An diesen atmosphärischen Dingen möchte ich noch arbeiten. Auch bin ich, wie euch sicherlich aufgefallen ist, kein sonderlich gestrenger Spielleiter und bin deswegen auch immer gefährdet, ein wenig schleifen zu lassen. Zwar nicht im großen Stile, denn das tötet Runden, aber ich benötige durchaus auch häufiger mal einen oder zwei Tage mehr. Grundsätzlich kann ich mit diesem Tempo aber leben, solange es stetig weitergeht und allen Beteiligten ausreichend Spaß macht.

Eine letzte Sorge, wobei ich nicht weiß, ob sie eingetroffen ist: ich habe immer ein wenig Sorge davor, dass Spieler oder Charaktere nicht genügend eingebunden fühlen. Sicherlich haben wir, weil Onlinekampagne, noch nicht übermäßig viel erleben können. Aber als Spielleiter ist es nicht immer leicht, zu beurteilen, ob alle Spieler sich ausreichend gefordert fühlen oder eher das Gefühl haben, dass sie ja so gar nicht wirklich gebraucht werden. Solltet ihr dieses Gefühl haben oder auch bei allen anderen Sachen, ich wiederhole mich dabei gerne: scheut euch nicht, Kritik an mir zu üben.
Vielen Dank und soviel für den Moment. :)

Postskriptum: Eine kleine, negative Kritik habe ich jedoch auch noch. Nach den Leitsätzen der Erörterung steht sie natürlich am Ende, damit sie in Erinnerung bleibt: Ein paar Spieler schulden mir noch Hintergrundgeschichte!  :cop:  :wink:
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Finster

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« Antwort #2 am: 28.06.2011, 01:43:06 »
na dann erstmal vielen Dank für die Komplimente. Wie ich es gelernt habe beginne ich mit den positiven Äußerungen ;)

Ich finde es großartig wie viel Mühe du dir gibst und ich glaube großen Aufwand in deinen Anstrengungen zu erkennen. Das gleiche gilt auch für Alfreds Beiträge, wie du ja auch schon erwähnt hast. Das geht soweit dass ich hin und wieder Anflüge eines schlechten Gewissens habe, weil ich mir nicht soviel Mühe mache, was zum Beispiel Detailarbeit angeht. Das liegt vor allem daran, dass ich durchs Studium bedingt den ganzen Tag so viel nachschlagen und belegen muss, dass ich es mir in der Freizeit gerne erspare ;) Aber da es so scheint, dass es auch ohne sehr gut funktioniert scheint hier auch kein Verbesserungsbedarf zu bestehen.

Ich bemühe mich immer zu schreiben wenn es geht und es macht mir auch großen Spaß Carl zu verkörpern. Ich halte mich aber auch hin und wieder etwas zurück, weil ich nicht möchte, dass Carl den anderen die Show stiehlt. Falls das mal der Fall sein sollte wäre ich sofort über entsprechende Rückmeldungen erfreut.
Sicherlich ist Carl vom Typ her eh ne Führungspersönlichkeit und ich hab auch kein Problem damit Impulse zu geben, aber ich möchte damit halt nicht andere ins Abseits rücken.

Ansonsten gefällt mir alles sehr gut und ich glaube dass ich noch nie in einer Runde war (egal ob online oder real), wo man so wundervoll auf meinen Charakter eingegangen ist. Zum Beispiel hatte ich ziemliche Skrupel bei der Rettungsaktion mit Carl einfach das Kommando zu übernehmen, aber die Reaktionen von Euch und auch von Menthir haben mich dann vollkommen überrascht (im positiven Sinne). Überhaupt hat mir diese ganze Rettungsszene sehr gefallen.

Zur Geschwindigkeit: Ich finde das Tempo sehr angenehm. Die Sachverhalte sind etwas komplexer als in anderen Kampagnen und bedürfen zumindest bei mir auch mal einen Tag zum verdauen. Jetzt im Moment ist auch wieder so ein Punkt wo ich mir erst mehr Überblick verschaffen muss bevor ich Ingame über das Thema diskutieren kann.

Wirklich negative Äußerungen habe ich eigentlich nicht vorzubringen, bzw. fällt mir nicht ein was mir verbesserungswürdig vorkommt.

Ich hoffe das war jetzt nicht zu ungeordnet aber ich kann grad auch nicht sonderlich strukturiert denken ;)


Iucundi acti labores

Schwester Hermene

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« Antwort #3 am: 28.06.2011, 10:05:19 »
Ich finde es großartig wie viel Mühe du dir gibst und ich glaube großen Aufwand in deinen Anstrengungen zu erkennen. Das gleiche gilt auch für Alfreds Beiträge, wie du ja auch schon erwähnt hast. Das geht soweit dass ich hin und wieder Anflüge eines schlechten Gewissens habe, weil ich mir nicht soviel Mühe mache, was zum Beispiel Detailarbeit angeht. Das liegt vor allem daran, dass ich durchs Studium bedingt den ganzen Tag so viel nachschlagen und belegen muss, dass ich es mir in der Freizeit gerne erspare ;) Aber da es so scheint, dass es auch ohne sehr gut funktioniert scheint hier auch kein Verbesserungsbedarf zu bestehen.

Da schließ ich mich mal voll und ganz an. Mir fällt auf, dass du immer wieder Fußnoten einfügst, um Wörter oder Personen zu erklären oder Quellen dazu zu liefern. Das Ganze wirkt sehr sehr durchdacht und mit viel Liebe zum Detail entworfen. Ich weiß, das hat mit deinem Studium zu tun, aber das alles so toll in eine Spielrunde zu übersetzn ist trotzdem Wahnsinn.

Ich komme mir nicht vor, wie in anderen Runden, also wie in einem Fantasyspiel, sondern wie in einem historischen Roman (mancher mag sagen: Ist doch klar! Finde ich aber nicht!). Das hatte ich so gar nicht erwartet und finde es sehr gut. Das Spielgefühl ist ganz anders als in meinen anderen Runden (die du, Menthir, ja allesamt kennst).

Insgesamt macht es mir sehr viel Spaß hier zu spielen und ich habe nichts zu meckern. Ich hoffe allerdings, dass die Gruppe bald wieder zusammenfindet, denn - und dies muss ich eingestehen - Interaktion mit anderen Spielern treibt bei mir auch die Schreibfreude voran.

Ich muss mir auch eingestehen, dass ich mit Hermene wieder einen schwierigen Charakter entworfen habe, was es manchmal nicht leicht macht, da ich selbst mich nicht sehr mit der Kirche verbunden fühle. Ich nehme mir allerdings vor, dass ich künftig mehr ihre übersinnliche und wissenschaftliche Seite zur Geltung bringen will, als ihre Boshaftigkeit. Ich denke, das macht es dann auch den anderen Spielern leichter.

Also wie gesagt, ich bin rundum zufrieden, auch wenn ich leider etwas länger zum Posten brauche (lasst dies nicht mein Alter Ego Kayman hören  :oops: Das liegt an meinem Char und keinesfalls an der Runde selbst.

Alfred Nobel

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« Antwort #4 am: 28.06.2011, 13:54:45 »
Postskriptum: Eine kleine, negative Kritik habe ich jedoch auch noch. Nach den Leitsätzen der Erörterung steht sie natürlich am Ende, damit sie in Erinnerung bleibt: Ein paar Spieler schulden mir noch Hintergrundgeschichte!  :cop:  :wink:

Irks. Da gehöre ich dazu. Verzeihung, vielmals! Wird in einer ruhigen Stunde umgehend nachgeholt!

Zu Beginn jedoch auch erst ein herzliches Danke für das Lob. Ich bin selbst überrascht, wie gerne ich Alfred spielen mag, daher wundert es auf der anderen Seite natürlich nicht, dass es mir leicht fällt, verhältnismäßig viel Zeit und Energie in seine Figur zu stecken. Den ursprünglichen Anreiz für den Charakter habe ich aus der Erkenntnis gewonnen, dass ich leider viel zu wenig über die geschichtliche Entwicklung der Naturwissenschaft weiß. Da vor allem das Ende des 19. Jahrhunderts und der Beginn des 20. einen wesentlichen Übergang für die Physik und Chemie darstellt, habe ich versucht, meine Nische in der Runde hier zu finden. Will sagen, mich in das Szenario zu integrieren bereitet mir sehr viel Freude. :)

Und zum anderen soll gesagt sein, dass Menthir es geschafft hat, mich Geschichtsmuffel dazu zu bringen, seitenweise Artikel über Länder, Personen, alte Dokumente und auch die Politik einer mir vollkommen fremden aber historisch nicht unbedeutenden Zeit zu durchforsten. Ich hätte nicht gedacht, dass ich auch Spaß daran finden könnte, mich mit historischen Themen zu befassen. Natürlich hat Finster absolut Recht, und auch Menthir hat es zu Beginn erwähnt:

Der Umgang mit historischen Texten ist nicht gefordert. Das Schreiben einer eigenen Geschichte ist erforderlich. Das hier ist eine fiktive, phantasiegespickte Geschichte des Deutsch-Dänischen Krieges im Pathfindermantel und kein wissenschaftliches Colloquium. :)

Umso bemerkenswerter finde ich, dass es unserem Spielleiter gelungen ist, dass ich mich selbst damit beschäftige(n möchte) und nicht vor Überforderung den Nagel an den Hut hänge. Oder so ähnlich.

Die Detailgetreue wurde bereits genannt und ich möchte diese natürlich noch mal betonen und bewundern. Sie gibt mir immer wieder Ansporn, mich ebenfalls im selben Maße zu beteiligen. Auf der anderen Seite schreibt George R.R. Martin, der Autor der mittlerweile sehr erfolgreichen Fantasy-Romanserie 'A Game of Thrones':

Zitat von: Geore R.R. Martin link="http://www.georgerrmartin.com/faq.html"
A writer cannot do too much research... though sometimes it is a mistake to try and cram too much of what you learned into your novel. Research gives you a foundation to build on, but in the end it's only the story that matters.

Und ich möchte mich auf den zweiten Teil des Zitates beziehen: Die bisher erlebte Geschichte, so kurz sie auch gewesen sein mag, war fesselnd, bedeutsam, und überragend zugeschnitten auf unsere Charaktere. Ich hätte mich vermutlich über nichts mehr geärgert, wenn der Plot eine generische Abfolge von Fakten und Ereignissen gewesen wäre, aber ich hätte das von unserem Spielleiter ohnehin auch nicht erwartet. Ich freue mich, dass Du die Studenten, den Leutnant, die Nonne und den Wissenschaftler mit einem eigenen Wirkungsbereich und Bezugspunkten in die Geschichte mit einbeziehst, so dass man als Spieler den Eindruck hat, es lohnt sich, seinem Charakter Tiefe zu verleihen. Wenig ist so frustierend für einen Spieler, wenn die sorgsam investierten Gedanken in seinen Charakter bedeutungslos am Spielleiter vorbeigehen. Daher ein großes Lob für Deine Weitsichtigkeit und die Mühe, und ebenfalls großes Danke.

Das Spieltempo stört mich nicht, es ist mir sogar sehr recht. Ich bin zwar gespannt, wie wir den knapp einjährigen Krieg durchbekommen wollen, wenn wir sechs RL-Monate für einen InGame-Tag brauchen, doch auch da bin ich zuversichtlich, dass uns (oder Menthir) etwas einfällt.

Hermene ist eine unglaublich spannend zu lesende Figur und eine wundervoll kreative Charakteridee. Obwohl ich mir immer wieder vor Augen führe, dass Kayman ihre Gesinnung explizit als rechtschaffen böse auslegt, muss ich oft an den Charakter Miko aus OotS denken, eine Paladina, die ähnlich fanatisch und verbittert wirkt (den Link zu Richs Seite kann ich mir vermutlich sparen :) ). Ich bin sehr gespannt auf die erste Begegnung zwischen Alfred und Hermene. Bei einigen Beiträgen Kaymans mache mir manchmal Sorgen, dass die boshafte Art der Schwester ein Zukunft vermutlich anzustrebendes Gruppenspiel erschweren könnte - aber da vertraue ich auf Kaymans Feingefühl, dass er es schaft, die Härte Hermenes zu erhalten und trotzdem eine Gemeinschaft zu ermöglichen. :)

Carl von Lüttjenburg liest sich so flüssig und angenehm, bei jeglichem Beitrag habe ich das Gefühl, dass Finster es schafft, den Moment mit einem authentischen Verhalten seines Charakters zu erfassen. Er passt einfach so wundervoll in mein Bild eines damaligen studentischen Militärs und hilft ungemein, das Szenario zu prägen. Auch dafür vielen Dank!

Auch wenn es bisher noch wenige Möglichkeiten gab, die Besonderheiten Karls und Conrads hervorzuheben, bin ich begeistert, wie nahtlos und selbstverständlich sie sich in das Rettungsszenario eingefunden haben. Ich habe bisher Karl als eher impulsiv und aktionsfreudig und Conrad als bedacht und berechnend wahrgenommen, und würde mich freuen, wenn sich in Zukunft noch Gelegenheiten ergeben würden, welche meine Beobachtungen bestätigen oder widerlegen und natürlich auch ergänzen! :)

Zum Schluss noch schnell (ist lang geworden, ohje): Wunderschöne Runde, mit Eifer und Begeisterung dabei und in voller Freude über jeden Beitrag. Danke Euch allen! :)
But I have learned to study Nature’s book
And comprehend its pages, and extract
From their deep love a solace for my grief.

 - A Riddle, 1851

Conrad Rosenstock

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« Antwort #5 am: 07.02.2012, 20:16:48 »
Ich hoffe, dass man hier auch ein kurzes Lob reinstellen kann ;)

Ich finde die Szene beim Herzog gerade richtig toll. Schade, dass jeder einschließlich mir momentan wenig Zeit hat, um die Szene wirklich mit einigen Posts entsprechend zu würdigen. So geht es halt etwas langsam voran. Aber ich hoffe, dass ich noch ein paar Posts machen kann, bevor es Richtung Alfred weitergeht. Donalds Auftrag ist es ja eh die Nobelbrüder zu schützen und zumindest mit nach Kiel wird Schwester Hermene schon kommen.

Menthir

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« Antwort #6 am: 08.02.2012, 11:07:22 »
Ich hoffe, dass man hier auch ein kurzes Lob reinstellen kann ;)

Ich finde die Szene beim Herzog gerade richtig toll. Schade, dass jeder einschließlich mir momentan wenig Zeit hat, um die Szene wirklich mit einigen Posts entsprechend zu würdigen. So geht es halt etwas langsam voran. Aber ich hoffe, dass ich noch ein paar Posts machen kann, bevor es Richtung Alfred weitergeht. Donalds Auftrag ist es ja eh die Nobelbrüder zu schützen und zumindest mit nach Kiel wird Schwester Hermene schon kommen.

Vielen Dank! Das nehme ich doch gerne. :)

Keine Sorge, ihr werdet dort noch ausreichend Zeit haben. :)

EDIT: Ich werde im März auch mal wieder eine Kritikrunde schreiben, wenn ich genügend Zeit dafür habe.
« Letzte Änderung: 08.02.2012, 11:08:22 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Menthir

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« Antwort #7 am: 14.03.2012, 22:43:28 »
"In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik am andern." - Christian Morgenstern

Nach wie vor ist dieser Satz Grundlage meines Versuches an Kritik und das Ideal, welches ich zu verkörpern versuche. Ich weiß, dass ich letztendlich weit davon entfernt bin und diesem Ideal nur nachjage, ihm aber nie wirklich gerecht werden kann. Das liegt daran, dass ich nicht jede Aktion meiner Person und jeden Beitrag einer anderen Person nachvollziehen kann. Neben einer grundsätzlichen Unfähigkeit, spielt auch eine zeitweilige Lustlosigkeit eine gewichtige Rolle. Ich bin ein Freund der Reflexion, Selbstreflexion und der Diskussion, aber auch das bedingt nicht zwangsläufig, dass man alles und allem Rechnung tragen kann. Eine weitere Einschränkung meiner kritischen Betrachtung ist die relative und überwiegende Unkenntnis der hinter den Charakteren sitzenden Persönlichkeiten und so kann ich ihrer Bemühung nicht immer Genüge tun und die richtigen Worte finden. Da wir nur die Schrift und eine handvoll auf schwammigen Konventionen beruhende Emoticons zum Austausch haben, spielt die Interpretation der Worte immer eine entscheidende Rolle. Dies kann und führt manchmal bis häufig zu Missinterpretationen. Sollte ich euch also mit meinen Worten vor den Kopf stoßen (auch wenn ich eigentlich nichts Schlechtes zu berichten haben), zögert nicht, mich darauf aufmerksam zu machen.
Natürlich steht euch das Recht zu, mich ebenso zu kritisieren und ich stelle euch das frei, ob ihr es in blümelnder Sprache und unterschwellig tun mögt, oder ob ihr direkte Worte dafür finden möchtet. Ich würde nur darum bitten, dass ihr - falls ihr eine Kritik meinerseits ungerechtfertigt finden solltet - nicht unmittelbar und echauffiert darauf antwortet und dann blinde Gegenkritik an mir übt. Das führt zu häufig dazu, dass beide Seiten nicht nur subjektiv in ihrer Sicht werden (subjektiv ist man immer), sondern auch egoistisch und selbstverteidigend durch die Beschuldigung des anderen werden. Das würde ich gerne verhindert wissen. Solltet ihr euch also angegriffen oder ungerecht behandelt fühlen (was auch passieren mag, wenn ich euch über den grünen Klee lobe), sprecht das bitte so direkt an und reagiert nicht mit plötzlicher Gegenkritik. Denn eure Kritik sollte nicht erst dann provoziert werden, wenn ich Kritik übe. Eure Kritik (positiv oder negativ) sollte eher etwas Selbstverständliches sein, welches ihr immer dann üben solltet, wenn die Situation es fordert oder ihr es angebracht haltet. :) Ich kann nur einen Vorschlag aus meiner Armeezeit weitergeben: Wenn man sich ungerecht im Menschlichen behandelt fühlt, eine Nacht drüber schlafen und wenn man sich immer noch angegriffen fühlt, nachfragen und dann drüber sprechen. :)

Warum setze ich diese Worte in den Vordergrund? Was für den einen selbstverständlich ist, mag der Nächste als Affront gegen sich oder seine Ansichten verstehen.

Nun aber zu meiner eigentlichen Kritik. Die Runde gefällt mir gut bis sehr gut. Es schwankt zwischen sehr gut und gut, weil es ganz natürlich manchmal Hochphasen und manchmal schwierige Phasen gibt. Das hat mit persönlicher Lust zu tun, und betrifft sicherlich nicht nur mich, sondern auch alle Spieler. Aber es hat auch mit externen Faktoren zu tun, zum Beispiel, dass wir nicht immer die Mühe investieren können, die wir gerne wollten, weil Arbeit, Studium, Krankheiten (auch in der Familie) uns abhalten. Das ist für mich kein Problem, aber das macht es natürlich jedes Mal schwierig, wieder in seinen Charakter oder in die Runde zu finden. Aber das ist eine Kleinigkeit, der mich ganz und gar nicht behindert. Ich denke, jeder hat sich mit dieser Problematik weitestgehend arrangiert.

Besonders bewunderswert finde ich folgende Punkte:
  • Die hohe Qualität der Beiträge
Das besondere hierbei ist, dass wir durch die Qualität das fehlende Tempo, welches uns bisweilen drückt, mehr als wett machen. Natürlich ist nicht jeder Beitrag ein Wunderwerk (das kann er auch gar nicht sein) und es gibt qualitative Unterschiede zwischen den Spielern, die ich aber nicht bewerten möchte. Da mag Talent, Zeitaufwand, Lust und Verbindung mit dem Charakter eine Rolle spielen, ebenso wie unterschiedliche Spielauffassungen. Ich denke dennoch, dass von der Qualität und dem Willen, sich auf die Spielwelt einzulassen, wir hier eine Runde haben, welche in der Qualität im gesamtem Gate ganz oben mitspielen dürfte. Und damit sind die Spieler gemeint und kein Selbstlob intendiert.
  • Die Diversität der Gruppe
Wenn ein bestimmtes Zeitfenster mit historischem Anspruch gespielt wird, hat man es häufig, dass sich vor allem Stereotype wiederfinden. Stereotype sind natürlich wichtig, um einen Inhalt überhaupt zu fassen, und das ist gut, Dinge mit Wiederkennungswert einfließen zu lassen. Das Problem beginnt dann, wenn die Spieler und der Spielleiter nicht über diesen Tellerand blicken. Dieses Phänomen ist hier jedoch überhaupt nicht der Fall. Zwar war ich am Anfang etwas verwundert darüber, dass ich alle in der Studentenschaft haben wollte und trotzdem gleich die Bitten kamen, aus ihr Ausbrechen zu dürfen, aber letztendlich war es gut (und ich habe dabei auch keine Steine in Weg gelegt, denke ich), dass ihr aus dem Rahmen ausgebrochen seid, ohne euch dem Zeitgeist zu widersetzen. Dadurch haben wir eine hohe Diversität in der Gruppe, und meine Furcht, nur einen Haufen propreußischer Militarier und einen Quotenkommunisten zu haben, hat sich nicht erfüllt. Vielen Dank dafür!
  • Facettenreichtum der Charaktere
Ich habe eigentlich nicht das Gefühl, dass jemand einen rein eindimensionalen Charakter spielen würde (obgleich ich zugeben möchte, dass ich das bei Donald wegen seiner Wortkargheit bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht einschätzen kann). Schön ist, dass ich bei jedem Charakter bisweilen etwas Neues entdecken kann, ohne dass sich der Charakter verfälscht. Und das ist etwas sehr schönes, das man gerne liest. Dafür gebührt der Gruppe auch Lob.
  • Das Zusammenspiel
Diversität birgt die Gefahr des Versteifens auf die eigene Rolle und die Gefahr eines gewollt subversiven Handelns. Die Szene um Alfred hat bewiesen, dass entweder ein Gruppenbewusstsein und/oder eine grundsätzliche Sympathie besteht. Das ist gerade in Bezug auf Donald oder auf Hermenes Gesinnung nicht so ganz einfach. Mit Hermene wird man dies natürlich sehen müssen, wie das weiterläuft. Die Anfangsszene hat bewiesen, dass da eine Kompromissbereitschaft besteht. Wie weit sie von Hermenes Seite besteht, wird man auch sehen müssen. Im Großen wirkte dies aber durchgehend solide und das ist auch spannend, so viel Verschiedenartigkeit in gemeinsame Schlagkraft zu verwandeln, ohne den eigenen Charakter darüber aufzugeben. Eine der großen Herausforderung des Charakterspiels und etwas, worauf ich mich auch für das weitere Spiel freue.

Des Weiteren möchte ich meine einzelnen Eindrücke kurz schildern.

Samuel Weissdorn:

Zu dir kann ich natürlich noch nicht viel sagen, außer dass dein Einstieg mir gut gefallen hat und auch der Charakter mir als solcher ganz gut gefällt. Aber eine genauere Betrachtung werde ich erst in Konfliktsituationen machen können. Du hast dir die Qualitätsmarke sehr hoch gesetzt und das finde ich sehr gut. Ich freue mich darauf, wie Samuel sich in die Gruppe und in das Geschehen findet und hoffe, dass ich auf den Charakter angemessen eingehen kann, da du dir mehr gegeben hast, dass ich als SL sehr viele Vorlagen habe.

Donald Munro:

Wenn das lakonische Wesen eine Tugend ist, kann das sehr gefällig sein. Ich muss zugeben, dass ich es bisweilen schade fand, dass du die Situationen, in denen du angespielt wurdest, nicht immer nutzen konntest, auch wenn den Aussagen nach externe Faktoren dafür zuständig waren, was natürlich auch verzeihbar ist. Das gilt im Besonderen, wenn Familienmitglieder und/oder gute Bekannte und Freunde betroffen sind. Du schreibst die kürzesten Beiträge, aber das muss nichts heißen. Manchmal ist das jedoch sehr schade, da ich denke, dass Donald eine sehr spannende Komponente in der Gruppe als Gegengewicht zu den Loyalisten sein kann (Conrad als Loyalist Schleswig-Holsteins, Carl als Preuße, Hermene als kirchliche). Außerdem könntest du, wenn du wolltest, eine spannende und ambivalente Rolle einnehmen, weil du genau an der Schnittstelle zwischen den Nationalitätenkämpfen und den dreckigen Söldnertätigkeiten im Hintergrund sitzt. Sehr schön durchgekommen ist der Highlandertrotz in den Szenen mit dem schwarzen Braunschweiger, wahrscheinlich wohl wissentlich, dass es dich in die Bredouille bringen würde. Ich hoffe, dass die privaten Dinge sich wieder einrenken und wir dich alsbald mit neuer Motivation an Bord haben.

Schwester Hermene:

Ich mag deinen Charakter sehr und was für Donald gilt, gilt in Teilen auch für Hermene. Und damit meine ich die Punkte, welche die besondere Rolle Hermenes bedingen, weil sie nicht nur eine anderen Facette, sondern ein ganz anderes Bild in das Spiel trägt. Sie kann die Rolle des Angestaubten spielen, sie könnte vor allem auch den Kulturkampf vorwegnehmen und ganz viele andere Aspekte einbringen und dann ist da noch das Spiel mit der Gesinnung. Aber leider beschäftigen dich deine privaten Dinge so sehr, dass Hermene auch im Moment quasi inaktiv ist. So konntest du auch leider nicht auf Szenen eingehen, die für dich geschneidert waren. Das ließ sich auch hier aufgrund der Dinge, die Priorität haben sollen und müssen, nicht ändern. Ich hoffe, dass sich das in der Folgezeit wieder ändern lässt und dein Leben dir die nötige Zeit lässt, deinen zweifellos spannenden Charakter wieder mehr einzubringen. Gerade der Aspekt, wie eine der Welt abgekehrte Person mit den Problemen der Welt "belästigt" wird, finde ich sehr spannend und mich würde interessieren, was Hermene aus der Situation für sich und/oder ihre Kirche schlagen kann, der sie doch so viel Loyalität entgegenbringt. :) Auch der Aspekt des Übernatürlichen und der vibrante Macht, den die alte Kirchenautorität haben könnte und kann, finde ich sehr gut. Davon würde ich gerne wieder mehr sehen. Sehr schön, dass du bereits mal wieder beigetragen hast. :)

Conrad Rosenstock:

Conrad macht sich aus einem Grund alleine unentbehrlich für die Runde und du als Spieler zudem: du gibst dem Spielleiter das Gefühl, dass die Spielerseite die Geschehnisse im Auge hat. Die Gefahr des Onlinerollenspiels ist, dass man so stark auf seinen Charakter fokussiert, dass man das Gesamtbild aus den Augen verliert. Das passiert mir als Spieler dauernd, deswegen weiß ich das zu schätzen, wenn ein Spieler auch das Spiel, das Panorama, im Auge behält (das soll nicht heißen, dass andere Spieler das Panorama nicht sehen, aber sie zeigen es mir eben nicht so häufig :)). Conrads Beiträge sind kürzer und sind trotzdem qualitätsvoll, das mag ich auch. Wenn Conrad postet, hat das meist sehr viel Hand und Fuß und einen Gedanken. Das weiß zu gefallen. Wenn ich mir irgendwas wünschen würde, dann wäre es, dass man manchmal auch etwas über die die Gefühlswelt oder Gedankenwelt von Conrad erfährt. :)

Carl von Lütjenburg:

Du schaffst etwas, was der Spielleiter sich für seine Beiträge immer erhofft, aber selten zustande bekommt. Diese geflissentliche Portion Preußischen Pathos in die Beiträge zu bringen. Carl trifft das Bild eines preußischen Offiziers sehr gut und hat sicher auch zweifelsohne die "Leader"-Rolle der Gruppe übernommen. Die Szene mit der Schiffsrettung war sicherlich die Paradeszene bisher und ich hoffe, dass wir noch mehr Szenen finden, die Carl derartig gut liegen. Ich denke, dass wir gemeinsam auch sehr gut die Zweiteilung zwischen Lokalpatriotismus und preußischen Patriotismus gefunden haben und dieser vielleicht manchmal virulente Kampf deutlich wird. Diese Mischung aus Pflichtbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein finde ich immer wieder sehr erfrischend. Diese Position ist für eine solche Runde enorm wichtig, weil was wäre eine Runde in diesem Geschichtsrahmen ohne Preußen? Weiter so! :)  Wenn ich hier einen Wunsch hätte, würde ich gerne auch mal Carls Innenleben kennenlernen in der ein oder anderen Szene. Wie geht Carl mit Furcht um, womit ist er emotional verbunden? Aber da wäre die Frage, ob es Carl nicht in gewisser Weise untergraben würde, solche Gedanken zu äußern. ;)

Alfred Nobel:

Du hast bei Spielbeginn einen wirklich ungewöhnlichen Wunsch geäußert, als du teilnehmen wolltest. Das Mimen einer Person, die real existierte. Das ist natürlich mit ganz anderen Voraussetzungen verbunden. Es obliegt nicht meinen Fähigkeiten, es vollständig qualitativ zu bewerten, inwieweit du absolut am wirklichen Alfred Nobel dran bist. Aber jenes, was ich über Nobel weiß, verkörperst du mehr als gut, ich bin fast geneigt, es noch höher zu bewerten und mich in vielleicht zu schwärmerischen Worten zu ergehen. Du hast mich mal im Übermut ein Epitom der Detailliebe genannt, und dieses kann ich nur zurückgeben, gerade was die Darstellung eines Mannes angeht, der ein unglücklicher und zerrissener Mensch gewesen sein soll, der vom Vater in den Beruf des Chemikers gezwungen wurde, nie den Verzicht auf die erträumte dichterische Laufbahn verwunden habe und sich mit Minderwertigkeitskomplexen quälte. Das alles finde ich wieder, und du legst sehr viel wert auf die Familie. Das macht sich in den anderen Zugehörigkeitskategorien (Militär, Studentenschaft, Nation, Kirche, Söldnertrupp) sehr gut, da es eine weitere Facette zeigt. Das mit dem Dichten kam vor und wer würde sowas aufführen, wenn er sich nicht in den Charakter gedacht hätte? Deswegen macht es auch nichts, dass deine Zeit begrenzter geworden ist. Die Qualität ist lobenswert und trotz des Charakterspiels bemühst du dich auch immer wieder die Geschichte voranzubringen. Dazu die Liebe zu den kleinen, aber feinen naturwissenschaftlichen Verweisen. Wenn ich hier einen Wunsch frei hätte, wäre es jener, dass du so weitermachst und vielleicht zehn Minuten die Woche mehr für uns hast. :)

Der Spielleiter:

Ich werde keine positiven Punkte an mir nennen und ich werde nicht alles bewerten wollen, sondern nur kurz erläutern, was ich eigentlich hätte mehr rüberbringen wollen. Es ist vor allem der Pathosgedanke, den ich noch nicht deutlich genug gemacht habe. Daran muss ich noch ein wenig arbeiten, da ich als Mensch eher ein nüchterner Trotzkopf bin. Vielleicht kommt daher auch meine Faszination für Pathos. Des Weiteren würde ich gerne noch mehr Kulturgut aus der Zeit einbringen, aber trotz aller historischen Berührung mit der Zeit, habe ich mich vor allem mit Personengeschichte und politischer Geschichte beschäftigt, deswegen gehen mir Technikgeschichte, aber vor allem das kulturelle Bild abseits der Stereotypen und Klischees etwas ab. Ich würde viel lieber das einfache Leben oder das Studentenleben detaillierter beschreiben, doch da fehlt mir noch das Wissen und zu häufig erwische ich mich dabei, einfach darüber hinwegzugehen. Es ist sicher nicht immer notwendig, weil wir vor allem auch moralischer und politischer Ebene spielen, aber dennoch würde ich es gerne mehr betonen.

Es gibt noch mehr Punkte, die ich an mir zu kritteln hätte, aber das mag als Ansatz reichen. Jetzt würde ich euch bitten, eure Sicht der Dinge darzulegen oder mir eine mit der Holzkeule zu geben, wenn meine Einschätzung furchtbar oder falsch oder beides ist. Oder sie vielleicht zu bestätigen. Vielleicht findet ihr auch Worte für eure Mitspieler. Natürlich ist eine solche Äußerung keine Pflicht, dennoch möchte ich dazu ermutigen.

In diesem Sinne,

möge unser Spiel weiter bei so hoher Qualität weitergehen und mögen wir immer den schmalen Grat zwischen Charakterspiel und Storyentwicklung finden. Und vor allem, mögen wir diese Runde zu einem würdigen Abschluss bringen eines nicht allzu fernen Tages. :)

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Alfred Nobel

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Interpellation
« Antwort #8 am: 16.03.2012, 17:11:39 »
Trüge ich einen Hut, so wäre er auf und davon.

Ich habe bereits an anderer Stelle etwas unvorsichtig zu verstehen gegeben, dass mir unsere Runde die wohl am liebste im ganzen Gate geworden ist. Ich stehe noch immer dazu und verzichte darauf, die anderen zu verteidigen. Aber ich möchte unseren über die Maßen selbstkritischen Spielleiter unbedingt darauf aufmerksam machen, von welchen anderen Runden ich spreche. Dann darum bitten, selbst ein Urteil über die jeweiligen Spiele zu fällen - ich nehme an, deren Qualität wertzuschätzen wird ihm einfacher fallen, als über "seine eigene Arbeit" zu urteilen. Und dann noch mal zurück zu meiner ersten Aussage. So. Konnte ich meine Meinung kommunizieren?

Durch mein eigensinniges Handeln habe ich mir in der Kampagne leider sehr früh eingebrockt, dass der Großteil meiner Spielzeit fernab von meinen Mitspielern stattgefunden hat. Deswegen möchte ich den Spielleiter und meine Mitspieler um Verzeihung bitten. Darum, dass der SL den doppelten Spieleaufwand betreiben musste, und darum, dass ich meinen Mitspielern und mir einen Großteil der Interaktion verwehrt habe. Ich habe die Szenen beim Herzog mit Spannung gelesen. Meine erste Einschätzung über meine Mitspielercharaktere vor über einem halben Jahr hat sich entweder froh bestätigt, oder gar gebessert! Ich mag Eure Charaktere, jeden einzelnen finde ich individuell genug, um spannend zu sein, und stilecht genug, um zum Erfolg und Spielerlebnis der Kampagne beitragen zu können. Finde ich.

Ich mag das Lob des Spielleiters gar nicht kommentieren, ich traue mich nicht. Daher danke ich einfach bewundernd, sowohl für Deine Worte, als auch die Gelegenheit, meine mehr oder weniger nobel gesinnten Hirngespinste spinnen zu dürfen. Tack så mycket!

Was ich aber machen möchte, ist positive Punkte über unseren Spielleiter nennen, wenn er sie sich selbst schon verweigert. Ich verbitte mit den Übermut den Du meinen Worten anhaftest. Dir gelingt es durchaus, mit Detailarbeit, Hin- und Verweisen eine Stimmung aufzubauen, die bei mir ein weit fassendes Bild unserer Spielzeit vermittelt. Wie "korrekt" dieses Bild sein mag, ist dabei uninteressant, wie bereits erwähnt, wir sind hier schließlich kein Geschichtliches Kolloqium. Aber die Wirkung ist zweifelsohne da.
Nach wie vor bin ich begeistert darüber, wie viel Mühe Du Dir gibst und wie es Dir gelingt, Deine Spieler in die Geschichte einzubinden. Dazu gehören Hermenes Altenstift, Carls Wirkung als preußischer Offizier. Und natürlich die Erpressungsgeschichte um die Familie Nobel. Alfred ist kein generisches Datenblatt, dem ich eine Persönlichkeit aufgestempelt habe. Ich habe den Eindruck, dass mein Charakter wichtig für unsere Geschichte ist. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass so eine Empfindung durchaus im Sinne unseres Spielmachers ist.
Ebenso wichtig ist für mich die Absehbarkeit unserer Runde. Ich hege große Hoffnungen, dass dies meine erste Runde sein wird, die zu einem Ende kommen wird, und nicht aus welchen Gründen auch immer im Sand verläuft. Dies kann natürlich nur geschehen, wenn sich der Spielleiters eines Endes bewusst ist. Als ich gesehen habe, dass Deine Kaiserrunde einen Schluss findet, war ich hellauf begeistert und in froher Hoffnung, dass ein solcher auch für unseren Kampf für Glorie vorgesehen ist.

Und ich will nur noch entschlossen zu verstehen geben, dass ich mein Bestes tun möchte, dass wir diesen glücklich und zufrieden gemeinsam erreichen. :)
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Finster

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« Antwort #9 am: 23.03.2012, 18:34:43 »
Hallo,

Etwas verspätet habe ich jetzt einen Augenblick um hier dann nun doch endlich zu Wort kommen zu können.
Zunächst beginne ich mal mit der direkt an mich gerichteten Kritik:


Carl von Lütjenburg:

Du schaffst etwas, was der Spielleiter sich für seine Beiträge immer erhofft, aber selten zustande bekommt. Diese geflissentliche Portion Preußischen Pathos in die Beiträge zu bringen. Carl trifft das Bild eines preußischen Offiziers sehr gut und hat sicher auch zweifelsohne die "Leader"-Rolle der Gruppe übernommen. Die Szene mit der Schiffsrettung war sicherlich die Paradeszene bisher und ich hoffe, dass wir noch mehr Szenen finden, die Carl derartig gut liegen. Ich denke, dass wir gemeinsam auch sehr gut die Zweiteilung zwischen Lokalpatriotismus und preußischen Patriotismus gefunden haben und dieser vielleicht manchmal virulente Kampf deutlich wird. Diese Mischung aus Pflichtbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein finde ich immer wieder sehr erfrischend. Diese Position ist für eine solche Runde enorm wichtig, weil was wäre eine Runde in diesem Geschichtsrahmen ohne Preußen? Weiter so! :)  Wenn ich hier einen Wunsch hätte, würde ich gerne auch mal Carls Innenleben kennenlernen in der ein oder anderen Szene. Wie geht Carl mit Furcht um, womit ist er emotional verbunden? Aber da wäre die Frage, ob es Carl nicht in gewisser Weise untergraben würde, solche Gedanken zu äußern. ;)

Erstmal natürlich tusend tak, wie unsere dänischen Feinde ja sagen würden, das ist beinahe zu viel des Lobes. Genau deshalb muss ich auch gleich mal mindestens 50% davon an dich zurück zu verweisen. Denn du ermöglichst es mir ja erst, dass sich Carl als Preuße, Nationalist und Offizier aufspielen kann. Wenn Carl also so sehr wie ein Lionel Messi begeistert, dann nur weil er von einem spielleiterischen Andres Iniesta in Szene gesetzt werden kann. Ich hoffe dir gefällt die Fußballmetapher obwohl du weißt, dass ich nicht viel von Messi halte ;)

Was die Wunschäußerung angeht, habe ich da ganz ähnliche Gedanken, wie du auch schon geschrieben hast. Carl ist allem voran ein ziemliches Klischee. Ich bin kein Historiker, habe mich nie eingehender mit Preußen und/oder dieser Zeit in der wir spielen beschäftigt und ich bin (außerhalb des Fußballs) nur bedingt nationalistisch. Ich habe mich also mehr oder weniger einer sehr faulen Methode bedient und Carl einfach so gespielt, wie ich ihn mir vorstellen würde. Es erfreut mich dann natürlich um so mehr, wenn das so gut ankommt. Allerdings fällt es mir in der Tat schwer, mir Carl als Gefühlsmensch vorzustellen. Sicherlich hat er ein Gefühlsleben, aber ich hätte tatsächlich die befürchtung dass die Darstellung desselben seine Handlungen in ein weniger Carl'sches Licht rücken würde. Und da Carl wie schon geschrieben mehr Mythos als gute Recherche ist, würde das in meinen Augen auch ein wenig Demontierung sein ;)
Aber ich werd auf jeden Fall schauen, ob ich propagandistisch unbedeutende Stelle für die Einstreuung von Gefühlsleben entdecken kann ;)

Zu unserem Spielleiter an sich muss ich ja nach Alfred nicht mehr viel anfügen. Vielen Dank, es macht hier sehr viel Spaß und obendrein lernt man was dabei. Deine Spielrunden haben immer etwas von der "Sendung mit der Maus" und das ist für mich ein ultimatives Qualitätssiegel ;)

Meinen Mitspielern möchte ich ebenfalls meinen Dank aussprechen. Die Runde wird durch einen nicht unerheblichen Teil durch euer Engagement und eure Fähigkeit zu einer unvergleichlichen hier im Gate. Nicht nur InGame sondern auch OT ist es hier immer furchtbar angenehm und das ist nunmal nicht selbstverständlich und für mich etwas ganz Wichtiges.
Iucundi acti labores

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« Antwort #10 am: 18.08.2013, 13:06:34 »
Meinen herzlichen Glückwunsch zu der (fast) abgeschlossenen Runde!  :cookie:

Ich bin sehr gespannt auf die Folgerunde und die Charaktere, die sich dort einfinden.  :)
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Menthir

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« Antwort #11 am: 18.08.2013, 23:52:39 »
Vielen Dank! :)
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Alfred Nobel

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« Antwort #12 am: 05.09.2013, 14:59:38 »
Nachdem ich diese Woche schon zwei Mal dazu angesetzt habe, eine umfassende und ausführliche Kritik zu leisten, und beide Male frustriert das Forum wieder verlassen habe, weil ich keinen angemessenen Rahmen finden konnte, habe ich mir einige Gedanken gemacht. Ich glaube, es gibt nicht wenige Dinge, über die ich reden bzw. schreiben möchte. Um es mir leichter zu machen, verzichte ich daher auf einen großen Kritikbeitrag, sondern teile die Inhalte thematisch auf. Ich werde die Inhalte auch nicht in der vorliegenden Reihenfolge, sondern nach spontaner Eingebung bearbeiten. Die Strukturierung soll folgendermaßen aussehen:

  • A. Die Kampagne als Geschichte: Handlung, Rahmen & Szenario
  • B. Metagame: Der Spielleiter als Spielmacher
  • C. Mitspieler und deren Charaktere
  • D. Der eigene Charakter: Alfred Nobel
  • E. Highlights & Lowlights des Spiels
  • (F. Sonstiges)
« Letzte Änderung: 05.09.2013, 16:36:02 von Alfred Nobel »
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Alfred Nobel

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« Antwort #13 am: 05.09.2013, 16:35:05 »
A. Die Kampagne als Geschichte: Handlung, Rahmen & Szenario

Als Erstes möchte ich festhalten, dass ich zu Beginn dieser Runde und mich meiner Bewerbung um einen Spielerplatz keine ausreichend vorhandene Vorstellung davon hatte, in welche Richtung sich das Spiel entwickeln würde. Diese Erkenntnis ist für mich jedoch neu, und nicht für unsere Runde ausschließlich. In jedem anderen Spiel, für das ich einen Charakter erstellt habe, habe ich mir meist den Luxus der Unwissenheit gegönnt, in der Erwartung, dass ich im Verlauf des Spieles meinen Platz finden können werde. Das hat natürlich nicht immer funktioniert, und auch in dieser Runde tut es mir auch aufrichtig Leid, nicht Menthirs erster Bitte, einen Studenten oder Burschenschaftler zu spielen nachgegangen bin. Immerhin hätte dies eine passende Grundlage für die Handlung des Spiels geliefert (auf der anderen Seite bin ich jedoch froh, wie sich der Spielleiter um meine Sonderwünsche gebogen hat - das gehört aber unter Punkt B). Ich habe daher auf jeden Fall gelernt, dass es sich durchaus lohnen kann, dem Spielleiter zu Spielbeginn auf den Zahn zu fühlen um abzustecken, in welche Richtung das Spiel gehen soll - und welche Spielercharaktere dem Spielleiter vorschweben.

Eine meiner ersten Erwartungen an das Spiel und dessen Verlauf war, dass unsere Charaktere ein Abenteuer im besten Sinne eines Actionfilms erleben werden. Diese Erwartung war zum größten Teil unbegründet, zum kleinen Teil jedoch voreingenommen durch das actionlastige Spielsystem Pathfinder und meiner bisherigen Rollenspielerfahrung. Jetzt, zu Spielschluss, würde ich unsere Geschichte viel eher als Politthriller beschreiben, ein Genre, in dem ich mich durchaus sehr wohl fühlen kann. Ich für meinen Teil bin froh über diese Entwicklung und auch, dass diese Art des Spiels noch so viele Mitspieler angezogen und gehalten hat. Schließlich ist das nicht die erste Erwartung, die man an ein Abenteuerrollenspiel stellt, wenn man glaubt, ein solches vor sich zu haben.

Die Wahl einer historischen, (alternativ-)realen Spielwelt ist für mich eine der Entscheidungen unseres Spielleiters, worüber ich vielleicht sogar am dankbarsten bin. In den letzten Jahren hat mein Interesse an eigenen / fantastischen Spielewelten deutlich abgenommen. Das mag vielleicht zum Einen daran liegen, dass solche Welten meist nur in den Köpfen der Schöpfer vollständig (oder unvollständig) vorliegen und für mich als Leser / Zuschauer / Spieler nicht ausreichend bzw. zufriedenstellend ersichtlich sind, oder ich meine Probleme habe, die Zusammenhänge von Rassen, Kulturen, Religionen, Geschichten, etc. zu verstehen. Oder zum Anderen, weil ich in vielen Welten das Gefühl nicht los werde, dass sie im Wesentlichen nur eine destillierte Form der realen Welt & Weltgeschichte sind[1].

Durch die Anforderung dieser Runde, an einem historischen Szenario teilzunehmen, habe ich meine Begeisterung für Geschichte entdeckt - etwas, was ich bis vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Das möchte zunächst als etwas sehr positives festhalten, weil es etwas ist, wovon ich glaube, dass ich es in jedem Fall für die Zukunft mitnehmen kanne. In einem selbstgeschriebenen Szenario hätte dies nicht passieren können.
Außerdem hat es mir das historische Szenario ermöglicht, die gesammelten Informationen auf der Wikipedia für mich zu nutzen. Unter dem Vorwand, natürlich, es für unser Spiel zu nutzen, bin ich auf für mich faszinierende Themen und Ereignisse gestoßen, denen ich sonst nicht begegnet wäre.
Auf der anderen Seite bedeutet diese Freiheit und das massive Angebot natürlich auch, dass man den Fehler begehen kann, sich zu tief in den Hintergrund des Spiels einzuarbeiten. Zu tief heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass man besonders umfangreich informiert ist, sondern zweckgemäß am Ziel vorbei schießt: Mir ist es oft genug passiert, dass ich aus dem Lesen nicht mehr herausgekommen bin, wenn ich versucht habe, mir die Zusammenhänge aus den Bündnissen, Verträgen und Forderungen zu erschließen, die in unserem Spiel direkt, indirekt oder gar nicht vorgekommen sind. Insofern bin ich als Spieler leider oft der Gefahr nicht entkommen, den Bezug zu unserem Spiel zu verlieren. Natürlich ist das nicht vollständig verlorene Zeit, weil man dabei immer für sich selbst etwas sinnvolles lernt - es ist immerhin realhistorisch, nicht wahr? Dennoch ist für mich der Zeitinvestition unverhältnismäßig angestiegen, je weiter es ans Ende des Spiels ging und je mehr Zusammenhänge für die eigenen Handlungen zu berücksichtigen waren.

Ein letzter Punkt, den ich ansprechen möchte, ist das Fantasyelement des Szenarios. Obwohl Du zu Beginn bereits deutlich gemacht hast, dass das gesamte Pathfinderregelwerk mit dem gesamten Arsenal an Zauber vorhanden ist, hat sich ein Großteil Deiner Spieler dagegen entschieden, sich mit der Magie zu beschäftigen. Carl, Conrad, Samuel und Karl haben trotz der Möglichkeiten martialische Charaktere im Pathfindersinne gewählt. Hermene war die einzige Figur, die ihre magischen Voll ausgenutzt hat, Donald hat leider nicht lange genug am Spiel teilgenommen, um seine Tendenz zu zeigen, und Alfred hat deutlichen Gebrauch von seinen alchemischen Fähigkeiten und arkanen Möglichkeiten gemacht.
Magie hat eine unterstützende Rolle eingenommen, in Form von der verzauberten Waffe des Tortionnaires, des magischen Ringes von Professor Himly und der Unsichtbarkeitstränke von Lavalle auf Gut Emkendorf. Mit dem Söldnerführer John Baker ist, wenn auch nur indirekt, ein Zwerg als Fantasierasse aufgetaucht.
Ich habe mir die Frage gestellt, wie sich die Magie in ein historisches Szenario einbetten lässt, und habe auch heute noch keine Antwort darauf. Sofort stellen sich mir Fragen, wie beispielsweise eine Gesellschaft, die neben der Wissenschaft und Technik auch die Magie als Möglichkeit hat, sich wohl entwickeln wird, vor allem im Zeitalter der Industrialisierung. Oder wie die Glaubensfrage nach dem "Ob?" der Religion ein für alle Mal beantwortet sein wird, und noch nur die Frage nach dem "Wie?" stehen wird, und wie der Einfluss der Kirche angesichts dieser Unzweifelhaftigkeit aussehen wird. Das sind nur wenige Fragen, die wir nicht versucht haben zu beantworten. Auf der anderen Seite, war dies auch nicht das Ziel unseres Spieles.

Im Endeffekt bin ich zum größten Teil zufrieden damit, welchen Stellenwert die Magie in unserer Welt eingenommen hat. Wir sind in größten Maßen im Rahmen des plausiblen und glaubhaften geblieben, ohne gleich die Tiefen der Magie aufzubrechen. Für das Kampagnenziel hat sie keine Rolle gespielt, es ging schließlich um politische Intrigen und nicht darum, einen Erzmagier zu Fall zu bringen. Vermutlich wird dieser Zusammenhang mit ein Grund dafür sein, warum sowohl Spielleiter als auch Spieler sich dazu entschieden haben, Magie oder magische Lösungswege nur dezent einzusetzen. Ich möchte daher die glaubwürdigkeit unseres Szenarios ein wenig mit der Dark Knight Trilogie oder sogar dem Film Prestige von Christopher Nolan vergleichen. Beide Filme bieten keineswegs eine realitätsnahe Geschichtswelt, unterstützen den Zuschauer jedoch (in den meisten Fällen) in seiner willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit durch einen dezenten, unübertriebenen und sinnvoll eingebetteten Umgang mit dem Unglaubhaften.
Ich denke, dass dieses Thema sich im Rahmen der neuen Runde ein wenig anders behandeln lassen wird, allein durch die Tatsache, dass wir ein anderes Spielsystem gewählt haben, welches Magie als solches nicht vorsieht. Durch die Paranormologie ist das Thema jedoch noch nicht vom Tisch. Ich bin jedenfalls gespannt.

B. Metagame: Der Spielleiter als Spielmacher

Ich bin fasziniert, dass im Rahmen unserer Runde tatsächlich das Thema Railroading aufgetaucht und zur Diskussion gestellt worden ist, auch wenn die Frage danach im Zusammenhang mit spielleitergeführtem Rollenspiel vermutlich unausweichlich ist. Es war zum Teil erleuchtend, zum Teil aber auch awesome ([ehr]furchterregend), wie ausführlich Du Dein Schienennetz vorgestellt hast, um die Handlung der Geschichte funktionieren zu lassen. Trotz Deiner solchen konzeptionellen Hilfsmittel ist es mir als Spieler jedoch im Verlauf des Spiels nicht in den Sinn gekommen, die Entscheidungen meines Charakters oder die meiner Mitspieler(charaktere) als solche Weichensteller zu verstehen. Insofern empfinde ich Deine Offenheit etwas zweischneidig: Zum einen bin ich froh, wie viel Strukturarbeit unserem Spiel von Deiner Seite aus zu Grunde liegt, zum anderen ist mir etwas unwohl ob meiner Enttäuschung des spontanen Spielleiters (Enttäuschung im positiven Sinne; von einer Täuschung befreit zu werden). Ich habe meine Unwissenheit bezüglich Deiner Spielleiterstrukturen genossen, aber ebenso genieße ich die Einblicke, die ein solches gemeinsames Werk erst ermöglichen.

Ich habe bereits in einer früheren Kritik erwähnt, dass ich es als sehr positiv finde, wie unsere Spielfiguren in Deiner Kampagne mehr sind, als nur das Mittel zum Zweck, Deine Geschichte zu erzählen. Ich möchte erneut festhalten, dass Deine Fähigkeit, Deine Geschichte um unsere Charaktere zu entwickeln bewunderns- und absolut dankenswert ist. Es fühlt sich als Spieler in Deiner Kampagne so an, als ob die Gedanken und Ideen, die in den eigenen Charakter gesteckt werden, wertgeschätzt und in das Spiel integriert werden. Trotzdem gelingt es Dir, die Geschichte voranzuführen und den Verlauf nicht aus den Augen zu verlieren.

Du hast zu Beginn der Runde an einer Stelle betont, dass unsere Charaktere im Vordergrund des Spiels stehen sollen. Das ist natürlich ein wertvolles Zugeständnis für jeden Spieler, vor allem weil Du dadurch erst solche Ausreißercharaktere wie Schwester Hermene, Samuel Weißdorn und Alfred Nobel erst ermöglichst. Auf der anderen empfinde ich diese Ansicht nur als halbe Wahrheit; schließlich gibt es wenig unbefriedigenderes, als auszuspielen, wie Conrad auf eine Geschichtsprüfung lernt, Carl seinen Kasernendienst leistet, Samuel seine Vorlesung vorbereitet oder Alfred seine Rezepte dokumentiert. Erst durch Deine entsprechende (teilweise sogar Über-!)Forderung Deiner Spieler und deren Charaktere kann es erst gelingen, dass die Figuren in den Vordergrund treten können, und dies hast Du zweifelsohne immer mit einem Blick auf deren Besonder- und Eigenheiten getan. Umsomehr ist es bewundernswert, wie Du aus bereits wenigen Hintergrundinformationen es geschafft hast, die Figuren in Deine Geschichte einzubetten. Dabei denke ich beispielsweise an Alfreds Hintergrund, den ich Dir formal lange vorenthalten habe, die Figur Donald Munros, dessen Schottentum nahtlos in die Ereignisse des Spiels eingefädelt worden sind, und die Geschichte Samuels, der so unfassbar viel greifbares geliefert hat, sodass (zumindest für mich) die Gefahr bestand, den Uberblick über die Figur zu verlieren. Zwei Dinge also, zum Ersten hat man in Deiner Runde die Möglichkeit, einen Charakter selbst gestalten und ausleben zu können, und zum Zweiten entlohnst Du es Deinen Spielern damit, dass sie echten Fuß in Deiner Geschichte fassen und nicht als austauschbare Figuren dastehen. Diese gegenseitige Erwartungshaltung und Erfüllung ist für mich unfassbar wertvoll.

C. Mitspieler und deren Charaktere

Ich habe eine gewisse Faszination für jeden meiner Mitspieler gewonnen. Ich finde es angemessen, wenigstens diejenigen, die es bis zum Schluss gemeinsam durchgehalten haben, einzeln zu behandeln. Unabhängig davon möchte ich festhalten, dass das inhaltliche Niveau unseres Spiels und unseres Umgangs außerhalb des Spiels in meinen Wünschen nicht hätte höher sein können. Ich bin sehr dankbar darum, wie sich unsere Interaktion in- und outgame entwickelt hat.

Samuel Weißdorn:
Meine Neugier hat es mir nicht erlaubt, die Hintergrundgeschichte Samuels ungelesen zu lassen. Damit habe ich mir natürlich bis zu einem gewissen Maße die Überraschungen genommen, die hinter Samuel stecken, aber im wesentlichen sind die Hintergründe von Samuel Weißdorn in dieser Spielrunde noch nicht ins Wesentliche getreten. Das liegt sicher an Deinem späten Einstieg, wird aber in der zukünftigen bestimmt in einen Vordergrund treten.
Als Spieler fiel es mir schwer, Deine Absichten mit einem solchen Charakter zu verstehen. War es für Dich eher ein Experiment, die Möglichkeiten des Gelogenen auszuprobieren? Oder stand erst die Idee im Vordergrund, einen Blender und Täuscher zu spielen, ganz nach dem Vorbild von Frank Abagnale? Es ist jedenfalls sehr spannend gewesen, wie sich Samuel in verschiedenen Situation beholfen hat.
Die Rolle des Dozenten der Psychophysik ist in meinem Verständnis eine hohe Herausforderung für einen Blender, schließlich ist die Physik kein Fach, in welchem man mit Leichtigkeit eine Expertise vortäuschen kann. Insofern war es interessant zu beobachten, wie echte Fähigkeiten von Samuel sich mit vorgetäuschten mischen konnten. Ich würde mir von diesem schmalen Grat gerne mehr für die nächste Runde wünschen!
Eine formale Sache noch, die mir aufgefallen ist, behandelt ein wenig das Metaspiel Deines Charakters. Ich glaube, beobachtet zu haben, dass wir beide eine sehr ähnliche Art haben, Rollenspiel im systematischen Sinne zu behandeln, indem wir unsere Charaktere als Problemlöser verstehen. Dies macht sich beispielsweise im Min-Maxing (als Gegenbegriff zum Powergaming) bemerkbar: Ich habe Alfred zu Beginn dieser Runde extrem auf seine Stärken ausgebaut und ihn als Intelligenz- und Wissensmaschine gebaut, Samuel war ein ungeschlagener Lügner - ich habe bisher noch nicht solche Werte gesehen, wie Du sie gewürfelt hast. Ich verstehe Dein Bedürfnis also, eine maximale Gewissheit auf Erfolg in den Fähigkeiten zu haben. Auf der anderen Seite habe ich mich in einigen Spielsituation von der Art und Weise Deiner (bzw. Samuels) Lösungsmethode überrumpelt gefühlt. Der Bluff in der vor dem Herrenhaus zur Verteidigung vor dem Tortionnaire hat für mich ein gutes Maß an Überwindung gekostet, um es angemessen in den Rahmen der Situation einzubetten, ebenso hat mich der forsche Auftritt Samuels im Schreibzimmer Friedrichs überfordert, als er versucht hat, ihn zu provozieren. Ich habe dementsprechend das Gefühl, dass Samuels Art und Weise, die Probleme zu lösen, zum Teil auf einer Metaspielebene funktionieren, in der Gewissheit, dass ein Bluffwurf von ihm in der Regel den besten Wert liefern wird - auch wenn "Bluffen" in jeglicher Form der Situation eventuell nicht dienlich sein könnte. Ich habe mich insofern bei Samuel ein wenig an die Redewendung "Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel." erinnert gefühlt. Lag eine solche Repräsentation des Charakters in Deinem Sinne als Spieler, oder ist die Interpretation vor allem meiner (voreingenommenen) Wahrnehmung geschuldet?

Conrad Rosenstock:
Für mich ist Conrad im Sinne unserer Runde als Vorspiel des Deutsch-Dänischen Krieges der eigentliche Protagonist. Ich bin absolut Begeistert ob der Entwicklung, die sich in Conrad im Laufe der Runde dargeboten hat. Als Idealist der frühen Runde und treuer Freund des preußischen Leutnants entwickelte Conrad sich zum Loyalisten gegenüber dem vermeintlichen Herzog friedrich, nur um am Ende als tragischer Patriot in seinen Idealen und Vorstellungen niedergeschmettert zu werden. Es ist natürlich unfassbar schwer, über einen so langen Zeitraum, wie wir ihn gespielt haben, eine zusammenhängende Darstellung einer solchen Entwicklung zu bilden. Hinzu kommt ebenso, dass wir als Spieler zu Beginn dieser Runde über die Entwicklung der Ereignisse nur spekulieren konnten und uns selbst erst in ihnen zurechtfinden mussten, um darauf zu reagieren. Aber in Retrospektive ist es Dir mit Deinem Charakter gelungen, die Geschichte eines ehrenvollen Idealisten und nationalstolzen Patrioten zu erzählen, der auf Grund von Täuschungen und Enttäuschungen seien Gefühle für seine Loyalität überdenken musste.
Zudem ist für mich wichtig gewesen, dass Conrad als deutlicher Gegenpol zu Carls militärischer Ordnung und Alfreds wirtschaftlicher Kühle das emotionale Element dieser Runde darstellen konnte. Natürlich rutscht man teilweise in die entsprechend freien Rollen in einem solchen Spiel hinein, um nicht redundante Charaktere zu erstellen, aber der ehrliche Umgang mit Conrad und Conrads Gefühl hat mir überaus gefallen und hat mir geholfen, die von Menthir gewünschte Problemfrage des Nationalismus nachzuvollziehen. Für mich waren ausreichend viele Elemente vorhanden, um an meiner Interpretation festzuhalten.
Abschließend möchte ich betonen, dass es eine besondere Freude für mich war, Alfred mit Conrad kooperieren zu lassen. Auch wenn eine solche Einstellung nicht unbedingt die spannendestens Szenen schafft, bin ich ein sehr harmoniebedürftiger Spieler. Dementsprechend hat es mir immer sehr viel Spaß gemacht, Alfred und Conrad interagieren zu lassen. Ich hatte das Gefühl, dass beide Figuren sich gegenseitig etwas geben und einander wirklich helfen wollten und es auch konnten. Insofern war es für mich schnell selbstverständlich, Conrad gerne in der Nähe von Alfred halten zu wollen. Ich hoffe, der letzte Beitrag im Spiel hat die Wertschätzung Alfreds gegenüber Deinem Charakter auf die kühle und distanzierte Art des Schweden immerhin ein wenig zu Genüge getan.

Carl von Lütjenburg:
In unserer gemeinsamen Spielzeit stellte ich mir Carl oft als den Paladin unserer Gruppe vor. Der Archetypheld, der strahlend bereit ist, in jeder Not Ausschau zu halten und zu Hilfe zu eilen, und dessen Loyalität gegenüber seiner Wahlheimat Feind und Freund definiert. Obwohl Gesinnungen in unserer Runde keine echte Rolle gespielt haben, habe ich mich bei Dir oft gefragt, wie Du die Bezeichnung einer "rechtschaffen guten Gesinnung" für Carl interpretieren würdest. In den wenigen Instanzen, in denen ich selbst rechtschaffen gute Charaktere zu spielen versucht habe, stand ich immer vor dem Dilemma, ob "die Rechtschaffenheit" des Charakters, welche man je nach Szenario als Loyalität, Frömmigkeit, Ehrerbietung o. ä. interpretieren kann, oder "das Gute" (bei welchem mir die Interpretation meist viel schwerer fiel) im Vordergrund steht. Und viel mehr noch, ob eine solche Akzentuierung eines der beiden Konzepte überhaupt notwendig ist. In meiner Beobachtung von Carl von Lütjenburg fällt es mir, nach Abschluss dieser Runde, jedenfalls schwer, ein eindeutiges Urteil zu fällen.
Loyalität ist für Carl, wie auch für Conrad, ein höchstbedeutendes Thema. Es ist jedoch interessant, dass Carls Loyalität auch auf einem gewissen Pragmatismus besteht. Insofern stand es für ihn außer Frage bei Ankunft des Majors von Stiehle dessen Auftrag anzuerkennen und sich ihm in den Dienst zu stellen. Der Patriotismus bzw. ein gewisser Nationalismus Carls gegenüber (Schleswig-)Holstein war spätestens nach dem Zeitpunkt, an welchem Carl Friedrichs Mittel abgelehnt hatte, nicht erkennbar, wohl aber deutlich seine Loyalität gegenüber Preußen. Eine sehr ironische Szene, wie ich fand, vor allem wenn man bedenkt, dass Carl in der Szene noch Holsteiner Uniform trug.
Ich muss gestehen, ich hätte mir gewünscht, dass die ideologische Diskrepanz und die Unterschiede der Loyalität zwischen Conrad und Carl in der letzten Begegnung bei Herzog Friedrich eine größere Rolle gespielt hätte. Nicht, um wie oben erwähnt, Konflikte zu schüren, sondern um die Grenzen abzustecken, die auftreten können, sobald die entsprechenden Charaktere Entscheidungen treffen müssen. Menthir hat die Funktionsweise seines Spiels auf Entscheidungen basiert und diese als wichtigstes Mittel zur Erzählung der Geschichte gewählt. Ein letzter Moment, in dem sich zeigt, dass der strahlende Soldat der Geschichte in vollem Pathos doch nicht der glorreiche Held für das Schleswig-Holsteinische Volk sein würde, und wie sich diese Enttäuschung (wieder in obigem Sinne) im Bild des gebürtigen und loyalen Holsteiner Sohn entwickeln würde - das wäre allergrößste Sahne gewesen. Aber mein Hirngespinst ist auf allerhöchstem Niveau; ich habe Carl von Lütjenburg genossen und bin froh, mit ihm in Paris weiterspielen zu dürfen. Ich glaube nur, dass Du Dich als Spieler nicht davor hättest Scheuen müssen, Carl am Ende der Geschichte vielleicht doch als Antagonisten für Schleswig-Holstein darzustellen. Es wäre eine bedeutender Moment für den Charakter und die Geschichte geworden.

D. Der eigene Charakter: Alfred Nobel

Meine Motivation, einen historischen Charakter in einer Rollenspielrunde zu interpretieren, war aus verschiedenen Gründen belegt. Zum einen war es für mich ein Hilfsmittel, mich in einem geschichtlichen Umfeld zurechtzufinden und einen Ausgangspunkt zu haben, zum anderen aber auch, um den Umgang mit Überlieferungen und Geschichte zu lernen. Zu Beginn der Runde war meine Interpretation Alfred Nobels noch sehr willkürlich und hat sich oft aus spontanen Eingebungen ergeben. Im Verlauf des Spiels hat sich mein Interesse für die Person gesteigert, wodurch ich viel Zeit mit Recherche im Internet verbracht und gegen Ende sogar meine kleine karge Hausbibliothek mit 5 Biographien über den Mann und seine Arbeit erweitert habe. Ich weiß das Lob von Menthir diesbezüglich tief zu schätzen, möchte mich dafür bedanken und kann es guten Gewissens annehmen - schließlich steckt auch eine gewisse Menge an Arbeit in meiner Vorstellung von Alfred Nobel. Aber trotzdem: Das Lob bedeutet mir besonders viel. :)
Ich möchte ehrlich gesagt gar nicht allzu viele Worte über die Motivation und mein Verständnis über den Charakter verlieren, außer, es gibt tatsächlich konkrete Fragen oder Anregungen von Eurer Seite. Falls dem so ist, möchte ich dazu gerne Stellung nehmen oder Antwort geben.

E. Highlights & Lowlights

Highlights

Lowlights
Hier möchte ich auf die humorvolle Darstellung von oben verzichten, sondern nur kurz zusammenfassen:
  • Die Geschichte um Donald Munro war leider sehr enttäuschend. Der Spielleiter hat dabei hervorragende Arbeit geleistet, die Figur in die Geschichte einzubetten, doch leider ist es dem Spieler nicht gelungen, in unsere Runde reinzufinden.
  • Die Geisterkutsche nach Gut Emkendorf stinkt mir bis heute noch als billige Deus Ex Machina Lösung. Ich habe versucht, sie einigermaßen sinnvoll durch Emils Legende herzuleiten, bin jedoch immer noch nicht glücklich darüber.
  • Die Szenen im Haus von Frau Borggrefe waren großartig, andererseits werde ich mir in Zukunft nicht mehr verzeihen, 21 Zeilen darüber zu schreiben, dass mein Charakter den Raum untersucht.

(F. Sonstiges)
Ich bin - vorerst - am Ende. Ich möchte noch ein Mal allen Mitspielern und dem Spielleiter für eine faszinierende, wertvolle und unvergessliche gemeinsame Zeit danken. Ich wünsche uns allen, dass sie uns allen lange und gut in Erinnerung bleibt, und hoffe auf eine lange weitere gemeinsame Zeit in unseren Gedankenspielen. :)
 1. Zwei schöne, wenn auch natürlich nicht für bare Münze zu nehmende Beispiele findet man in dieser Gegenüberstellung der Rassen und Kulturen aus der Computerspielreihe Elder Scrolls mit realhistorischen Vergleichen zusammengestellt von 4chan/v/ und in dem folgenden Artikel über die filmische und kulturelle Inspiration zur Star Wars Saga.
« Letzte Änderung: 23.09.2013, 19:49:48 von Alfred Nobel »
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Menthir

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Interpellation
« Antwort #14 am: 05.09.2013, 17:13:25 »
Interpellation vom Spielleiter

Kritiken sind immer ein schwieriges Geschäft, gerade im Bereich der virtuellen Räume, wo uns viele Methoden der Parasprache verloren gehen. Verzeiht also, wenn ich diese Kritik versuche möglichst nüchtern und direkt zu formulieren. Mir geht es dabei darum, dass unterschiedliche Kritiken nicht zu viele unterschiedliche Interpretationen hervorrufen, deswegen werde ich versuchen an Ironie, Sarkasmus oder an zu einer enthusiastischen Formulierung zu sparen. Gerade den Enthusiasmus einzudämmen fällt mir sehr schwer, da die Runde mir sehr gut gefallen hat. Andererseits bin ich - und ich denke, dass es durch die vielen Stunden, die wir im schriftlichen Austausch standen klar geworden - kein Mensch wehender Flaggen und tosender Fanfaren.
Ich schreibe die Kritik in relativem Fluss runter. Es kann durchaus sein, dass mir im Laufe der Zeit noch weitere Punkte einfallen. Für die werde ich dann aber einen zweiten Beitrag machen. Ich bin kein professioneller Kritiker, dementsprechend seht mir bitte kleinere Fehler und Vernachlässigungen nach.

Meine Kritik wird drei große Bereiche umfassen:
  • Meine Sicht auf das Szenario
  • Eure Charaktere im Einzelnen
  • Das Zusammenspiel

Meine Sicht auf die Kampagne

Wer nur nach dem Namen der Kampagne gegangen wäre, hätte sicher eine falsche Erwartung von dieser Runde bekommen. Und das will ich positiv herausstellen. Kampagnen oder Szenarien, die sich mit so schwierigen Themen wie Nationalismus beschäftigen, sind schwer umsetzen oder schwer mit Akzeptanz zu versehen, weil gerade für den deutschen Staatsbürger das Thema Nationalismus ein sehr sensibles ist. In den Vereinigten Staaten oder in Frankreich - wo es ohne Zweifel auch viele kritische Stimmen gibt - wäre es in der Gesamtakzeptanz vielleicht dennoch etwas leichter. Von daher bin ich dankbar, dass ihr dieses Experiment mit mir gewagt habt. Damit fair und kritisch umzugehen ist erfahrungsgemäß schwer. Viele erliegen gleich dem Verdacht ein Mensch wehender Flaggen zu sein oder verteufeln es von vornherein direkt und machen damit jede Auseinandersetzung, egal ob kritisch motiviert oder nach subjektiver Meinung gerichtet, unmöglich. Dass ihr recht offen damit umgegangen seid und dem Ganzen eine Chance gegeben habt, ist die Voraussetzung dafür gewesen, dass aus dieser Runde überhaupt etwas werden konnte.

Methodisch ist die Runde wieder unter den spielerischen Experimenten anzusiedeln und das Pathfinderregelwerk wurde weitestgehend für ein Spielgefühl genutzt, welches nicht im primären Einzugsbereich der eher archetypischen Spielrunde ist. Viele meiner Spieler kennen diese Haltung meinerseits inzwischen schon, dass dieses eher ungewöhnliche Nutzen nicht mehr so überraschend gewesen sein dürfte. Dennoch habe ich mich dieses Szenario auch für kurze Kampfszenen entschieden, weil sie mir für das Szenario passend erschienen. Dabei waren alle Kampfszenen jedoch nicht so konzipiert, dass sie von den Spielercharakteren ausgehen mussten oder auf die Aggression der Spielercharaktere setzten, sondern alle Kampfszenen waren Szenen der Verteidigung und des Überfalls. Ich denke, dass sie insofern im Gesamtbild passend erschienen.

Als Szenario haben wir uns in die Bereiche alternative Geschichtsläufe begeben. Wir haben einen Sonderfall der Diplomatie bedient, der nachweisbar nicht in der Art stattgefunden hat und trotzdem, so denke ich, nahtlos in die Geschichte gepasst hätte, wären die Voraussetzungen leicht angepasst. Ich denke, trotz der phantastischen Züge und der eher ungewöhnlichen Charakterzusammenstellung, wirkte das Szenario an sich glaubhaft durch die wahre Ausgangsposition des Deutsch-Dänischen Krieges. Alle abseits der Vertragsgeschichte im Spiel als Fakten präsentierte Fakten, durch ihre Fußnoten erkennbar, sind historisch weitestgehend korrekt gewesen. Wo mir die Geschichte Interpretationsspielraum zugestanden hat, habe ich sie im Sinne des Spiels genutzt. Ich habe versucht, die vorgekommenen, real-existierenden Personen der Geschichte nach besten Wissen und Gewissen darzustellen und sie an ihre Vorbilder, so ihr Charakter bekannt war, anzupassen. Dass die Professorenschaft Kiels auch an einer zweiten Erhebung in der Form teilgenommen hätte, ist frei erfunden. Viele der Professoren hatten sich bereits mit dem preußischen Vorgehen nach 1848 abgefunden und versuchten innerhalb des dortigen Systems alternative Meinungen zu etablieren oder sich in diesen Grenzen zu agitieren. Es wäre möglich gewesen, dass sie dem hätten beigestanden, aber das ist eine reine Spekulation. Der eigentliche 48-er Aufstand war gebrochen und seine Helden, wie die Ohlhausens, waren ausgewandert oder bereits tot (Dahlmann). Dennoch denke ich, dass die Geschichte hier insofern gedient hat, dass Szenario, trotz seiner Phantastik und ungewöhnlichen Konstellation, plausibel zu gestalten. Wenn man die Magie streicht, ist die Qualität vielleicht fast so, dass der Unbedarfte sich denken könnte: Ja, so hätte es tatsächlich sein können, damals im Dezember 1863.

Des Weiteren haben wir diese Runde etwas mit Magie gewürzt. Ich habe mich dabei dafür entschieden, Pathfinder in seiner Gänze zuzulassen, um niemanden seinen Spielstil vorschreiben zu müssen. Die meisten magischen Nutzungen haben sich dabei sehr schön in das atmosphärische Ganze eingefasst. Diese Impulse kamen aber letztendlich vor allem von der Spielerseite, weil ich selbst etwas schüchtern im Anwenden von Magie war. So habe ich das Szenario selbst relativ magielos betrieben, mal ab von dem merkwürdigen, magischen Stab, den der Scharfschütze benutzte (er nutzte auch Zauber wie True Strike). Ansonsten habe ich weitestgehend auf Magie verzichtet und mich für einen magielosen Ansatz entschieden in vielen Fällen. Gerade in Bezug auf den hauptsächlichen Gegenstand, der gefälschte Vertrag, hätte ein übermäßiges Nutzen von Magie einen ganzen Teil des Reizes genommen - so empfinde ich es - und auch abseits des normalen Menschenverstandes, mit dem diese Aufgabe auch gelöst wurde, gegebenenfalls eine gewisse Überforderung bewirkt. Diese Überforderung ist nicht auf eure intellektuellen Fähigkeiten bezogen - ganz im Gegenteil! - sondern auf das jeweilige Zeitmanagement eines jeden Spielers. Wir haben viele Spieler mit vielen Aufgaben im Leben abseits der Runde gehabt, und deswegen empfand ich es als eine Zumutung, die Spieler auch noch die Zauberdatenbanken durchgehen lassen zu müssen, damit sie eventuelle magische Implikationen herausfiltern konnten, zumal ein Großteil der Spielcharaktere auch kein Interesse an Magie hatten oder es maximal als normales Werkzeug nutzten. Insgesamt fand ich das sehr positiv, da sich so irgendwann ein Maß an Magie herauskristallisierte und somit die Atmosphäre unterstützte. High-Magic wäre sicher unpassend gewesen, auch wenn es sicher Spieler gibt, die sich eine magische Industrialisierung eher wie auf Eberron vorstellen.

Für mich war die Atmosphäre das stärkste Element im Spiel. Ich konnte mich sehr gut in die Szenen reinversetzen und auch in eure Charaktere, was daran lag, dass ihr die Atmosphäre nicht nur mitgetragen habt, sondern sie auch beständig ausgebaut habt. Atmosphäre entsteht genau dann, so meine ich, in einem Onlinerollenspiel, wenn der Spielleiter sich nicht zu schade ist, auf die kleinen, situativen Andeutungen zwischen oder in den Zeilen der jeweiligen Spielercharaktere einzugehen und so Dinge zu betonen oder auszusparen, die ein atmosphärisches Bild verzerren könnten, und wenn die Spieler sich nicht zu schade sind, eben auch auf das vom Spielleiter angebotene Rahmenprogramm, abseits von Dialog und direkter Ansprache, einzugehen. Das habt ihr sehr häufig oder eigentlich immer getan, sodass durch den Dialog zwischen Spielleiter und Spieler ein enges atmosphärisches Geflecht entstand, welches in alle Richtungen wachsen konnte und so eine Menge von Szenen erschaffen hat, die ich nicht vergessen werde (auf die werde ich später noch eingehen).
Die Atmosphäre wurde zum tragenden Element für mich, es ist aber auch gut möglich, dass diese Atmosphäre sehr unterschiedlich bewertet oder wahrgenommen wurde. Ich selbst habe die Atmosphäre so empfunden, dass viel mit unterschwelliger, lauernder Gefahr gearbeitet wurde, die in seltenen Situationen greifbar wurde, damit sie nicht abstumpfte. Deutlicher formuliert bedeutet dies, dass unter anderem die Söldner durch die unterschiedlichen Verwicklungen und Angriffe stets eine Gefahr blieben, selten eben auch angriffen, und somit eine legitime Gefahrenquelle durch das ganze Spiel waren. Gleichzeitig empfand ich das Spiel mit Zeitdrücken deutlich fühlbar. Etwas, was nachher in Alfreds Entscheidung, mit der magischen Kutsche nach Emkendorf zu eilen, kulminierte. Ich denke, eine Uhrzeit mitlaufen zu lassen, ist eine einfache Methode, aber im Zusammenhang mit der entsprechenden Sprache sehr wirkungsvoll. Ich hoffe, diese drängende, gestauchte und von lauernder, greifbarer Gefahr geprägte Atmosphäre ist auch von euch so empfunden wurden.
Ein zweiter Part der Atmosphäre bestand in dem Versuch euch in das 19. Jahrhundert zu entführen. Letztendlich habe ich dort aber nur halbe Mühe nutzen müssen, weil ihr nicht in das 19. Jahrhundert entführt werden musstet, sondern es lieber gleich gefangenengenommen und mitgebracht habt. Ich denke in Bezug darauf, war es eine großartige Entscheidung, eine historische Persönlichkeit in der Spielgruppe zu haben. Auch das Nutzen von NSCs aus der Zeit war sehr hilfreich, aber nicht so hilfreich, wie die Tatsache, dass ihr euch sehr erfolgreich darum bemüht habt, Geisteshaltungen des 19. Jahrhunderts in die Spielwelt zu tragen. Also Carl als typischer Preuße, Conrad als Student und halber Industrieller, Alfred Nobel als Wissenschaftler und Erfinder und Samuel mit seiner Psychophysik beispielsweise. Bei allen Charakteren ließen sich noch deutlich mehr Nuancen und deutliche Erscheinungen finden. Ich brauchte dies also nur zu ergänzen, was mir diese Aufgabe leicht machte, es so darzustellen.
Und als dritter Part für die Atmosphäre waren die Lokalitäten von Bedeutung, denke ich. Kiel und Gut Emkendorf sind mir selbst gut bekannt, sowohl in ihrer physischen Präsenz als auch in ihrer jeweiligen Geschichte. Das beinhaltet jedoch immer die Gefahr, sich schnell zu vertun. Bspw. etwas als bekannt vorauszusetzen, weil man jeden Tag daran vorbeigeht, und dabei zu schnell verdrängt, dass nicht alle Spieler sich in Kiel auskennen. Auf dieser Sorge aufbauend habe ich versucht, viele Eigenarten Kiels und seiner Umgebung durch Links und Fußnoten zu präsentieren. Ich denke, dass zumindest teilweise auch für Fremde greifbares Lokalkolorit dabei rausgekommen ist. Für mich war es auf jeden Fall in Sachen Atmosphäre eine Hilfe.

Wer meine Runden kennt, weiß, dass ich mich darum bemühe, dass die Entscheidungen der Spieler Impact haben, und dass ich in meinen Runden keine eingleisige Strecke verlege, aber auch nicht vollends improvisiere. Es gibt keinen roten Faden, sondern ein kleines Geflecht aus polychromen Fäden, ein komplexes Muster, in dem es gerade in Bezug auf ein Szenario unmöglich ist, allen Faden zu folgen. Oder wenn wir beim Railroading als Begriff bleiben wollen. Ja, es gibt eine Gleise, aber es gibt viele Gleise und die Spieler stellen die Weichen genauso wie der Spielleiter sie stellen kann. Ich hoffe, dass dieses Gefühl deutlich geworden ist und möchte gerne kurz eruieren, welche anderen Pfaden es hätte geben können, d.h. eine Auswahl präsentieren, was hätte möglich sein können. Diese Möglichkeiten werde ich nicht ausformulieren, aber es tauchen Fäden auf, die ihr zumindest kurzfristig in der Hand gehalten habt.
  • Wäre der Vertrag vorher den Behörden übergeben wurde, hätte das Spiel eher den Kampf mit behördlichen Zwängen und der Diplomatie zwischen Botschaften widergespiegelt.
  • Über Donalds persönlichen Ansatz wäre eine vorherige Auflösung der Braunschweiger-Sache möglich gewesen. Baker machte doppeltes Spiel und Donald hatte eine verschlüsselte Nachricht zu Beginn übersendet bekommen, die er entschlüsseln sollte. Der Auftrag lautete, den Braunschweiger für die Söldner zu töten.
  • Schwester Hermenes Ansatz schlief wegen Kaymans Ausstieg leider ein, aber auch Carl und Conrad hätten darauf zurückkommen können. Nämlich die exakte Geschichte von Marius Pedersen hätte auch zu den Söldner geführt.
  • Genauso wäre es möglich gewesen, dass ihr in irgendeiner Szene beschließt, die Söldner längerfristig zu bekämpfen. Bspw. nach den Angriffen, oder auch proaktiv in einer Ruhephase, oder beispielsweise bei eurem letzten Aufbruch von Kiel nach Emkendorf, als ihr Nocerino noch begegnet seid.
  • Nicht zuletzt wäre auch, auch wenn diese Möglichkeit am weitesten entfernt war, ein Ausgleich mit den Söldnern möglich gewesen. Auch diese Gruppe stand unter enormen Druck.
  • etc.
Vielleicht könnte man noch mehr Pfade auftun, aber das soll für eine Auswahl reichen. Ihr habt euch für den Weg des Vertrages entschieden und ich denke, das war eine spannende Entscheidung. Es hätte anders ausgehen können und dürfen, auch wenn ihr mit dem Verlauf sehr zufrieden bin. Auf der anderen Seite habt ihr nicht nur Entscheidungen getroffen, die andere Türen zuschlugen oder manche Dinge sicher auch übersehen (das ist keine negative Kritik, das ist einfach notwendig bei komplexen Runden), sondern auch ich habe das gemacht. Darauf will ich aber in Bezug auf eure Charaktere eingehen.

Ebenso wie ich eine Runde der Weichenstellungen spiele und den Spielern sehr viel Gestaltungsmöglichkeiten einräume, sind auch meine Endbegegnungen eher atypisch. Durchaus kann ich bisweilen auch genießen, wenn eine Runde sich so aufbaut, dass es am Ende einen Endboss gibt und man diesen zu Fall bringt mit Feuerkraft, aber meine Runden enden in den seltensten Fällen so. Runden können mit Endboss enden, aber ich empfinde es nicht als Pflicht. Runden müssen unterschiedlich enden. Rundenfinals dürfen keine Routine sein, in der man seine Taktik abspult und vielleicht einen etwas schwereren Kampf vor der Brust hat. Ein Finale muss auch nicht immer spektakulär knallen, wohl aber muss es als entscheidende Zäsur im Spiel erkennbar sein. Ich habe mich diesmal für den letzten Kampf um den Vertrag entschieden und für ein geheimdiplomatisches Geplänkel, in der Kaiserrunde damals hatte ich mich für eine andere Szene entschieden. Dort hatten alle Spieler die Chance, sich zu opfern, um dem Land noch ein paar Jahre funktionierendes Ökosystem zu schenken, wenn man so will. Es sind sicher atypische Entscheidungen und nicht jede hinterlässt immer ein absolutes Gefühl des Sieges. Dies hat Alfred schön in seinem letzten Beitrag dargestellt. Aber ich denke, es war als deutliche Zäsur zu erkennen und mal eine ganz andere Abschlussbegegnung als die meisten von uns erlebt haben dürften.
Sehr schön fand ich den argumentativen Einsatz in diesem letzten Gefecht, welches sicher wegen der unterschiedlichen Positionen, die auch ihr Spieler hattet, nicht ganz einfach war. Mir hat dieses Finale sehr gut gefallen, gerade weil wir auch hier wieder von der Atmosphäre profitieren konnten. Würden die Söldner angreifen? War der Herzog zu überzeugen? Wer zieht seine Trümpfe zuerst? Wer zu früh? Wer zu spät? Fangen die SCs an ein gemeinsames Ziel zu verfolgen oder verfolgen sie unterschiedliche Ziele? Gerade zur letzten Frage will ich im letzten Punkt noch etwas schreiben.

Außerhalb des Spiels empfand ich den Umgang zwischen uns als sehr angenehm und zuvorkommend. Ich war als Spielleiter wie immer wenig streng, und habe sehr viel zugelassen statt restriktiv in den Ideen zu sein, weil ich etwas unpassend finde oder finden könnte. Ich habe mich mit unterschiedlichen Dingen arrangiert, die ich nicht so getan hätte oder an die ich gar nicht gedacht hätte. Und fast alle stellten sich als gute Entscheidungen raus, bspw. dass Alfred eine historische Person spielt oder dass Samuel einen Makeshift-Dozenten spielt.
Das Spieltempo war unter dem Strich sehr in Ordnung. Wir hatten gewisse Phasen der Pause, aber auch Phasen enormer Aktivität. Diese Phasen - was mich besonders freut - waren hier wahrscheinlich kein Ausdruck von Langeweile oder erhöhter Aktivität, weil sich gerade jemand besonders angesprochen empfand, sondern waren wirklich vom Trubel abseits des Spiels gesteuert. Ich denke, ein besonderes Qualitätsmerkmal entsteht nicht dadurch, dass die Leute nur etwas schreiben, wenn sie sich beschwingt fühlen, sondern  Qualität ist das, was wir zu leisten imstande sind, wenn wir einen langen, schlechten oder stressigen Tag hatten. Und ich denke, jeder von uns hat für diese Runde auch vielfach auf die Zähne gebissen, selbst wenn er sich nach danach fühlte und hat trotzdem viel in die Beiträge gelegt und trotzdem hervorragende Beiträge geschrieben, also im wahrsten Sinne des Wortes Qual-ität bewiesen. Und ich denke, dass ist die besondere Leistung, durch die ich mich am meisten geschmeichelt fühle. Dass diese Runde in diesem Zusammenspiel so wahrgenommen wurde, dass sie es wert ist, dass man sich viele Gedanken um sie macht, lange in zurückliegenden Ereignissen recherchiert und eben Stunden mit dem Schreiben eines Beitrages verbringt.
Für das Zeitmanagement war sehr wichtig, dass wir aus dem Rad des Wartens ausbrechen konnten und schnell eingebürgert haben, dass wir uns abmelden, wenn wir keine Zeit haben oder OOC schreiben, wenn wir auf die Reaktion von jemanden warten. Das hat dieses qualvolle Warten ausgeschaltet.
Die Beitragsqualität war durchgehend von guter bis herausragender Qualität im Schnitt. Zum Ende hin wurden alle Beiträge fast schon unverschämt lang und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, so detailliert darauf eingehen zu müssen. Das war eine ganz große Herausforderung, der ich nicht immer voll gerecht werden konnte, aber an der ich definitiv gewachsen bin.
Begeistert bin ich davon, dass wir nach meiner zwangsläufigen Pause keine Spieler mehr verloren haben, sondern alle wieder sofort an Bord waren. Insgesamt haben wir vier Spieler verloren mit Richard von Bregnitz (der vor Spielbeginn schon verschwunden war), mit Schwester Hermene, Karl Schreiber und Donald Munro. An dieser Stelle nochmal mein Dank an diese Spieler, dass sie zumindest einen Teil des Weges mitgegangen sind und diese Runde auf ihre Art bereichert haben. Ich werde in Bezug auf das Eingehen auf die Charaktere darauf verzichten, ihre Charaktere nochmals zu bewerten. Sie haben letztendlich keine Rolle mehr gespielt, hätte es aber durchaus können, wenn sie gewollt hätten. Ich denke, dass wir letztendlich dennoch eine stabile Truppe waren, die alle Rückschläge gemeistert hat.

Ich habe euch aber auch eine ganze Menge zugemutet an Content außerhalb des Spiels. Ich war ein schlechter Dienstleister als Spielleiter, weil ich viel der Zusammenhänge und ergänzenden Erklärungen nicht selbst geleistet habe, sondern dafür vor allem Wikipedia oder andere Quellen durchsucht werden mussten. Ich habe dabei vor allem oberflächliche Informationswerkzeuge genutzt und keiner musste wirklich Quellenstudium betreiben, aber eben schon über das Spiel hinausgehen. Das ist etwas, was ich in der Kaiserrunde begonnen hatte, und als sehr effektives Mittel kennengelernt habe, und eben auch meine Faulheit unterstreicht, aber bei der Tiefe der Runde ungemein hilfreich ist. Insofern ist dies auch Teil des Experiments gewesen. Welche Spieler würden darauf eingehen und dieses Wissen für sich nutzen? Wer beschränkt sich auf alle Erkenntnisse innerhalb des Spiels? Wer versteckt sich hinter den Ingame-Erkenntnisse, wer wird da sogar proaktiv?
Auch das ist eines der Vorteile der Pseudo-Historie. Der Spielleiter ist nicht alleine dafür zuständig, dass die Welt sich den Spieler erschließt. Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass die meisten Phantasiegebilde nur durch eine Person gespiegelt-verzerrte Wahrnehmungen unserer Welt mit geklauten Phantasieelementen sind. Das hat mir viel meiner Lust an normalen Phantasierunden genommen. Inzwischen hat sie sich etwas regeneriert, aber grundsätzlich gilt, je mehr Personen am Kanon einer Welt arbeiten, desto spannender ist sie, weil sie die Bandbreite menschlichen Denkens viel besser abbildet als ein bis fünf Menschen es können. Es gibt Möglichkeiten. Und viele Infos geben die Möglichkeit sich auch unabhängig zu informieren, und darauf basierend eigene Entscheidungen treffen zu können. Ich denke, das war für die Spieler auch einfacher. Sie konnten sich leichter überlegen, wie sein wollen und müssen das nicht immer mit dem Spielleiter abklären ins Detail. Kann es dies geben? Wieso gibt es jenes nicht?
Nicht zuletzt ist es arbeitstechnisch gar nicht zu schaffen, eine Runde mit Tiefe bereitzustellen, wenn man jede Info selbst generieren muss. Meine Kaiserrunde profitierte, obwohl Fantasy, davon, dass ihre Gesprächsthemen einfach der Philosophie entnommen waren. Und so wussten Spieler und Spielleiter auch, wovon sie sprechen. Es macht das Arbeiten einfacher. Anders würde es wohl sein, wenn alle Beteiligten gemeinsam die Spielwelt entdeckten und mitprägen können, aber das erfordert viel Bereitschaft und Interesse. Denn die Tiefe einer Runde hängt an allen. Und wenn die Spieler durch das Wissensmonopol des Spielleiters außen vor ist, ist es meist blockiert.
Und vielleicht bin ich als SL auch einfach für pseudo-historische Runde geeignet, weil ich selbst sehr viel Spaß daran habe.

Insgesamt war die Runde in ihrer Form wieder ein Experiment. Es wollte sich mit Nationalismus auseinandersetzen, aber auch mit Geheimdiplomatie und welche Verlockung auf Macht damit einhergeht. Diese Themen sind bearbeitet wurden. Ich bin sehr, sehr zufrieden mit dem Verlauf und dass wir sie beenden konnten. Obwohl sie sicher kein Rekord für Beitragsanzahl brechen wird, dürfte sie in Sachen Tiefe und Inhaltslänge ganz oben mitspielen. Ich denke, das ist eine Leistung, auf die wir stolz sein können.
Mir selbst hat die Runde sehr viel Spaß gemacht, ich habe mich gut aufgenommen gefühlt und fühlte auch, dass die Runde sehr gut angekommen ist.
Warum ziehe ich das Fazit jetzt schon, wenn noch zwei große Punkte fehlen?
Weil dies nur mein Teil ist. Und um ehrlich zu sein, war die Runde nicht der Star, sondern die Spielercharaktere waren es. Deswegen will ich meine Sicht auf die Kampagne hiermit beenden und als nächstes auf die Spielercharaktere eingehen. Dort gibt es auch, so denke ich, am meisten von mir an mir selbst zu kritisieren.

Eure Charaktere im Einzelnen

Grundsätzlich will an den Anfang gestellt sein, dass ihr etwas geschafft hat, was in den meisten Runden einen Mangel darstellt. Eure Charaktere sind Charaktere. Sie sind weder nur handelnde Zahlen, noch Handeln sich nur anhand von Metagame-Notwendigkeiten und im Rahmen von Vorteilen, die das Regelsystem offenbart. Sicher spielen diese Überlegungen auch eine Rolle und das ist auch innerhalb des Systems absolut in Ordnung, aber ich habe sehr selten das Gefühl gehabt, dass die Erwägungen des Metagames ranghöher stünden als die Charaktere, sondern dass sich die Meta-Erwägungen fast immer komplementär zum Charakter verhielten. Damit ist mein Herz schnell zu gewinnen, da ich gerne mit den Restriktionen und Möglichkeiten eines Systems spiele und gerne sehe, wie Spieler das System nutzen oder eben umnutzen. Oftmals habe ich dabei beobachtet, dass die Systemebene immer über der Charakterebene stand, und hier ist es so, dass ich das als komplementär empfand. Wenn Spieler sich über die Grenzen eines Systems erheben, es für sich nutzen, aber sich nicht davon beschneiden lassen, kommt sowas raus. Das ist sehr erfreulich.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum mir eure Charaktere gefallen haben. Wie gesagt, haben sie erkennbar Charakter gehabt. Das bedeutet, sie hatten eigene Ziele, eigene Wertvorstellungen, eigene Motivationen und einen eigenen Kopf (soweit haben das noch viele Charaktere, die so gebaut werden), und ihr habt dafür gesorgt, dass diese Eigenheiten der Charaktere immer wieder durchscheinen, sie an dem Spielverlauf und den jeweiligen Szenen gespiegelt. Dadurch wirken diese grundsätzlichen Pläne bezüglich der Charaktere (also Motivation, einen Kopf etc. zu haben) lebendig und werden mit der Zeit auch lebendig. Das ist etwas, was alle eure Charaktere als Orden am Revers tragen dürfen. Wie bei der letzten Interpellation bereits beschrieben, empfinde ich eure Charaktere auch als facettenreich. Dieser Eindruck hat sich bestätigt. Eure Charaktere sind weder eindimensional, noch versuchen sie so viele Facetten zu besetzen, dass sie beliebig wirken. Wenn man das auf einer Skala abdecken würde, könnte man sicher sagen, dass manche Charaktere mehr Facetten als andere haben (so denke ich, dass alleine konzeptuell Samuel versucht hat, mehr Dinge abzudecken charakterlich als Carl dies getan hat), aber darüber lässt sich noch wenig über die Qualität dessen sagen. Alle Charaktere besaßen auf jeden Fall genug Abwechslung und genügend Tiefe, sodass mich die Einsichten in ihren Charakter nicht gelangweilt haben und das Verfolgen der Charaktere Routine werden.

Im Folgenden möchte ich auf jeden eurer Charaktere aber noch im Speziellen eingehen.

Samuel Weissdorn: Ich möchte mit einer Selbstkritik beginnen. Ich habe deinen Charakter funktionell sehr stark eingebunden (in die Dozentenschaft), allerdings habe ich deiner sehr vielversprechenden Hintergrundgeschichte nicht weiter in das Spiel eingebunden. Der Grund dafür liegt darin, dass ich auf das falsche Pferd gesetzt habe. Es befand sich in der Planung, dass deine Vergangenheit gegebenenfalls eine Rolle spielt, aber das hatte ich an mehr Umgang mit den Söldner geknüpft. Dadurch ist sehr viel deines Charakters in dieser Runde nicht in der Form zum Vorschein gekommen, wie dein Hintergrund es nahegelegt hat. Das tut mir in der Hinsicht leid, da mein Timing da auch relativ ungünstig war, da du nicht unendlich viele Szenen erlebt hast, seit du ins Spiel eingetreten bist. Am Ende war ich auch unwillig, noch einmal einen Bogen aufzuzwingen, um diese Möglichkeiten noch einmal aufzugreifen (es fühlte sich richtig an, es jetzt zum "Showdown" kommen zu lassen). Dadurch kann man mir zurecht vorwerfen, dass dein Charakter der war, auf den die Kampagne am wenigsten abgestimmt war, was seine innere Konflikte anging. Ich habe versucht, dass funktionell etwas zu substituieren, aber das Gelingen kann ich nur beurteilen, wenn ich deine Meinung dazu kenne.

Die Qualität deiner Beiträge ist hoch und du neigst auch dazu, wenn du die Möglichkeit siehst, lange Beiträge zu schreiben. Das tust du so, dass es mühelos wirkt. Viele andere Spieler schreiben lange Beiträge, weil andere lange Beiträge schreiben, doch sind sie häufig langatmig und wirken gekünstelt. Ich finde gut, dass du da in der Beitragslänge variabel bist und eben scheinbar mühelos auch gute, lange Beiträge beitragen kannst. Als kleine negative Kritik jedoch: Ich glaube, dass du viel aus dir und deiner Empfindung heraus schreibst (das ist nicht schlimm), aber darüber manchmal deiner spielerischen Umwelt weniger Beachtung widmest. Vielleicht war es auch ein Sonderfall deiner besonders guten Werte oder der undurchsichtigen Zeitsituation auf deiner Arbeit geschuldet. Auf jeden Fall wären viele deiner Vorstöße deutlich effektiver gewesen, wenn du deine sehr guten Werte auch mit den Entwicklungen direkt in den Szenen verbunden hättest. Du warst da sehr mutig im Vorgehen, was ich gut finde, allerdings wirkte es genau in den Szenen, in denen du auf die hohen Werten vertraut haben könntest, so, als wäre Samuel etwas kopflos gewesen.
Das ändert aber nichts daran, dass ich Samuel für einen sehr interessanten Charakter halte und ich mich darauf freue, in welcher Form er im zweiten Teil auftauchen wird. Ob es Samuel bleibt oder gar eine neue Identität.
Es haben mir sehr viele Szenen und Beiträge gut bis sehr gut gefallen, besonders schön fand ich die Umsetzung der Vorlesung. Das war eine klasse Szene, die ich sicher in die Hall of Fame, der von mir erlebten Szenen im ORPG einreihen werde. Sehr schön konzipiert und ein sehr fragliches Thema hübsch aufgebreitet. Besonders spannend finde ich, dass ich rauszufühlen glaubte, dass Samuel selbst eigentlich vergessen hat, wer er ist und diese Identitäten Selbstschutz sind und man quasi darauf wartet, wann diese Vielzahl über ihn zusammenstürzt. Genauso schön fand ich, dass Samuel sich dabei selbst immer als ziemlich elitären Typen wahrzunehmen scheint. Zumindest lässt auch das Textmaterial zwischen den Aussagen diesen Schluss zu. Das war spannend, weil es ihn teils auch sehr unsympathisch wirken lässt, als könnte alles Ungemach ihm nichts und er hätte nie Aktien drin. Der Abschlussbeitrag umfasst dieses nochmals sehr schön.

Conrad Rosenstock: Du hast die kürzesten Beiträge geschrieben, aber wie schon mehrfach betont, liegt in der Länge kein alleinstehendes Qualitätsmerkmal. Ich habe damals geschrieben, dass du auch deswegen sehr wichtig für die Runde bist, da du immer versuchst hast, den Rahmen des Ganzen im Auge zu behalten. Du hast immer ein Auge für Details bewiesen und viele kluge Anstöße geliefert, entweder per direkter Rede oder in deinen Beiträgen an sich enthalten. Das konnte ich bis zum Ende sehr schätzen.

Jetzt im Finale musstest du etwas kürzer treten und dennoch muss ich konstatieren, dass du meinem Wunsch entsprochen hast, auch mal etwas von der Gefühlswelt deines Charakters preiszugeben. Als du das vor dem Herzog ausgepackt hast, war das ganz großes Kino und eine der Szenen dieser Spielrunde! Vielleicht wirkte es auch erst durch die normale Distanz von Conrad so überragend, auf alle Fälle eine schöne Szene. Auf der anderen Seite hat es mir manchmal Rätsel aufgegeben. Das lag vor allem an mir, da ich auch Conrad als Charakter nicht persönlich ansprechen konnte. Ich habe es mehrmals über die Schiene deines Vaters probiert, indem ich deinen Vater direkt in die Waffenlieferungen an die Söldner involviert habe. Auch das wäre ein weiterer Ansatzpunkt gewesen. Vielleicht hast du es auch für die Nobels etwas auf die lange Leiter gestellt. Deswegen habe ich dich letztendlich nicht so tief einbinden können, wie ich eigentlich wollte. Ich denke, dass du dich dennoch wohl gefühlt hast und du hast trotzdem eine sehr wichtige Rolle gespielt.

Besonders hervorheben möchte ich dabei deine Fähigkeit einfach ingame und outgame sehr wichtige Fragen zu stellen. Ich denke, dass sie für die Richtungsfindung von außerordentlicher Bedeutung waren und vor allem auf immer der ganzen Spielrunde, mich eingeschlossen, geholfen haben, sich ein Bild von der Runde und dem Rahmen zu bilden.

Ich bedauere es sehr, dass du das Gate aus persönlichen Gründen verlässt. Kann diesen Schritt aber nachvollziehen. Da du davon ausgehst, dass du nicht wiederkehren wirst, scheint es ernsthafte Gründe zu haben und die möchte ich respektieren, auch wenn ich sie nicht kenne. Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Lebensweg und bedanke mich herzlich, dass du alle meine Projekte als Leser oder als Spieler bekleidet hast! :)

Carl von Lütjenburg: Archetypen sind spannend, wenn sie alles zusammenbringen, was man mit dem Archetyp verbindet und sie trotzdem ein eigenes Leben haben, eigene Ziele haben, sich also nicht auf den Archetyp versteifen, auf der anderen Seite aber auch nicht versuchen, alles zu sein und dabei nur das Gewand des Archetypen zu tragen. Du hast diesen Archetypen des preußischen Offiziers mit viel Leben gefüllt, ohne jetzt jede nachgesagte Eigenart mitnehmen zu wollen. Carl hatte eine sehr interessante Position für die Spielrunde, weil er nicht nur Preuße, sondern eben auch Holsteiner war. Weil er nicht nur Soldat, sondern auch Bursche war. Das hatte sehr viel Potenzial und du hast sehr viel davon abgeschöpft. Gegen Ende des Spiels hätte ich mir gewünscht, da du dich sehr deutlich für Preußen entschieden hast, dass du deine Rolle als Bursche nochmal mit in die Waagschale geworfen hättest. Aber das natürlich nur ein Jammern auf hohem Niveau.

Carl hat sich sehr stark entwickelt im Laufe des Szenarios. Obwohl als willensstarker Vorprescher konzipiert, denke ich, dass er noch nicht von vornherein mit diesem Aufopferungsgedanken in der Formulierung ausgestattet war. Carl ist damit zu einem Vorkämpfer auch für die Gruppe geworden. Dementsprechend haben diese Szenen auch bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Szene auf der Solros, aber auch der todesmutige Einsatz vor dem Gut Emkendorf haben diesem schön Ausdruck verliehen und gehören ebenso in die Hall of Fame.

Deine Qualität ist auch hoch bis sehr hoch. Du bist stetig dabei und bringst die Runde auch stets voran. In der Hinsicht kann man sich nicht viel mehr wünschen. Was ich mir manchmal gewünscht hätte, wären vielleicht mehr emotionale Darstellungen von Carl. Ich denke, dass dort noch Potenzial war, gerade weil Carl so ein beinharter Nationalist ist. Diese Fragen nach dem Fundament des Nationalismus werden sich im zweiten Szenario noch eine wichtige Rolle spielen.
Andererseits war Carl für diese Runde aber auch atmosphärisch sehr wichtig, weil er den Nationalismus der Zeit, diesen harten Patriotismus immer vor Augen der Runde gehalten hat. Etwas, wozu ich als Spielleiter nicht durchgängig fähig gewesen wäre. Das war mir eine große Erleichterung. Den Stil, den ich eigentlich in die Runde bringen wolltest, hast du erst wirklich gebracht.

Ich freue mich auf den zweiten, gemeinsamen Part.

Alfred Nobel: Positionen können sich verschieben und haben sicher etwas mit den Verantwortlichkeiten und gefühlten Verantwortlichkeiten zu tun. Alfred hat letztendlich einen Weg gewählt, der ihn sehr in das Zentrum des Geschehens rückte und ihn zum Bindeglied der Gruppe macht. Das ist bei weitem keine leichte Aufgabe, erst recht nicht, da du auch abseits des Spiels viele Dinge auf dem Schirm hast. Dadurch haben sich auch die Positionen verschoben. Während im ersten Part Carl der Leader der bestehenden Gruppe war, war es im Schlussteil Alfred, wenn man da eine Zäsur sehen will. Aber auch in einer zweiten Hinsicht hat es einen Positionswechsel gegeben. Im Laufe der Zeit hast du - wie du auch selbst geschrieben hast - immer mehr Zeit mit den Recherchen verbracht und auch outgame die Zusammenhänge immer mehr aufbereitet als Conrad zeitlich das nicht mehr so stark einbringen konnte. Diese Funktion ist innerhalb eines Spiels sehr wichtig und notwendig, gerade wenn es um komplexe politische Darstellungen geht. Insofern warst du in beiden Positionen sehr vorbildlich, die dir auch ein bisschen aufgrund deiner erspielten Position zugefallen sind. Viele scheuen davor und verschwinden dann  jedoch schnell, du hast dir die Zeit genommen und diese Position ausgelebt. Mein höchstes Lob dafür.

Die Darstellung und die nach den bekannten Schriften sehr enge Auslegung von Alfred Nobel haben wir mehrfach besprochen und doch werde ich auch dort nicht müde, dies zu loben. Das war für mich ein umfassendes Highlight dieser Runde, obwohl ich zu Beginn ja andere Vorstellungen hatte. Zuerst wollte ich nur Burschenschafter, am Ende gab es nur noch zwei und hauptsächlich andere Charaktere. Aber diese Öffnung hat dem Spiel gut getan und hat geholfen, das Spiel zu diversifizieren. Deine Darstellung hat mich auch davon überzeugt.
Allerdings hat es auch einen Rattenschwanz gegeben, mit dem ich nicht immer ausreichend klar gekommen bin. Emil war abseits seiner Rolle für den Vertrag von meiner Seite sehr blass, du hast dich zuletzt versucht, ihn etwas weiter einzubinden und ihn manchmal als Instrument genutzt. Letztendlich sind Leadershipsachen für das Onlinespiel nicht ganz einfach, da ich auch in der Runde vorher schon meine Liebe Not damit hatte. Meine Sorge ist schnell, dass diese SL-SCs eine größere Rolle spielen als die SCs, und das kann nicht mein Ziel sein. Deswegen nutze ich sie leider etwas zu wenig.

Insgesamt stand Alfred nachher sehr im Fokus. Das lag aber auch zum Teil an den Gesamtentscheidungen, aber sicher auch an der Macht dieses Gegenstandes. Wenn man mir dort etwas vorwerfen könnte, dann dass das Gleichgewicht in der Gruppe durch solche Entscheidungen etwas belastet ist und diese Entscheidungen nicht immer fair sind. Du hast da aber teils gegengesteuert, in dem du auch den Ausgleich mit den Mitspielern gesucht hast und sie quasi ein Teil auch in die Verantwortung genommen hast oder die anderen Charaktere dorthingehend auch auf Alfred zugekommen sind. Also bspw. Conrads Angebot an Nobels Seite zu stehen oder zum Schluss das Angebot an Carl, oder Samuels Gegenangebot.

Ich habe dementsprechend eigentlich keine negativen Punkte auf der Liste. Du hast viel von Alfred freigegeben, hast seine Launen und Gefühlslage beschrieben, bist tief in den Charakter vorgedrungen und hast das nach außen getragen. Vielleicht ist dies ein Vorteil, dass du ein alternativer Biograph durch die Runde geworden bist. Auch durch das Einlesen in Alfred Nobel hast du dir mehr Gedanken um die Persönlichkeit gemacht als man sich aus dem Bauch für einen Charakter macht. Selten hätte man sich ein etwas fixeres Tempo gewünscht, aber das war immer klar kommuniziert und deswegen problemlos. Die Qualität steht wie bei allen Mitgliedern der Schlussgruppe außer Frage. Sie waren immer hoch, manchmal auch herausragend.

Ich hoffe, dass Alfred auch beim zweiten Teil dabei ist. Ich kann aber nicht vorhersagen, wie seine Rolle genau aussehen wird. Das wird sicher eine Herausforderung, auch für dich, denke ich. Meine Highlights mit Alfred waren übrigens die Zeit in der Wohnung von Frau Borggrefe und vor allem der große Beitrag, mit dem du die Hoffnungen des Herzoges dem Feuer übergeben hast. Ich habe es im OOC schon beschrieben gehabt, dass dies ein entscheidender Zug war.

Insgesamt: Ich habe letztendlich sehr wenig negativ zu kritisieren. Die wahren Kritikpunkte betreffen meist mich. Und daran ist zu erkennen, dass die Spielercharaktere die eigentlichen Glanzpunkte dieser Runde waren, wie es sich gehört. So ideal habe ich das selten wahrgenommen. Das liegt darin, so hoffe und denke ich, weil sich alle letztendlich in der Runde wohl fühlten. Ich brauchte also nur, wie es meiner Ansicht nach für einen Spielleiter sein soll, die Bühne stellen. Ihr habt das sehr gut wahrgenommen und ich kann mich nur bedanken für diese Runde und eure wirklich sehr spannenden Charaktere. Der Satz, der es nach wie vor für mich am besten zusammenfasst, ist: Eure Charaktere waren Charaktere! :)
Sehr schön fand ich auch, dass ihr manchmal die Gründe des Handels eurer Charaktere offenbart habt oder Gedankengänge offengelegt habt. Das ist sehr fair und war gerade in eurer Gruppenkonstellation mutig und freundlich. Desbezüglich bleibt ein Punkt allerdings noch offen, nämlich der des Zusammenspiels eurer Charaktere. Und dieser Punkt ist mir ein längeres Schlusswort wert, das noch folgen wird.

Das Zusammenspiel

Wer Diskussionen zu Rollenspielen liest, wird gewisse Diskussionen mit wiederkehrendem Konfliktrisiko sofort wiedererkennen. Das sind zum einen Gesinnungsdiskussionen, aber zum anderen Diskussionen dazu, wie es mit dem Teamwork zu halten ist innerhalb der Gruppe, oder ob Spieler vs. Spieler erlaubt sein sollte und wie weit das gehen darf. Wenn ich also an so einer Diskussion teilnehmen sollte, werdet ihr künftig mein schlagenstes Argument sein. Ich denke, wir haben hier etwas sehr Ungewöhnliches erlebt. Ich habe gerne das berühmte Bild[1] verlinkt, wie ich mir das Zusammenspiel vorstelle. Ich halte nichts von Gruppenzwang, aber ich halte genauso wenig davon, dass alle Spieler immer auf ihren Charakter und dessen Meinung beharren. Und jenes hat in dieser Runde so gut geklappt, dass ich selbst noch gar nicht so wirklich wahrhaben will.

Eure Charaktere waren sehr unterschiedlich und haben unterschiedliche Positionen gehabt. Das Finale hat es sehr gut gezeigt. Conrad hatte Hoffnung, dass der Herzog eine hilfreiche Person wäre und dem Land helfen könnte, da er Patriot Holsteins war. Carls Loyalität lag bei Preußen. Alfred wollte Frieden, aber eben auch seine Haut und die seiner Familie retten und sein Geschäft errichten, und Samuel stand in der Szene deutlich auf Seiten der Dozenten. Vier unterschiedliche Positionen, die auch immer wieder vorher deutlich worden und dennoch ein einträchtiges Spiel. Keine Versuche die anderen Spieler anzugehen, weder ingame noch outgame. Es waren unterschiedliche Ansichten, aber durch die Tiefe der Charaktere war auch eine gewisse Empathie für die jeweiligen Charaktere gegeben. Und wenn Empathie gegeben ist, lassen sich Entscheidungen nachvollziehen und leichter tolerieren, selbst wenn man sie nicht akzeptiert; oder sie lassen sich gar akzeptieren. Und so verwundert es mich nicht, dass wir ein Finale haben, in der es kein absoluten Sieger gibt, aber eben auch - meine Wahrnehmung - keinen wirklichen Verlierer. Es ist in gewisser Weise ein Anerkennen der Fakten und ein Kompromißeingehen. Aber ein ehrlicheres als einfach eine Gruppe zusammenzuzwingen.

Und genau hierhin finde ich eure Abschlüsse auch hervorragend. Dass ihr Anknüpfungspunkte sucht, obwohl ihr nicht auf heile Welt tut. Dass ihr Anknüpfungspunkte gefunden habt, obwohl bei vielen die Meinung auch früh klar war und es erkennbar war, in welche Richtung es gehen würde. Niemand musste sich verraten fühlen. Jeder hatte Chance zur Verwirklichung und wenn es auf Zusammenarbeit ankam, wie in Verteidigungsfällen (siehe Gefangennahme Alfreds, oder der Kampf auf Emkendorf etc.), war dieses Gruppenspiel gegeben. Und keiner musste in der Gruppe seine Identität aufgeben, nur um verträglich arbeiten zu können. Und auch das macht gute Charaktere aus für eine solche Runde. Niemand stellte seinen erdachten Charakter über die Vernunft, nur um einen dicken Kopf zu bewahren und niemand warf den anderen unnötig Steine in den Weg.

Ich könnte in so einer Diskussion nicht wirklich festlegen, woran das lag, deswegen muss ich dort spekulieren. Ich denke, zum einen an der dargestellten Offenheit der Charaktere. Da sie alle etwas über sich aussagten, statt einfach nur zu handeln, konnte man sich mit den Charakteren identifizieren. Zum anderen glaube ich, dass die Spieler sich wertgeschätzt haben. Des Weiteren spielt der allgemein lockere, freundliche und doch ernsthafte Umgang miteinander dort eine wichtige Rolle gespielt hat, das zu ermöglichen. Rücksichtnahme spielt eine wichtige Rolle und das habe ich hier erfüllt gesehen und ich bin sehr dankbar dafür.

Ausdruck dessen ist bspw. Alfreds Beschreibung seines Handelns dem Herzog gegenüber. In Runden, in denen kein Grundvertrauen zwischen den Spielern herrscht, würde man nicht auf diese Idee kommen. Es lässt den "Gegnern in der Gruppe" die Möglichkeit, direkt darauf zu reagieren oder gegebenenfalls Steine in den Weg zu legen. Wir haben mehrfach erlebt, dass Einblicke in die Charaktere oder die jeweiligen Arbeitswerkstätten gegeben wurden. Das ist sehr praktisch und war für die Runde ungemein hilfreich. Nicht umsonst trug ich eine Zeit lang die Signatur: „Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen.“

Nach dieser Runde kann ich also ohne Schmerzen sagen: Es muss kein reines Teamplay sein, und es muss kein reines SC vs. SC sein, sondern ein unverkrampfter Umgang damit und das Wissen, dass man sich als Spieler nicht auf Teufel komm raus mit dem nächsten Streiten will. Es gibt diesen Runden ganz andere und sehr spannende Möglichkeiten, in dem man Entscheidungen unter dem Deckmantel seines Charakters treffen kann, ohne dafür alles an Spiel opfern zu wollen oder zu müssen. Sicher ist es hier auch sehr ideal gelaufen, aber ich habe keinen Neid, und keinen Ärger registriert und das freut mich sehr. Das ist aller Ehren wert und Ausdruck eines guten Spielklimas.

Meine Person: Diesmal werde ich abschließend wenig zu mir schreiben. Die beim letzten Mal aufgefassten Kritikpunkte sind weitestgehend erhalten geblieben. Die von mir ausführlich beschriebenen Probleme - hier zu finden [Vorsicht, ist sehr lang!] - gelten nach wie vor. Ich will nur kurz sagen, dass ich an sich sehr zufrieden bin und freue mich auf eure Kritiken, damit ich weiter davon lernen kann.

Abschlussbetrachtung: Was soll ich noch schreiben? Was soll ich noch sagen? Wir haben eine lange Zeit miteinander verbracht und sicher eine ganz ungewöhnliche Zeit miteinander vertrieben. Ich habe viel mitgenommen, vor allem was das Pacing einer Runde angeht und was die Ausfälle von Spielern betrifft. Ihr habt mir aufgrund eurer Mühe einen recht einfachen Job gemacht, sodass ich mich um den Rahmen kümmern konnte und viel Zeit mit den Beobachtungen dieser Runde verbringen konnte. Ich habe viel über kreative Prozesse gelernt und auch viel über die von uns bespielte Zeit. Und ich nicht zuletzt habe sogar viel über meine eigene Heimat gelernt. Vor allem aber durfte ich Zuschauer und Mitglied einer Spielrunde sein, die in dieser Zusammensetzung sehr ungewöhnlich war. Ungewöhnlich in der Hinsicht, dass ich wohl noch nie so eine Qualität zusammenhatte und diese Qualität auch so stetig blieb. Dass hinter vielversprechendem Anfang nicht eine Runde lauerte, die bestenfalls mediocre war, sondern dass sie tatsächlich nach anhob und anhob und anhob, bis sie zum Finale auf einem Niveau war, welches so hoch war, dass es zu erstreben nur ungesund sein kann. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Vom Gefühl her war es die beste Onlinerunde, die ich je gespielt habe. Zwar ist es erst meine zweite beendete Runde im Gate, doch trotz meines noch jungen Alters feiere ich im Dezember das 13. Jahr in Onlinerollenspielen. Und so eine geschlossene Runde kannte ich bisher nicht. Es wird schwer werden, diese erwachsenen Erfahrungen nicht auf neue Runden zu spiegeln. Und dass diese Furcht erwächst, ist ein hervorragendes Qualitätsmerkmal. Aber was daran nicht zu vergessen ist: Es war keine Runde, die nur von Arbeit geprägt war, sondern für mich von sehr, sehr viel Spaß. Beim Überlegen, beim Fragen beantworten, beim Beitragen, beim Lesen eurer Beiträge. Und dennoch bin ich schwer beeindruckt, dass ihr euch eben auch Mühe mit der Runde gemacht habt. Dass ihr euch durchgebissen habt, wenn es abseits der Runde mal schwer war oder wenn es innerhalb der Runde nach Arbeit wirkte (die Zusammenfassungen kurz vor dem Finale bspw.). Und das hat mir die Motivation gegeben, mich in diese Runde einzugraben und viel daran zu arbeiten. Ein Geben und Nehmen. Dementsprechend - so nüchtern ich sein wollte - muss ich konstatieren, dass ich sehr, sehr glücklich mit dieser Runde war und sie mir ewig in Erinnerung bleiben wird.

Ich möchte schließen mit einer Kekspyramide für euch. 10/10 Kekse. Vielen Dank.

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« Letzte Änderung: 05.09.2013, 23:50:43 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social